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Samstag, 21. Juli: Kettcar (D)

KettcarDie erste Maxi-Veröffentlichung von Kettcar konnte man sich 2001 kostenlos von ihrer Homepage herunterladen – was das Bandbuget durch die hohen Providerkosten beträchtlich ins Wanken brachte. So häufig wurde „Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende“ heruntergeladen. Das Debüt Album wollten die Plattenfirmen erst einmal auf Massenkompilarität bürsten. Das mochten Kettcar nicht und gründeten mit der befreundeten Band Tomte das Label „Grand Hotel van Cleef“.

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„Du und wie viel von deinen Freunden“ landete dann auch prompt auf Platz 5 der Charts, von SPIEGEL bis ZEIT waren und sind die Feulletons voll des Lobes und sogar die Tagesthemen, sonst nicht gerade die Instanz in Sachen Popmusik, widmete der Band ein feature. Nein, das hat wirklich nichts mehr mit Hamburger Schule zu tun, was Kettcar auszeichnet. Da gehen keine Zeigefinger rauf und auch keine Parolen runter, trotzdem ist die Textseligkeit der Band immer wieder ein reicher Fundus für zitierfreudige Hörer und Fans. Es gilt immer noch: , Es ist besser für das was man macht gehasst zu werden, als für das was man nicht ist, geliebt zu werden.” Sagte einmal der französische Schriftsteller André Paul Guillaume Gide, und singt Marcus Wiebusch heute. Kettcar zitieren gut und gerne. Dazu nehme man noch das Beste vom Punk, gebe hier und da eine Prise Elektronik hinzu, schnüre daraus ein musikalisches Paket im Popgewand und benenne es nach dem liebsten Kinderspielzeug.. Jetzt ist die erklärte “Supergroup des German Indie-Rock” dem Studio entsprungen und erzählt “Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen” . Zuletzt wurde das “Lattenmessen” nur besungen und damit legten die Brüder Marcus (Gesang und Gitarre)und Lars (Keyboard) Wiebusch, Reimer Bustorff (Bass), Erik Langer (Gitarre) und Frank Tirado Rosales (Schlagzeug) selbige sehr hoch.
Die Musik ist eher etwas, das man den Nord-Beat nennen sollte, stets songdienlich und trotzdem sehr intelligent arrangiert, ähnlich wie bei den Label-Kollegen Tomte. Gut gemischt und doch spröde und kantig kommt die Band daher. Wenn Kettcar ein Streicher-Ensemble integrieren, dann hat das wie bei “Tränengas Im High-End-Leben” oder “Nacht” seinen Sinn, wenn sie bei “Stockhausen, Bill Gates und Ich” einen Kinderchor aufheulen lassen, wirkt das sinnvoll und skurril. Die eher ruhigen Songs wie “48 Stunden”und das hinreißend getextete “Balu” und “Nacht” erinnern an die Melancholie eines verregneten Sommertages. Ein poetischer Blues zieht sich durch alle Lieder. Nach dem Überangebot Chart-tauglicher deutschsprachiger Bands in letzter Zeit werden Kettcar wohl die längste Halbwertzeit für sich in Anspruch nehmen können, denn sie haben der Sprache etwas abgerungen, was bisher zu oft fehlte: Poesie und Authenzität.

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