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Mittwoch, 4. Juli: Sara Tavares (Portugal)

Sara TavaresVon der Herumtreiberin auf Lissabons Straßen über das nationale Popaushängeschild zu einer Repräsentantin der zweiten Generation afrikanischstämmiger Einwanderer in Portugal: Sara Tavares markiert ihren verschlungenen Lebensweg in längeren Abständen mit Musikprojekten, die ihren Ruf als exquisite Sängerin weit über die Grenzen ihres Heimatlandes tragen. Komponieren betrachtet sie für sich als eine Art der Meditation.

PDF-DownloadPDF: Konzertkritik aus der HNA

Sara Tavares setzt auf afrikanische Rhythmen und melodische, stark gesangsorientierte Popsongs mit minimaler instrumentaler Begleitung. Sie singt in portugiesischer, englischer und erstmals in kreolischer Sprache. So wird der Kopf ist frei für Stimmungen, Vibes und Atmosphäre - bei Sara Tavares wahrlich kein Fehler. In der Mischung der Sprachen spiegelt sich ihre Position als Vertreterin einer Kultur zwischen den Kulturen. “Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, sprechen wir eine Mischung aus portugiesischer Umgangssprache, Slang aus Angola und kapverdischem ‘Crioulo’, das wiederum viele Lehnworte aus dem Englischen und Französischen enthält.”. “Balance“ heisst dann auch ihr aktuelles Programm. In ihrer klaren Stimme, klingt mal fröhliche Unbeschwertheit, mal Nachdenklichkeit und leise Melancholie mit. Wehleidig oder gar weinerlich wirkt Sara Tavares allerdings auch dann nicht, wenn sich ihre Zeilen (wie in “Dam Bô”) sehnsuchtsvoll in die Weite schwingen. Ihre hypnotisch-sanften Lieder weben einen seidenweichen Kokon aus Wohlklang, in den man sich als Hörer nur allzu gern hineinsinken lässt; sie selbst bezeichnet ihre Songs als Wiegenlieder, die sie sich selbst singe: “Die Botschaften drehen sich auf die eine oder andere Weise alle um die Wertschätzung des Selbst; darum, sich anzunehmen; mit allen Teilen; auch denen, die eben anders sind, als beim Rest der Welt.” Das die Liebe zu sich selbst erarbeitet sein will, ist für Sara Tavares keine bloße Floskel. Sie ist das Kind kapverdischer Eltern, die sie früh verlassen haben: der Vater machte sich in die U.S.A. davon, die Mutter ging irgendwann “nach Süden”. Aufgezogen wurde Sara von einer portugiesischen Pflegemutter; wesentliche Teile der Erziehung lieferte die Straße. Passend zum Titel balanciert sie zwischen fröhlicher Unbeschwertheit und nachdenklicher Melancholie, meist begleitet von locker-luftiger Akustikgitarre. Hier haben wir eine trotz ihrer jungen 25 Jahre weit gereifte Künstlerin vor uns, die als Quintessenz aus ihren Erfahrungen statt Härte oder gar toughness eine Botschaft der Sanftmut offeriert, und darüber hinaus auch die beeindruckende musikalische Manifestation dieser Haltung.
Balance bedeutet für Sara Tavares “das Gleichgewicht zu bewahren zwischen Traurigkeit und Freude, Nacht und Tag, Salz und Zucker.” Und das ist ihr wohl gelungen. In schönster Form.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding AG

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