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CèU (Brasilien)

Vagarosa

Jul ’10
25
19:30

CèULange schaute man in Brasilien erstaunt auf die Elektro-Bossa-Welle ; die Synthese, die die Europäer da aus Tropenrhythmen und Technologie in den letzten Jahren gebastelt hatten. Einige Zeit dauerte es, bis mit Suba, mit Bossacucanova und schließlich auch mit Bebel Gilberto im Heimatland von Samba und Bossa Nova die Verzwirbelung von neuen Bits und alten Beats Fuß fasste. Doch nun ist auch auf der anderen Seite des Atlantiks kreative Blütezeit angesagt. Maria Do CéU Whitaker Poças, kurz CéU (sprich: SÄ-u, zu deutsch: Himmel!), nennt sich das neueste Stimmenwunder aus Sáo Paulo, das Samba-Grooves mit TripHop, Lounge, Dub, Jazz und Funk poliert. Wer die barcelonesische Nubla mochte, der wird von CéU hochbegeistert sein. Diese Musik ist – der Rückverweis auf ihren Namen liegt nah – einfach nur “himmlisch”. Geschickt umschifft Cèu die Klischees, lässt sich nicht auf sirenenhaftes Hauchen oder auf die überstrapazierte Drum’n’Bossa-Masche ein. Stattdessen gibt es eine feinziselierte Gratwanderung.

DiCèUe Grooves sind nie elektronisch überladen, sondern beziehen ihre Energie aus organischer Trommelarbeit oder aus dem samba-angelehnten Groove der akustischen Gitarre. Espritvolle Effekte und Scratches kommen von Synthesizer und Turntable, dazu bläst eine kleine Hornfraktion gedämpfte jazzig-soulige Linien, teils konterkariert von fernen Backgroundstimmen. Darüber fliegt ihre helle Stimme, sinnlich-sanft und katzenartig zuweilen, aber doch ausdrucksvoll und muskulös – mit leichten Anklängen an eine Maria Rita oder Marisa Monte, mal verführerisch und sinnlich, mal eher lolitahaft. Die melodische Substanz ist immer der chromatisch geschwungenen Melancholie der Samba-Melodien verpflichtet, hat auch die funkigen Errungenschaften von Samba Soul-Größen wie Jorge Ben verinnerlicht und kombiniert sie mit Reggae- und Dub-Versatzstücken. Das gipfelt in einer gänzlich unerwarteten Adaption von Marleys “Concrete Jungle”, die – vom Offbeat bereinigt – in neuer Schönheit daherstolziert. Zwischendurch beweist CéU ihre enge Verbundenheit zum Samba- Erbe, indem sie auch mal nur zur Mandoline ihre wehmütigen Verse schweifen, oder in einem fast psychedelischen Umfeld den ominösen Brummtopf Brasiliens, die Cuica klagen lässt.

CéUs fruchtiger Mix besitzt globalen Anspruch, ist trotzdem Samba-Poesie durch und durch – und ihre Stimme hat etwas von der kristallblauen Transparenz eines wolkenlosen Himmels. Cleverer und erotischer hat der Samba des 21.Jahrhunderts sich noch nirgends niedergeschlagen. Geehrt wurde die Sängerin und ihre Band bei den Latin Grammy Awards in der Kategorie “Best New Artists”, der Billboard hat sie in die Liste der Top 10 Newcomer aufgenommen. Die New York Post vergibt vier Sterne für das Album, und von Newsweek über die Libération bis zu O Globo sind die Kritiker allerorten becirct.

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