Menü

Cristina Branco (Portugal)

Kronos

Jul ’09
3
19:30

Cristina BrancoGut 30 Jahre nach Portugals Nelkenrevolution geht Cristina Branco den Weg einer musikalischen Zeitenbummlerin. Cristina Branco wuchs fern der Fadolokale in Lissabon auf; nichts ließ erahnen, dass ihre Leidenschaft für den Fado brennen würde. Wie bei vielen jungen Portugiesinnen und Portugiesen, die nach 1974 geboren wurden, galt ihr Interesse der Folklore, dem Jazz und Blues oder dem Bossa Nova, aber nicht dem Fado. Er war die Musikrichtung einer anderen Generation. Das änderte sich allerdings schlagartig, als ihr Großvater ihr zum 18. Geburtstag das Album Rara e Inedita von Amália Rodrigues schenkte. Plötzlich entdeckte Branco alle Emotionen und Facetten dieser Musikrichtung des portugiesischen Lebensgefühls saudade. Cristina Branco bricht nicht einfach mit der Tradition des klassichen Fado, sie verfügt über das außerordentliche Talent, die Traditionen zu respektieren und gleichwohl frisch zu interpretieren; Die Vocalistin bewahrt die Essenz dieser sehnsuchtvollen Musik und erweckt den Fado durch ihre authentischen Interpretationen wieder zu neuem Leben – außerordentlich charismatisch sind ihre Interpretationen der Fado-Klassiker. Cristina Branco, die Neo Fadiista aus dem Ribatejo nördlich von Lissabon. singt nicht, sie beseelt. In ihr sehen viele die Erbin der großen Amalia Rodrigues, die wie keine andere den Fado prägte. Mit “Corpo Illuminado” kam der erste internationale Erfolg. Was macht die Faszination dieser jungen faszinierenden Persönlichkeit aus? Zwar hat Cristina Branco die Insignien des Fado-Genres, wie das berühmte schwarze Tuch und die melancholische Grundhaltung übernommen, ihr Vortrag jedoch steht für sanfte, nicht plakative Erneuerung. Cristina Branco steht für eine fast mädchenhafte, innerliche Variante des neuen Fado, verfügt über eine äußerst warme, nicht zu aufdringlichem Pathos neigende Stimme. Der Schwermut des Genres setzt sie freudige Transparenz mit spielerischen Sprüngen zwischen den Emotionen entgegen: Da findet auch mal ein lichtdurchflutetes brasilianisches Lied Eingang ins Repertoire, oder ein angolanischer Lundu-Rhythmus.

Cristina Branco, Rechte: Augusto BrazioIm März 2009 wurde „Kronos“ veröffentlicht, ein Tribut an 12 sehr unterschiedliche portugisische Koryphäen von Carlos Bica bis Jorge Palma. Eine musikalische Reflektion über das hier und jetzt, dass sich aus der Tradition speist und gleichzeitig in die Zukunft des Fado weist. Ohne Zweifel – dieser charismatischen Sängerin ist eine große Zukunft gewiss, in Portugal und auf den Bühnen dieser Welt.
Cristina Branco, voc.; Ricardo Dias, piano; Bernardo Couto, portuguese guit.; Alexandre Silva, guit.; Fernando Maia, bass guitar

Kommentieren ist momentan nicht möglich.