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14. Juli: Dianne Reeves (USA)

Dianne ReevesKonzertkritik der HNA

Dianne Reeves verfügt über eine der schönsten, vielseitigsten und ausdrucksvollsten Jazz-Stimmen unserer Zeit, und sie gehört zu der kleinen Riege der wirklichen und durchaus glamourösen Jazz-Primadonnen. Good Night, and Good Luck - für ihr jüngstes Projekt gestaltete Dianne Reeves den Soundtrack zum gleichnamigen Film von George Clooney und wurde dafür sogleich mit einem Grammy geehrt. Sie besitzt einen unglaublichen Stimmumfang und bringt in jeder Lage eine Vielzahl von Farben und Modulationen hervor. Sie weiß um das instrumentale ihrer Vokalkunst ohne je andere Instrumente zu imitieren. Dies hat sie gemein mit dem großen Vorbild Sarah Vaughan, der Dianne mit „The Calling – Celebrating Sarah Vaughan“ Tribut zollte.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 20 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 22 Euro

Die Reeves setzt Vaughans Klassiker mit zeitlosen wie modernen Orchester-Arrangements um, schichtet Texturen und widmet sich der untextierten Gesangsimprovisation. Zwei Berührungspunkte mit Sarah Vaughan gab es im Leben von Dianne Reeves. Einmal, gerade 17 Jahre alt, sang sie in der Band von Clarc Terry und im Publikum saß die Grande Dame und soll entzückt gewesen sein. Ein anderes Mal schwärmte Dianne einer älteren Sängerin von ihrem Idol vor, nicht wissend, dass es „Sassy“ höchstpersönlich war, deren Tugenden sie da pries.

Nun, inzwischen wird die renommierte afro-amerikanische Sängerin selbst mit ehrenvollen Aufgaben betraut. Sie ist Professorin der Philharmonie of Los Angeles, für ihre Alben wurden sie im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge mit dem Grammy ausgezeichnet. Und längst hat sie das Erbe legendärer Interpetinnen wie Betty Carter oder Ella Fitzgerald angetreten.

Ihre eigenen Songs zeugen von einer Qualität, der Dianne Reeves mehr als den Ruf einer nachschöpferischen Künstlerin einbringt. Ausgefeilte Arrangements und eine Stimme, die sich ihrer Einzigartigkeit bewusst ist, sind auf ihrer gerade erschienenen Compilation „The Best of Dianne Reeves“ zu hören. Aber auch der einfühlsame Live-Take von Joni Mitchells „River“ treibt Gänsehaut über den Rücken, und Errol Garner wäre stolz gewesen auf das von einem Klaviertrio begleitete und in einem Shirley Horn Balladentempo gemeisterten „Misty“. Die Perlen der Reeves`schen Gesangskunst zeugen von unverwechselbarer emotionaler Essenz.

Dianne Reeves, vocal; Peter Martin, piano; Reuben Rogers, bass; Greg Hutchinson, drums.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall AG

 
Fixstern am Jazzhimmel
Dianne Reeves begeisterte im Kasseler Kulturzelt mit ihrer ausdrucksstarken Stimme

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Auf der Bühne zu stehen und zu singen, ist für sie wie Magie. Und das Leben zu lieben, immer eine Chance, “denn was haben wir sonst für eine Alternative”, sagt sie und strahlt ins Publikum. Dianne Reeves, Fixstern am Jazzhimmel, hat ihre eigene Philosophie – eine, die grundsolide ist und zugleich spirituell. Im Kasseler Kulturzelt schmeichelt sich am Freitagabend die betörende Altstimme der afroamerikanischen Sängerin in die Herzen ihres Publikums: Ein wenig Skat-Gesang, ein wenig Samba und vor allem lasziver, melancholischer Barjazz, mehr braucht Dianne Reeves nicht, um ein Programm bis zum Rand zu füllen.

Denn da ist eben ihre Stimme, die die untextierte Gesangsimprovisation als Quelle schier unerschöpflicher Möglichkeiten nutzt. Die Sängerin mit dem bunt gemusterten Rock, der schwarzen Bluse und der unprätentiösen Ausstrahlung lässt dann ihre Stimme grummeln wie eine Tuba, schmeicheln wie eine Gitarre und trauern wie ein Saxofon. Und ihr kongeniales Trio - drei Jazzer, die zu Beginn mit einem fast zehnminütigen Opening ihre Meisterklasse unter Beweis stellen - fügen ihre Melodieimprovisationen wie ein viertes, ja fünftes Instrument in ihr Spiel ein.

Die Sängerin und ihr Publikum – an diesem Abend im Kulturzelt wieder einmal eine Einheit. Denn die Lady des Jazz braucht noch nicht einmal mit dem Finger zu schnipsen, um das Klatschen zum weiteren Instrument ihrer Songs zu machen. Songs, die von einer vergangenen Liebe erzählen, wie der 60er-Jahre Brasil-Hit “Once I loved”, aber auch von dem unschuldigen Alter von neun Jahren “At nine”.

Und dass die Lady des Jazz, die für ihren Soundtrack zu George Clooneys Film “Good Night, and Good Luck” mit ihrem vierten Grammy ausgezeichnet wurde, unvermittelt in eine kleine Clooney-Schwärmerei ausbrechen kann, macht sie um so sympathischer. Tief im Herzen ist sie eben noch neun, auch wenn sie in diesem Jahr 50 wird.

Von Juliane Sattler / HNA

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