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13. August: Taraf de Haidouks (R)

Taraf de Haidouks © Youri LenquetteKonzertkritik der HNA

Clejani. Ein kleines 3000-Seelen-Dorf im rumänischen Südosten, in der Walachei gelegen. Hier, rund vierzig Kilometer südlich der Hauptstadt Bukarest, in der Nähe der bulgarischen Grenze, sagen sich Hase und Fuchs gute Nacht. Eine ungeteerte Hauptstraße, armselige Hütten und eine Kneipe. Aus Clejani kommt aber auch eine der bemerkenswertesten Weltmusik-Gruppen, die Taraf de Haidouks.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 15 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 17 Euro

Seit das heute dreizehnköpfige Ensemble 1991 erstmals in Westeuropa aufgetreten ist, gelten die rumänischen Roma als die Sensation der internationalen Weltmusik-Szene. Ob beim Womad-Festival in Barcelona oder Yokohama, beim Rockfestival im englischen Reading, bei Konzerten in Berlin oder jüngst erst in New York – die Rumänen rissen noch jedes Publikum zu Begeisterungsstürmen hin und provozierten jedesmal überschäumende Kritiken.

Die Musik der Taraf de Haidouks ist ein buntes Gemisch verschiedener Traditionen. Hier trifft der Folk des Balkan auf Orientalisches, bulgarische Themen treffen auf türkische Melodien, rumänische, ungarische, jugoslawische und griechische Folklore verschmelzen zum neuen Ganzen. Balladen und Liebesgeschichten sind die Domäne der älteren Bandmitglieder und die Junioren wetteifern mit schnell gespielten Tänzen darum, wer die größte Virtuosität auf die Bühne bringt – Instrumentals im Hochgeschwindigkeitsrausch. Da die “lautari” Berufsmusiker sind, arbeiten sie auch mit dem traditionellen Material, improvisieren viel und überarbeiten anderes neu. So kommt es teils zu abenteuerlich anmutenden Arrangements.

Beim Konzert wechseln sich Lieder und Instrumentals ab. In verschiedenen Gruppen, mal zu viert, mal zu fünft, kommen die Musiker auf die Bühne. Erst zum großen Finale steht das ganze Dutzend gemeinsam auf der Bühne und bringt ein grandioses Schlussstück. Hier stechen auch die jüngeren Gruppenmitglieder heraus: Der dunkelhäutige Geiger Caliu etwa, ein Meister des flinken Bogenstrichs, oder der Flötenspieler Falcaru, der mit seiner 70er-Jahre-Frisur aussieht wie ein Fußballstar von damals. Wenn dann alle des Taraf-Clans die Bühne bevölkern, spürt man, woraus der Zauber dieser Tziganes besteht: Die Tarafs geben kein Konzert - mit ihrer Lebensfreude verkörpern sie die Musik selbst.

 

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