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Donnerstag, 28. Juni: K’naan (Somalia/Can)

Und plötzlich hört man eine HipHop- Stimme aus Somalia: K’naan rappt über Raketen und fehlendes Wasser und wirbelt dabei mächtig Staub auf. Bereits im Alter von neun Jahren rapte er für seine Freunde in einem der gefährlichsten Vierteln von Mogadischu, der Hauptstadt Somalias. Als der Krieg ausbricht ist K’naan 13. Er verlässt das Land und geht ins Exil, zuerst in den Norden der USA, später nach Toronto. Dort nimmt er in der Obhut von Mos Def und Damian Marley seine erste Platte auf. In diesem Sommer spielt er auf allen großen Festivals Europas von Nizza bis Roskilde, dann wird K’naan mit selten gehörter Virtuosität das Publikum im Sturm genommen haben.

PDF-DownloadPDF: Konzertkritik aus der HNA

Building Bridges heisst sein Projekt. Ein Titel, der auch K’naans eigenes Schaffen charakterisiert. Intelligent schlägt er die Brücke zwischen neuer und alter Heimat. Mit Eminem teilt er sein Sendungsbewusstsein und eine nervöse, vorwärts drängende Energie, mit Patrice den afrikanische Spirit. Er ruft auf zum Widerstand gegen Kriegsherren und einem tradierten Blick auf afrikanische Welten. K’naan lässt sich von vielem auf der Erde inspirieren. Er vereint das beste digitaler und analoger Produktionsweisen: akustische Instrumente, afrikanische Percussion, Gelooptes und Gesampeltes schichten sich zu einem Ozean innovativer Sounds. Wer nach bassverliebten Downbeats sucht, wird in K’naans souligen Funk-Roots ebenso fündig wie jene, denen die Egozentrik mancher Rapper zu viel und die Kühle digitaler Club-Musik zu wenig ist.

Anlässlich eines Londoner Konzerts hat der «Guardian» zwischen Djembe-Trommel und Drummachine den kommenden Superstar aus Afrika ausgerufen. In den Vereinigten Staaten wurde er mit dem Juno-Award geehrt und jüngst widmete ihm ARTE ein Feature. K’naans Musik ist Feier und Persiflage zugleich; eine Feier der afrikanischen Wurzeln des in Kanada wohnhaften Somaliers, zugleich Persiflage eines klischierten Afrikabildes. Zweischneidig ist auch die charakterisierende Titelmetapher des barfüssigen Philosophen „The Dusty Foot Philosopher“. Während K’naan im Gespräch spöttisch auf die verbreitete Praxis hinweist, Spendenaufrufe für Afrika mit Kinderaugen und Kinderfüssen im Sand zu garnieren, betont er im selben Atemzug, wie komisch er es nach 15 Jahren in Nordamerika noch immer findet, in Schuhen durch die Welt zu gehen.

K’Naan (leadvoc.); Rayzak (voc.); Usen( drums & perc.), Kierscey (git.)

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