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17. Juli: Anoushka Shankar (USA)

Anoushka ShankarKonzertkritik der HNA

Mit ihren erst 25 Jahren hat Anoushka Shankar, Tochter und langjährige Schülerin des indischen Sitarvirtuosen und Komponisten Ravi Shankar und Schwester von Norah Jones, bereits erreicht, wofür andere Musiker Jahrzehnte benötigen. Die Sitar ist gewissermaßen das Königsinstrument der indischen Musik und Anoushka Shankar debütierte bereits mit 13 Jahren als Meisterschülerin.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 15 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 17 Euro

Inzwischen selbst virtuos auf der Sitar und dem Konzertpiano, verfolgt Anoushka Shankar stets ihre eigenen Wege, auf denen sie Persönlichkeiten begleiteten, deren Namen den Rang und die Bandbreite ihrer künstlerischen Arbeit beglaubigen. Sie spielte unter Zubin Mehta und trat gemeinsam mit Mstislaw Rostropowitsch auf. Mit Sting, Madonna, Herbie Hancock, Elton John, Peter Gabriel und nicht zuletzt mit ihrer Schwester Norah Jones teilte sie die Bühne, mit George Harrison war sie befreundet, mit Paul McCartney hat sie eng zusammengearbeitet.

Anoushka Shankar verbindet die traditionelle indische Musik mit Elementen des Jazz und des Rock’n Roll. Dabei entsteht etwas vollkommen Neues, in dem das Indische wie das Westliche unzerstört enthalten sind und gleichsam eine untrennbare Einheit bilden. Anoushka verkörpert den Aufbruch des alten Indien in Richtung einer modernen Nation. „Rise“ bedeutet Zunahme, Anstieg und Aufschwung. Der Aufgang der Sonne wird damit ebenso beschrieben, wie der Aufstieg einer Nation.

Mit ihrem Ensemble aus zehn Musikern breitet Anoushka Shankar raumfüllende Klangteppiche aus, die manchmal an die Experimente der Beatles mit Sitar und Tablas erinnern, manchmal an King Crimson und manchmal an nichts von alldem, was man je gehört hat. Während der Ton der Sitar virtuos aufsteigt in orientalischen Klangfolgen, wird der Sound vorangetrieben von Gitarrengrooves, percussion und tragenden Baßläufen. Dabei sind tabla, Flamenco-Piano, live electronoics, flöte, vocals, Bassgitarre und percussion. Ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Konzert.

 
Sitar, Laptop und Pfeifgeräusche
Das Konzert von Shooting-Star Anoushka Shankar im Kasseler Kulturzelt litt am schlechten Sound

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Man war gespannt auf Anoushka Shankar, die berühmte Musikerin aus einer berühmten Familie: Ihr Vater heißt Ravi Shankar, ihre Halbschwester Norah Jones, doch das sei nur nebenbei erwähnt. Denn Anoushka Shankar ist eine Sitar-Virtuosin und eine innovative Komponistin, Arrangeurin und Produzentin, wie auf der CD „Rise“ nachzuhören ist. Klassische indische Musik mixt sie mit modernen westlichen Elementen – ein Soundtrack fürs spirituelle Relaxen.

Ein Doppelgesicht aus Tradition und Moderne zeigte auch die Besetzung ihrer siebenköpfigen Band im ausverkauften Kasseler Kulturzelt. Der Tabla-Virtuose Tanmoy Bose war ebenso dabei wie Nick Able, der am Laptop die Live-Electronics beisteuerte. Mal ging es ganz klassisch zu, mal mit Beats und atmosphärischen Klangtapeten im Hintergrund. Und da neben der impulsiven jungen Meisterin noch weitere exzellente Musiker auftraten, hätte es ein Spitzenkonzert werden können.

Aber leider war der Sound ungewöhnlich schlecht. Nicht einmal ansatzweise konnte er mit der Perfektion von „Rise“ mithalten. Die Bordunsaiten des Sitar kamen zu hell und aggressiv rüber, der Flügel klang zu hart, der E-Bass wummerte anfangs brachial, und es haperte auch mit der Balance. Kein Wunder, dass die Musiker dem Tontechniker, der nicht vom Kulturzelt-Team kam, oft mit Handzeichen Veränderungswünsche für die Abmischung zu verstehen gaben. Besonders schlimm: Sogar einige schrill pfeifende Rückkopplungs-Geräusche musste man über sich ergehen lassen.

Am ausgewogensten wirkte der Klang noch bei dem langen Stück gegen Ende des Abends. Durch die tönende Mathematik des indischen Musiksystems spielten sich Anoushka Shankar, die Percussionisten Tanmoy Bose und Pirashanna Thevarajah und der Flötist Ravichandra Kulur mit ungeheurer Virtuosität. Die Ovationen danach waren wirklich verdient.

Von Georg Pepl / HNA

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