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Donnerstag, 3. Juli: Roy Paci (I)

Roy Paci (photo credit: Rita Antonioli)
Roy Paci (photo credit: Rita Antonioli)

Wer glaubt, dass Trompetenunterricht in der Kindheit automatisch in irgendeiner langweiligen volkstümlichen Blaskapelle enden muss, wird von Roy Paci eines Besseren belehrt. Abgesehen von der sizilianischen Herkunft und der dezidiert politischen Positionierung kann man den 1969 geborenen Musiker wohl als wahren Tausendsassa beschreiben, der meist an mehreren Projekten gleichzeitig arbeitet. Hierzulande nahmen viele den Sizilianer wahr in Manu Chaos Radio-Bemba-Kollektiv. Einmal auf seinen temperamentvollen Trompetenton aufmerksam geworden, bekommt man Lust auf einen ganzen Abend Konzert.

2007 spielt Roy Paci mit der Band Aretuska das Album “SuoNoGlobal” ein. Als Gäste sind unter anderem Erriquez, Sänger und Boss der Band Bandabardò, die römischen Hip Hopper Cor Veleno und sein alter Rezophonic-Kollege Pau vertreten. Mit der ständig wechselnden, bis zu zehn Mann starken Formation Roy Paci & Aretuska (antiker Name der sizilianischen Stadt Syrakus) bläst er zum Angriff gegen eingefahrene Stilvorstellungen. Ska von smart bis ruppig, mit Jazz- und Latin-Flirts.. Mit Aretuska nahm der multiple, multitalentierte Musiker, der nicht nur ins Horn bläst, sondern auch in seinem Straßen-Sizilianisch singt, bislang zwei stilistisch facettenreiche, garantiert partytaugliche Alben auf.

Den Raum, in dem er seine Musik verortet, macht Rosario Paci gleich im ersten Lied deutlich, wenn er als “Italiano a barcelona” dem kulturellen Melting-Pot ein Denkmal setzt - natürlich nicht ohne sprachlich den Bastard zu geben: Völlig selbstverständlich wechselt er zwischen spanischen und italienischen bzw. sizilianischen Zeilen - je nachdem was dem Rhyme am Besten steht. Das ist großes Kino und funktioniert so gut, dass man es erst beim Wörter-Nachschlagen im falschen Lexikon bemerkt. Und damit nicht genug. Etliche Zusammenarbeiten mit diversen Landsleuten, wie etwa Giorgio Conte oder der Band Mau Mau, verschafften dem Umtriebigen neben Erfahrung viele Freunde. Auf die greift er - ähnlich wie sein alter Freund Manu Chao - dann gerne für seine eigenen Projekte zurück. Mit dem Franko-Spanier eint den Italiener mit dem mondänen Mafioso-Outfit zudem eine Art subversiver Popstar-Status.

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