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Sonntag, 6. Juli: Dendemann (D)

Dendemann (foto credit: Tina Punkt)
Dendemann (foto credit: Tina Punkt)

Seine Markenzeichen sind seine kratzige Stimme und humorvolle, wortspielverliebte Raps, in denen skurrile Geschichten aus dem Alltag behandelt werden. Dendemann hat sich für sein heiß erwartetes, lang ersehntes und natürlich restlos überzeugendes Solo-Album Die Pfütze des Eisberges Beatverbot erteilt, um Arbeitsprozesse zu vereinfachen. „Ich höre ja gerne Musik von anderen Leuten, aber es ist was ganz anderes, dazu zu reimen und es mir letztendlich recht zu machen“, sagt Daniel Ebel.

Satte drei Jahre nach der 2003er EP DasSchweigenDilemma verbrachte der wohl beste deutsche MC damit, sich Rhythmen und Sounds von anderen Leuten anzuhören. Die Klang-Fundamente legten letztendlich Jansen & Kowalski und die Audiotreats aus Mainz. Die sauber gedrechselten Worte, irrwitzigen Neologismen und akrobatischen Reime fügte Dendemann im Anschluss dazu. Das brauchte viel Zeit, in der - um mal mit einem alten Presseinfo des gebürtigen Sauerländers zu sprechen – Augenblicke zu Jahren und Bäume zu Papier wurden. An einem Kreativloch lag das aber nicht, „…ich schreibe einen Text schon in 2 bis 3 Nächten, nur kann ich das nicht 3 mal die Woche, deshalb dauert es einfach manchmal“.

Dendemann spricht zu satten Beats über Dinge, die er kennt, die er beobachtet hat, ohne zum Feldforscher oder Oberlehrer zu werden. Die Buchstaben bleiben seine „26 Freunde“, die verbalen Grenzen von Proll und Poesie des jungen Mannes mit Wohnsitz Hamburg überlappen sich dabei manchmal. „Ich kann nicht verleugnen, aus dem Ruhrgebiet zukommen und mit blöden Bauernweisheiten, Volksmund, Floskeln und dämlichen Sprüchen aufgewachsen zu sein. Eigentlich verdienen meine Eltern Credits“, sagt der selbstbewusste, aber nicht großmäulige Mic-Meister.

Besonders auffällig an dem exzellent produzierten, recht flüssigem Album Die Pfütze des Eisberges ist, dass Dendemann Inhalte den Worte nicht mehr anpasst oder gar unterordnet und sich seine Reimkunst noch gesteigert hat. Unterstützt wird er dabei von DJ Suro aus Deutschland, Static & Nat Ill aus Dänemark und von je nach Konzertort wechselnden anderen Künstlern. Wer auch nur einen Hauch eines 70er-Babys oder eines 80er-Kindes in sich trägt, reitet mit Tränen in den Augen auf der Dendermann-Welle. Es stimmt eben doch: “Jedes kleine d hat ein großes Ende, Mann!” Konkurrenz ist nicht in Sicht.

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