Menü

Donnerstag, 26. Juni: Panteón Rococó (Mex)

PANTEON ROCOCO (Quelle: www.rockybeachclub.com)
PANTEON ROCOCO (Quelle: www.rockybeachclub.com)

Mexico City ist ein Moloch, den Politiker dort gern einmal die „Stadt der Hoffnung“ taufen. Wohl eher ist es eine Endstation für die meisten der 18 Millionen Einwohner. Ein Sumpf aus Armut, Gewalt und Korruption. Das hier keine Band entsteht, die von Promotion- und Marketingleuten erfunden wird, liegt auf der Hand. Pantéon Rococó ist ein Phänomen. Ohne Label verkauften sie auf ihrem ersten Europa Trip Tausende von CDs. Inzwischen sind ihre Konzertreisen in der Regel komplett ausgebucht. In Mexiko hat sich die 12köpfige Latin Ska Band ganz in den ersten Rang gespielt. Ihre Version des Bobby Hebb Klassikers „Sunny“ von Panteón in „Sonia“ umbenannte, führte noch vor Metallica wochenlang die mexicanischen Charts an.

Ein unverhoffter Erfolg, der fast verwundert, bedenkt man ihre sehr ernste und ambitionierte Unterstützung der Zapatisten Bewegung und der Chiapas Gebiete. Aber vor allem auf der Bühne entwickeln Panteón Rococó ihre unschlagbare Macht. Der treibende Musikstil liegt zwischen Ska, Reaggae und Punkrock. Dazu kommt jeder auch nur erdenkliche südamerikanische Stil und Rhythmus: Rumba, Tango, Merengue, Mariachi fließen in ein grenzenloses Spektakel ein. „Trés Veces Tréz“ (Drei mal Drei), ihr jüngstes Album, wurde von den Radiostationen Mexicos boykottiert.

Panteón Rococó nehmen kein Blatt vor den Mund, sie singen von Korruption und Gewalt und das wollte nicht jeder hören. Mit Wut und Sarkasmus packen sie den Ärger über Ungerechtigkeit, Missstände, Armut in ihre Texte und schleudern ihn mit packenden Rhythmen, und enormer Energie in den Raum. Die stilistischen Vielseitigkeit ihrer Titel ist gerade für Lateinamerikanische Ska- Bands typisch und zeigt, wie viel tiefer man hier mit den Wurzeln der eigenen Musiktraditionen verbunden ist und wie viel ehrlicher mit Folklore umgegangen wird. Zwischen ruhigen, teilweise fast romantischen Parts und lautem, agressiven Ska entwickeln sich Spannungen, die schließlich in schnellen Tempi ihr Finale finden. Auch Reggae, rockige Riffs, Hardcore-Rhythmen und Punk finden Einzug in die Musik der elfköpfigen Band. Hervorragende Instrumentalisten und Sänger sind sie ohnehin.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.