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Mittwoch, 9. Juli: Joe Jackson (GB)

Joe Jackson (Quelle: www.prknet.de)
Joe Jackson (Quelle: www.prknet.de)

Berlin, die neue Wahlheimat, scheint Joe Jackson ähnlich zu inspirieren wie New York. Doch zu Kudamm und Kreuzberg passt nicht der gleiche Pomp wie zu Times Square und Hudson River. Mit karger Triobesetzung schafft Joe Jackson eine Spannungsdichte, die er seit “Night and Day” nicht mehr erreicht hat. Joe Jackson schuf mit seinen langjährigen Wegbegleitern Graham Maby und Dave Houghton ein beseeltes Songkompendium, das gleichzeitig ein dickes Kompliment an die Stadt Berlin ist. So viel urbane Vitalität, wie sie uns hier aufgetischt wird, würde man der Spreestadt gar nicht zutrauen - sondern eher darauf tippen, dass doch eher die Sehnsucht nach N.Y.C. Jacksons Triebfeder war.

Joe Jackson liebt die gewagte Idee und den großen Wurf. Schon an den Titeln seiner Aufnahmen wie “Body And Soul”, “Night And Day” lässt sich ablesen, dass er die Dialektik der Gegensätze liebt. Mutig und mit kompetentem Beistand (z.B. Suzanne Vega und Crash Test Dummies’ Brad Roberts auf “Heaven And Hell”, 1997) kann er das Seichte genau so wagen wie das Pathetische, ohne dass es peinlich wird. Niemand wirft diesem Mann Rückwärtsgewandheit vor, wenn er Alben wie “Volume 4″ oder “Rain” wieder neu einspielt und damit auch frühere Stilmittel wieder aufgreift. Der Mann hat einen schrägen Verstand, eine geraden Rücken und eine ehrliche Haut.

‘Rain’ ist die Genre übergreifende Antwort eines Künstlers, der stets die Grenzen seiner Begabung austestet und somit typisch für den Eklektizismus in Jacksons Karriere, die schon drei Jahrzehnte andauert. Wie der Albumtitel schon andeutet, ist dieses neue Programm an vielen Stellen eher melancholisch, aber es platzt auch vor Humor, ist voller Swing und Raffinesse, boshafter Gesellschaftskritik und echten Rocknummern. Der rote Faden ist die Schlichtheit, die man wahrnimmt, wenn man Jacksons charakteristisches Piano und seine Stimme, Mabys komplexen und melodiösen Bass sowie Houghtons facettenreiche Drums hört.

‘Rain’ prahlt mit einem breitem, großen Sound, ist offen und dennoch dicht und auf Jacksons solides Handwerk in punkto Songwriting fokussiert, jener einmaligen Verschmelzung von Pop, Rock, Jazz und klassischen Ideen; dazu kommen Texte mit tiefen, verständnisvollen Einblicken in die menschliche Seele - geschrieben von einem Mann, der selbst als überaus sensibel, scharfsinnig und schwierig gilt. Über die vierjährige Pause zwischen den letzten Alben bemerkt Jackson: “Ich hatte es nicht eilig. Ich hatte mir geschworen, erst dann wieder ein Album heraus zu bringen, wenn ich genügend Songs zusammen hätte, die gut genug sind. Ich glaube, dass einige der Songs zu den besten gehören, die ich je geschrieben habe“. So hört es sich auch an!

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