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Abdullah Ibrahim & Ekaya (SA)

Sotho Blue

Jul ’11
27
19:30

th_ai_photo_jepgma25549244-0005Der Begriff Legende wird in unseren prosaischen Zeiten nur allzu inflationär gebraucht. Auf den südafrikanischen Jazzpianisten Abdullah Ibrahim trifft er jedoch in jeder Hinsicht zu. Abdullah Ibrahim verströmt eine Aura von unangreifbarer Ewigkeit. Als Adolphe Johannes Brand 1934 in Kapstadt geboren, arbeitete er ab 1949 unter dem Namen Dollar Brand als Berufsmusiker. Was das zu Zeiten der Apartheid in Südafrika bedeutete, muss hier nicht näher ausgeführt werden. Immerhin hielt er es bis Anfang der Sechziger in seiner Heimat aus, wo er Miriam Makeba begleitete und mit den Jazz Epistles die erste nennenswerte Jazzband Afrikas gründete. Doch die internationale Anerkennung trug ihm zuhause auch Misstrauen ein. 1962 setzte er sich nach Europa ab, und wurde 1965 von Duke Ellington entdeckt. Ellington holte Brand nach New York. An der Seite von Ornette Coleman und John Coltrane begab er sich auf ein spirituelles Gleis, das er bis heute nicht verlassen hat. Seine enge Verbindung zu Afrika ließ er niemals abreißen, aber auch in Europa und Asien suchte er unentwegt nach Allianzen. 1968 konvertierte er zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an. In den siebziger und achtziger Jahren war er die Integrationsfigur für afrikanischen Jazz schlechthin. Die Abschaffung der Apartheid war auch für Abdullah Ibrahim ein Befreiungsschlag. 1994 spielte er auf der Amtseinführung Nelson Mandelas. Mit dem nachdenklichen Soloalbum „Senzo“ erweiterte er den Kontext seiner afrikanischen Roots und amerikanischen Erinnerungen zu einer globalen Erfahrung.

th_ai-ekaya_photosZu seinen Langzeitformationen gehört die Band Ekaya. Ekaya bedeutet Heimat. 1983 gegründet, nahm sich die Band der südafrikanischen Vokalmusik an und übertrug ihre hymnische Magie in den Kontext des instrumentalen Jazz. Ibrahim: „Ekaya hat sich zu einer Art Institution entwickelt. Ihr Zentrum ist ein universaler Code. Egal wie weit man geht, du bleibst zu Hause.“

Cleave Guyton (Altsax, Flöte), Keith Loftis (Tenorsax), Jason Marshall (Baritonsax), Andrae Murchinson (Posaune) klingen im Verein mit Drummer George Gray, Bassist Belden Bullock und Ibrahims unverkennbarer Pianohymnik wie ein vielstimmiger Chor..Der Slogan „Back to the Future“ hat für sie nichts Cooles oder Abgeklärtes, er gehört zur rituellen Grundausstattung ihrer Musik. So ist der Rekapitulation dieser teilweise 25 Jahre alten Songs überhaupt nichts von Revisionismus, Melancholie oder gar Selbstgefälligkeit eigen. Oder mit Ibrahims Worten: „Die neuen Ekaya statten uns mit der einzigartigen Möglichkeit aus, unsere Vergangenheit zu hinterfragen, um unsere Zukunft zu entwerfen.“ Ekaya 2010 ist sparsamer und minimalistischer als frühere Ausgaben der Band. Der Kampf ist vorüber, es gilt die Erinnerung zu wahren und etwas Neues daraus zu machen. Geblieben ist die überbordende Poesie der Songs.

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