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Samstag, 12. Juli: An Pierlè & White Velvet (B)

An Pierle (Quelle: www.Karsten-jahnke.de)
An Pierle (Quelle: www.Karsten-jahnke.de)

Es gibt Stimmen, die sind einfach unglaublich. Die von An Pierlè erfüllt diesen Tatbestand schon am Telefon. Das ist nicht einmal ihr charmanter französischer Akzent beim Englisch sprechen, dass ist eher so dass Gefühl, mit ihr auf einer Sommersonnenwiese zu sitzen und sie findet gerade den Korkenzieher unter dem Picknickkorb, lacht ganz kurz und öffenet dann den Weisswein – eben wundervoll. Noch schöner wird es, wenn die Belgierin ihre Stimme zum singen benutzt, denn die Songs rauben einem schlicht den Atem. Man mag sie für eine Art Waldelfe halten, doch wenn sie dann auf der Bühne steht und ihre wunderbar schräge Poesie unter dasVolk bringt, ist das ebenso überraschend wie umwerfend.

Als Vorbilder mögen Aimee Mann und Tori Amos herhalten, doch entzieht sich An Pierlè der Kategorisierung. Der belgischen Songwriterin, Sängerin und Pianistin ist auf ihrem neuesten Album der Spagat zwischen Pop und Avantgarde gelungen. Ihre betörende Stimme, ihr Pianospiel und die klugen Songs schaffen eine solch spannende Atmosphäre, wie man sie sonst nur von Kolleginnen wie beispielsweise PJ Harvey kennt. So überraschen die geschmackvollen Melodien zwischen Blues, Rock und Pop gern auch mal jäh durch eruptive, noisige Gitarren und bleiben so stets unberechenbar. Eine echte Entdeckung! Denn was Koen Gisen, der Partner in Crime,mit Sängerin An Pierlé, am Klavier und anderen Instrumenten sowie am Computer in der gemeinsamen Wohnung produziert hat, wird Belgien auf der Pop-Landkarte hell aufleuchten lassen.

Doch was heißt hier Pop? An Pierlé & White Velvet ragen aus der unübersichtlichen Masse der Pop-Bands mit Sängerin durch eine überbordende Vielfalt an zarten elektronischen Sounds, an überraschenden und dennoch weichen Übergängen von einem Melodiebogen zum nächsten heraus. So entfaltet sich innerhalb eines Songs eine stetigem Wandel unterworfene Klangwelt voller Anmut und Reichtum. Woran die Sängerin entscheidenden Anteil hat. Gern wird An Pierlé mit Kate Bush verglichen. Was bei der Tonlage seine Berechtigung haben mag: hell und klar ihr Gesang, gleichsam schwebend. Kratzbürstig kann sie freilich auch, wie “Not The End” beweist, ein rauer Song mit harschen Gitarren. Viel häufiger erhebt sich ihr Feen-Gesang über fein ziselierten Synthie-Sounds. Oder sie wechselt von den entrückten, hohen Tönen ins erotisch-dunkle Timbre, gibt so “I Love You” ihr verwirrendes Gepräge.

White Velvet sind: Koen Gisen (git. & voc.); Klaas Delvaux (bass, cello & backing voc.); Peter De Bosschere (drums & backing voc.); Tom Wolf (acc. git, bass, backing voc.); Domenique Vantomme (keys.)

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