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19. Juli: Tower of Power (USA)

Tower of PowerKonzertkritik der HNA

Tower of Power aus Oakland gehören zu dem Besten, was das Genre Soul zu bieten hat. Die Band um Leader Emilio Castello und Stephen „Doc“ Kupka ist seit dreißig Jahren für einen unverwechselbaren Sound verantwortlich, der die Klischees des frühen Soul und Funk so ungemein geschickt verarbeitet, dass ihre Hits wie „Soul Vaccation“ und „Knock yourself out“ klingen, als seien sie soeben komponiert worden. Sie haben eine der wichtigsten Fragen der Musikgeschichte geschrieben: „What is hip?“ - und diese dann auch gleich beantwortet.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 17 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 19 Euro

Zum einen komplizierte Grooves, bei denen der Einsatz der Synkopen auf die Spitze getrieben wird, zum anderen die Dominanz der Bläsersektion - die Rhythmen sind immer tanzbar ohne balladeske Attitüde. Ihren speziellen Groove entfaltet die Band durch die Art, wie sie mit den Arrangements umgeht, wie sie kurze und unglaublich präzise Bläserstöße in das brodelnde Soulfunk-Fundament schickt.

Allesamt sind sie Weltklasse-Musiker, mehr verliebt in Grooves und Swing als in die eigene Kunstfertigkeit. David Garibaldi am Schlagzeug ist Idol einer ganzen Musikergeneration. Das handwerkliche Können darf getrost als konkurrenzlos bezeichnet werden und findet in Musikerkreisen höchste Anerkennung. Sie werden immer gern gebucht, eine Auswahl ihrer bekanntesten Arbeitgeber sind Elton John, Rolling Stones, die Eurythmics und Phil Collins. Bei ihren Live-Auftritten zünden Tower of Power eine Party, lebensfroh und erdig: funky eben und immer „well in time“.

 
Gralshüter echter Soulmusik
“Tower of Power” präsentierten sich als Groove-Maschine mit anhaltend hoher Taktzahl

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Nicht enden wollende Beifallsstürme branden an die Kulturzeltbühne - dabei haben sie noch gar nicht richtig angefangen. Es ist eine Würdigung der 38-jährigen Bühnenleistung, in der “Tower of Power” 15 Alben veröffentlicht und unzählige Tourneen absolviert haben. Zum wiederholten Mal blickte das zehnköpfige Soul- und Funkgestirn aus Oakland auf ein ausverkauftes Zelt, zwar ohne neues Album, dafür mit randvollem Repertoire.

Knifflig arrangiert, geradlinig im Stil, aber ebenso lässig und tanzbar, war ihr Konzert am Mittwochabend. Eine Auslese aus vier Bandjahrzehnten und ein musikalisches Manifest für die “echte Soulmusik”, wie Bandgründer Emilio Castillo seine Passion beschreibt, erwarteten das restlos begeisterte Publikum.

Aufgeknöpftes weißes Hemd, Goldkettchen mit Kreuzanhänger und Extremitäten, in denen sich die Grooves der Band entluden. Larry Braggs, der Leadsänger, der auch den Animateur mimte, gebührte nur die Rolle des zweiten Stars der Band. Stärker noch schillerte der renommierte, fünfköpfige Bläsersatz, dessen Seele die beiden Urväter von “Tower of Power” Tenorsaxofonist Castillo und Baritonsaxofonist Stephen Kupka, sind. Exakt wie eine Mechanik griffen die drei Saxofone und zwei Trompeten ineinander, punktgenau brachen sie einzeln aus dem Bläserensemble hervor, um dann wieder in ihm aufzugehen. Immer wieder bejubelt wurde das dumpfe Quäken von Kupkas Baritonsaxofon, aber auch sonst geizten die Arrangements nicht mit Raum für Instrumentalpassagen - hervorzuheben Keyboarder Roger Smith an der Hammondorgel.

Die Songformate variierten zwischen zappelig-groovigen Funknummern (”What is hip?”) und üppigen Soulballaden (”Time will tell”), beide Tonalitäten brachte Braggs Soulstimme inbrünstig hervor. “I got to groove …”, sang Braggs und die mächtige Gestalt Kupkas schüttelte elektrisiert die Hüfte. Hier lebt man Musik und lässt sich auch vom fortschreitenden Alter nicht stoppen. Zur Hymne auf James Brown “Diggin’ on James Brown” griff Castillo selbst zum Mikro. Das Publikum war angetan und der Kalifornier auch: “Kassel, just I remember it”. Zum Abschied war es wie mit dem Soulschmeichler “So very hard to go”.

Von Bastian Ludwig / HNA

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