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02. August: Lambchop (USA)

LambchopKonzertkritik der HNA

Lambchop, dies ist das bestgehandelte Geheimnis Nashvilles seit der Erfindung der Country MusicHall of Fame. Sie sind ihr Schatten, ihr schlechtes Gewissen und die Antithese zur hochgestylten Scheinwelt der Gegenwart.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 16 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 18 Euro

Seit jeher sind Lambchop für ihre aufwändigen Konzepte und spinnerten Umsetzungen bekannt, beliebt und berüchtigt. Die Band um Kurt Wagner lässt alle Genrekategorien links liegen – alternative Country, New Folk Soul und Jazz: alles richtig, alles falsch. Lambchop sind keine Americana-Band, dieser Begriff ist für sie nicht relevant. Ihre Aufnahme „Nixon“ war ein Spaziergang durch den sanften Überdruss der Siebziger, der sich meilenweit entfernt von den Seventies-Revivals positionierte.

„Lambchop is a Woman“ war eine Hommage an den vokalen Barjazz der 50er Jahre und galt den Kritikern als “eine der zehn besten Platten, die jemals gemacht wurden” (Süddeutsche Zeitung). Und doch sind sie nicht mehr die Bergarbeiter, die in den Stollen der Tradition nach verwertbaren Erzen suchen. Wagner steht wie ein Leuchtturm auf den sanften Dünen seiner instrumentalen Insel und hält nach allen Richtungen gleichzeitig Ausschau. Dabei ist er ein kryptischer Songschreiber, sein Stimmumfang beträchtlich, meist bewegt er sich allerdings am Rande des Sprechgesangs; ein Tenor mit einem zu hohen Zigarettenkonsum und der Fähigkeit, extrem pointiert zu artikulieren.

Piano, Stimme und all die kleinen Feinheiten, die Lambchop eingebaut haben: sanfte Akustikgitarren, eine umsichtig agierende Rhythmusgruppe. So einsam und intim klingt die Musik, dass die Band selbst fast in Vergessenheit gerät – wenn sie sich nicht immer dann ins Zeug legte, wenn die spröden Melodien sich zu Refrains aufschwingen: Nach drei, vier Minuten heben die Kompositionen ab und fliegen still und schwerelos wie eine Montgolfiere. Der eigentümliche Reiz dieser fast überirdisch aus Töne geformten Klangskulpturen liegt in der Zäsur, in der unglaublich präzisen Ökonomie aus Betriebsamkeit und Stille.

„Zum stürmisch umjubelten Finale verblüfft Wagner einmal mehr. Er läßt die rauchvernebelten Wellblech-Bars an den staubigen Highways hinter sich, ändert die Gangart der bis dahin lässig dahinschwelenden Erlebnisreise, dreht den Verstärker auf und rockt und röhrt wie ein brünftiger Hirsch.” FAZ

 

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