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20. Juli: The Bad Plus (USA)

The Bad PlusKonzertkritik der HNA

The Bad Plus stehen auf unserer Wunschliste schon lang ganz oben! Sie gelten als das lauteste Pianotrio des Jazz und können selbst am lautesten über diese Kategorisierung lachen. Hätte es jemals eine Antwort auf Frank Zappas ketzerische Frage: „Does humor belong to music?“ gegeben – sie hätte so geklungen wie die Musik von Bad Plus.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 14 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 16 Euro

Der Erfolg von Bad Plus lebt von ideenreichen Improvisationen in Form verrückter Eigenkompositionen und schaurig schöner Cover-Versionen. Allein der Blick über den jazzigen Tellerrand hinaus ist ein Verweis darauf, dass hier keine missgelaunten Puristen am Werk sind. Wohin sich das Kollektiv in seiner Musik bewegt, ist nie absehbar. So wenig wie die Frage, was Nirwanas „Smells like Teen Spirit“ mit „Flim“ von Aphex Twin gemein hat – außer dem Fakt, dass sich beide Titel zwischen „Heart of Glass“ von Blondie in wunderbare, liebevoll zerlegte Interpretationen von Bad Plus gelegt haben.

Die einzige Regel, die dieses Trio akzeptiert, ist die der Qualität und der Kommunikation – kategorische Imperative sind ihnen völlig fremd. Sie finden, dass nur die Phantasie die Grenzen des Jazz festlegen sollte, nicht der Stil. Reid Anderson am Bass, Ethan Iverson am Piano und David King an den Drums überraschen durch ein schier unglaubliches Transformationsvermögen. Sie erzählen von der Dekonstruktion verschiedener Einflüsse und vermeiden den Begriff der Fusion. Statt dessen übertragen sie die von Dance, Pop und Rock inspirierten Tonfolgen in ihre eigene unerschütterliche Sprache aus reinem Jazz. Davon lassen sich auch eingefleischte Popmusik-Hörer anstecken und die „echten“ Jazzer jubeln ihrem Stern am Himmel zu. Bad Plus sind Seelenpunker im Jazz-Gewand, ebenso humorvoll wie virtuos.

 
Vom Kopf auf die Füße gestellt
Das Klaviertrio The Bad Plus spielte im Kulturzelt Jazz mit Humor und professioneller Leichtigkeit

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Das klassische Klaviertrio im Jazz definiert sich - wie der Name schon sagt - vom Klavier hier. Das Klavier schlägt ein Thema an, variiert es, Bass und Schlagzeug akzentuieren, begleiten, ergänzen solistisch, bis am Ende wieder alles im Thema mündet. Von daher hat The Bad Plus, das vorgestern im Kulturzelt an der Drahtbrücke mit einem grandiosen Auftritt begeisterte, das klassische Klaviertrio vom Kopf auf die Füße gestellt.

Schlagzeuger David King ist und bleibt von Anfang an der bestimmende Akteur auf der Bühne. Sein Spiel ist ein permanentes Schlagzeugsolo, das von Reid Anderson am Bass und Ethan Iverson am Piano begleitet wird. King benutzt das Schlagzeug nicht ausschließlich als Rhythmusinstrument, nein, er entlockt ihm Töne, Stimmungen, spricht mit ihm, streichelt es zart, um es im nächsten Moment gnadenlos zu verprügeln. Selbst wenn King den Besen streicht, ja selbst, wenn er Takte auslässt, ist sein ganzer Körper unablässig in Bewegung.

Jazz mit Humor: The Bad Plus spielen mit professioneller Leichtigkeit, die ihnen erlaubt, komisch zu sein, ohne aufgesetzt zu wirken. Burt Bacharachs Schnulze “This Guy Is In Love With You” wird demontiert und mit Fahrradklingel dezent ihrer Romantik beraubt, das James-Bond-Thema zu “Live And Let Die” wird in alle Einzelteile zerlegt und wieder zusammengesetzt.

Mit faszinierender Leichtigkeit bedienen sie sich, zitieren Motive und Themen, wechseln abrupt den Takt, während Iverson sich mal kurz in einer schönen Melodie verliert. Es ist Jazz für Augen, Ohren, Kopf und Herz, mitreißend und im Wortsinne - schlagkräftig.

The Bad Plus reißen das Publikum zu Ovationen hin, was selbst die Akteure auf der Bühne überrascht hat: “You are incredible”, ruft Iverson nach der ersten Zugabe ins Publikum. Und die zweite Zugabe der Unglaublichen für die Unglaublichen folgt sogleich.

Von Andreas Gebhardt / HNA

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