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Sonntag, 8. Juli: Joshua Redman Trio (USA)

Joshua RedmanEs ist viel passiert, seit der junge Joshua Redman - als Jurastudent bereits mit einem Yale-Stipendium in der Tasche – 1991 den Thelonious Monk Wettbewerb gewann und quasi über Nacht eine steile Karriere als Tenorsaxophonist begann. Seine Alben erreichten allesamt die Top 10 der Billboard Jazz Album Charts, oft sogar Platz 1. Inzwischen kann man den Mittdreißiger wohl kaum noch als Newcomer bezeichnen – und doch: mit zwei neuen Alben, die im Mai gleichzeitig erscheinen, überrascht Joshua Redman wieder einmal Fans und Kritiker.

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Mit der Aufnahme “Elastic” gelang Joshua Redman 2002 ein regelrechter Befreiungsschlag. Noch nie hatte der Tenorsaxophonist so erleichtert, so gelassen und so reduziert geklungen, seitdem man ihm Anfang der 1990er die Mission aufgebürdet hatte, den Jazz zu retten. Auch wenn Joshua, Sohn der stillen Legende Dewey Redman, in Interviews betont hatte, dass er sich lieber selber rette und spiele, was er wolle – die Mischung aus Traditionsaufarbeitung und Virtuosität, die Redman auf seinen Platten pflegte, zeugte von dem Beweisdruck, unter dem der Saxophonist all die Jahre gestanden haben muss. “Elastic” machte ein Ende damit und öffnete Joshua Redman jene Horizonte, die heute seine exponierte Stellung im Jazz ausmachen..

Momentum (in der Physik das Produkt einer Kraft, z.B. durch Hebelwirkung) heißt das neue Projekt der Joshua Redman Elastic Band, dem “working trio”, das Redman mit dem Organisten Sam Yahel und Schlagzeuger Brian Blade seit 2002 verbindet. “Die Musik der Elastic Band ist meine Eigene – mehr als alles, was ich bisher geschrieben habe. Sie ist originell und entspricht meiner persönlichen Identität. Die Platte ist eine direkte Folge von allem was ich je gespielt oder gehört habe.” Das bedeutet: Momentum ist das knackige Aufeinandertreffen von Jazz und Funk, gleichzeitig eine Hommage an den SoulJazz der Orgeltrios in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wie eine wegweisende Fusion am Beginn des neuen Jahrtausends. “Als Band suchen wir immer diesen fließenden Raum, diese elastische Beziehung zwischen dem sehr eindeutigen ‘hot ´n´dry’ Rhythmus des Funk und dem weiträumigen, eher fühlbaren Rhythmus des ’swing’. Wir bewegen uns ständig zwischen diesen beiden Polen.” Vordergründig gibt sich die musikalische Melange der Elastic Band als ambitionierter und Stilgrenzen sprengender Jazz-Funk, unter dessen Dach auch Rock, Soul und Blues ihren Platz haben. Hört man genau hin, dann verquirlen die drei munter mit ihren Gästen knisternde Synthie-Geräusche und verschachtelte Rhythmen, erdig-warme Fender-Rhodes-Klänge und Redmans hymnisch geblasenes, hin und wieder elektronisch verfremdetes Saxofon zu einer musikalisch feurigen Mixtur.
Joshua Redman (sax.); Reuben Rogers (bass); Antonio Sanchez (drums).

 

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