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Selig (D)

Magma

Jul ’13
14
19:30

Selig sind in das kollektive Gedächtnis der deutschen Grunge-Generation eingebrannt. Ende 1997, nachdem sie den Großteil der Filmmusik zu “Knockin’ On Heaven’s Door” eingespielt hatten, war eine künstlerische Pause wichtig. Zuviel Ruhm, zuviel Rummel. Bis 2007 dauerte das Sabbatical, dann ging es wieder los. Zwei erfolgreiche Alben und ganz euphorisiert vom neuen Ideenreichtum legen die Hanseaten Anfang 2013 den dritten Streich seit der Reunion nach. “Magma ist das Wort, das wir ewig gesucht haben, um die Energie zu beschreiben zu, die uns seit der Reunion umgibt.” Bis dahin hatten Jan Plewka und Kollegen den langen Weg zu einer der wichtigsten deutschen Rockbands der Neunziger hingelegt. Natürlich sind Zusammenhänge wichtig. Aber hier und jetzt wollen wir für einen Moment mal alles beiseite legen und das neue Selig-Album betrachten, ohne an gestern oder morgen zu denken. Warum?

selig-copyright-rabsch»Magma« ist ein derart jetztzeitiges, frisches und vitales Album geworden, dass man nicht einen Moment lang auf die Idee kommt, hier einer Band zu lauschen, die bereits auf eine derartige Karriere zurückblickt wie Selig. Einer Band, der nun ausgerechnet im 20. Jahr ihres Bestehens ein ebenso wütendes wie introspektives, bisweilen clever ironisches, dann wieder klug den Zeitgeist analysierendes Monster von einem Album gelingt. Wir sind also mitten in der post Reunion der Selig-Geschichte. Während »Und endlich unendlich« und das Folgealbum »Von Ewigkeit zu Ewigkeit« den Prozess der Selbstfindung dieser fünf ungleichen Freunde und Musiker reflektierten, richtet »Magma« den Blick nach vorne - und nach außen. Die selige Innenpolitik ist intakt, also fragen sie sich nun: „Was passiert in der sonstigen Welt?“ Aufgenommen hat die Band das neue Album in den East Midlands, in England. Nachdem die vorangegangenen Alben in eigener Regie entstanden waren, wollten Selig für »Magma« wieder mit einem Produzenten arbeiten. Schließlich kamen sie durch einen wunderbaren Zufall an den vermeintlichen „Rick Rubin von Europa“. Die Rede ist von Steve Power, der mit Blur und zahlreichen anderen Hochkarätern gearbeitet, vor allem aber gemeinsam mit Guy Chambers die entscheidenden ersten fünf Robbie-Williams-Alben produziert hat. Power könnte sich also mit einigem Recht entspannt zurücklehnen. Genau das tat er aber nicht. Er erkundigte sich über die Band und war begeistert . Sofort wollte er rüberkommen und die Musiker kennen lernen. »Und nur kurze Zeit später stand er dann tatsächlich bei uns im Studio«, erinnert sich Plewka lachend. So entstand ein Werk, dem man die Produktionsstätte durchaus anhört. „Ein Leben im Überflug, mit Leichtsinn und Selbstbetrug“ - Plewka und Selig kennen es. Der harten Grunge- und Alternative-Fixierung der früheren Jahre fügt die Band nun in einem zuweilen wilden Parcoursritt auch Einflüsse von Rock, Blues und Pop, Folk und Soul hinzu - ein fesselfreies Werk seit der Bandwiederbelebung: mutig, innovativ und frisch.

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