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16. Juli: Triosence, Christina Lux Trio, Carolina Stefani & Hartmut Schmidt (D)

TriosenceKonzertkritik der HNA

Ein Abend im Kulturzelt ist nun schon traditionell der hervorragenden Musik-Szene Kassels gewidmet. Gleich drei Ensembles könnnen in diesem Sommer mit neuem Programm aufwarten. Den Anfang macht Triosence. Das Jazztrio des Pianisten und Komponisten Bernhard Schüler mit Michael Kehraus am Bass und Stefan Emig an den Drums ist eine der erfolgreichsten Nachwuchsbands Deutschlands.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 14 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 16 Euro

Zahlreiche Wettbewerbe und Preise haben sie gewonnen und damit für Furore gesorgt. Triosence ist nicht nur Name, sondern Konzept: Die „Trio-Essenz“ liegt in der Gleichberechtigung von Klavier, Bass und Schlagzeug. Die drei Individualisten verarbeiten Jazz, Fusion und Weltmusik zu einem opulenten Klanggemälde. Ihr Spektrum, klar und lyrisch, erschließt in den Kompositionen Schülers eine selten zu hörende Intensität.

Christina LuxChristina Lux stellt mit iher jüngsten Veröffentlichung „Coming home at last“ einmal mehr unter Beweis, wie vielseitig ihre musikalische Sprache ist. Da wechselt sie nicht nur von Song zu Song die Gitarre, sondern selbst innerhalb eines Liedes die Sprachen.

Ihre an Klangfarben reiche multi-oktave Stimme, die ebenso schmeichelnd hauchen kann, wie sie temperamentvoll scattet, korrespondiert mit temporeichem Funk und Soul, mit ruhigen Balladen und erdigem Blues. Sie hat mit Oleta Adams und Gabrielle gesungen und in zahlreichen internationalen Formationen gearbeitet; im Kasseler Kulturzelt wird sie im Trio mit Marius Goldhammer am Bass und Heiko Braun an den Drums zu hören sein.

Carolina StefaniCarolina Stefani und Hartmut Schmidt widmen sich vor allem dem griechischen Rembetiko. Aber auch Klassiker von Jacques Brel und Manos Loisos finden Platz im mediteranen Reisekoffer dieses Duos. Carolina hat griechisches Blut in den Adern und eine klassische Gesangsausbildung auf ihrer Seite. Sie scheint mit ihrer warmen, pointierten Stimme prädestiniert für das dolce vita der südlichen Sonne. Hartmut Schmidt begleitet sie an Klavier und gelegentlich am Akkordeon.

Im vergangenen Jahr nahmen sie auf dem renommierten Sundance-Label „melodie mediterane“ auf. Ein filigran-eleganter Streifzug durch den musikalischen Reichtum des Mittelmeer-Raumes. Begleitet werden die beiden von Heiko Eulen am Kontrabass und Jörg Müller-Fest an den Percussions.

 
Abgrundtief melancholisch bis federleicht fröhlich
Triosence, Christina Lux Trio und Carolina Stefani & Hartmut Schmidt zeigten musikalische Vielfalt im Kasseler Kulturzelt

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Das Beste kommt immer zum Schluss. Dass das nicht stimmt, bewiesen am Sonntagabend die drei Kasseler Ensembles im Kulturzelt, die unterschiedlicher nicht hätten sein können.

Wer dachte, sich bei den ersten Interpreten entspannt berieseln zu lassen, hatte sich geirrt. Wer bei Jazz nur an das Komplizierte denkt, rieb sich erstaunt die Augen. Triosence, das Jazztrio des Pianisten und Komponisten Bernhard Schüler mit Pascal Niggenkemper am Bass und Stephan Emig an den Drums, überraschte mit einem Potpourri neuer, herrlich eingängiger Melodien, rasanter Tempo- und Taktwechsel und rhythmisch gewagter Experimente.

Die Müdigkeit eines heißen Sonntagnachmittages war bei den 500 Zuhörern des Kasseler Kulturzeltes schnell verflogen. Im Takt wippten die Fußspitzen, Mundwinkel zuckten, es kribbelte in den Beinen - kaum einer im Publikum konnte sich der Intensität des opulenten Klanggemäldes aus Jazz, Fusion und Weltmusik entziehen.

Gleichberechtigt macht jeder der drei Individualisten von Triosence sein eigenes musikalisches Ding. Klavier, Bass und Schlagzeug pendeln zwischen abgrundtiefer Melancholie und federleichter Fröhlichkeit. Mal rauscht das Klavier in impressionistischen Wellen davon, mal zupft sich der Kontrabass ein Stück weiter weg, mal beschleunigt das Schlagzeug den Puls der Musik und stiehlt sich mit rasendem Herzschlag in einen doppelt so schnellen Uptime Swing - nur um am Ende doch in trauter Dreieinigkeit in der Harmonie eines langsamen Walzers zu verschmelzen - ein schelmisches Lächeln der drei Musiker inklusive. Tosender Applaus - am liebsten hätte man die Melodien mitgepfiffen. Jazz und mitpfeifen? Überraschend anders eben.

Auch das zweite Ensemble, Carolina Stefani und Hartmut Schmidt, überraschte - das aber vor allem durch die Bühnenpräsenz Carolina Stefanis. Die Sängerin und Halbgriechin mit der klassischen Gesangsausbildung kokettiert mit ihrem Publikum in mediterranen Klassikern von Jacques Brel bis Manos Loisos. Wenn sie tieftraurig im griechischen Blues von Liebe, Alkohol und verrauchten Hafenkneipen singt, nimmt man ihr das genauso ab wie ihre fröhlichen Träumereien vom italienischen Dolce Vita - schon sieht man sie im knallroten Cabrio die italienische Adriaküste entlangfahren. Jede ihrer lasziven Handbewegungen sitzt. Wegschauen gilt nicht.

Mit einer gehörigen Portion „Lux und Liebe“ - wie sich die Sängerin selbst ankündigte - versorgte Christina Lux zum Abschluss das Publikum im Kulturzelt. Von temperamentvollem Funk über chillige Soulballaden bis zu erdigem Blues - die Kasselerin gab ihr Bestes, um ihr Versprechen einzuhalten.

Mit ihrer Multi-Oktavenstimme haucht sie schmeichelnd ins Mikro, wechselt innerhalb eines Songs die Sprache und rockt ausgelassen mit Marius Goldhammer (Bass) und Tom Baldu (Drums) auf der Bühne. Ihre Texte über die Abgründe des Familienlebens provozieren. Um die provozierte Zugabe kam sie nicht drum herum.

Von Angelika Kleinhenz / HNA

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