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22. Juli: Michael Nyman Band(GB/USA)

Michael Nyman BandKonzertkritik der HNA

Der 1944 in Großbritanien geborene Komponist und Pianist zählt neben Philip Glass und Steve Reich zu den arriviertesten und innovativsten zeitgenössischen Musikern der Minimal Art Music. Die kongenialen Filmmusiken zu Greenaways ‚Draughtmans Contract’, ‚The Cook, The Thief, His Wife and Her Lover’, und Prospero’s Books’ und einige mehr sind fast symbiotisch mit der opulenten Ästhetik des zirzensischen Regisseurs verbunden. Den größten kommerziellen Erfolg und eine Oskar-Nomminierung dazu erhielt Michael Nyman mit der Filmmusik zu Jane Campions ‚The Piano’.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 20 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 22 Euro

Michael Nyman ist auf vielen Bühnen zuhause: Er komponierte für Volker Schlöndorff, für Michael Winterbottom und schuf nach den Libretti von Oliver Sacks die Opern ‚The Man Who Misock His Wife For A Hat’ und ‚The Only Witness’. Das 1974 von Nyman verfasste Buch ‚Experimental Music – Cage and beyond’ zählt noch heute zu den Standardwerken des Minimalismus.

Nyman schrieb zahlreiche Symphonien, Liederzyklen und Kammermusiken. Im Gegensatz zu seinen amerikanischen Kollegen, die penible Formelsysteme der Minimal Music nutzten, verweist Michael Nyman auf die gesamte europäische Musikgeschichte, die ihm zum Material wird. Hier wird keine Tradition gebrochen, sondern der Traditionsbruch selbst als kulturelles Erbe entlarvt.

Schon in der Instrumentation der Kompositionen zeigt sich Nymans ebenso reizvolle wie avantgardistische Verbindung von historischen und modernen Elementen: Nyman kombiniert Rebec, Schalmei und Zugposaune mit Sopransaxophon, Banjo und Bass Drum. Die gleichwertige Verwendung eines Saxophonsatzes neben der Streichergruppe steht für die Konfrontation opulenter europäischer Klassik mit minimaler Formensprache. Konzertsaal versus Rockhall.

Auch Nymans Recycling eigener Stücke verträgt sich nicht mit der romantischen Vorstellung, ein Kunstwerk wolle hart errungen werden. Was vor zehn Jahren noch wild und bombastisch klang, ist heute fragil und melancholisch.Mit den Neueinspielungen diverser Soundtracks 2005 (The Composers Cut Serie Vol. I-III; Nyman/Greenaway Revisited) arrangiert Nyman mit seiner Band die ursprünglich verschwenderisch emotionalen Kompositionen in zarter melodischer Sprache.

Michael Nymann, piano; Gabrielle Lester, violin; Chaterine Thompson, violin; Kate Musker, viola; Anthony Hinnigan, cello; David Roach, sop sax, alt sax; Simon Haram, sop sax, alt sax; Andrrew Findon, bariton sax, flute, piccolo; Martin Elliott, bass guitar; David Lee, French horn, Steven Sidwell, trumpet; Nigel Barr, bass trombone.

 
Populär und umstritten
Michael Nyman im Kasseler Kulturzelt

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Populäre Komponisten sind meistens umstritten. Musik, die viele Zuhörer in Gänsehaut-Gefühlen schwelgen lässt, können andere als primitiv und kitschig empfinden. Ein endgültiges Urteil gibt es da nicht, sondern nur unterschiedliche Sichtweisen. So verhielt es sich auch bei dem umjubelten Kasseler Kulturzelt-Auftritt von Michael Nyman, dem legendären Komponisten der (meisten) Greenaway-Filme und von Jane Campions “Das Piano”.

Die positive Sicht: Die Energie Nymans und seiner tollen elfköpfigen Band - vier Streicher, sechs Bläser und ein Bassgitarrist - haute einen fast um. Die unverwechselbare Tonsprache des britischen Individualisten pulsierte kraftvoll und ließ Bilder im Kopf entstehen. Ein Erlebnis war es auch, als der Pianist Nyman im zweiten Konzertteil einige romantische Stücke wie “The Heart Asks Pleasure First” aus seinem erfolgreichsten Soundtrack spielte.

Aber, so die kritische Sicht: All die Energie ging mit einer Vergröberung einher, und zwar nicht nur wegen heftigen Lautstärke der Band. Selbst für Minimal-Music-Verhältnisse war das (unmoderierte) Programm recht eintönig. Was Nymans Klavierspiel angeht: Da herrschte eine bemerkenswerte Monotonie der gehämmerten Staccato-Akkorde vor. Und für die Schludrigkeit, mit der er die Klaviersoli präsentierte, würde ein unbekannter Pianist verrissen werden.

Von Georg Pepl / HNA

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