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Christina Lux, Reentko & Stefan Emig / Anna Depenbusch (D)

Playground/ Die Mathematik der Anna Depenbusch

Jul ’11
28
19:30

th_luxreentko300Seit Anfang der Neunziger Jahre ist Christina Lux als Solokünstlerin unterwegs und berauscht und beseelt das Konzertpublikum, wie auch die Presse. Christina Lux lässt sich noch immer in keine Schublade packen und das ist gut so. Wäre doch zu schade, wenn die Vielfarbigkeit und die wunderbare Kraft und Beweglichkeit ihrer Stimme sich in irgendeinem „Popmainstream-Kleid“ verfangen würde. So bleibt sie 100% Lux mit soul-folkigen Klängen, spannenden Scat-Improvisationen, sowie zauberhaften, sanften Balladen mit berührenden Lyrics. Ihre Songs sind poetisch und gehen tief unter die Oberfläche. Ihre an Klangfarben reiche Multi-Oktaven-Stimme, die ebenso schmeichlerisch hauchen kann wie sie temperamentvoll scattet, korrespondiert mit temporeichem Funk und Soul , mit ruhigen Balladen und erdigem Blues.

th_lux-renntko-koffaLux und ihrem musikalischen Partner Reentko gemeinsam ist ein dynamischer, lebendiger Austausch: Lux‘Songs und Reentkos Klangwelten, seine brillante Gitarrenarbeit und die erdige Percussion ergänzen sich kongenial. Reentko ist ein wundervoller Musiker, der sich stets mit Haut und Haar eingibt, ohne auch nur einen Moment lang die Aufmerksamkeit für die Intentionen seiner Mitspieler oder des Publikums zu verlieren. Exclusiv für dieses Kulturzeltkonzert wird dieses schon geniale Duo zum kongenialen Trio: Stefan Emig, der aus vielen Formationen, wie Triosense, bekannte Schlagzeuger wird heute mit auf der Bühne stehen.

th_02_anna-depenbusch_fotmathias-bothorTragische Texte, federleichte Musik: Bei ihrem Debüt vor fünf Jahren galt Anna Depenbusch als Geheimtipp, jetzt tritt sie energisch in die Öffentlichkeit. Auf ihrem neuen Album präsentiert sie einen gewagten Mix aus Chanson, Jazz und Pop - Die 33-Jährige, die in Hamburg geboren ist und bereits als Kind in der Schul-Bigband spielte, studierte Musik und Theater, war Background-Sängerin von Orange Blue. Aber sie fuhr auch Gemüselaster auf dem Deich oder sang in einem Nachtclub auf der Reeperbahn.  Die Mathematik der Anna Depenbusch heisst das  Album einer Künstlerin, die alles selbst macht: Sie singt und spielt Klavier, sie schreibt ihre Texte selbst, sie komponiert, arrangiert und produziert ihre Stücke.

th_06_anna-depenbusch_fotmathias-bothorIst eben alles handgemacht, und das kann man auch hören: In “Astronaut” knarzen die Stühle des Orchesters, in “Madame Cliquot” wetzt ihr Gitarrist zwei Brotmesser. “Ich finde es toll, solche Details in den Aufnahmen zu lassen.”  Und es ist ein gewagtes Album, weil fast jedes Lied ein anderes Genre bedient: Chanson, Jazz, Disco, Polka, Klassik - irgendwie ist alles dabei. Eine mutige Entscheidung in Zeiten, in denen Popstars aus der Retorte geboren werden und vor allem in eine Schublade passen sollen. “Viele Produzenten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben mich gewarnt”, erinnert sich Depenbusch. “Ein Album mit vielen verschiedenen Genres sei zu durcheinander, ich wisse nicht, was ich wolle.” Wusste sie aber doch - und produzierte sich kurzerhand selbst: Ihr Song “Monoton” erinnert mit Penny-Lane-Piccolotrompete und Vibrafon ein bisschen an die Beatles, Cello und Klavier in “Tanz mit mir” an ein Chanson von Edith Piaf, und “Madame Cliquot” vermittelt ein James-Bond-Casino-Feeling. Die Mathematik der Anna Depenbusch ist Musik zum Zuhören und zum Entdecken.

th_o_o_01_anna-depenbusch_foto_mathias-bothorEigenwillig, emotional und collagenhaft. So ist „Wir sind Hollywood“ ein kraftvoller, akustischer Popsong, bei dem es um den verstärkt auftretenden Reiz von Schein und Sein geht. Wogegen der wundervolle Liebesreigen „Tim liebt Tina“ einen verspielten Walzer mit bittersüßem Text über das Beziehungskarussell darstellt. Eine weitere Klangfarbe bildet der atmosphärische Bluestitel „Wenn du nach Hause kommst“. Dabei singt Anna mit verführerisch zurückhaltender Stimme über große Versprechungen sich zu ändern. In „Glücklich in Berlin“, ein Country-Song mit Banjo, Pedal-Steel Guitar und Western-Fiddle, beschäftigt sie sich mit der Frage, wo man sich wohl und zuhause fühlt. Vielfältigkeit gehört für die Sängerin sowohl zur Mathematik als auch zur Musik. Die Verschiedenheit der Dinge bewirkt eben manchmal, dass am Ende der Gleichung ein verblüffend stimmiges Ergebnis herauskommt.

Anna Depenbusch, voc., piano; Ulle Rode, guitar; Oliver Karstens, bass; Martin Engelbach, perc.; Anne de Wolff, violin

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