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26. Juli: Bettye LaVette (USA)

Betty LavetteKonzertkritik der HNA

Bettye LaVette ist eine der größten Soul-Sängerinnen der USA. Und es ist allein den manchmal kruden Wegen der Musikindustrie geschuldet, dass sie bis vor einem Jahr ein Geheimtipp war. Ihre großen Erfolge feierte die Sängerin in den 70ern mit Songs, die bis heute Evergreens sind, wie „My man – he’s a lovin man“. Ihre musikalische Laufbahn vergleicht sie dann auch mit einer unglücklichen Liebesaffäre. Doch im vergangenen Jahr wurde der renommierte Produzent Joe Henry auf Bettye LaVette aufmerksam und veröffentlichte mit ihr „I’ve got my own hell to raise“. Fortan überschlagen sich die Begeisterungsrufe von Elvis Costello bis Bonnie Raitt.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 18 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 20 Euro

Die Kritiker von LE MONDE bis zum TIMES MAGAZINE widmen ihr die Titelseiten, als Nachfolgerin der legendären Etta James wird sie gehandelt. Sie singt auf der neuen Veröffentlichung Lieder von Sinead O’Connor, Janis Joplin, Aimee Mann… - Bettye scheint in das Songmaterial zu kriechen und es sich völlig zu eigen zu machen.

Unzweifelhaft aus den Tiefen ihrer Seele kommt eine erstaunliche Ausdruckskraft, und die Stimme umfasst ein formidables Level von seelenvoller Authentizität. Wenn Bettye sich eines Songes annimmt, wird er ganz und gar zu einem Teil ihrer selbst. Ihr Talent, der Essenz eines Songs nachzuspüren, ist unnachahmlich.

Bettye LaVette ist sicher eine der subtilsten und zugleich aufregendsten Sängerinnen des Souls. Dafür wurde sie kürzlich mit dem Titel „Best Female Blues Artist“ und dem W.C. Handy Award geehrt. Bettye LaVette ist eine Songstylistin par exellence. Ihre musikalische Entwicklung reflektiert gelassen die Klugheit einer Karriere abseits des Mainstreames. Andy Kaulkin, Impressario ihres Labels Anti Records, hat der Sängerin Musiker zur Seite gestellt, die ihrer Vokaltechnik und ihre emotionaler Tiefe viel Raum lassen.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall AG

 
Ein Tanz auf dem Vulkan
Die Soul-Sängerin Bettye LaVette begeistert mit einer großartigen Bühnenperformance im Kasseler Kulturzelt

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Auf der Bühne nimmt sie den Schlussapplaus entgegen wie einen warmen Sommerregen im aufgeheizten Kulturzelt: Das Gesicht nach oben zum Bühnenhimmel mit den goldenen Sternen, die Arme weit ausgebreitet. Bettye LaVette scheint zu baden in der Sympathie ihres Publikums. Dann singt sie noch einmal mit dieser subtil-beseelten Stimme - ihre Musiker haben sich bereits ins Off verzogen - von ihrem Weg durch die Wüste. Und wieder ist er da, dieser Moment durchschimmernder Leidenserfahrung in einer großartigen Bühnenschau.

Auch so kann man eben 60 werden - gerade mal wieder durchstarten auf dem Weg in den Karriereolymp. Denn die zierliche Soul-Sängerin legte bereits mit 16 Jahren ihren ersten Song auf, doch der Durchbruch ließ auf sich warten. Erst 2002 gab ihr das Album “Dont Give Up on Me” einen neuen Schub, ihre zuletzt aufgenommene CD “I’ve Got my Own Hell to Raise” verspricht weiteren Comeback-Drive.

Die in Detroit aufgewachsene Sängerin hat ihre Karriere einmal mit einer unglücklichen Liebesaffäre verglichen, und so gestaltet sie mit ihrer vierköpfigen Band auch ihre Songs: Nah am Schmerz und am Leid und immer mit der Chance verbunden, daraus wieder neugeboren zu werden. LaVettes Lieder auf der neuen CD sind allesamt von Frauen geschrieben - den Großen der Musikgeschichte wie Sinead O’Connor und Janis Joplin - und ihre vibrierende, manchmal erotisch kieksende Soulstimme formt daraus ganz persönliche Bekenntnisse aus ihrem Leben. Die ganz schlicht im schwarzen Top und schwarzer Hose gekleidete Sängerin ist auf der Bühne wie eine Leidenspieta: Sie schreit, sie weint, ja, sie zittert bei “It’s over” ihren Schmerz aus sich heraus und ist auch bei “They took my joy, I want it back” ganz authentisch mit ihrer Trauer und Wut.

Dass diese kleine Person mit der großen Stimme vor allem aber ein Energiebündel ist, zeigt sie, wenn sie über die Bühne rockt, als habe sie eine Gitarre in der Hand, und ihren Song tonlos mit den Lippen singt - ein Tanz auf dem Vulkan. Bettye LaVette ist absolute Bühnenpräsenz und Performance-Kunst, so sollte man 60 werden. Ihr Publikum dankt es ihr mit Ovationen im Stehen.

Betty LaVettes aktuelle CD “I’ve Got my Own Hell to Raise” ist bei Anti (SPV) erschienen.

Von Juliane Sattler / HNA

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