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Agnes Obel (D/DK)

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Jul ’12
7
19:30

Agnes Obel; © Frank EidelEin wunderbares Konzert hat die dänischen Künstlerin Agnes Obel im letzten Kulturzelt-Sommer hingelegt; stilistisch bewegt sie sich zwischen Katie Melua und Feist. Agnes Obel ist dem deutschen Publikum allerseits über ihren fantastischen Song „Just so“ bekannt, der von der Telekom in einer ihrer letzten groß angelegten Kampagnen verwendet wurde - einmal gehört hat man den Song nie wieder vergessen!
Genauso funktioniert auch Agnes Obels Musik. Es geht eine geheimnisvolle Faszination von ihr aus, von den einfachen, harmonischen Klavierarrangements, der sanften Stimme, den zarten Texten. Eine sehr rätselhafte Faszination, die zuerst denken lässt: zarte, simple Sommermusik. Die dann aber eine Ernsthaftigkeit offenbart, die allen luftigen Tastenläufen eine fast bodenlose Tiefe verleiht, in die man sich sehr gern versenkt. Um schließlich im dunklen Raum wieder ein warmes, hoffnungsvolles Licht zu verbreiten, wie von Unmengen halb abgebrannter Kerzen. Nein, es ist definitiv mehr als pure Radiofüllung, es ist große Liedkunst, die Agnes Obel hier serviert. Agnes Obél schreibt, komponiert, singt und produziert ihre Musik allein.

Ab und an verirren sich dezente Celloklänge in den Klangfluss, mal gemahnt die Begleitung in ihrem verlässlichen Ostinato an ein Spieluhrwerk, tröstend und verstörend zugleich. Das Geheimnisvolle in Obels Musik speist sich nicht aus Klangeffekten, sondern eher aus der Stille. Sie könne, sagt sie, nicht über sich selbst schreiben. Sondern nur einfach schöne Geschichten erfinden und schlicht: gute Songs. Das leuchtet ein. Und gelingt. Aber da sage noch einer, Dänen lügen nicht. Sie tun es sogar sehr melodisch. Die Songs der Agnes Obel ruhen in sich selbst; ihnen wohnt eine nahezu Bach’sche Strukturiertheit und Sakralität inne, gepaart mit einer Stimme, zu geerdet um als ätherisch beschrieben zu werden. Ihre Musik lässt sich wirklich schwer zuordnen: Würde man sie in die Schublade „Piano–Pop“ oder „Folk“ schieben, täte man dieser Musik wirklich Unrecht.
Agnes Obel schafft es mit einer überschaubaren Anzahl an Instrumenten Liedstrukturen zu schaffen, die man zurecht als zeitlos bezeichnen kann. Lediglich das Klavier zieht sich fortwährend wie ein „grüner“ Faden durch die Songs. Begleitet von Cello, Gitarre und zurückhaltenden Percussion – Obel verkleidet jedes einzelne Kleinod mit klassischer Instrumentierung: reduziert, verspielt, mit lachendem und weinendem Blick.

Agnes Obel, piano, Voc.; Anne Müller, cello, guitar, voc.

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