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Montag, 16. Juli: Calexico (USA)

Calexico
Die beiden US-amerikanischen Musiker John Convertino und Joey Burns arbeiten seit Jahren mit Gruppen wie Giant Sand und OP8 an einer brüchig-skeletthaften Essenz amerikanischer Musik. Diese Strömung zerstört ihre Vorbilder gleichermaßen, wie sie sie vergöttert: Folk, Country, Jazz und Rock als fragmentierte Widerparts der stromlinienförmigen Musikproduktion.

PDF-DownloadPDF: Konzertkritik aus der HNA

Die 1996 in Tucson/Arizona ins Leben gerufene Band bezieht sich explizit auf ihre gleichermaßen amerikanischen und mexikanischen Wurzeln. Ein Umstand, der bereits durch den Namen zum Ausdruck kommt. Der Western sei kein Heimatfilm, hat der Regisseur John Ford einmal gesagt. Es seien vielmehr Filme über die Suche der Menschen nach Heimat. Und genau dies macht auch Calexicos Weg aus: die Band vertonen die Sprache einer kulturellen Borderline ohne Weltmusik-Euphorie und folkloristischem Zierrat. Das tatsächlich existierende Grenzkaff Calexico ist ebenso zwischen zwei unterschiedlichen Welten und Einflüssen gefangen, wie sich die Musik von Burns und seinem Partner John Convertino, Schlagzeuger und Multiinstrumentalist, permanent zwischen scheinbar gegensätzlichen Stilen hin und her bewegt, ohne einen wirklich greifbaren Anhaltspunkt zu bieten. Dabei kann man sich kaum der fast psychedelischen Aura entziehen, die über der Musik von Calexico schwebt. Eine Aura, die Joe Burns als völlig natürlichen Bestandteil des Alltags in Arizonas betrachtet: “In Arizona muss man keine Drogen nehmen um high zu sein. Die psychedelische Aura ist in der Luft, in der Sonne und am Himmel“. Die spröde Stimme von Burns - prachtvoll unterstützt vom Spiel seiner Gitarre - ergänzt sich dabei hervorragend mit Convertinos kompromisslosen Drum- und Perkussionspiel. Düster dröhnt die Gitarre und die Drums schlagen einen bedrohlichen Rhythmus, dann schlägt die Stimmung um, eine Handorgel versprüht munteren Optimismus, es rasseln Rumba-Kugeln, ein Vibraphon singt zu melancholischer Begleitung von Cello, Trompete und spanischer Gitarre. Für den Hörer baut sich dabei ein eindringliches Klangbild der Einöde des nordamerikanischen Südwestens auf, wo die flimmernde Hitze der Wüste die Tumbleweed-Sträucher über die staubige Straße treibt. Morricone trifft Satie.
Joey Burns, (voc., git.); John Convertino, (drums, perc.); Paul Niehaus, (pedal steel, git.); Jacob Valenzuela, (keys, Trumpet, vibes); Martin Wenk, (acc., git.,trumpet, vibes); Volker Zander, (upright & electric bass)

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