Es war 2001, Roberto Fonseca gerade einmal Mitte Zwanzig, als Ibrahim Ferrer den jungen Pianisten in den „Buena Vista Social Club“ einlud. Damit trat er die Nachfolge von niemand Geringerem als dem verstorbenen Maestro Rubén Gonzáles an. Und wurde der jüngste Solo-Star des Clubs. Roberto Fonseca, in Havanna geboren, gilt als der bedeutendste Pianist seiner Generation. Seit Beginn seiner internationalen Karriere erstaunt der Musiker Publikum wie Kritiker mit seiner einzigartigen Kombination aus Virtuosität, Charisma und Authenzität. Er begleitet die alten Heroen wie Omara Portuondo, Guajiro Mirabal oder Cachaito Lopez und hat einen beträchtlichen Anteil an der Entwicklung der kubanischen Musik des 21. Jahrhunderts. Daneben findet Roberto noch Zeit mit Herbie Hancock, Wayne Shorter, Michael Brecker und Brian Blade zu spielen.
Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 15 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 17 Euro
Unerschöpflich scheint das Reservoire und die schöpferische Energie dieses Menschen. Er findet noch Zeit für „Agnes B.“ zu modeln und mit seiner Band an so renommierten Orten wie der Royal Albert Hall oder der Alten Oper in Frankfurt Konzerte zu geben. Er flirtet mit Jungle, drum’n’bass, Klassik und Soul, dabei hat der Pianist die Wurzeln der kubanischen Musik sehr präzise studiert. Er liebt das perkussive Element, bringt das afro-kubanische ins Spiel und nebenbei entlockt er seinem Synthesizer ein flirrendes Steel-Drum-Solo.
Es ist nicht allein das musikalische Können, dass das Spiel von Roberto Fonseca auszeichnet, es ist auch das Studium der an Zitaten reichen kubanischen Musik, ihrer vielfältigen Einflüsse und das Wissen um all jene Erkundungen, die geradewegs in die Zukunft führen.
Roberto Fonseca, piano & fender rhodes; Emilio del Monte, perc.; Emilio del Monte jr., perc.; Javier Zalba, clarinet, flute & sax; Ramsés Rodriguez,drums; Omar Gonzáles,double bass.
Der mit dem Flügel tanzt
Der kubanische Pianist Roberto Fonseca glänzte im Kasseler Kulturzelt
Draußen regnet es sacht, und im voll besetzten Kulturzelt spielt einer, über den die Natur ihre Gaben verschwenderisch ausgeschüttet hat. Ein Topmusiker mit dem Aussehen eines Topmodels - das gibt es fürwahr nicht alle Tage. Auf verwegene Weise trägt der schöne Mann seine Hosenträger: Den einen Träger hat er über die Schulter gespannt, der andere baumelt lässig herab. Doch musikalisch macht er keine halben Sachen.
Das Geheimnis seiner Begabung mag simpel klingen: Der kubanische Pianist und Komponist Roberto Fonseca bringt Spielfreude, Virtuosität, Gefühl und Logik unter einen Hut. Jeden Ton spielt er mit absoluter Selbstverständlichkeit, eine ungelenk platzierte Note kann man sich von ihm überhaupt nicht vorstellen. Kein Wunder, dass er vor einigen Jahren zum Mitglied des Buena Vista Social Club berufen wurde und schon mit US-Jazz-Stars wie Herbie Hancock und Michael Brecker auf der Bühne gestanden hat.
Im Kulturzelt baut der 31-Jährige Jazzsoli von vollkommener Stringenz. Er zeigt Herz bei Balladen, wie bei der finalen Zugabe “Somewhere Over the Rainbow”.
Da die musikalische Substanz stimmt, kann er sich Griffe in die klassische Effektkiste erlauben, beispielsweise mit der rechten Hand einen Triller über mehrere Takte schlagen und die Melodie in die linke Hand wandern lassen. Und selbst das einfachste Riff heizt er mit einem machtvollen Groove an.
Natürlich sitzt ein solches Rhythmusgenie nicht brav am Instrument. Vielmehr zeigt Fonseca eine lässig-ekstatische Performance als Tastenzauberer, der mit dem Flügel tanzt und - ebenso bezwingend selbstverständlich - auch mal die Melodien mitsingt. Vielgestaltig ist sein kubanisches Geschenk; es gibt sich zuweilen funky, im zweiten Stück des Abends überrascht es durch eine arabische Note. Eine wunderbare Band steht ihm zur Seite: Javier Zalba (Saxofon, Flöte, Klarinette), Omar Gonzáles (Kontrabass), die Percussionisten Emilio del Monte - Vater und Sohn - und der Schlagzeuger Ramsés Rodriguez.
Dies alles ergab ein Konzert der Extraklasse, von den Zuhörern mit größtem Wohlgefallen aufgenommen. Von Nachteil könnte es bloß für die Jazzer gewesen sein, die Kubanisches zur ungroovigen Hintergrundmusik machen. Wer Fonseca und seine Band gehört hat, dürfte in Zukunft auf sie allergisch reagieren.
Von Georg Pepl / HNA

