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Mittwoch, 11. Juli: Dino Saluzzi Family Group (Arg/USA)

Dino Saluzzi Family GroupDino Saluzzi ist ein einzigartiger musikalischer Geschichtenerzähler. Die Tatsache, daß er - und in diesem Punkt herrscht weitgehend Konsens - auch der herausragende Bandoneónspieler seiner Generation ist, ist für Dino selbst fast schon ein zufällige Auszeichnung. “Ich möchte kein Teilnehmer an einer Weltmeisterschaft im Musikmachen sein“.

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Subtile Kraft haben seine Töne: kaum ein anderer Musiker kann das Bandoneon so zart und eindringlich spielen. Wenn er sich auf seinem Stuhl zurücklehnt, das Tango-Instrument über seinen Knien tief Luft holen und die Finger über die Knöpfe gleiten lässt, erzeugt der Argentinier magische Momente. Die Komposition “Juan Condori” ist das Portrait eines Mannes, der aus einer der amerindischen (indigenen) Familien der Provinz Salta stammte und der “einen wahren Sinn für Humanität besaß sowie eine magische Beziehung zu allem hatte, was mit der Natur zusammenhing. Er zog es vor draußen auf dem Land zu leben, in Gemeinschaft mit Vögeln, Tieren, Fischen, Insekten, Pflanzen. Ein weiser, lustiger, warmherziger Mann…” Als “warmherzig” oder sogar “zärtlich” kann man auch dieses ganze musikalische Projekt bezeichnen. Dino Saluzzi hat im Laufe seiner Karriere mit Musikern aus vielen Kulturkreisen zusammengespielt. Auf dem neuen Album “Juan Condori” geht es ganz besonders um Wurzeln, die gemeinsamen Wurzeln der Saluzzi-Familie, die Stücke von “Juan Condori” stammen - mit Ausnahme des 1934 von Pedro Laurenz geschriebenen Miloga-Klassikers “Milonga de mis amores” - von Dino Saluzzi. Wie stets reflektieren seine Stücke selbst Erlebtes, Gesehenes und Erfahrenes. Das die Musik Dino Saluzzis im besten Sinne des Wortes “unklassifizierbar” ist und keineswegs immer in die Schublade “Tango” oder “Tango Nuevo” gesteckt werden sollte, weiß jeder, der die Diskographie des 1935 geborenen Argentiniers kennt. Dort gibt es neben den Aufnahmen mit heimischen Tangos, Milongas und andinischer Volksmusik auch reichlich andersartige Einspielungen mit Jazzmusikern wie Charlie Haden, Enrico Rava, Tomasz Stanko, Charlie Mariano und Al DiMeola oder dem kammermusikalischen Rosamunde Quartet. Saluzzis Tango-Rhythmen liegen nie platt zutage, sie sind raffiniert versteckt: ein Puls, den man nicht hört, der aber immer fühlbar ist – und Soli, unter einem gelben Mond, diskutieren über die Vergangenheit.

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