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13. Juli: Taj Mahal (USA)

Taj MahalKonzertkritik der HNA

Ein Mann mit neugierigen Ohren und einem wachen Geist; und er ist eine der populärsten Figuren des akustischen Blues: Henry St. Clair Fredericks, wie Taj Mahal mit bürgerlichem Namen heisst. Aber er hat auch schon sehr früh begonnen, sich mit ganz anderen musikalischen Stilen zu beschäftigen – von Jazz und Gospel über karibische Rhythmen bis zum Zydeco oder der Musik aus Hawai.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 16 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 18 Euro

Man könnte ihn fast einen Musik-Ethnologen nennen angesichts der vielen Experimente und Aufnahmen, die er mit Kollegen aus fremden Musikkulturen gemacht hat – darunter sein legendäres Album mit dem Kora-Spieler Toumani Diabate aus Mali, in diesem Sommer auch im Kulturzelt zu Gast (9.8.). Sein letztes Projekt galt der Musik Zanzibars, in der sich die Kulturen Arabiens, Afrikas und Asiens auf eindrucksvolle Weise miteinander verbinden.

Der alleinigen Kategorisierung als Blues-Mann wird die komplexe Persönlichkeit Taj Mahals nicht gerecht. Die Musiker, die Mahal für sein künstlerisches Schaffen, sein „musical banquet“, wie er es selbst nennt, finden ihre Traditionen in Indien (Vishwa Mohan Bhatt), in Afrika (Ali Farka Touré, Taarab Orchestra) und in Hawai (Hula Blues Band).

Doch back to the roots: Es wird wieder einmal Zeit, der Essenz des Blues im Süden der USA nachzuspüren. Dies tut Taj Mahal mit seinem Trio. Ein seelenvoll groovendes akustisches Miteinander, mal fröhlich festiv, mal sehnsüchtig-sentimental. Und alle Eindrücke der langen Reisen durch die Kulturen scheinen sich hier zu treffen und ein ganz selbstverständliches und kosmopolitisches Fest zu feiern.

 
Der Meister des Blues
Gitarrist Taj Mahal mit schweißtreibender Show im Kasseler Kulturzelt

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“Ein supa Somma”, sagt Taj Mahal. Der Schweiß fließt in Strömen von der Strohhutkrempe und versickert im Hemd. Was soll’s. Taj Mahal spielt im Kasseler Kulturzelt den Blues, und das ist die angemessene Musik bei dieser Hitze. Taj Mahal, der Blues-Pionier. Henry St. Claire Fredericks, wie er eigentlich heißt, hat den Blues zwar nicht erfunden, aber er hat alle Arten des Blues gespielt.

Vor zwanzig Jahren nannte er seine Musik einfach Blues-Rock-Gospel-Country-Funk. Das war aber noch nicht alles. Abseits des Blues-Mainstreams experimentierte er mit Jazz, Reggae, Calypso, Gospel und Rhythm ’n’ Blues, verschmolz afrikanische und indische Elemente zu einer wahrhaft universalen Musik.

Mit seinem aktuellen Trio besinnt er sich wieder auf die Wurzeln, das Experimentelle lässt er weit gehend weg. Taj Mahals Blues ist nicht traurig, nicht getragen. Der Mann hat Humor, zieht Grimassen, bezieht das Publikum in seinen warmen Gesang mit ein, fegt über die Saiten seiner Gitarre, der er auch mal einen Klaps auf den Po gibt.

Bill Rich lässt den Bass ein wenig zu funky dahinrollen. Schlagzeuger Kester Smith hält sich weit gehend zurück und sorgt gleichwohl für einen treibend akzentuierten Rhythmus. Knapp zwei Stunden feiner Sommer-Blues. Wo sind die Stühle? Man mochte sich im Rhythmus hin und her wiegen, zum ausgelassenen Tanzen lud Taj Mahal nicht gerade ein. Sitzend sich entspannen, genießen und einfach zuhören, das wäre das Richtige bei der Hitze gewesen.

Von Andreas Gebhardt / HNA

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