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1. & 2. Juli: Lizz Wright (USA)

Lizz Wrightzur Pressekritik

Lizz Wright ist der neue Star der amerikanischen Jazzszene. Ihr Debutalbum “Salt” (2003) bescherte der jungen Sängerin viele Preise und eine Grammy-Nominierung. Die Arrangements künden von einem großen Talent als Sängerin und Songwriterin. Entdeckt wurde die junge afro-amerikanische Vocalistin, nachdem sie in Chicago und Los Angeles zu Ehren von Billie Holiday auftrat. Danach lag ihr die US-Presse zu Füßen und gleich mehrere Musik-Konzerne wetteiferten um ihre Unterschrift. „What a difference a day makes“.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 16 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 18 Euro

Ihr neues Album “Dreaming Wide Awake” wird als beste Singer/Songwriter-Veröffentlichung des Jahres gehandelt. Ihre gefühlsprallen Balladen agieren geschickt zwischen den Grenzen von relaxtem Jazz und Gospel, nachtblauem Soul und R & B. Sie verfügt für ihre jungen Jahre über ein außergewöhnlich reiches Timbre und versteht es, wie alle großen Jazz-Sängerinnen, den Liedern eine ureigene Authentizität einzuhauchen. Lizz Wright schichtet Texturen, die wunderbar transparent sind und schafft Atmosphären, die an Intimität kaum zu überbieten sind. Eine Stimme wie Samt und Seide, die unter die Haut kriecht in ihrer unglaublichen Klarheit und unkomplizierten Eleganz.

“Natürlich wollte ich einen Schritt nach vorne unternehmen. Aber ich habe auch festgestellt, dass ich in meinem tiefsten Inneren … ein Faible für Schlichtheit habe und eine sehr sanfte Person bin.”

Schöne Arrangements, dezent, mit viel Gitarre und Percussion, werfen neue Farben auf Stücke, die durch Künstler wie Neil Young, Frank Sinatra oder Madonna bekannt geworden sind. Lizz Wrights wunderschöne, dunkelsahnige Stimme taucht in die Lieder ein wie in Kakao: geschmeidig, intim, mühelos.

Dreaming Wide Awake hat wenig Jazzelemente, ist aber reich an erdig-warmem Flair aus Gospel, Soul und Spiritual, einer tiefen Ursprünglichkeit, die schon auf Lizz Wrights Debutalbum Salt so sehr beeindruckte.

Und einen Flügelschlag später, in den Konzerten der Sängerin entsteht eine Konzentration, die aus dem Gesang und der Interpretation dieser reifen, Würde verströmenden Stimme rührt, die man einer 25-Jährigen so kaum zutrauen würde. Ihre unnachahmliche Stimme pendelt zwischen innigstem Seelengefühl und unbekümmerter Frische, man staunt über eine solche klangliche Vielschichtigkeit und verneigt sich vor der musikalischen Leistung dieses Talentes. Kein geringerer als Spike Lee hat in Lizz Wrights Videoclip „Open your eyes, you can fly“ Regie geführt. Lizz Wright steht eine große Zukunft bevor und mit etwas Glück und Gerechtigkeit hören wir schon in diesem Sommer eine zukünftige Grammy-Königin.

Lizz Wright, vocal; Marwin Sewell, guitar; Edward Wright, guitar; Gregg Fine, drums; Massimo Bialcoti, bass.

Bitte beachten Sie, dass wir am 2. Juli die Hälfte der Plätze für die Förderer des Kulturzeltes reservieren und sichern Sie sich rechtzeitig Ihre Eintrittskarte.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall AG

 
Honig, der bleibt
Die brillante Jazzsängerin Lizz Wright sang am Samstag zur Eröffnung des Kasseler Kulturzelts

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Wo nimmt sie nur die Töne her? Tief und erdig kommt es aus ihrem schlanken Körper - eine Bandbreite, für die sie eigentlich mindestens 20 Kilo mehr wiegen müsste. Trotzdem bringt die Jazzsängerin Lizz Wright zum Auftakt am Samstag das Kulturzelt in Kassel zum Vibrieren - mit Frequenzen, die gar nicht da sein dürften.

Lizz Wright müsste eigentlich nicht nur 20 Kilo mehr wiegen, sie müsste auch mindestens 20 Jahre älter sein. Lebenserfahrung und Reife strafen ihren schönen, 25-jährigen Körper Lügen. Etwa wenn sie mit Soulstimme vom Geschmack des Honigs erzählt, der nach einer zerbrochenen Liebe auf den Lippen bleibt, oder von dem Gefühl, bleiben zu müssen, obwohl der andere längst gegangen ist. Recht hat sie, wenn sie singt: “Alter Mann, ich bin wie du - schau in meine Augen, und du weißt, dass es wahr ist.”

Bei aller Reife - keine prätentiös-intellektuellen Jazz-Weisheiten gibt sie zum Besten. Wrights Musik passiert hier und jetzt. Unterstützt von einer fabelhaften Band, deren Gitarrist wohl nicht von ungefähr auch den Namen Wright trägt. Nur selten ist es ihm und seinen Kollegen, dem ebenso brillanten Gitarristen Marwin Sewell und dem Bassisten Massimo Bialcotti, vergönnt, sich aus dem Ensemble zu schälen, um ein paar Sekündchen zu improvisieren. Dazu ist die Zeit zu knapp. Sie reicht gerade, um dem Publikum die überragenden Fähigkeiten des Schlagzeugers Gregg Fine zu demonstrieren.

Ach was, Schlagzeuger, Fine ist ein ausgewachsener Trommler. Massig und stiernackig sitzt er hinter seinen Trommeln und Becken, Sticks braucht er nicht. Mit seinen tellergroßen Pranken - und hier sind keine Vorspeisenteller gemeint - trommelt er barhändig auf die Bongos ein. Ruckartig zuckt der Kopf, von seinen Augen sieht man nur noch das Weiße - Voodoo!

Zur vollen Meisterschaft kommt es aber, wenn Fine das peruanische Cajon, eine Art Holzkiste, sitzend bearbeitet. Großartig.

Noch ganz benommen von den Trommelrhythmen bekommt kaum jemand mit, dass sich Lizz Wright schon höflich verabschiedet hat. Und wie der Honig auf den Lippen bleibt dem begeisterten Publikum nach eineinhalb Stunden noch ein bisschen von Wrights Raunen im Ohr. Ein Jahr muss es halten. Dann kommt sie wieder. Das hat sie versprochen.

Von Johannes Gerstner / HNA

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