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23. Juli: Till Brönner & Band (GB)

Till BrönnerKonzertkritik der HNA

Grad um die dreißig Jahre jung und schon ein veritables Werk im Rücken. Für sein zehntes Studioalbum „Oceana“ begab sich Till Brönner an einen Ort, der wie kein anderer den amerikanischen Traum verkörpert: Hollywood. Brönners Verbündeter bei diesem schönen Werk ist der legendäre Produzent Larry Klein. „Oceana“ verbreitet eine einnehmende, aber einsame Eleganz.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 18 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 20 Euro

Hier klingt der Trompetenton, mal mit, mal ohne Dämpfer, warm und dabei essenziell klar reduziert. Selten zu hörende Melodien von Leonard Cohen bis Nick Drake zeugen von einem erstaunlichem musikalischen Grad an Reife. Unterstützt wird Brönner auf „Oceana“vom Gesang einer illustren Damengesellschaft: Carla Bruni, Madeleine Peyroux und Luciana Souza steuern wunderschöne Songs bei und auch Till Brönner singt, reif und ergreifend, „River Man“, den Klassiker von Nick Drake.

Der Trompeter, Produzent, Komponist und Sänger festigt abermals seinen Ruf als deutsches Aushängeschild in Sachen Jazz. Till Brönner ist einer jener Protagonisten, der Jazz ganz zeitgemäß mit Elementen des Rap, HipHop und Ambient verbindet und damit mit schlüssiger Synthese in zukünftige Entwicklungen weist.

Till Brönners Instrument ist die Trompete, von der man sagt, dass sie der menschlichen Stimme am nächsten sei. Also singt er mit ihr. Till Brönner hat mit Ray Brown und Peter Herbolzheimer gespielt, aber auch mit Chaka Khan, Joy Denalane und Dee Dee Bridgewater. Er bedient sich eines großen musikalischen Erbes, streift dem Repertoire einen Mantel der Aktualität über, in dem seine eigene Identität Platz findet. Dies alles geschieht mit Respekt und einer selten zu findenden Authentizität. Seine Kunst liegt in der Reduktion auf das Wesentliche, er ist ein Meister der musikalischen Intimität. In den Konzerten des Musikers entsteht eine musikalische Spannung, die fast haptische Qualität hat, gerade so, als könne man die Musik berühren.

Kategorisieren mag er sich nicht lassen: „Jazz ist für mich zunächst eine Freiheit, wie es sie in keiner anderen Musikrichtung gibt. Die Freiheit, in jedem einzelnen Moment zu entscheiden, was ich spiele. Dazu gehört auch die Freiheit, das, was ich links und rechts so höre, mit in meinen Jazz einzubeziehen.“ Das Ergebniss dieser Erkundungen klingt immer exzellent.

 
Globalisierter Zeitgeist
Till Brönner erfüllt die hohen Erwartungen im ausverkauften Kasseler Kulturzelt

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Till Brönner ist ein Star. Er hat mehr CDs verkauft als irgendein anderer deutscher Jazzmusiker. Bei seinem Konzert im Kasseler Kulturzelt wird auch klar warum. Er ist der Klinsmann des Jazz, die intellektuelle Partymeile der improvisierten Musik. Der dezent gestylte, swingende Hauptdarsteller einer musikalischen Daily Soap, bei der man der Tradition Gel in die Haare schmiert und alte Popperlen in Gucci verpackt.

Fakt ist, das Brönner als exzellenter Trompeter auf Weltniveau bläst. Des Weiteren hat er die Loungemusik mit hochwertigen Songs einer neuen Dimension zugeführt. Die Tragik, die Verzweiflung, das unbeliebte Experiment, all das hat Brönner jedoch dem Jazz in seinen Kompositionen abgesaugt. Er präsentiert dem begeisterten Publikum passend zum Designer-Wohnzimmer ein ästhetisches Patchwork.

Es ist die optimistische, sinnliche Antwort auf die erschöpfte Suche nach fundamentaler Erfahrung. Wie ein vertonter Sonnenaufgang in dem Film „Lost in Translation“, zwischen all den verglasten Hochhäusern und Leuchtreklamen, der den Menschen Fortschritt und Exklusivität suggeriert.

Der Livesound, das Bühnenlicht, die kleinen Anekdoten, all das ist stimmig und glänzt durch Perfektion. Seine Band bewegt sich präzise durch alle Stimmungen und jeder Einzelne ist ein brillanter Vertreter dieses Konzeptes. Die Mischung aus Bebop, Funk, Balladen und Westcoast Jazz ist vor allem eines: globalisierter Zeitgeist.

Brönners aktuelle CD „Oceana“ (u. a. mit Larry Goldings und Gary Foster) ist bei Verve/Universal erschienen.

Von Andreas Köthe / HNA

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