Menü

Tindersticks (UK)

The Something Rain

Jul ’13
19
19:30

tindersticks_christopheagou-2sBei ihren Auftritten tragen sie in der Regel Anzüge und ihre Sprache ist herrlich Upper-Class-Englisch – das ist aber auch schon alles, was versnobbt an den Tindersticks ist. Sie machen komplexe und intensive Lieder, die von poetischen Texten und Klarheit geprägt sind, getragen von murmelndem Gesang und melancholischer Orchestrierung. Nach vielen gefeierten Alben, Cooperationen mit Jarvis Cocker (Pulp), Kurt Wagner (Lambchop) und Calexico kehrt die legendäre Band nun wieder auf die Bühnen zurück. Ihren 20. Geburtstag haben sie unlängst gefeiert, und Stuart A. Staples sagt dazu: “We are still drinking, laughing, crying, fighting, fucking, making our music”. Dass ein stehts frischer und manchmal stürmischer Wind in der Band weht, zeigt sich an der Dichte der Auftritte und der Veröffentlichungen in den letzten Jahren: 2010 erscheint “Falling Down A Mountain”, im Februar 2012 “The Something Rain”. Nach zwei Studioalben treten die Tindersticks nun in eine neue Schaffensphase ein, die wunderbarer nicht sein könnte. Stuart A. Staples, der alte Melancholie-Crooner, lässt sich Zeit, lässt erst die schweren Bass-Grooves heranrollen, bevor er anhebt: “Show Me Everything”, als hätte er immer noch nichts kapiert von der Liebe im besonderen und dem Leben im allgemeinen.

Melancholie: es gilt dieses zarte, neurotische Pflänzchen auch zu verteidigen: als Miserable Way of Life, der unfassbar glücklich machen kann. Elegant, episch und sehr atmosphärisch ist das hier. Ganz egal, ob “Show me everything” an Nick Cave erinnert, “This fire of autumn” an die späten Blur und “Medicine” an die verstörenden Devastations: Alles fließt zusammen, jede Note gehört genau an den ihr zugedachten Ort. So homogen und voller Selbstsicherheit haben Tindersticks schon seit ein paar Alben nicht mehr geklungen. “The Something Rain” kommt mit solch ungeahnter Wucht daher marschiert, dass es als Ausrufezeichen einer Band angesehen werden darf, die es um jeden Preis noch einmal wissen will. Schon allein die Art und Weise, wie die sieben Tindersticks Pomp mit Pop kombinieren, Saxofone niemals schwülstig klingen lassen und Staples’ Stimme gar zu den lieblichsten Songs einen spröde Gegenpart bildet, ist phänomenal. Happy being sad.

Kommentieren ist momentan nicht möglich.