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8. Juli: Naked Raven (AUS)

Naked Ravenzur Pressekritik

In Zeiten, in denen auch die Musikbranche überwiegend nach dem Motto „Höher, Schneller, Weiter“ verfährt, lernt man Künstler, die der Schnelllebigkeit der medialen Welt ganz bewusst die Zeitlosigkeit ihrer Musik entgegensetzen, besonders schätzen.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 15 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 17 Euro

Ein Kritiker schrieb über die Musik des australischen Quintetts einmal, sie sei so schön und klar, dass es fast ein bisschen weh tue. Oft surrealistische oder assoziative Texte in behutsamen, fast zärtlich anmutenden Arrangements - die Musik von Naked Raven wendet sich an das innere Outback.

In der 1994 gegründeten Band aus Melbourne treffen fünf musikalische Individualisten zusammen. Musikalischer und lyrischer Kopf des Ensembles ist der Gitarrist Arne Jansen, der für seine Mitstreiter auch gern in die Pianotasten greift oder die Perkussion spielt. Die Violinistin Stephanie Lindner, Cellistin Anne-Christin Schwarz und Perkussionist James Richmond bringen eine klassische Ausbildung mit und spannen den Bogen zum Pop. Der dunkle warme Sound des Cello zaubert filigrane Melodiebögen über einen subtil groovenden Teppich aus Perkussion und Gitarre – und darüber die glasklare und ausdrucksstarke Stimme der Sängerin Janine Maunder.

Naked Raven setzten eigene Standards, ihre Qualität besteht aus Aussage und Atmosphäre. Das Quintett spannt eine Brücke zwischen Kammermusik, Folk und Pop. Charakteristisch sind Soundscapes aus Klängen, die filigran und kunstfertig vielschichtige Assoziationen heraufbeschwören. Dies erinnert an die Dramatik einer Allison Goldfrapp oder Tori Amos.

Die Arrangements sind wie geschaffen für die Musiker, deren unterschiedliches Temperament in kongenialer Zusammenarbeit mündet. Das Cello mit warmen, vollmundigen Melodielinien, die Violine lässt sich zu eigenwillig gefärbten Single Notes hinreißen. Spannende und schöne Musik. Im Rhythmus der Zugvögel verbringen die australischen „Raben“ den europäischen Winter in ihrer Heimat, arbeiten in Melbourne an neuen Liedern und Alben, um diese dann im Sommer in Europa vorzustellen.

Vielleicht liegt darin das Geheimnis der geradezu traumwandlerischen Sicherheit, mit der diese Musiker in den Konzerten eine elektrisierende Atmosphäre herstellen, die an sternenklare Sommernächte erinnert.

 
Atmosphäre mit Mehrwert
Naked Raven überzeugte im Kasseler Kulturzelt mit stimmungsvoller Musik für Kenner und Genuss-Hörer

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Ein kluger Kopf hat einmal das Geheimnis guter populärer Musik auf den Punkt gebracht: Sie ist mehrschichtig. Man kann ihr in einer Analyse auf auf die Schliche kommen oder man genießt sie einfach. Mit diesem Geheimnis verzauberte die australische Band Naked Raven bei ihrem mittlerweile dritten Kulturzelt-Auftritt die zahlreichen Zuhörer. Die Feingeister des Pop, wie sie an dieser Stelle vor zwei Jahren genannt wurden, schlugen wieder dezent zu.

Der Mix aus Pop, Folk und Kammermusik nimmt zunächst durch seine Atmosphäre ein. Es handelt sich größtenteils um Musik zum Träumen, um Klänge fürs Kopfkino, um einen Auslöser elegischer Stimmungen. Hinzu kommen versteckte Kunstkniffe als ästhetischer Mehrwert. Gegen Ende des Songs “Brave” von der CD “Holding Our Breath” gibt es etwa eine Schichtung zweier Gesangslinien nebst einer Violin-Gegenstimme. Wer dabei in die abwegige Versuchung gerät, die Taktschläge mitzuzählen, muss bis fünf zählen, da der Song noch dazu in einem ungeraden Metrum steht.

Die Band stellte auch Songs ihres neuen, exzellent produzierten Albums “Never Quite” vor. Hitverdächtiges ist der Sängerin und Songwriterin Janine Maunder vor allem bei dem locker groovenden “Here With You” gelungen. Präsentiert wurden die Lieder von Naked Raven - Janine Maunder (Leadgesang, Piano), Stephanie Lindner (Violine) und James Richmond (Percussion) - und ihren Mitmusikern Anne-Christin Schwarz (Cello), Arne Jansen (Gitarre) und dem singenden Überraschungsgast Rod Davies mit der Gewandtheit eines perfekt eingespielten Teams.

Höchst angenehm war, dass die taub machende Pop-Devise “Musik nur, wenn sie laut ist” nicht galt. Und eine besondere Klasse hatten erneut die Percussionskünste von James Richmond: Wie viele Musiker können aus einer simplen Begleitung auf der Djembé-Trommel ein Wunder an Eleganz machen?

Von Georg Pepl / HNA

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