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Moriarty (USA/F)

Gee Whitz But This Is A Lonesome Town

Jul ’09
24
19:30

Das französisch-amerikanische Verhältnis gilt als belastet. Stichwort “Freedom Fries”. Amerikaner halten Franzosen gemeinhin für arrogante Schnösel, Franzosen im Gegenzug Amerikaner für kulturlose Trampel. Frankreich und die Staaten können aber doch miteinander. Sie können sogar Liebe machen und zusammen gehören.

Moriarty, Rechte: Lea CrespiSiehe Moriarty: In dem transatlantischen Quintett vereinigen sich Frankreich und die Staaten so selbstverständlich wie Wasser aus der Seine und dem Mississippi: Alte Welt trifft neue Welt, Country trifft Chanson, Swamp-Blues trifft Cabaret. Ein nächtlicher Folk-Mix, der keinem Jahrzehnt, keinem Jahrhundert, keinem Ort zuzuordnen ist. Banjo, Harmonica, Doublebass, ein Koffer als Trommel und die unvergleichliche Kanarien-Stimme von Rosemary Moriarty. Die Bühne ist voll gestellt mit allerlei Instrumenten und Gerätschaften, und die Musiker sind ganz spezielleTypen, pflegen alle einen eigenen Stil, ob Klamotte oder Frisur.

Moriarty, Rechte: Lea CrespiUnd wichtiger noch: auch als Instrumentalisten sind sie spezial und was sie da ,mit Gesang, Gitarre, Dobro, Kontrabass, Schlagzeug und Mundharmonika, auf die Bühne zaubern ist unique, einzigartig, so und in dieser Kombination noch nicht zu hören gewesen. Bedenkt man ihre Biografie, hört in den eher Blues und Country gefärbten Titeln die Weite Amerikas heraus, könnte man schnell auf die Idee kommen, sie zur bestmöglichsten Verkörperung von Wim Wenders „Paris, Texas“ zu erklären. Aber in Moriartys Musik steckt mehr als the best of both worlds. Und so wirklich frankophil ist sie gar nicht, eher global angelegt. Denn ihre Chanson-Variante könnte auch im Berlin der Dreißigerjahre zu Hause gewesen sein.

Moriarty, Rechte: Lea CrespiCabaret trifft auf Folk, und der hat auch östliche Farben. Die Show ist eine Inszenierung. Die Sängerin gibt eine Diva, aber die erzählt ganz bodenständige Geschichten, die auch an Tragik und Komik nicht vermissen lassen. Hauptsache, man wiederholt sich nicht. Es darf experimentiert werden. Der Einsatz spezieller kleiner Instrumente wie einem Glockenspiel oder Utensilien des täglichen Lebens wie Zinkbadewanne oder alter Reisekoffer erzeugen einen zuweilen skurrilen, aber immer bezaubernden Sound. Die Perkussion erinnert mitunter an Tom Waits. Und von ihm spielen sie ja auch einen Song, aber nicht nur das.

Auch eine ihrer Lieblingsbands der Achtziger muss dran glauben: Depeche Mode. „Enjoy The Silence” bekommt einen ganz eigenen Dreh.– große Kunst. Erklären tut dies ein wenig ihr Albumtitel “Drifting Letter Office” –„Das Amt für verloren gegangene Briefe“. Jeder der Songs ist ein Brief an eine Person, der nicht ankam. Diese einzelnen Geschichten kann man sich auf der.Homepage von Moriarty zusammenreimen, (www.myspace.com/moriartylands) – was auch schon mehr als eine Millionen Menschen getan haben. Natürlich als Rätsel, in einer Online-Schnitzeljagd.

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