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Sophie Hunger (CH)

Monday’s Ghost

Jul ’09
30
19:30

Romantik ohne Pathos, Melancholie ohne Wehleidigkeit. Mit ihrer charismatischen Stimme lebt Sophie Hunger ihre Musik zwischen Folk und Soul mit jeder Faser ihres Körpers - darum kommt sie auch ganz ohne Effekthascherei aus.

Sophie Hunger, Rechte: Benoit Peverelli Das Licht der Kunstfigur Sophie Hunger, eine Folksängerin ohne Folk-Botschaft, hatte bislang nur auf der Bühne gebrannt. Mittlerweile ist ihr erstes, wie man so sagt: professionelles Album in der Schweiz bei einem kleinen Label erschienen. Der Branchenriese Universal zieht nun in Frankreich und in Deutschland nach. “Monday’s Ghost” landete gleich in der ersten Woche auf dem ersten Platz der helvetischen Hitparade, Es geht um Zauber und um Täuschung, um Verführung. Etwa wenn sie manchmal die Vokale verformt und sie in ein Nuscheln gleiten lässt, dessen stilisierte Prononcierung so sehr ihre Bewunderung für Radiohead verrät.

Oder ihr Faible für Bob Dylan, dessen Werk sie erst vor zwei Jahren über einen lokalen Imitator kennen gelernt hat. Die Songs von “Monday’s Ghost” erzählen keine Geschichten im herkömmlichen Sinne, sondern reflektieren Impressionen, die jeder Hörer mit eigenen Erlebnissen und Eindrücken in Bezug setzen kann. So drehen sich beispielsweise die Songs “Shape”, “Drain Pipes” und “Teenage Spirit” allesamt um die Idee von Form und widerspenstigem Inhalt. Vielseitiger geht’s kaum. In “Round And Round” gibt sich Sophie Hunger, als wäre sie in einer Jazz-Lounge zu Hause. Dann aber, in “The Tourist”, hämmert das Piano, als hätte Tori Amos den Punkrock entdeckt.

“Boat Is Full” rockt von einer Indie-Ecke in die nächste, während “Birth-Day” mit losfetzender Harmonika an Bob Dylans “Like A Rolling Stone” erinnert, ohne peinlich zu sein. “Protest Song” dockt nur insofern an die Folk-Tradition an, weil der Text elegant von der Täuschung handelt, einen Protest Song zu schreiben: “I had nothing, then I had you”, sagt die Sängerin zu ihrem Lied des Widerstands, das sie damit als willkürlichen Sinnfüller entlarvt.

Sophie Hunger ist keine neue Norah Jones und will es auch gar nicht sein. Eine musikalisch-geistige Verwandtschaft besteht da schon sehr viel eher zur Kanadierin Leslie Feist, deren phänomenalen Erfolg bei Kritik und Publikum man auch nur schwer erklären kann. Sophie Hunger hat ihre eigene Identität gefunden und trifft mit ihrer Musik, wie bejubelte Konzerte in England und Frankreich schon zeigten, den Nerv ihrer Hörer. Ihre zauberhafte Stimme verführt den Hörer. Man kann gar nicht anders, als der Musikerin von der ersten bis zur letzten Minute gebannt zu lauschen.

Gefühlvoll und ausdrucksstark intoniert sie ihre ausgefeilten Melodien. Passend zur stilistischen Vielfalt der Songschreiberin, fällt auch das Begleitinstrumentarium äußerst vielseitig aus. Angerockte Stücke wie “The Boat Is Full” und “The Tourist” warten mit allerlei E-Gitarren und energischem Schlagzeug auf. In ruhigen Momenten dominieren Akustikgitarre, Klavier und Posaune das Klangbild.

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