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Get Well Soon (D)

The Scarlet Beast O‘Seven Heads

Aug ’13
24
19:30

30-get-well-soon1Als Konstantin Gropper das neue Get Well Soon Werk als seine „Sommerplatte“ vorstellte, dachten wir erst, er scherzt, nur gelacht hat er nicht. Fakt ist, dass das nebulös betitelte „The Scarlet Beast O‘Seven Heads“ tatsächlich die erste GET WELL SOON Platte ist, die nicht im Januar erschien, sondern im knalle-heißen August des vergangenen Jahres. Und auch musikalisch stimmt das mit der „Sommerplatte“, aber auf eine ganze eigene, verspielte und natürlich trotzdem morbide Weise. Nichts da mit wahlweise: Eis am Stiel, Lagerfeuerromantik oder Ferienstimmung. Der Groppersche Sommer ist ein fiebriger Trip im Halbschlaf, in dem man von Visconti und Donald Sutherland träumt und überhitzt aufwacht. Obwohl, laut Gropper, das Album von dem verzweifelten Versuch handelt, „kein Album über den Weltuntergang zu machen“, ist ihm das offensichtlich nur zur Hälfte geglückt. Man stelle sich einen hochbegabten und erfolgreichen jungen Mann vor, der sich eine ganze Weile in sein Denkkämmerchen zurückzieht. Und dann kommt dabei tatsächlich das möndänste und anspruchsvollste Pop-Album des Jahres raus: „The Scarlet Beast O‘Seven Heads“.

30-get-well-soon-31Zuerst sei noch mal zur Beruhigung versichert: Konstantin Gropper mag nicht weg vom Breitwand-Format und vom Weltschmerz, und das ist gut so, ob er nun für Wim Wenders Filme
oder für ARTE „high-brow Porno Miniserien“ Musik schreibt, oder ob er sich seinem eigenen,
melancholischen Pop-Epos widmet. Es klingt immer alles groß. Selbst die stillsten Momente haben diese Größe. Und trotz allem schwebt der Pomp bei Get Well Soon nicht sinnlos wie eine
Scorpions-Orchester-Blase im luftleeren Raum, sondern steht auf unverwüstlichen Füßen.
Um den Künstler nochmals zu zitieren: „Ich dachte mir, ich löse mal ein, was ich mit dem zweiten
Album zwar propagiert, aber nicht unbedingt ausgelebt habe: Ich mache mich locker. Mal schön
fluffig aus der Hüfte, dachte ich, und hab mal ein bisschen Dolce Vita zugelassen. Aber nur ein
bisschen“.

30-get-well-soon-21Doch die Musik auf die hier und da ausgelösten Schlüsselreize „Italien“ bzw. „Filmmusik“
herunter zu brechen, wäre zu kurz gedacht. Das wäre dann auch nicht Get Well Soon. Wenn
man also diese Zeilen liest, dann ins Konzert geht und sich auf einen blümerant vor sich hin
swingenden Strand-Abend freut („…meine Sommerplatte“), dann würde man wahrscheinlich
bereits von dem als „Prologue“ dienenden, und folgerichtig so genannten ersten Titel, verwirrt . Sehr viel melancholischer kann Get Well Soon eigentlich nicht starten. Die gewohnte Opulenz kommt im Verlauf des Songs. Es folgt eine leicht ironische Verballhornung des Weltuntergangs-Hypes, aber eben mit den Mitteln des italienischen Easy-Listening- Instrumentals. Und so geht es munter weiter mit einer komplexen Anti-Zynismus-Hymne. Weiter geht die Reise durch den „Gropperschen Themenpark“ und last not least der großartigen Disco Hymne, die sich vor all den „troubled women“ aus Hitchcocks großen Filmen verneigt. Klar wird es bei Get Well Soon auch romantisch, schließlich wollte die Gruppe nach eigenem Bekunden einmal die Lücke, die einst die Flippers hinterließen, füllen, und natürlich blitzt da die Ironie auf. “The Scarlet Beast O`Seven Heads” - wer sich in der Bibel auskennt weiß, dass das Ungeheuer die Apokalypse ankündigt. Was für ein Tanzrausch!

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