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28. Juli: Eric Burdon and The Animals (GB/USA)

Eric BurdonKonzertkritik der HNA

Der Mann ist unverwüstlich; Eric Burdon hat in verschiedenen Formationen in über vierzig Jahren Bühnenerfahrung bewiesen, dass er immer noch den Blues in die Stimme legen kann wie kaum ein anderer Weißer. Auf der Bühne kann der 1941 im englischen Newcastle geborene Musiker eine ungebrochene Präsenz und ungezählte Erfolge in die Waagschale werfen.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 20 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 22 Euro

Seine ersten Auftritte absolvierte er mit Alexis Corner, und bereits 1962 entstanden die „Animals“. Eine Tournee mit Chuck Berry unterbrachen die Animals kurz, um in einer knapp 20-minütigen Session „The house of the rising sun“ einzuspielen. Dieser Song wird nach wenigen Wochen die Charts der halben Welt dominieren.

Zu den Hits, die Ende der Sechziger, auf dem Höhepunkt der Hippie-Bewegung, entstehen, zählen das großartige „When I was young“ und „Monterey“, in dem Burdon seine erste Begegnung mit LSD auf dem Monterey Pop Festival im Juni 1967 verarbeitet. 1969 entsteht unter Eric Burdons Leitung die legendäre Band „War“. „Eric Burdon declares War“, nennen sie ihre erste Veröffentlichung und setzten damit einen Meilenstein in der Musikgeschichte.

1970 tritt War gemeinsam mit Jimi Hendrix im Ronnie’s Scott Club auf. Um diesen letzten öffentlichen Auftritt Hendrix’ ranken sich die Legenden. Er stirbt zwei Tage später. Auch Eric Burdon bekommt in dieser Zeit die Quittungen für seine zügellosen Ausschweifungen: Zusammenbrüche und Exzesse begleiten sein Leben. Burdon zieht sich schließlich zurück und arbeitet an seiner Autobiographie. Doch in den neunziger Jahren leuchtet sein Stern wieder hell.

1995 – nach einer erfolgreichen Kooperation mit Brian Auger – wird dieser unvergleichliche Sänger in die Rock`n`Roll Hall of Fame aufgenommen. Seither geht Eric Burdon immer mal wieder mit den Animals auf Tour und zeigt auch auf seinem neuen Album „Soul of a man“, welch begnadeter Entertainer und Sänger er noch immer ist. Nach „Secret live“ im Jahre 2004 erreichte auch „Soul of a man“ in diesem Jahr gleich einen Spitzenplatz in den Charts.

 
Ungebrochen und unverwüstlich
Eric Burdon präsentierte sich im Kasseler Kulturzelt in guter gesanglicher Form

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Was hat dieser Mann nicht alles im Leben durchgemacht? Er wurde um Millionen betrogen, seine Karriere war in den 80er-Jahren vollkommen durch, er bekam seine Drogen- und Alkoholprobleme nicht in den Griff und wurde in drittklassigen Shows durchgereicht.

Und dann steht Eric Burdon plötzlich auf der Bühne des Kasseler Kulturzeltes mit einer “Ihr könnt mich alle mal kreuzweise”-Miene und lässt mit seiner rauen, ausdrucksvollen Stimme keinen Zweifel aufkommen, dass man immer noch mit ihm rechnen muss.

Zur Eröffnung gibt es eine Fassung von “Don’t let me be misunderstood”, die zwischen der Coverversion von Santa Esmeralda und “Hotel California” (Eagles) angesiedelt ist. Eric Burdon trifft jeden Ton des Klassikers, hat stimmlich im Vergleich zum Original etwas an Volumen verloren, aber das kann man ihm mit 65 Jahren nicht vorwerfen. Er füllt den Abend mit Seele, und darauf kommt es an.

Anders hingegen seine Begleitband, die sich in Pflichterfüllung übt. Auch wenn sich Paula O’Rourke (Bass), Eric Mc Fadden (Gitarre), Red Young (Keyboards) und Wally Ingram (Schlagzeug) Mühe geben, den alten Klassikern durch neue Arrangements frischen Elan zu verleihen, so fehlten doch die markanten Teile der Originalaufnahmen. Da hätte man zum Beispiel bei “House of the rising sun” an Stelle eines viel zu langen E-Gitarren-Solos lieber den (Farfisa-)Orgelsound der Studiofassung gehört.

Songs wie die Dylan-Komposition “Baby let me take you home” oder die Bluesnummern “Mother Earth” und “Red Cross Store” versöhnen jedoch. Meist erzählt Eric Burdon zum Einstieg eine kleine Geschichte zur Entstehung des Stücks. Dann rockt die Band kernig neben dieser einmaligen Stimme los, Burdon schreit sich die Seele aus dem Leib, interpretiert den Blues, versteigert sich aber nie in Gefilde, die er nicht beherrscht.

Zum Finale gibt es “Sky Pilot” komplett mit der Intonation fallender Bomben und abstürzender Flugzeuge und als Abschluss “Ring of fire”. Am Ende dieser Huldigung an Johnny Cash löst sich die Band unter lautem Gesang des Publikums nach und nach auf. Als Erstes geht Burdon, den letzten Beat hat der Schlagzeuger, der immer wieder seinen Gang von der Bühne unterbricht, um auf das Fell zu hauen, und so dem Song und dem Abend eine gewisse Unendlichkeit einhaucht.

Fazit: Es wäre ein großartiges einstündiges Konzert gewesen, das durch überflüssige Soli leider auf 100 Minuten gestreckt wurde. Etwas weniger Masse zu Gunsten der zweifellos vorhandenen Klasse wäre da mehr gewesen.

Von Wilhelm Ditzel / HNA

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