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Mittwoch, 2. Juli: Brad Mehldau Trio (USA)

Brad Mehldau (Quelle: www.imnworld.com)
Brad Mehldau (Quelle: www.imnworld.com)

Erneuerer des klassischen Jazz-Klaviertrios, emotionstiefer Eklektiker, eigenwilliger Traditionalist und großer Romantiker. Solche Titulierungen muss Brad Mehldau ebenso über sich ergehen lassen wie den wegen biografischer Parallelen stets gezogenen Vergleich mit Bill Evans: hochsensibel, inspiriert, melancholisch, romantisch, von einer inneren Kraft getrieben.

Brad Mehldau gehört wohl zu den innovativsten Jazzpianisten unserer Zeit. Seine Kompositionen sind von Franz Schubert genauso wie von Oscar Peterson und Keith Jarrett – aber auch von John Coltrane und Miles Davis beeinflusst. Doch auch so jazzferne Musik wie jene von Radiohead oder den Beatles findet Platz im musikalischen Universum dieses außerordentlichem Musikers mit ebenso offenem Geist wie Ohren. Nach dem Studium am Berklee College of Music wurde Mehldau den europäischen Publikum durch die Kooperationen mit Joshua Redman und Chris McBride bekannt. 1995 gründete er sein eigenens Trio und heimst seither Preise und Ehrungen ein.

Acht Alben hat er seither veröffentlicht – alle heiss verehrt. Doch seine künstlerische Ausdruckskraft treibt ihn immer wieder zu neuen Ufern. 2006 spielt er gemeinsam mit Pat Metheny das Duo-Album “Metheny Meldau” ein und vertont für die Grammy-ausgezeichnete Sopranistin Renée Fleming Gedichte von Rainer Maria Rilke und Louise Bogan. Der Song-Zyklus erscheint als Duo-Album “Love Sublime” und bewegt sich trittsicher auf dem schmalen Grad zwischen Jazz und Klassik. Sein neuestes Projekt hat Mehldau wieder mit eigenem Trio eingespielt: „House of Hill“. Der 37 Jährige ist ein selbstbewusster Rebell auf solidem Grund. Wer seine Variationen über eigenen Kompositionen oder Standards der Jazz- und Rockgeschichte im Konzert erlebt, genießt jene Trance, die schon im 19. Jahrhundert inmitten des großbürgerlichen Ambientes dem Klaviervirtuosen jenes wohlige antibürgerliche Ekstase-Feeling verlieh.

Brad Mehldau komprimiert den weiten Atem seines Spieles, allein „Paranoid Android“ ,eine Komposition von Radiohead, erfüllt mit gerade einmal neun Minuten epischen Anspruch. Da trifft sich Meldaus später Romantizismus mit den Harmonien und Melodien der Popwelt, die er via Jazz in den Olymp der klassischen Musik des 21. Jahrhunderts hebt. Da gibt es synthetisches Fiepsen, dröhnen gar Gitarren in Black Sabbath Manier – was sich allerdings als verfremdetes Klavier entpuppt. Mit präparierten Klaviersaiten schafft er einen percussiven Klang, das Poetische bekommt eine gewaltige Schieflage. Jeff Ballard an den Drums treibt mit metallfarbener Präzision nach vorn, mit Larry Grenadier am Bass wird der Begriff des Trio-Jazzes neu buchstabiert. Die Musiker improvisieren nahtlos inspiriert, sie können gar nicht aufhören brilliant zu sein. Dabei ist jedes Stück von Burt Bacharach bis Nick Drake ein für sich einzigartiges Unternehmen, charakteristisch und aufregend. Und ein sinnlicher Genuss im Konzert

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