Archiv für die Kategorie „Kulturzelt 2007“

Kulturzelt 2008 vom 20. Juni bis 3. August

Sehr geehrtes Publikum,

inzwischen sind wir mitten in der Planung des Kulturzeltes 2008. Das Programm werden sie auf dieser Seite voraussichtlich ab April 2008 finden.

Eines dürfen wir aber schon jetzt verraten: Eröffnet wird das Kulturzelt am 20. und 21. Juni mit der Sängerin Malia und ihrer Band. Die Zeitung “Le Parisien” feierte Malia als “fast zu schön um wahr zu sein” - und hat damit vollkommen Recht.Die zwischen Pop, Soul, Jazz, Blues und Gospel angesiedelten Stücke singt Malia mit einer stimmlichen Spannbreite zwischen Sade, Ella Fitzgerald, Sarah Vaughn, Nina Simone und Billie Holiday nicht als Kopie, sondern als Essenz deren Schaffens, mit einer ureigenen Note. Nach ihrem Debüt-Album „Yellow Daffodils“ (2002), und dem Nachfolger „Echoes of Dreams” (2004) hat Malia jetzt ihr drittes Album eingespielt. „Young Bones“ entstand erneut in Zusammenarbeit mit dem französischen Produzenten André Manoukian, der diesmal die Songs komponierte, während Malia die Texte beisteuerte. Und wenn Malia ihre stilistische Bandbreite von Jazz, Pop, Soul, Blues und Bossa-Nova unter Beweis stellt, erweist sie damit auch ihren großen Vorbildern ihre ganz eigene, zeitgenössische Referenz. Eintrittskarten erhalten sie für diese beiden Konzertabende schon heute beim HNA-Kartenservice.

Einen Rückblick auf die Saison 2007 finden sie hier.

Jeden Abend ein Konzert, damit weichen wir vom üblichen Festivalrummel ab. An vielen Abenden ertönen in dem - in der Karlsaue am Fulda-Ufer reizvoll gelegenen Zelt - die vitalen Sounds von Avantgarde und arrivierten Heroen des Jazz. Von Modern Jazz bis Chanson und Folk spannt sich der weite Bogen - und geht damit wieder einmal der Frage nach, wie sich Kolonialisierung und Globalisierung in der musikalischen Szene von Orient bis Okzident widerspiegeln.

In der rechten Navigationsleiste finden Sie einen Link zum HNA-Kartenservice, und zu Gestochen Scharf, bei denen Sie online ab April 2008 ( für die Eröffnungskonzerte schon jetzt) Eintrittskarten bestellen können. Sie können die Karten dann natürlich auch direkt in allen HNA-Geschäftsstellen und bei Gestochen Scharf in der Dörnbergstraße Tel.: 0561/ 788 060 erwerben.

Wir freuen uns auf den nächsten Sommer mit Ihnen!
Keep Swinging!

Sonntag, 8. Juli: Joshua Redman Trio (USA)

Joshua RedmanEs ist viel passiert, seit der junge Joshua Redman - als Jurastudent bereits mit einem Yale-Stipendium in der Tasche – 1991 den Thelonious Monk Wettbewerb gewann und quasi über Nacht eine steile Karriere als Tenorsaxophonist begann. Seine Alben erreichten allesamt die Top 10 der Billboard Jazz Album Charts, oft sogar Platz 1. Inzwischen kann man den Mittdreißiger wohl kaum noch als Newcomer bezeichnen – und doch: mit zwei neuen Alben, die im Mai gleichzeitig erscheinen, überrascht Joshua Redman wieder einmal Fans und Kritiker.

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Mit der Aufnahme “Elastic” gelang Joshua Redman 2002 ein regelrechter Befreiungsschlag. Noch nie hatte der Tenorsaxophonist so erleichtert, so gelassen und so reduziert geklungen, seitdem man ihm Anfang der 1990er die Mission aufgebürdet hatte, den Jazz zu retten. Auch wenn Joshua, Sohn der stillen Legende Dewey Redman, in Interviews betont hatte, dass er sich lieber selber rette und spiele, was er wolle – die Mischung aus Traditionsaufarbeitung und Virtuosität, die Redman auf seinen Platten pflegte, zeugte von dem Beweisdruck, unter dem der Saxophonist all die Jahre gestanden haben muss. “Elastic” machte ein Ende damit und öffnete Joshua Redman jene Horizonte, die heute seine exponierte Stellung im Jazz ausmachen..

Momentum (in der Physik das Produkt einer Kraft, z.B. durch Hebelwirkung) heißt das neue Projekt der Joshua Redman Elastic Band, dem “working trio”, das Redman mit dem Organisten Sam Yahel und Schlagzeuger Brian Blade seit 2002 verbindet. “Die Musik der Elastic Band ist meine Eigene – mehr als alles, was ich bisher geschrieben habe. Sie ist originell und entspricht meiner persönlichen Identität. Die Platte ist eine direkte Folge von allem was ich je gespielt oder gehört habe.” Das bedeutet: Momentum ist das knackige Aufeinandertreffen von Jazz und Funk, gleichzeitig eine Hommage an den SoulJazz der Orgeltrios in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wie eine wegweisende Fusion am Beginn des neuen Jahrtausends. “Als Band suchen wir immer diesen fließenden Raum, diese elastische Beziehung zwischen dem sehr eindeutigen ‘hot ´n´dry’ Rhythmus des Funk und dem weiträumigen, eher fühlbaren Rhythmus des ’swing’. Wir bewegen uns ständig zwischen diesen beiden Polen.” Vordergründig gibt sich die musikalische Melange der Elastic Band als ambitionierter und Stilgrenzen sprengender Jazz-Funk, unter dessen Dach auch Rock, Soul und Blues ihren Platz haben. Hört man genau hin, dann verquirlen die drei munter mit ihren Gästen knisternde Synthie-Geräusche und verschachtelte Rhythmen, erdig-warme Fender-Rhodes-Klänge und Redmans hymnisch geblasenes, hin und wieder elektronisch verfremdetes Saxofon zu einer musikalisch feurigen Mixtur.
Joshua Redman (sax.); Reuben Rogers (bass); Antonio Sanchez (drums).

 

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Samstag, 7. Juli: Music Maker (USA)

Music MakerMartin Scorcese und Wim Wenders haben uns wunderschöne Filme über den Blues als Lebensgefühl beschert, jetzt beweisen die Blues Survivors, dass der Blues, wie er in diesen Filmen zu hören und zu sehen ist, auch heute noch existiert.

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Die Musikerinnen und Musiker, sind allesamt bewegende Geschichtenerzähler, die ihr Leben viele Jahre abseits des Glamours der Bühnen lebten. HipHop, Soul und Funk eroberten die Welt und so fand Tim Duffy die Legenden des alten Blues als Kellner, als Straßenmusikanten und Fischer in den kleinen Gassen des US-amerikanischen Südens. Diese großen Pioniere des Blues sangen und singen auf Festen, auf den Straßen, in den Clubs. Ihre großen Tage hatten sie auf den Festivals während der Blues-Revival Zeit in den frühen Sechzigern.
The Last & Lost Blues Survivors verdanken ihre Existenz einem Unterfangen, das sich mit großer Leidenschaft für die Erhaltung und Wiederbelebung amerikanischer Blues-Traditionen engagiert: die 1994 von Tim und Denise Duffy ins Leben gerufene Music Maker Relief Foundation. Was als kleines Projekt begann, entwickelte sich binnen eines Jahres zu einer umfassenden musikhistorischen Forschungsreise, die von Eric Clapton begeistert begrüßt wurde. Tim Duffy und seine Musikarchäologen wurden nicht nur in den Archiven fündig, sie spürten auch bejahrte, musikalisch aber jung gebliebene Roots-Musiker auf, wie den Pianisten Eddie Tigner aus Georgia, die lebende Juke Box Adolphus Bell oder die wundervolle Sängerin Pura Fe, die zusammen mit dem Sänger Captain Luke, den Gitarristen Macavine Hayes und Albert White, dem Rhythmusgespann Sol (Bass) und Ardie (Drums) sowie Tim Duffy als musikalischer Direktor und Gitarrist die aktuelle Besetzung von The Last & Lost Blues Survivor bilden, die sich im Sommer 2007 auf eine große Festivaltournee begeben wird.
Mehr als 50 CDs hat Music Maker seit der Gründung im hauseigenen Studio produziert und mit den Erlösen viele fast vergessene Musiker wieder ins Rampenlicht geholt. Dabei geht der gesamte Profit an die Künstler. Die Leidenschaft, die Duffy in Sachen amerikanische Bluestraditionen an den Tag legt, geht weit über die akustischen Wurzeln hinaus.
Die beeindruckenden Liveauftritte der Musiker, die erstmals 2005 auf dem Nancy Jazz Festival zu erleben waren, lösten bei Fans und Kritikern große Begeisterung aus.
The Last & Lost Blues Survivors sind allesamt bewegende Geschichtenerzähler, die den größten Teil ihres Lebens abseits von Ruhm und Erfolg als Straßenmusiker, Kellner, Verkäufer oder Landarbeiter fristen mussten. Ihre großen Tage hatten sie auf den Festivals während der Blues-Revival Zeit in den frühen Sechzigern. Heute, mit der Unterstützung des von Tim Duffy gegründeten Dixiefrog Labels und Kooperationen mit Musikern wie Taj Mahal, B.B. King und Rosanne Cash, die auch auf den CDs zu hören sind, erobern diese fast vergessenen Künstler das Publikum dies- und jenseits des Atlantics und verzaubern mit einer Lebensfreude und Authenzität, wo immer sie auftreten.
Die Konzerte, und noch beeindruckender die Liveauftritte der Musiker zeugen von der enormen stilistischen Bandbreite des Blues – vom tiefen Süden mit dem Bluesharper Georges Higgs bis zu lupenreinem Texasblues. Die alten Aufnahmen und die neuen Auftritte belegen auch, dass es kaum einen populären amerikanischen Musikstil, vom Folk bis zum Jazz gibt, der seine Wurzeln nicht in der Bluesmusik hätte. Diese Musik und ihre Protagonisten scheinen unverwüstlich und die „Blues Survivors“ sind nur den Lebensjahren nach oldtimer, ihr Blues ist über alle Genres hinaus eine zeitlose Reise in ein Land, dessen Einwanderer seine Historie geprägt haben.
„Ein wundervolles Projekt… ein echter Beleg dafür, dass die Musik die ich immer mochte noch vital und wohlauf ist.“ (Eric Clapton). Die Music Maker on tour: Tim Duffy (acc.git.); Ardie Dean (drums); Hansel Creech (bass); Solisten: Albert White (git. & voc.); Beverlyn Watkins (voc.); Pura Fe Crescioni (git. & voc.); Adolphus Bell (one man band: git.,druns, voc., harmonica, voc…); Macavine Hayes (acc. git. & voc.); Eddie Tigner (keyboard).

Freitag, 6. Juli: Misia (Portugal)

MisiaLängst gilt die in Porto geborene Sängerin als Ikone des Fado, jener Musik voller Spiritualität und Sehnsucht, die so untrennbar mit dem Lebensgefühl der Portugiesen verbunden ist. Der Fado als Blues der Portugiesen, der nicht nur Traurigkeit und Melancholie ausdrückt, sondern auch Lebenslust und Freude. Nach den klassischen Fadistas wie Amelia Rodrigues folgt nun eine neue, der Moderne infizierte Generation von Sängerinnen, deren bekannteste Vertreterin Misia ist.

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Misia ist eine exaltierte Fado-Sängerin, die nach dem Erscheinen ihres vierten Albums „Garras dos sentidos“ und nach zahlreichen Konzerten in den renommierten Musiktheatern dieser Welt sich unter den bedeutendsten Protagonisten der internationalen Musikszene etabliert hat. Ihre Fados sind rau und nostalgisch, Misia respektiert die Tradition aber sie versteht es auch, den Fado grundlegend zu erneuern. Sie nutzt für ihre Interpretation ungewöhnliche Instrumente wie Violine, Accordeon und Piano und kleidet sie in literarische Referenzen – mal werden alte Texte bekannter Autoren neu vertont, mal schreiben zeitgenössiche Autoren wie der Literaturnobelpreisträger Jose Saramago Texte für die Sängerin. Misias Stimme ist ein wunderbares Instrument, mit dem sie die Zuhörer alle Gefühlsnuancen auf einem unsichtbaren Fluss zutreiben lässt. „Drama Box“, dass neue Album Misias ist inspiriert von der Vorstellung eines Hotels, Typ mondäne Nobelherberge aus der Jahrhundertwende, in der die Zeit still zu stehen scheint. Und in der sich eine illustre Gästeschar aus Dichtern und Musikern aufhält – auf der Suche nach den verlorenen Träumen. Das Resultat ist eine gänzlich von modischen Einflüssen unberührte Musik, die leuchtet. Der Gesang wird getragen von Talent und der Großzügigkeit die solche Poeten wie Astor Piazzolla und Horacio Ferrer vermitteln, die Texte von bewegener Schönheit gedichtet haben. Mit Leib und Seele Künstlerin, die mit ungewöhnlicher Kraft und Intensität zu Werke geht, vermittelt sie das Lebensgefühl saudade wie keine andere Sängerin dieses Genres. Begnadet mit einer Jahrhundertstimme, interpretiert das aus Oporto stammende bohemische Künstlerkind, die traditionellen Lieder als eine staunenswerte Musik für die ganze Welt. Ihr Gesang hat eine glamouröse Verlorenheit, sie verführt mit wissender Melancholie und vorsichtigem Triumph in eine ungemein dichte Atmosphäre.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding AG

Donnerstag, 5. Juli: Maceo Parker (USA)

Maceo ParkerDer Ton aus seinem Saxophon kommt präzise und auf den Punkt. Er bläst mit so viel Attack an, dass man fasst den Eindruck bekommt, es sei ein Percussionsinstrument zu hören. Die Riffs sind dementsprechend rhythmusorientiert. So ergänzt sein Spiel, vor allem wenn er begleitet, die synkopierten Arrangements der Rhythmusgruppe. Das ist Maceo Parkers Art, in einer Funkband Saxophon zu spielen.

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Damit wird er berühmt und dies begeistert auch die Funkdinosaurier James Brown und George Clinton viele Jahre während er bei ihnen Bandmitglied ist. Unter dem Ruf: „Maceo, I want you to blow!“ wurde Maceo Parker in der Band von James Brown zum funkigsten Altsaxophonisten überhaupt. Unermüdlich bläst er mit seiner Crew der Welt 2% Jazz und 98% Funk um die Ohren. Er spielt auf den großen Festivals in den USA und Europa, aber der vom „Rolling Stone“ als „Best Jazz Artist“ geehrte Musiker lässt sich hin und wieder auch in das Kasseler Kulturzelt bitten! Hier begann vor immerhin zwanzig Jahren seine europäische Karriere. Maceo Parker steht nach 40 Jahren Berufserfahrung mit dem Gewicht seiner bodenhaften Coolness für handgemachte Perfektion, fur uplifting Soul. Über den für Maceo so typischen, fest in bester R`n`B Tradition verwurzelten Funk-Groove spinnt er mit einer phantastischen gedanklichen Freiheit extrem reduzierte Essenzen des Bebob. Unter strikter Einhaltung des Konzeptes von ‚funkyness’ betätigen sich Wahwah-Gitarren, Hammond-Orgeln, gerappte Refrains, gebreakte Bläsereinsätze und Parker’s saxophonale Solo-Wanderschaften. Die alten Alben dieses Ausnahmemusikers werden re-releast, da wird nachgebastelt und die Originale werden als Sample in die Clubs getragen. Als Mitte der 80er Jahre HipHop ins Rampenlicht rückte und sich all die tanzorientierten Musikstile an den technischen Möglichkeiten des Sampelns erfreuten, rückten Maceos Groove-Qualitäten wieder in das Zentrum des Interesses – weil es grundsätzlich immer um einen guten GROOVE ging! Doch der legendäre Saxophonist und seine Band sind live einfach am Besten. Funk als kräftevereinigender Ruf nach dem freisetzen menschlicher Energien. „My name is Maceo. I will blow soul outta this horn!” – der schon legendäre Ausspruch Maceos, ist sein Credo geworden. Was Funk und Groove betrifft, und wie man eine Party zündet, da macht ihm keiner was vor. Maceo Parker ist längst zum Synonym für Soul und Funk geworden. Dabei ist er aber auch offen für ein breites Spektrum an Einflüssen heutiger Musikstile; so z.B. in der Zusammenarbeit mit seinem Sohn Corey Parker, der auf den letzten Alben zu Maceos Funk rappt. Auch unter Musikern genießt Maceo Parker höchstes Ansehen, mit Prince scheint ihn eine Art Seelenverwandtschaft begegnet zu sein; im vergangenen Winter waren die beiden mal wieder monatelang zusammen unterwegs.Maceo Parker (sax.); Corey Parker (voc.); Will Boulware (keys.); Bruno Speight (git.); Rodney “Skeet” Curtis (bass); Ron Tooley (trump.); Tyrone Jefferson (trombone); Martha High (Voc.); Jamal thomas (drums).

Freitag, 27. Juli: Bettina La Castano (E)

ettina La Castano
Bettina La Castaño fasziniert durch eine blendende Technik, die sie auf wunderbare Art und Weise mit Intensität, Kraft und Ausdruck ihres Tanzes paart. Aber sie experimentiert auch gerne und begibt sich immer wieder auf die Suche nach den Ursprüngen des Flamenco, bzw. den Schnittstellen mit anderen Kulturformen. So hat sie beispielsweise ein herrliches Projekt mit den slowakischen Bercy–Teufelsgeigern realisiert oder gemeinsame Ursprünge der Musik und Tänze aus dem Appenzell untersucht. Und in Indien konnte sie mit den besten Musikern aus Kerala, Dehli und Bombay zu den Ursprüngen der Sintikultur zurückkehren.

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Die Begegnung des Flamenco mit den Kulturen seiner Herkunft und die Kooperation mit hervorragenden Musikern ist die künstlerische Herausforderung, der sich Bettina La Castano wie kaum eine andere Flamencotänzerin stellt. Ein scheinbar unerschöpfliches Reservoir an Choreographien und ein enormer Tanzreichtum verbinden sich mit der Inspiration und Intensität multikultureller Musikstile und Traditionen.IIhr neues Programm mit dem Namen Puls Indiens ist einzigartig, speziell, sehr feinfühlig, enorm ausdrucksstark, und wird von einer extrem dynamischen Virtuosität begleitet. Die Musiker, die dieses neue Projekt komplettieren, sind zum einen der Meister des Chendas, Mattanoor Sankarankutty; er ist wahrhaftig der größte Meister Indiens auf diesem Percussionsinstrument. Dann der andere Percussionist: Alapuzza Karuna Moorthy, ein begnadeter Tavilspieler, ebenso ein außerordentlicher Meister dieses Instrumentes. Beide spielen mit den verschiedensten Musikern zusammen, bereisten schon die ganze Welt. Ihre Perkussion fußt auf den heiligen Rhythmen der Tempelmusik bzw. des Tempeltanzes die vor ca. 10.000 Jahren ihren Ursprung hatte. Und dann Juan Gotán, ein Meister der spanischen Gitarre. Sein feinfühliges, sehr dynamisches Spiel, kreiert mit einem besonders schönen Gitarrensound, setzt einen Kontrapunkt zur Stimmung dieses Programmes. In dieser einzigartigen Darstellung von Tanz, indischer Perkussion und Gitarre, interpretiert Bettina La Castano ungewöhnlich orientalische Klangfarben.. Ihre rythmische Brillianz ist lupenrein und Castano hat wie kaum eine andere die Gabe, mit einer tradionellen Phrase Mut zum Stilbruch zu beweisen.
Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding AG

Montag, 16. Juli: Calexico (USA)

Calexico
Die beiden US-amerikanischen Musiker John Convertino und Joey Burns arbeiten seit Jahren mit Gruppen wie Giant Sand und OP8 an einer brüchig-skeletthaften Essenz amerikanischer Musik. Diese Strömung zerstört ihre Vorbilder gleichermaßen, wie sie sie vergöttert: Folk, Country, Jazz und Rock als fragmentierte Widerparts der stromlinienförmigen Musikproduktion.

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Die 1996 in Tucson/Arizona ins Leben gerufene Band bezieht sich explizit auf ihre gleichermaßen amerikanischen und mexikanischen Wurzeln. Ein Umstand, der bereits durch den Namen zum Ausdruck kommt. Der Western sei kein Heimatfilm, hat der Regisseur John Ford einmal gesagt. Es seien vielmehr Filme über die Suche der Menschen nach Heimat. Und genau dies macht auch Calexicos Weg aus: die Band vertonen die Sprache einer kulturellen Borderline ohne Weltmusik-Euphorie und folkloristischem Zierrat. Das tatsächlich existierende Grenzkaff Calexico ist ebenso zwischen zwei unterschiedlichen Welten und Einflüssen gefangen, wie sich die Musik von Burns und seinem Partner John Convertino, Schlagzeuger und Multiinstrumentalist, permanent zwischen scheinbar gegensätzlichen Stilen hin und her bewegt, ohne einen wirklich greifbaren Anhaltspunkt zu bieten. Dabei kann man sich kaum der fast psychedelischen Aura entziehen, die über der Musik von Calexico schwebt. Eine Aura, die Joe Burns als völlig natürlichen Bestandteil des Alltags in Arizonas betrachtet: “In Arizona muss man keine Drogen nehmen um high zu sein. Die psychedelische Aura ist in der Luft, in der Sonne und am Himmel“. Die spröde Stimme von Burns - prachtvoll unterstützt vom Spiel seiner Gitarre - ergänzt sich dabei hervorragend mit Convertinos kompromisslosen Drum- und Perkussionspiel. Düster dröhnt die Gitarre und die Drums schlagen einen bedrohlichen Rhythmus, dann schlägt die Stimmung um, eine Handorgel versprüht munteren Optimismus, es rasseln Rumba-Kugeln, ein Vibraphon singt zu melancholischer Begleitung von Cello, Trompete und spanischer Gitarre. Für den Hörer baut sich dabei ein eindringliches Klangbild der Einöde des nordamerikanischen Südwestens auf, wo die flimmernde Hitze der Wüste die Tumbleweed-Sträucher über die staubige Straße treibt. Morricone trifft Satie.
Joey Burns, (voc., git.); John Convertino, (drums, perc.); Paul Niehaus, (pedal steel, git.); Jacob Valenzuela, (keys, Trumpet, vibes); Martin Wenk, (acc., git.,trumpet, vibes); Volker Zander, (upright & electric bass)

Freitag, 13. Juli: Demi Evans and her Hands / Eric Bibb Trio (USA)

Eric BibbIm vergangenen Jahr wurde Eric Bibb durch die Terroranschläge am Londoner Flughafen an seiner Reise nach Kassel gehindert. Wir haben versprochen, den Auftritt in diesem Jahr nachzuholen. Er besitze eine Stimme, für die es sich zu sterben lohne! So urteilt die TIMES. Das Lob gilt Eric Bibb, einem der meistverkannten Blues-Musiker überhaupt. Seine samtweiche Stimme betört jeden, der den Künstler einmal live gesehen hat. Er ist ein absoluter Meister darin, Spannung aufzubauen und sie einen ganzen Abend lang zu halten.

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Der Sänger und Gitarrist Eric Bibb, geboren 1951, Neffe des Modern Jazz Quartet Mitgründers, John Lewis, kam schon in jungen Jahren mit bekannten Musikern der New Yorker Folk- und Blues-Szene in Kontakt, sein Vater war ein bekannter Sänger der NY-Folkszene. Von Eric Bibb heißt es im All Music Guide, dass er einer der vielversprechendsten Musiker der 90er Jahre sei. Heute, im neuen Jahrtausend, ist seine Diskografie stattlich und das Lob noch überschwänglicher geworden. Keiner versteht es wie er, Folk, Blues und Songwritertum auf so sensible, sehr eigenständige Art zusammenzubringen. Seine Songs und seine Präsenz rühren an etwas, das im Dröhnen des popmusikalischen Alltagsgeschäfts verloren gegangen ist: die spirituelle Dimension der Musik. Bei ihm finden Blues, Folk, R & B, Gospel und Jazz auf eine ganz persönliche Art zueinander. Bibb findet dabei immer wieder Zeilen und Metaphern, die auf die universelle Dimension der menschlichen Erfahrung verweisen, ganz wie es die Blues- und Folktradition verlangt.

Demi Evans and her HandsWer sie schon einmal auf der Bühne erlebt hat, ihre enorme, an Nina Simone erinnernde Präsenz gespürt hat, der fühlt sich von Demi Evans unwiderstehlich angezogen. Ihre Stimme ist sanft und dennoch kraftvoll, in ihren Lyrics steckt die Poesie einer Frau, die selbstbewusst und mit großem Beharrungswillen durchs Leben geht. Die Amerikanerin ist ein Energiebündel, die sich auf der Klaviatur der Emotionen und Gefühle perfekt auszudrücken weiß. Mit ihrer Spontaneität umarmt sie das Publikum, lässt es unmittelbar an ihren Songs teilhaben, in denen sie von ihrem Leben, ihren Erwartungen und Wünschen berichtet. Dabei hat Demi in dem Gitarristen, Komponisten und Soundtüftler Fred Morisset einen Partner gefunden, der ihrem musikalischen Ausdruck eine unverwechselbare Richtung gibt.

In ihrem Album ‘Why Do You Run’ zeigt sie mit ihrer eingängigen Mischung aus Gospel, Blues, Southern Soul und Folk Pop wie man sich ohne effekthaschende Umwege direkt in die Herzen der Hörer einnistet. Aufgewachsen in den Sechzigern in North Dallas, Texas, erprobte die Tochter eines Blues-Pianisten ihre Sangeskunst im Gospelchor einer Baptisten-Kirche die sich in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft befand. Während Martin Luther King den amerikanischen Traum von Freiheit und Gleichheit auch für seine Brüder und Schwestern forderte, entdeckte Demi, die Stars des Soul und Blues, als sie im Schlepptau ihrer Großmutter, bei der sie aufwuchs, durch die Nightclubs der Black Community von Dallas zog. Gesegnet mit einer wunderbaren Stimme bringt sie ihre Songs, wie “Passing Judgment”, “Hard Spot” oder “Thinking About The Past”, heute auf den Bühnen Europas mit lyrischer Direktheit und unwiderstehlichem Melodienreichtum auf den Weg. Wie es scheint, hat sich ihr Wunsch aus den Kindertagen in Dallas erfüllt: die Menschen mit ihrem Talent zu umarmen. Nachdem sie in großen Teilen Europas bei zahlreichen Festivals auftrat (u.a. auch beim Jazz Festival in Montreux), kann sich nun auch das deutsche Publikum von ihren Performance-Qualitäten überzeugen. Gemeinsam mit ihrer Begleitband, bestehend aus Fred Morisset (git.); Nicolas Noel (keys); und Cedric Affre (perc.); wird Demi Evans das Publikum diesseits des Rheins begeistern. Garantiert!

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding AG

Donnerstag, 12. Juli: Fred Kellner Band & Die famosen Soulsisters feat. Anke Engelke

Fred Kellner Band & Die famosen Soulsisters Fred Kellner und seine famosen Soul Sisters – die Schwestern Anke und Susanne Engelke – halten noch immer den Weltrekord im Dauersoul und behaupten, seit James Brown die heißeste Party in Town zu zünden! Die Kulturzeltgäste können das bestätigen. Die Götter des Olymps steigen herab. Er spielt Stromgitarre, Bass, Keyboard, Percussions, ist Bläser und Streicher. Fred Kellner ist „Sexy Thing“ und „Rolling Stone“.

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Fred Kellner hat jeden Soul-Hit der 60er Jahre geschrieben – und Fred Kellner rockt. Der Mann hat recht: Marvin Gaye ist tot, Sam und Dave haben sich getrennt und James Brown sitzt mal wieder im Gefängnis. Der letzte der Großen ist somit – Fred Kellner. Je nach Besetzungsbedarf eines Stückes spielt die benötigte Anzahl Fred Kellners ( der Einfachheit halber heissen sie alle so) auf der Bühne. Wie viele Fred Kellners das so sind, weiss keiner so recht: Heute sind’s elf, morgen vielleicht dreiundzwanzig. Aber immer dabei sind die Frontfrauen Susanne und Anke Engelke. Anke Engelke über Fred Kellner: „Leider wissen es die wenigsten, aber Fred Kellner hat nun mal die Soul-Hits dieser Welt komponiert. Musste aus finanziellen Gründen aber an die Verwandtschaft verkaufen“. Beispielsweise an „Earth, Wind and Fire“, an die „Kellner Five“ oder an „Ike and Tina Kellner“. Die Band bringt das Publikum ganz schön auf Trab, denn wenn es um die Musik geht, verstehen sie keinen Spaß. Nur die besten Zutaten sind den Kellners gut genug: Chaka Khan, Sister Sledge, Mothers Finest werden mit viel Verve gecovert. Für das empfindliche Pflänzchen Soul-Ballade haben sie den notwendigen grünen Daumen und den richtigen Drive für Funky-Sound. Eine potenziert schrille Mischung erster Güte aus Grazie, Quecksilber und falschen Wimpern werfen die Soul Sisters in die Waagschale.

Donnerstag, 26. Juli: Buena Vista Social Club™ presents Eliades Ochoa (Cuba)

Buena Vista Social Club™ present Eliades Ochoa Mit seinen 60 Jahren ist er einer der Youngster des Buena Vista Social Club™. In Wim Wenders Kinofilm mimt er den unverkennbaren Desperado mit Cowboyhut, der die traditionelle Musik Kubas auf die Bühnen der Welt bringt. und den Stallgeruch des Guajiro bis heute nicht abgelegt hat. Die kubanische Musik wäre wohl um einiges ärmer ohne den Mann mit dem charakteristischen schwarzen Hut.

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Eliades Ochoa, der sich als Straßenmusiker seine ersten Pesos verdiente, bereits mit elf Jahren in den Bars von Santiago aufspielte, und ab 1963 im Rundfunk die obligatorische Revolutionsmusik zum Besten gab, unternahm auch schon früh Ausflüge in den Jazz und Blues. Auch sein Repertoire kubanischer Sounds und Stilistiken erweiterte er kontinuierlich, in dem unter anderem. Son Montuno und Changüi in sein Set einfließen ließ. Die Einfachheit des Landarbeiters aus dem Osten der Zuckerinsel macht bis heute Eliades Ochoas Art zu singen und zu spielen aus. „Ich bin ein Graduierter der Straße”, erklärt der 1946 in der Provinz Santiago de Cuba geborene Musiker, der sich im Verlauf seiner langen Karriere zu einem der besten und markantesten Soneros entwickelte. Schon in seiner Jugend, lernte Eliades Gitarre und Tres (ein Zupfinstrument mit drei Saitendoppelchören) virtuos zu spielen, reifte seine heute exzellente Vokalkunst allmählich heran, die er fortan in den Dienst der Interpretation traditionellen Son Cubano, der Guaracha, der Guajira und der Bolero Cubano stellte. Eliades Ochoa, der als Gitarrist des Buena Vista Social Club™ weltbekannt wurde, wo er unter all den legendären Kollegen wie Ibrahim Ferrer, Ruben Gonzales, Compay Segundo oder Omara Portuondo seinen gleichberechtigten Platz fand, ist mittlerweile selbst zu einer Legende geworden – ein höchst lebendige allerdings. An den Ruhestand denkt er noch lange nicht. „Ich bin besser den je“, betitelte er sein mit dem Grammy ausgezeichnetes Solo-Album „Estoy como nunca“, das sich hinter der Alben mit dem Buena Vista Social Club™ nicht zu verstecken braucht. Mit seinen Compadres wird der letzte große Sonero Kubas auch 2007 wieder mit temperamentvollen kubanischen Tanzryhthmen oder gefühlvollen Son-Balladen sein Publikum rund um den Globus begeistern.

Mittwoch, 25. Juli: Bajofondo Tango Club (Arg)

Bajofondo Tango ClubDer Bajofondo Tango Club war für uns Veranstalter und alle Gäste, die das Vergnügen hatten, der Überraschungserfolg des Jahres 2006! Zutiefst intelligent zerlegen sie den Tango in seine ursprünglichen Melodien von Afrika bis Europa, um ihn dann auf grandiose Weise wieder zusammenzuführen!

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Gustavo Santaolalla, der vielfache Grammie-Gewinner und Produzent des Bajofondo Tango Clubs, erhielt für seine innovative Musik jüngst den Oscar 2006 in der Kategorie „Best Soundtrack“ für die epische Filmmusik zum Blockbuster „Brokeback Mountain. Und in diesem Jahr wieder einen Oscar 2007 für die wunderbare Musik zu dem cineastischen Meisterwerk „Babel“.
Der Bajofondo Tango Club weiss, wo die Reise jenseits von klassischem Tango und Piazzolla-Adaptionen hingehen kann. Ihr dekonstruierter Tango mischt sich mit DJ-Sounds, Loops, Samples, Elektrobeats und Videoprojektionen einer der besten VJs Südamerikas. Bajofongo übersetzt das Ideom des strengen und schwermütigen Tangogefühls in die Sprache des Nu-Jazz. Luciano Supervielle, tragende Säule des Projektes schöpft dabei aus einem gigantischen Ideenreservoire. Geboren in Frankreich, hat er sich nach langen Jahren in Mexico schließlich in Uruguay niedergelassen. In Paris entstand eine wichtige Tango-Szene, als während der Militärjunta in Argentinien viele Musiker in die liberalen europäischen Metropolen emigrierten. Cosmopolitisch, romatisches mit minimalistischem Tango-Material kreuzend, dringen Supervielle und seine Kollegen zur Essenz des Tangos zurück: zur Subkultur, zu den Kaschemmen und den Bordells am Rio de Plata, in denen der Tango vor gut 100 Jahren entstand. Supervielle spürte den Ursprüngen des Tangos nach, entdeckte die Milonga und die Folkore-Rhythmen des Tango von Osteuropa bis zu den percussiven afrikanischen Elementen. Dieses Projekt löst sich von scheinbaren Widersprüchen: Computerbeats und Dubs, die Abstaktionsmöglichkeiten elektronischer Musik faszinieren hippe Avantgardisten und eingefleischte Tango-Fans gleichermaßen. Das Debüt-Album „Bajofondo Tango Club“ wurde gleich mit einem Grammy und einem Gardel-Award geehrt. Die Musiker des Clubs zählen in Lateinamerika durch viele Kooperationen wie z.B. mit den uruguayischem Superstar Jorge Drexler und der Band Plátano Macho zur ersten Riege der jungen Avantgarde.Gustavo Santaolalla ist der Produzent und spielt die Gitarre, Juan Campodónico agiert als DJ des Clubs; Luciano Supervielle zeichnet für viele Kompositionen und ist live für die keyboards und als DJ für das scratching verantwortlich, die Violine wird von Javier Casalla gespielt, das Bandoneon von Martin Ferres, am Kontrabass Gabriel Casacuberta und Veronica Loza steuert den Gesang bei. Mit ihren elektroakustischen Pretiziosen und virtuoser Musikalität katapultiert der Bajofondo Tango Club die Musik der Revolution geradewegs in das 21. Jahrhundert.

Sonntag, 22. Juli: Holly Cole (Can)

Holly ColeDie kanadische Sängerin Holly Cole ist seit 1990 eine der verlässlichsten Größen auf der Jazzbühne und immer wieder für Überraschungen gut. Das beweist die begnadete Interpretin nun auch mit ihrem jüngsten, selbstbetitelten Programm. Gemeinsam mit Produzent, Arrangeur und Bassist Greg Cohen hat sie diesmal ein vielköpfiges Ensemble aus kreativ improvisierenden Musikern zusammengestellt.

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Ein Trommelwirbel leitet das Konzert ein, ehe verwegen ein Saxophon ertönt und Holly das bluesige, in den 30er Jahren geschriebene “The House Is Haunted By The Echo Of Your Last Goodbye” vorträgt. Grandios ist ihre Interpretation von Antonio Carlos Jobims “Water Of March”. Mit rauer Stimme und sanfter Piano-, Gitarren- und Bassbegleitung ringt sie diesem Song seine Essenz ab. Lüstern-lässig trägt die Combo den “Alley Cat Song” vor, mit dem der Pianist Bent Fabric 1962 Weltruhm erlangte. Cole Porters “It’s Alright With Me” beginnt verhalten, ehe Cole mitsamt Ensemble zum atemlosen Einsatz anstimmt. Mit “Larger Than Life” steuert Holly Cole eine Eigenkomposition bei, eine ungeheuer lässige, vom Piano geführte Nummer. Dem schließt sich das wunderbare “Be Careful, I’ts My Heart” von Irving Berlin an, Stimme und Piano genügen, um eine einnehmende Intensität zu erzeugen. “You’re My Thrill” verdeutlicht das stimmliche Potenzial Coles, das laszive Timbre erinnert an das einer Eartha Kitt. Hollys Stimme, Gitarre, und Klarinette versprühen eine verspielt-heitere Stimmung. Das geht auch leise mit dem melancholischen “Reaching For The Moon”, dem vor allem das Klarinetten- und Akkordeonspiel einen dunklen, aber auch zuversichtlichen Klang verleiht.
Holly Coles Interpretationen changieren mühelos zwischen traditioneller Aneignung der Originale und einer innovativen Herangehensweise. Die große Stärke ihrer Band liegt in der Instrumentierung und den subtilen Arrangements, die trotz Facettenreichtum sehr verhalten gesetzt sind. Letztendlich spielen alle Instrumente dem Gesang Coles zu, umgarnen sie und schwingen sich hier und da zu einem unaufdringlichen Solo auf.
Und die Stimme Holly Coles ist sowieso eine sichere Bank. Ob brüchig, heiser, lasziv oder verspielt, immer gelingt ihr der perfekte Ausdruck, Emotionen klanglich zu veranschaulichen.
Holly Cole (voc.); Aaron Davis (piano); John Johnson (clar, flute, sax.); Perry White (sax.); Marc Rogers (bass); Daniel Barnes (drums); n.n. (trombone).

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding AG

Samstag, 28. Juli: Silje Nergaard (N)

Silje NergaardSilje Nergaard ist ein musikalisches Markenzeichen – weltweit und vorrangig steht sie für die besondere Tiefe moderner norwegischer Klangwelten, für sanften, eingängigen Vocaljazz, für schöne Melodien, denkwürdige Texte und gefühlvolle, sehnsüchtige Songs. Ein guter Grund für die Sängerin und Songwriterin aus Oslo, sich ein wenig neu zu erfinden – nach ihren drei international erfolgreichen Alben der letzten sechs Jahre, nach Charterfolgen und Prädikaten wie „Musikerin des Jahres“.

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In ihrer Heimat ist sie eine Berühmtheit. Da kommt es also vor, dass aus einem Osloer US-Straßenkreuzer neben blubbernden Auspuffgasen zarte Nergaard-Töne durch die Straßen wehen. Diese klingende Verortung passt zu Silje Nergaard. Lasziv-bluesige Melodien und eine herrlich groovende Rythmusgruppe bleiben mit ihren nächtlichen Beobachtungen nichts schuldig. Jeder Song hat einen besonderen Charakter, setzt andere Bilder in Gang. Understatement und Zurückhaltung, dies sind letztlich die Schlüssel zum Verständnis der Interpretationen. Mit erstaunlicher Reife gibt diese norwegische Nationalheldin einem Popmaterial Jazzsensibilität und legt mit ihren Interpretationen praktisch Schicht für Schicht frei. Mit den zwölf Eigenkompositionen ihres aktuellen Albums „Darkness Out Of Blue“ präsentiert Silje Nergaard auch gleich ihre neue Band, einen neuen Produzenten und einen überraschenden und erfrischenden neuen Sound. Sie bleibt dem Jazz treu, flirtet aber offenerer denn je mit elegantem Pop und folkigen Songstrukturen. „Es war Zeit für einen Wechsel und eine Erneuerung“, meint sie. „Manchmal muss man neue Partnerschaften suchen, um bei sich selbst neue Seiten zum Vorschein zu bringen und Stagnation zu verhindern. Es ist ein sehr inspirierendes Projekt gewesen. Und es hat für mich immense Bedeutung, weil ich spüre, dass es der Beginn von etwas Neuem ist.“
Diesen Neubeginn markieren vor allem der Pianist Helge Lien, bekannt von seinem Tri O`Rang und der Zusammenarbeit mit Beady Belle, und der Bassist Finn Guttormsen, gerne auch mit Trygve Seims „The Source“ oder Farmer’s Market zu hören. Dazu kommen der schon von etlichen Silje-Konzerten bekannte Gitarrist und Pedal Steel-Spieler Bjørn Charles Dreyer, ihr langjährigen Schlagzeuger Jarle Vespestad und natürlich ihr neuer Produzent, der schwedische Pianist und Arrangeur Pål Svenre. Silje erzählt: „Diesmal bin ich wirklich mehr in die Tiefe gegangen. Mag sein, dass es auch ernster als bisher klingt, aber eben auch vielseitiger. Zugleich ist es freudiger und hat mehr Energie. Man wächst schließlich und bekommt eine andere Einstellung zum Leben.

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Samstag, 21. Juli: Kettcar (D)

KettcarDie erste Maxi-Veröffentlichung von Kettcar konnte man sich 2001 kostenlos von ihrer Homepage herunterladen – was das Bandbuget durch die hohen Providerkosten beträchtlich ins Wanken brachte. So häufig wurde „Solange die dicke Frau noch singt, ist die Oper nicht zu Ende“ heruntergeladen. Das Debüt Album wollten die Plattenfirmen erst einmal auf Massenkompilarität bürsten. Das mochten Kettcar nicht und gründeten mit der befreundeten Band Tomte das Label „Grand Hotel van Cleef“.

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„Du und wie viel von deinen Freunden“ landete dann auch prompt auf Platz 5 der Charts, von SPIEGEL bis ZEIT waren und sind die Feulletons voll des Lobes und sogar die Tagesthemen, sonst nicht gerade die Instanz in Sachen Popmusik, widmete der Band ein feature. Nein, das hat wirklich nichts mehr mit Hamburger Schule zu tun, was Kettcar auszeichnet. Da gehen keine Zeigefinger rauf und auch keine Parolen runter, trotzdem ist die Textseligkeit der Band immer wieder ein reicher Fundus für zitierfreudige Hörer und Fans. Es gilt immer noch: , Es ist besser für das was man macht gehasst zu werden, als für das was man nicht ist, geliebt zu werden.” Sagte einmal der französische Schriftsteller André Paul Guillaume Gide, und singt Marcus Wiebusch heute. Kettcar zitieren gut und gerne. Dazu nehme man noch das Beste vom Punk, gebe hier und da eine Prise Elektronik hinzu, schnüre daraus ein musikalisches Paket im Popgewand und benenne es nach dem liebsten Kinderspielzeug.. Jetzt ist die erklärte “Supergroup des German Indie-Rock” dem Studio entsprungen und erzählt “Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen” . Zuletzt wurde das “Lattenmessen” nur besungen und damit legten die Brüder Marcus (Gesang und Gitarre)und Lars (Keyboard) Wiebusch, Reimer Bustorff (Bass), Erik Langer (Gitarre) und Frank Tirado Rosales (Schlagzeug) selbige sehr hoch.
Die Musik ist eher etwas, das man den Nord-Beat nennen sollte, stets songdienlich und trotzdem sehr intelligent arrangiert, ähnlich wie bei den Label-Kollegen Tomte. Gut gemischt und doch spröde und kantig kommt die Band daher. Wenn Kettcar ein Streicher-Ensemble integrieren, dann hat das wie bei “Tränengas Im High-End-Leben” oder “Nacht” seinen Sinn, wenn sie bei “Stockhausen, Bill Gates und Ich” einen Kinderchor aufheulen lassen, wirkt das sinnvoll und skurril. Die eher ruhigen Songs wie “48 Stunden”und das hinreißend getextete “Balu” und “Nacht” erinnern an die Melancholie eines verregneten Sommertages. Ein poetischer Blues zieht sich durch alle Lieder. Nach dem Überangebot Chart-tauglicher deutschsprachiger Bands in letzter Zeit werden Kettcar wohl die längste Halbwertzeit für sich in Anspruch nehmen können, denn sie haben der Sprache etwas abgerungen, was bisher zu oft fehlte: Poesie und Authenzität.

Mittwoch, 1. August: 17 Hippies (D)

17 HippiesDie 17 Hippies haben Neuigkeiten: “Heimlich” heisst das Album mit 12 neuen Stücken (auf der Limited Edition sogar noch ein paar mehr)! Wir grüßen den Rock’n'Roll, den Balkan, Mexiko, den Chanson, Pop und Cajun. Die Lebenseinstellung der 17 Hippies ist herrlich unverdorben und gnadenlos rock n’roll, die Berliner Band existiert seit 12 Jahren und passt so gut in das Kulturzelt Kassel, dass wir sie schon getrost als „Artists in Resident“ bezeichnen können.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 16 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 18 Euro Das Konzert ist ausverkauft.

Ihre Entstehungsgeschichte liest sich wie eine Chronik des Berliner Musik-Lebens seit den 80er Jahren. Heute stehen sie zu dreizehnt auf der Bühne und produzieren diesen typischen »17 Hippies-Sound«: Kontrabass, Banjo, Ukulele und Gitarre sind die rhythmische Basis über die sich das Melodiegeflecht aus Geigen, Violoncello, Accordeon, Klarinette, Trompete und Posaune legt. Traditionelle Musik aus Osteuropa, Frankreich und Amerika wird mit eigener Berliner Prägung versehen. Vor dem Hintergrund anglo-amerikanischer Pop- und Rockmusik fing die Suche nach den eigenen Traditionen an. Im Laufe der Zeit sind dann mehr und mehr eigene Kompositionen und zahlreiche Songs mit Texten auf deutsch, englisch und französisch entstanden. Den Drive und die Fülle der weltmusikalischen Einflüsse haben die 17 Hippies dabei in ein neues Licht gestellt.
Von Anfang an war fast die gesamte Musikerpalette vorhanden: einige waren Rockmusiker und kannten keine Noten. Ein paar andere kamen aus der Klassik, denen war der Groove abhold. Und dann gab es Jazzer, die wieder ganz andere musikalische Vorstellungen hatten. Zusammen haben sie eine eigene musikalische Sprache entwickelt. Der wilde Mix aus Folklore, Pop, Balkan-Klängen schottischen Sumpftiraden und texanischen Twosteps wird per Bass, Klarinette, Trompete, Dudelsack, Accordeon, Banjo und allem anderen, was eben so nötig ist, direkt in Kopf und Hüften des Publikums transportiert. Man probt die Leichtigkeit des Seins und entfaltet dabei ein gewaltiges Phantasiepotential. Die 17 Hippies, die eigentlich nie 17 sondern 13 waren, sind Vollblutmusiker. Das Kollektiv gehört seit dem Soundtrack von „Halbe Treppe“ zu den Kultfiguren des deutschen Films. Sie komponierten die Musik für das Stück „Kasimir & Karoline“ von Ödön von Horvarth am Deutschen Theater Berlin, spielten jüngst eine CD mit Marc Ribot und Jakob Ilja ein. Die E-Gitarrenklänge geben der Musik noch einmal eine formidable faszinierende Wende. 17 Hippies – dies ist auf einer DVD dokumentiert „The greatest show on earth“ – eine wunderbar reizvolle wie liebenswerte Dokumentation von Künstlern, die sich mit ihrer zutiefst intelligenten Musik viele Ehrungen und Lorbeeren erspielt haben. Sie haben Melodien und Rhythmen der ganzen Welt im Gepäck.

Mittwoch, 4. Juli: Sara Tavares (Portugal)

Sara TavaresVon der Herumtreiberin auf Lissabons Straßen über das nationale Popaushängeschild zu einer Repräsentantin der zweiten Generation afrikanischstämmiger Einwanderer in Portugal: Sara Tavares markiert ihren verschlungenen Lebensweg in längeren Abständen mit Musikprojekten, die ihren Ruf als exquisite Sängerin weit über die Grenzen ihres Heimatlandes tragen. Komponieren betrachtet sie für sich als eine Art der Meditation.

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Sara Tavares setzt auf afrikanische Rhythmen und melodische, stark gesangsorientierte Popsongs mit minimaler instrumentaler Begleitung. Sie singt in portugiesischer, englischer und erstmals in kreolischer Sprache. So wird der Kopf ist frei für Stimmungen, Vibes und Atmosphäre - bei Sara Tavares wahrlich kein Fehler. In der Mischung der Sprachen spiegelt sich ihre Position als Vertreterin einer Kultur zwischen den Kulturen. “Wenn ich mit meinen Freunden unterwegs bin, sprechen wir eine Mischung aus portugiesischer Umgangssprache, Slang aus Angola und kapverdischem ‘Crioulo’, das wiederum viele Lehnworte aus dem Englischen und Französischen enthält.”. “Balance“ heisst dann auch ihr aktuelles Programm. In ihrer klaren Stimme, klingt mal fröhliche Unbeschwertheit, mal Nachdenklichkeit und leise Melancholie mit. Wehleidig oder gar weinerlich wirkt Sara Tavares allerdings auch dann nicht, wenn sich ihre Zeilen (wie in “Dam Bô”) sehnsuchtsvoll in die Weite schwingen. Ihre hypnotisch-sanften Lieder weben einen seidenweichen Kokon aus Wohlklang, in den man sich als Hörer nur allzu gern hineinsinken lässt; sie selbst bezeichnet ihre Songs als Wiegenlieder, die sie sich selbst singe: “Die Botschaften drehen sich auf die eine oder andere Weise alle um die Wertschätzung des Selbst; darum, sich anzunehmen; mit allen Teilen; auch denen, die eben anders sind, als beim Rest der Welt.” Das die Liebe zu sich selbst erarbeitet sein will, ist für Sara Tavares keine bloße Floskel. Sie ist das Kind kapverdischer Eltern, die sie früh verlassen haben: der Vater machte sich in die U.S.A. davon, die Mutter ging irgendwann “nach Süden”. Aufgezogen wurde Sara von einer portugiesischen Pflegemutter; wesentliche Teile der Erziehung lieferte die Straße. Passend zum Titel balanciert sie zwischen fröhlicher Unbeschwertheit und nachdenklicher Melancholie, meist begleitet von locker-luftiger Akustikgitarre. Hier haben wir eine trotz ihrer jungen 25 Jahre weit gereifte Künstlerin vor uns, die als Quintessenz aus ihren Erfahrungen statt Härte oder gar toughness eine Botschaft der Sanftmut offeriert, und darüber hinaus auch die beeindruckende musikalische Manifestation dieser Haltung.
Balance bedeutet für Sara Tavares “das Gleichgewicht zu bewahren zwischen Traurigkeit und Freude, Nacht und Tag, Salz und Zucker.” Und das ist ihr wohl gelungen. In schönster Form.

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Samstag, 30. Juni: Edson Cordeiro & Klazz Brothers (Br/ D)

Edson CordeiroEdson Cordeiro - Ein Entertainer mit Theaterqualitäten und fantastischer Bühnenpräsenz sowie einer Stimme mit vier Oktaven Tonumfang, die jeder Operndiva zur Ehre gereichte! Im Alter von sieben Jahren lernte Edson Cordeiro im Chor einer evangelischen Kirche in São Paulo singen.

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Die folgenden zehn Jahre sang er in Kirchenchören, was seine Karriere ästhetisch, nicht ideologisch beeinflusste. In Europa hat der Counter-Tenor das Publikum im Sturm erobert, ob in Montreux oder an der Wiener Staatsoper. Edson Cordeiro verfügt über eine Stimme als wäre sie nicht von dieser Welt, dabei ist er extravagant und egozentrisch. Mal kieckst er wie Nina Hagen in ihren besten Tagen, dann summt er Ellingtons „Creole Love Call“ um sogleich wieder in den gewaltigen Rock- und Popdramen, die an Freddy Mercury und Prince erinnern, zu rühren. Die Klazz Brothers, drei virtuose Musiker aus Dresden, sind eines der erfolgreichsten Klassik-Crossover-Projekte der letzten Jahre, ausgezeichnet für ihre Kooperationen unter anderem mit dem Echo-Preis.. Sie stehen für innovative und erfrischende Interpretationen alter Meister von Klassik bis Jazz. Das Trio sucht ständig nach neuen Herausforderungen und der Auseinandersetzung mit innovativen Klangstrukturen. In Kooperation mit den Klazz Brothers – den Meistern, denen kein Genre heilig ist, kann Cordeiro die unglaubliche Bandbreite seines Könnens ausloten. Latin, Swing, Salsa, Son, Jazz, Klassik - scheinbar unvereinbar ? Mühelos finden sich die ortskundigen Klazz Brothers im Grenzgebiet zwischen den Stilen zurecht. Dabei bleiben sie mit ihren jazzigen Interpretationen klassischer Stücke nah am Original. Oft werden nur kleine rhythmische Akzentverschiebungen vorgenommen und - wie von selbst - verwandelt sich ein Sonatenthema in einen kecken Bossa Nova Rhythmus. Oder aber ein originales Bassfundament bleibt bestehen und raumgreifende Jazzakkorde werden darüber gelegt. Markenzeichen Ihrer Musik ist jedoch die Auseinandersetzung mit komplexen Formen, Strukturen und Harmonien - Weiterentwicklung, Erschaffung neuer, innovativer Klangwelten, Bewahrung des `Alten` im `Neuen. Nach Konzerten in der Semperoper Dresden und beim Rheingau Musikfestival passt dieses Programm vorzüglich in das Kulturzelt Kassel.
Edson Cordeiro (voc.); Tobias Forster (Piano); Kilian Forster (Baß); Tim Hahn(Drums)

Sonntag, 5. August: Shantel & Bucovina Club Orkestar (D/SRB/SLO/A)

Shantel & Bucovina Club Orkestar Die Disko Partizani Tour! Der Balkan ist dank Shantel im Club angekommen, mit dem Bucovina Club wurde gar eine neue Pop-/Clubkulturwelle ausgelöst, die sich frei von Klischees, ethnologischem Ballast oder musealem Denken an den Klängen Osteuropas erfreut. Angefangen hat alles im renommierten Schauspiel Frankfurt – wo die Bucovina Abende längst Kult sind. Seither versammelt Shantel nächtens eine burleske Truppe östlicher Musiker rund um seinen musikalischen Globus – und mit Polka, Punk und Beat nimmt er die ganze Meute mit auf eine musikalische Reise, hinüber in die Bukovina, das ehemalige „Buchenland“.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 14 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 16 Euro

Ein neuer Sound wurde so salonfähig gemacht. Hier berühren sich Club- wie traditionelle Musik, denn beide sind im besten Sinne niemals statisch, sondern ständigen Veränderungen und Anpassungen an das aktuelle Lebensgefühl unterworfen. Eine andere Inspiration verbindet Shantels Vorleben als Electronica-Produzent mit den Roma: Die Roma, ohne die das musikalische Leben des Balkans undenkbar wäre, hatten die Kunst des Sampelns erfunden. Auf ihrem langen Weg durch Länder und Kulturen nahmen sie hier eine Hookline, dort einen Rhythmus, ein Melodiefragment oder einen Chorus mit, um sie neu zusammenzusetzen und etwas ganz Eigenes daraus zu schaffen.

Im ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert wurde Sampling die vorherrschende Produktionsmethode einer ganz anderen Szene - der Electronica- und Dancemusic-Szene. Nicht im sterilen Konzertsaal, sondern im Setting des Clubs oder der Party an einem ungewöhnlichen Ort entfaltet der Sound seine ganze Magie. Und der neue Sound kommt in den europäischen Szeneläden Nouveau Casino und Favela Chic (Paris), Futuro Flamenco/Nottinghill Arts Club (London), P.P.C. (Graz), beim MTV-Festival im größten Club Bukarests, bei den legendären Transmusicales in Rennes, in Tel-Aviv, beim Balkan-Fever-Festival (Wien) wie auch an den Orten der Hochkultur, in den Schauspielhäusern Wien, Hamburg, Stuttgart, in der Berliner Staatsoper und dem Hebbel Theater Berlin oder bei den Wiener Festwochen bestens an.

Als Abschluss des Station-to-Station-Festivals in Florenz ließen sich über 10.000 in den Bucovina Club entführen. Und diese einmalige Atmosphäre und Energie ist im Bucovina Club erlebbar, wenn Menschen, die sich noch nie begegnet sind, gemeinsam den Hora tanzen, die Bühne geentert wird, um direkt vor den Musikern den Cocek zu tanzen oder sich beim DJ einen Schluck Wodka abzuholen. Der Bucovina Club verwandelt jede Location, die er besetzt, in ein exterritoriales Gebiet und schafft ein euphorisches Ereignis allererster Güte, das Altersgruppen und Nationalitäten zusammenführt, durcheinander würfelt.

Auszeichnungen: Sieger des BBC World Music Awards 2006 / Platz 1 der World Music Charts Europe Juli & Jahrescharts 2005 Platz 10 / Best Album of 2005 / Bestes Worldmusic-Album 2005

Freitag, 3. August: Cyril Neville & Tribe 13 (USA)

Cyril NevilleDie Brüder Art, Charles, Aaron und Cyril Neville kommen in New Orleans zur Welt und wachsen mit dem Sound der dortigen Marching Bands auf. Die Neville Brothers zählen zu den erfolgreichsten Formationen der Musikgeschichte. Kaum eine Auszeichnung und Ehrung, die sie nicht erhielten. Cyril, der jüngste der Brüder war Frontmann der legendären „Meters“ und zeichnet bis heute für den Gesang und die Percussion der legendären Neville Brothers verantwortlich. Cyrill Neville steht für den unverwechselbaren Sound der „Crescent City“, mit all ihrer wunderbaren stilistischen Offenheit.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 16 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 18 Euro

Mit seiner eigenen Band Tribe 13 wendet sich der Sänger den Ingredenzien der schwarzen Musik-Geschichte zu – eine Reise von den Wurzeln des New Orleans Funk über Reggae-Einflüsse und der Mardi Gras Indian Tradition bis hin zu den aktuellen HipHop Grooves. Cyrill Neville ist dabei ein zutiefst politsch bewusster Mensch, alles andere würde bei diesem Geburtsort auch verwundern. Das jüngste Mitglied der Neville Brothers lebt derzeit wie Hunderte anderer Musiker aus New Orleans im Exil. Neville will nun in Austin bleiben und seiner Geburtsstadt für immer den Rücken kehren. Bei einem im Fernsehen übertragenen Benefiz-Konzert trug er ein T-Shirt mit der provokanten Aufschrift: «Ethnic Cleaning In New Orleans». «Wenn wir Afroamerikaner nicht endlich wirtschaftlich am Tourismus beteiligt werden, wenn die schwarzen Viertel nicht dieselben Vorzüge - etwa Steuervergünstigungen - wie das French Quarter erhalten, kann die Stadt niemals wieder auf die Füsse kommen.» Wenn er schimpft, dass sein ehemaliges Viertel im überschwemmten Stadtteil Gentilly von Bulldozern planiert werden soll - «sie machen daraus wahrscheinlich einen Golfplatz für Weisse» -, spricht er aus, was vielen Afroamerikanern widerstrebt: eine «Disneyfizierung» der Stadt mit Jazz-Themenparks und neuen Hotels, ohne Rücksicht auf jene verarmten «neighborhoods», die stets das Rückgrat der Kultur bildeten. Doch Cyril Neville, der Begründer des Second Line Reggae zündet in seinen Konzerten ein Fest des funkigen Groove, mitreißend und mit dem ganzen musikalischen Reichtum des US-amerikanischen Südens. In seiner Band Tribe 13 versammeln sich dann auch die großen Stimmen New Orleans: Cyril Neville (voc, perc.); Gaynielle Neville (voc.); Omari Neville (voc.); Norman Caesar (keyb., voc.); Chris Brown (git., voc.); Courtney Audain (bass, voc.); Ricky Caesar (dr.,voc.)

Donnerstag, 2. August: Roberto Fonseca (Cuba)

Roberto FonsecaRobertos Karriere nahm eine unerwartete Wendung, als er mit den Legenden des Buena Vista Social Club in Kontakt kam: mit Rubén González, Ibrahim Ferrer, Omara Portuondo, Cachaito López, Guajiro Mirabal, Manuel Galbán. 2001 bot man ihm an, im Ibrahim Ferrer Orchestra Rubén González zu ersetzen; in mehr als 400 Konzerten von Ferrer übernahm Roberto daraufhin den Klavier- und Keyboard-Part. 2002 wurde er auch Mitglied in der Band von Omara Portuondo. Beim Tokyo Jazz Festival 2002 wurde er als Solist gefeiert und trat mit Herbie Hancock, Wayne Shorter und Michael Brecker auf.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 16 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 18 Euro

Roberto Fonseca, in Havanna geboren, gilt als der bedeutenste Pianist seiner Generation. Seit Beginn seiner internationalen Karriere erstaunt der Musiker Publikum wie Kritiker mit seiner einzigartigen Kombination aus Virtuosität, Charisma und Authenzität. Unerschöpflich scheint das Reservoire un die schöpferische Energie dieses Menschen. Er findet noch Zeit für „Agnes B.“ zu modeln und mit seiner Band an so renommierten Orten wie der Royal Albert Hall oder der Alten Oper in Frankfurt Konzerte zu geben. Er flirtet mit Jungle, drum’n’bass, Klassik und Soul, dabei hat der Pianist die Wurzeln der kubanischen Musik sehr präzise studiert. Er liebt das percussive Element, bringt das afro-cubanische ins Spiel und nebenbei entlockt er seinem Synthezizer ein flirrendes Steel-Drum-Solo. Es ist nicht allein das musikalische Können, dass das Spiel von Roberto Fonseca auszeichnet, es ist auch das Studium der an Zitaten reichen kubanischen Musik, ihrer vielfältigen Einflüsse und das Wissen um all jene Erkundungen , die geradewegs in die Zukunft führen. Roberto Fonseca ist immer wieder ein überwältigendes Konzerterlebnis. Seine Art, Klavier zu spielen, ist virtuos, voller Feuer, unvorhersehbar, manchmal sogar fast orchestral. In Ibrahim Ferrers Worten: “Kann der Junge spielen!” Fonseca mischt kubanischen Soul mit Jazz-Finessen, glänzt mit unglaublichen Energieläufen über die Tasten, einem Anflug von Monkscher Sperrigkeit und einem feinen Sinn für poetische Melodik. Seine Mitstreiter auf dem neuen Album “Zamazu” sind der langjährige musikalische Partner Javier Zalba (Klarinette, Sopransax, Altsax, Flöte) und eine flexible kubanisch-brasilianische Rhythmusgruppe. Das Ergebnis ist Latin Jazz der Sonderklasse: Fonsecas musikalische Phantasie reicht von ekstatischer Lebensfreude bis zu dunklen, dramatischen Stimmungen, von luftig-leichten Ohrwürmern bis zu orientalisch angehauchter Melancholie. “Ich liebe diesen Burschen”, sagte Ibrahim Ferrer – wir tun es ihm gleich.Roberto Fonseca, piano & fender rhodes; Emilio del Monte, perc.; Emilio del Monte jr., perc.; Javier Zalba, clarinet, flute & sax; Ramsés Rodriguez,drums; Omar Gonzáles,double bass.

Mittwoch, 8. August / Donnerstag, 9. August/ Freitag, 10. August: Mountains Of Madness - eine audiovisiuelle Produktion von The Tiger Lillies, Danielle De Piciotto und Alexander Hacke (GB/D)

Tiger Lillies & Alexander Hacke
Sie sind taktlos, anarchistisch und größenwahnsinnig. Die Tiger Lillies sind Kult. „Ich liebe sie, ich liebe sie!“ rief Papan, der Zeichner, als er ihre traurig schönen Circussongs das erste Mal hörte. Und jedem Menschen, der sie je gesehen hat, geht es ebenso. Die Tiger Lillies singen traurig schöne Lieder von Menschen am Rande der Gesellschaft, auf der Suche nach dem kleinen Glück. Martyn Jacques wird dann sein kleines Accordeon erheben, den Kopf mit der Melone in den Nacken werfen und mit seiner unvergleichlichen Falsett-Stimme wie ein Engel über die Abgründe des Lebens erzählen.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 15 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 17 Euro

David Byrne, der gern mit den Tiger Lillies arbeitet, nannte Adrian Huge den „James Joyce“ am Schlagwerk“. Huges Schlagzeug sieht aus wie eine Mischung aus moderner Skulptur und einem Spielzeugladen. Recycelte Drums, Kinderspielzeug und Küchenutensilien sind seine Klangkörper. Adian Huge, Dritter im bunde, spielt den Kontrabass und alles was sich streichen lässt. Die Uraufführung des Stückes „Berge des Wahnsinns“ fand vergangenes Jahr in Berlin statt. Alexander Hacke, Bassist der Einstürzenden Neubauten hat sich mit den Tiger Lillies zusammengetan und gemeinsam haben sie sich mit den Stücken des Poeten Howard Phillips Lovecrafts (1890 – 1937) auseinandergesetzt. Herausgekommen ist ein bildergewaltiges Gesamtkunstwerk. Die amerikanische Künstlerin Danielle de Picciotto, Mitbegründerin der Loveparade, hat den Hintergrund der schaurig-schönen Texte in düstere „Nature-Morte“-Stillleben gegossen. Bizarre, von Schneeflocken durchzogene Welten. Danielle mischt die expressiven Bilder live zur Musik – jede Aufführung wird so ein wahrhaft einzigartiges Kunstwerk. Alex Hacke rezitiert aus den Geschichten Lovecrafts um verlorene Seelen und uralten Gottheiten, von einem reduzierten Klangteppich hinterlegt, um dann von singenden Sägen, Klavier, Bass, Accordeon und Schlagwerk der Tiger Lillies abgelöst zu werden. Lovecraft gehört zu den bedeutensten Meistern der makaberen Literatur und die Tiger Lillies sind die Inkarnation des schwarzen britischen Humors, des dunkel leuchtenden Sounds eines Tom Waits und den schaurigen Sehnsüchten brechtscher Antihelden. In England spielen die Tiger Lillies wochenlang in der immer ausverkauften Queen Elizabeth Hall, in Frankreich und den USA spielen sie en suite auf den großen Theaterbühnen. In Deutschland machte vor allem ihr Shockheaded Peter (Struwelpeter) Furore. Wir freuen uns, dieses gewaltige Gesamtkunstwerk für drei Tage „erbeuten“ zu können. Wir lieben die Tiger Lillies und ihnen wird es ebenso ergehen, da sind wir sehr sicher!

Samstag, 11. August: An Pierlè and White Velvet (Belgien)

An Pierlè and White Velvet (Belgien)Es gibt Stimmen, die sind einfach unglaublich. Die von An Pierlè erfüllt diesen Tatbestand schon am Telefon. Das ist nicht einmal ihr charmanter französischer Akzent beim Englisch sprechen, dies ist eher so das Gefühl, mit ihr auf einer Sommersonnenwiese zu sitzen und sie findet gerade den Korkenzieher unter dem Picknickkorb, lacht ganz kurz und öffnet dann den Weisswein – eben wundervoll.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 14 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 16 Euro

Noch schöner wird es, wenn die Belgierin ihre Stimme zum singen benutzt, denn die Songs rauben einem schlicht den Atem. Man mag sie für eine Art Waldelfe halten, doch wenn sie dann auf der Bühne steht und ihre wunderbar schräge Poesie unter das Volk bringt, ist das ebenso überraschend wie umwerfend. Als Vorbilder mögen Aimee Mann und Tori Amos herhalten, doch entzieht sich An Pierlè der Kategorisierung. Der belgischen Songwriterin, Sängerin und Pianistin ist auf ihrem neuesten Album der Spagat zwischen Pop und Avantgarde gelungen. Ihre betörende Stimme, ihr Pianospiel und die klugen Songs schaffen eine solch spannende Atmosphäre, wie man sie sonst nur von Kolleginnen wie beispielsweise PJ Harvey kennt. So überraschen die geschmackvollen Melodien zwischen Blues, Rock und Pop gern auch mal jäh durch eruptive, noisige Gitarren und bleiben so stets unberechenbar. Eine echte Entdeckung! Denn was Koen Gisen, der Partner in Crime,mit Sängerin An Pierlé, am Klavier und anderen Instrumenten sowie am Computer in der gemeinsamen Wohnung produziert hat, wird Belgien auf der Pop-Landkarte hell aufleuchten lassen. Doch was heißt hier Pop?. An Pierlé & White Velvet ragen aus der unübersichtlichen Masse der Pop-Bands mit Sängerin durch eine überbordende Vielfalt an zarten elektronischen Sounds, an überraschenden und dennoch weichen Übergängen von einem Melodiebogen zum nächsten heraus. So entfaltet sich innerhalb eines Songs eine stetigem Wandel unterworfene Klangwelt voller Anmut und Reichtum. Woran die Sängerin entscheidenden Anteil hat. Gern wird An Pierlé mit Kate Bush verglichen. Was bei der Tonlage seine Berechtigung haben mag: hell und klar ihr Gesang, gleichsam schwebend. Kratzbürstig kann sie freilich auch, wie “Not The End” beweist, ein rauer Song mit harschen Gitarren. Viel häufiger erhebt sich ihr Feen-Gesang über fein ziselierten Synthie-Sounds. Oder sie wechselt von den entrückten, hohen Tönen ins erotisch-dunkle Timbre, gibt so “I Love You” ihr verwirrendes Gepräge.White Velvet sind: Koen Gisen (git. & voc.); Klaas Delvaux (bass, cello & backing voc.); Peter De Bosschere (drums & backing voc.); Tom Wolf (acc. git, bass, backing voc.); Domenique Vantomme (keys.)
Machen sie sich für dieses Konzert einen dicken Knoten ins Taschentuch und sagen sie hinterher nicht, wir hätten sie nicht informiert!

Sonntag, 12. August: De Phazz (D)

De PhazzDas Projekt De Phazz schlägt neue Töne an, jetzt wird es twang.. Pit Baumgartner und seine Mitstreiter blättern in einem Vintage-Fotoband über das swingende London der späten 60er Jahre– das Designerhemd ist durchgeschwitzt, die Couch ein wenig staubig. „Un ange passe`“, die einst so geliebte Lounge-Fee verschwindet barfuß tänzelnd über den Asphalt…..Gitarren und Blues-Harps drängen sich unverschämt in den Vordergrund. Die vielen separaten Stile der Melange bleiben deutlich erkennbar: Dub, Jazz, Soul, Latin, Schlager, gepflegter Kitsch und Club-Grooves. “Wir bezeichnen diese verschiedenen Stile als Fenster, durch die wir schauen und Bekanntes und Neues entdecken”, meint der ehemalige Hörspiel-Cutter Baumgartner.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 18 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 20 Euro

Doch in den Texten entfaltet sich das De-Phazz-typische Vexierspiel mit Ironie und zärtlichem Zynismus. Die Band, die den Jazz Lounge-fähig und den Pop ganz intelligent vor die Tür gesetzt hat, widmet sich nun Country, Black Music und Rock`n Roll. Dies trifft auf feinziselierte Produktionstechnik und so entsteht er – der perfekte ‚Twang’. Nun werden andere, strapazierfähigere Saiten aufgezogen! De Phazz sind Meister des ironischen Zitats. Dieses Mal muss vor allem der Rock’n Roll zeigen, wie weit er sich biegen lässt. Die scharfe Trennung zwischen Authenzität und Imitation ist ihre Sache nicht – es geht um das Flimmern und Flirren dazwischen. Die Ingredenzien aus Dancefloor, Funk und Latin werden gesampelt – und die Samples ordentlich durch den Kakao gezogen. Soul und Jazz mutieren bei der Heidelberger Community zu heißen elektronischen Chansons und tanzfreudigen Zulu-Grooves. Die gestopften Trompeten geraten in die Mühlen des Dub, es streichen Samba und ChaChaCha wie warme Tropenwinde durch die gedämpften Blue Notes. Mit unendlicher Kondition tanzt alles auf das Beat-Kommando von Produzent Pit Baumgartner und seiner Crew. Bei allem Sampler-Einsatz legen De-Phazz betont Wert auf ihre Live-Performance. Oder anders formuliert: sie werden immer mehr zur Live-Band - angesichts der Reihe exzellenter Musiker auch kein Problem. Auf “Days of Twang” schnallt sich Pit tatsächlich auch mal die Gitarre um und drängt den Anteil rechnergestützter Sounds weiter in den Hintergrund. Auf der Bühne gehen die Uhren anders, da zählt die Jazz-Attitüde - die Musiker emanzipieren sich vom Computer, da wird das De Phazz Koordinatensystem zum mitreißenden Live-Act. De Phazz steht für „destination future jazz“ und dies übersetzt man 2007 in erdige Rhythmen und kernigen Groove.
Pit Baumgartner (samples); Otto „sugarlip“ Engelhardt ,(Posaune und keys); Pat Appleton (voc,); Karl Frierson (voc.)

Freitag, 29. Juni: Manfred Mann’s Earth Band (SA/E)

Manfred Mann´s Earth BandWer noch nie einen Song von Manfred Mann und seiner hauseigenen Earth Band gehört hat, ist entweder taub oder lebt in der der Wüste Gobi. Karg muss das Leben sein ohne die Klänge von “Pretty Flamingo”, “Ha! Ha! Said The Clown”, “Mighty Quinn”, “My Name Is Jack”, “Blinded By The Light” oder “Davys On The Road Again”. Wie kaum ein anderer vollzieht Manfred Mann im Laufe der Jahrzehnte den Brückenschlag zwischen Soul auf der einen Seite und jazzigen, progressiven Kompositionen auf der anderen.

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Als absoluter Könner an sämtlichen Instrumenten, die auch nur entfernt etwas mit Tasten zu tun haben, erntet er anerkennende Kritiken. Die musikalische Karriere des Manfred Lubowitz, so der bürgerliche Name des 1940 in Johannesburg zur Welt gekommenen Südafrikaners, erhält Anfang der Sechziger ihren ersten Schub. Gerade einmal dem Teenager-Alter entwachsen, beschließt er, nach England auszuwandern; die Chancen auf eine Karriere als Profimusiker scheinen dort besser zu sein als im Apartheidsstaat am Kap der guten Hoffnung. Er kam1961 als überzeugter Jazzer nach London und wurde binnen kurzem zu einem der erfolgreichsten Musiker der britischen Pop-Szene. 1971 startet Manfred Mann das erfolgreichste Kapitel seiner Laufbahn. Zusammen mit Gitarrist Mick Rogers Colin Pattenden (Bass) und Ex Tom Jones- Schlagzeuger Chris Slade (der später auch bei AC/DC die Stöcke schwingt) gründet er die Manfred Mann’s Earth Band. In seiner Heimat Südafrika konzipierte er das stilistisch weiträumige Album Somewhere In Africa (1982) mit harscher Kritik an der Apartheid und wohlklingender Harmonie zwischen afrikanischen und europäischen Musikern. Die Musik dieses Vorläufers von Paul Simons LP Graceland wurde auf einer Zehn-Länder-Tournee mit rund 50 Konzerten von mehr als 350000 Besuchern gehört und auf dem Live-Album Budapest (1984) abermals veröffentlicht. Abwechselnd mit Noel McCalla und Chris Thompson am Mikro zieht Manfred Mann mit seiner Earthband durch die Landen, veröffentlicht regelmäßig Platten (1996: “Soft Vengeance”, 2004: “2006″) und begeistert alte und neue Fans gleichermaßen mit Live-Shows, die das souveräne Können der Musiker einmal mehr unter Beweis stellen.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall AG

 

Freitag, 22. Juni & Samstag, 23. Juni: Joy Denalane (D) & Born & Raised

Joy DenalaneAls „Göttin des deutschen Soul“ wurde sie Anfang Februar bei der Eröffnung der Berlinale vorgestellt. Joy ist Englisch und bedeutet Freude. Was für eine Freude, dass es im deutschen Soul so jemanden gibt wie Joy Denalane (das spricht man übrigens D-i-n-a-l-a-n-i aus). Bereits ihre erste Duftmarke in den deutschen Charts, das 99′er-Duett “Mit Dir” - zusammen mit dem Freundeskreis-Max - ist so prägnant, dass ihre weitere Karriere unter einem guten Stern stand.

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Joy Denalane, Tochter einer deutschen Mutter und eines südafrikanischen Vaters, wurde als drittes von sechs Kindern in Berlin-Schöneberg geboren und verbrachte ihre Jugend in Kreuzberg, diesem multiethnischen Stadtteil. Joys südafrikanischer Nachname Denalane bedeutet soviel wie „strahlender Stern“ (in der Sprache „Pedi“) und manchmal scheint es, als hätte sie gar keine andere Wahl gehabt, als dieser Verheißung zu folgen. Ausgestattet mit einer Mischung aus politischem Bewusstsein, einer bildungsorientierten Erziehung und selbst angeeigneten „street smarts“ stürzte sich Joy als Teenager ehrgeizig in die Berliner Musikszene und spielte bald mit lokalen Soul- und Reggae Bands. Wie so oft bei herausragenden Künstlern empfand auch Joy ihr Talent, das in seiner Vielseitigkeit später ihre Einzigartigkeit ausmachen würde, am Anfang ihrer Karriere zuerst als Hindernis. Doch das Glück scheint ihr hold.

1999 nimmt Joy Denalane in Stuttgart mit dem bekannten Produzenten/D.J.-Team Peter Hoff und DJ Thomilla auf. Und hier lernt sie bald auch Max Herre und den Freundeskreis kennen. Zwischen ihr und Max entwickelt sich eine enge musikalische und private Verbindung. Daraus resultieren zwei Söhne, vier Echonominierungen, über 140.000 verkaufte Alben und vier ausverkaufte Tourneen. 2002 sorgte Joy Denalane mit ihrem Debütalbum Mamani dann für einen Paukenschlag in der deutschen Musikszene.

“Born & Raised” ihre jüngste Aufnahme öffnet Joy Denalane die Tür zum Rest der Welt. Die Co-Produktion mit Ehemann Max Herre steht auf einer Stufe mit dem Besten, was die amerikanische R&B-Szene zu bieten hat. Joy Denalane singt heute ausschließlich in Englisch und das mit einer Inbrunst und Überzeugungskraft, dass man sich nicht zu scheuen mag, die Größen des internationalen R&B- und Soul-Establishments wie zum Beispiel Mary J. Blige als Vergleich heranzuziehen.Joy Denalane ist eine Künstlerin, mit dem Potential sich über musikalische und territoriale Grenzen hinwegzusetzen. Ihre Stimme klingt nach unkomplizierter Eleganz, der Gesang transparent, selbstsicher und voller Seelentiefe. Nenn es Soul with a twist, eins ist sicher: Count on Joy in 2007!


Am Eröffnungsabend sind die Hälfte der Plätze für die Freunde und Förderer des Kulturzeltes reserviert. Wie gut, dass sie daher gleich an zwei Abenden für uns spielt!

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding AG

 

Samstag, 4. August: Nighthawks (D)

NighthawksDie Nighthawks sind nachtaktive Habichte und damit die natürlichen Feinde der behäbigen Nachteule.“4“ heißt das vierte Album der Nighthawks und raubt auch den Sonnenanbetern den Schlaf. Einmal mehr ist es Dal Martino und Reiner Winterschladen gelungen, das Genre zwischen Jazz, Pop und ambitionierten Lounge-Klängen facettenreich auszuloten Jazz und Dub streichen wie warme Meeresbrisen durch die gedämpften Blue-Notes.

Beginn: 19.30 Uhr,
VVK: 14 Euro & 1,50 Euro Vorverkaufsgebühr, Abendkasse: 16 Euro

1998 traf der Produzent und Bassist Dal Martino auf den Trompeter Reiner Winterschladen im Projekt Trance Groove. Mit dem gemeinsamen Debüt „Citizen Wayne“ haben sie Maßstäbe für den deutschen Nu-Jazz gesetzt Mit dem Folgealbum „Metro Bar“, dem Soundtrack einer blauen Stunde, gelang ihnen 2001 dann ein echter Überraschungserfolg. Auf Anhieb landeten sie an der Spitze der deutschen Jazz-Charts und wurden für ihre Arbeit mit dem deutschen Jazz Award geehrt. Spätestens als im Jahre 2004 das dritte Album „As The Sun Sets“ erschien, tanzte die ganze deutsche Club Community zu den Grooves.

Auf der Bühne beweist die Band, dass ihr Konzept auch live die gleiche Magie verströmt wie im Studio. Die gestopfte Trompete als führendes Instrument, coole Hooklines - hie und da mit Gesang versehen und hippe Grooves sind auch hier das Fahrzeug zum Erfolg.„4“ präsentiert die Nighthawks mit vibrierender Engergie höchst abenteuerlustig. Sie experimentieren mit Stimmungen, mit Sounds, mit winzigen Zitaten. Wieder ist es die hypnotisierende Stimme von De-Phazz-Sängerin Pat Appleton, die im Titel „Define The Day“ ganz filigran, aber doch bestimmt den Zauber des ganz frühen Morgens einfängt.

Zu „Pensando em outro mundo“ liefert die brasilianische Sängerin Patricia Cruz vokale Akzente, und verleiht zusätzlichen Glanz. Dal Martino und Reiner Winterschladen können ganz gelassen auf die Erfahrungen einer fundierten Musikerkarriere zurückgreifen: Dal Martino , als Bassist in Bands wie Trance Groove und als Produzent von Filmmusik. Reiner Winterschladen ist sein 1995 festes Mitglied der NDR-Big-Band, feiert mit dem Trio Nu Box Erfolge. So hat er die Düsseldorfer Pension Winnetou angetrieben, hat im European Jazz Ensemble mitgemacht, aber auch Bands wie Me & The Heat, Unknown Cases oder Rausch unterstützt.

Dal Marino, (bass); Reiner Winterschladen, (trump.); Markus Wienstroer, (git.); Jürgen Dahmen, (fender rhodes); Oliver Jäger, (keys, samples); Thomas Alkier, (drums)

Freitag, 3. August: Cyril Neville & Tribe 13 (USA)

Die Brüder Art, Charles, Aaron und Cyril Neville kommen in New Orleans zur Welt und wachsen mit dem Sound der dortigen Marching Bands auf. Die Neville Brothers zählen zu den erfolgreichsten Formationen der Musikgeschichte. Kaum eine Auszeichnung und Ehrung, die sie nicht erhielten. Cyril, der jüngste der Brüder war Frontmann der legendären „Meters“ und zeichnet bis heute für den Gesang und die Percussion der legendären Neville Brothers verantwortlich. Cyrill Neville steht für den unverwechselbaren Sound der „Crescent City“, mit all ihrer wunderbaren stilistischen Offenheit.

Mit seiner eigenen Band Tribe 13 wendet sich der Sänger den Ingredenzien der schwarzen Musik-Geschichte zu – eine Reise von den Wurzeln des New Orleans Funk über Reggae-Einflüsse und der Mardi Gras Indian Tradition bis hin zu den aktuellen HipHop Grooves. Cyrill Neville ist dabei ein zutiefst politsch bewusster Mensch, alles andere würde bei diesem Geburtsort auch verwundern. Das jüngste Mitglied der Neville Brothers lebt derzeit wie Hunderte anderer Musiker aus New Orleans im Exil. Neville will nun in Austin bleiben und seiner Geburtsstadt für immer den Rücken kehren. Bei einem im Fernsehen übertragenen Benefiz-Konzert trug er ein T-Shirt mit der provokanten Aufschrift: «Ethnic Cleaning In New Orleans». «Wenn wir Afroamerikaner nicht endlich wirtschaftlich am Tourismus beteiligt werden, wenn die schwarzen Viertel nicht dieselben Vorzüge - etwa Steuervergünstigungen - wie das French Quarter erhalten, kann die Stadt niemals wieder auf die Füsse kommen.»

Wenn er schimpft, dass sein ehemaliges Viertel im überschwemmten Stadtteil Gentilly von Bulldozern planiert werden soll - «sie machen daraus wahrscheinlich einen Golfplatz für Weisse» -, spricht er aus, was vielen Afroamerikanern widerstrebt: eine «Disneyfizierung» der Stadt mit Jazz-Themenparks und neuen Hotels, ohne Rücksicht auf jene verarmten «neighborhoods», die stets das Rückgrat der Kultur bildeten. Doch Cyril Neville, der Begründer des Second Line Reggae zündet in seinen Konzerten ein Fest des funkigen Groove, mitreißend und mit dem ganzen musikalischen Reichtum des US-amerikanischen Südens. In seiner Band Tribe 13 versammeln sich dann auch die großen Stimmen New Orleans:

Cyril Neville (voc, perc.); Gaynielle Neville (voc.); Omari Neville (voc.); Norman Caesar (keyb., voc.); Chris Brown (git., voc.); Courtney Audain (bass, voc.); Ricky Caesar (dr.,voc.)

Donnerstag, 19. Juli: Enzo Avitabile & Bottari (I)

Ein wenig die Welt verändern möchte der agile Sänger und Saxophonist Enzo Avitabile mit seiner Musik schon. In Italien ist er längst ein gefeierter Star und stand mit Künstlern wie James Brown, Tina Turner und Randy Crawford auf der Bühne.

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Auf der Suche nach Inspirationen beschäftigte er sich mit der musikalischen Geschichte seiner Heimatstadt Neapel und stieß dabei auf die Botarri, Fasstrommler aus Portico, einem Dorf im Landesinneren nördlich von Neapel. Im späten Mittelalter begannen dort Bauern auf Weinfässer zu schlagen, um böse Geister aus den Kellern und Scheunen ihrer Grundstücke zu vertreiben. Was im Kleinen anfing, wurde nach und nach zu einem musikalischen Ritual und diente, angeführt von einem mittelalterlichen Zeremonienmeister genannt „Capopattuglia“, ganzen Dörfern als Ritual zum Schutz ihrer Ernte. Dieser Brauch blieb bis heute in dem kleinen Dorf Portico erhalten und wird von Generation zu Generation weitergegeben.

Drei Jahre lang hat Enzo mit den Bottari zusammengearbeitet und nutzte ihre hypnotischen Rhythmen, geschlagen auf den Weinfässern, als Grundlage für seinen energetischen Mix aus Jazz, mediterranem Blues und Folk. Genau diese Rhythmen sind das fesselnde und unverwechselbare an dieser Musik, die sich Enzo Avitabile als neue Grooves zu nutzen macht. Er fügt seine mediterranen Gesänge und Musikideen hinzu und kreiert damit eine sehr eigene Klangmischung, In Italien längst ein Star, verwöhnt Enzo Avitabile mit seinem Album „Save the World“ unsere Ohren mit einem spektakulären musikalischen Abenteuer. Eine meisterhafte, und in dieser Art einmalige Fusion traditioneller, ländlicher Klänge Süditaliens und vibrierender Percussion. Die Tarantella wird zum Revolutionsaufruf!

Das außergewöhnliche Projekt sorgte auch außerhalb Italiens für Aufsehen und so beteiligten sich internationale Künstler, unter ihnen der südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela, der Kameruner Jazzer Manu Dibango und Khaled, der algerische König des Raï. Und so widmet Enzo Abitalibe seine Musik dann auch gleich allen Südländern auf der Erde. Die einmalige Verbindung aus traditionellen ländlichen Klängen Süditaliens, vibrierender Perkussion und prominenter Gastmusiker sorgte dafür, dass es das Album bis an die Spitze der World Music Charts schaffte. Enzos Stimme, der donnernde Sound, den seine Bottari auf Weinfässern erzeugen und die scharfen Bläsersätze werfen einen ganz neuen Aspekt auf die mediterane Musik des südlichen Italiens; das ist mitreißend und überraschend urban.

Mittwoch, 18. Juli: Marlango (E)

Leonor Watling, die Sängerin von Marlango, ist der Shootingstar am spanischen Schauspielhimmel. In dem Film „Hable con ella“ in der Regie von Pedro Almodovar, ausgezeichnet mit dem Golden Globe als bester ausländischer Film, spielt sie an der Seite von Javier Cámara. Der bekannte Regisseur Pedro Almodovar ist ein großer Fan von Leonor. Die Goldene Schallplatte für die ersten 50.000 verkauften Alben von Marlangos „Automatic Imperfection“ erhielten sie aus seiner Hand. Das Kino aber ist nur eine der Leidenschaften des 31Jährigen Multitalents, das zusammen mit dem Pianisten Alejandro Pelayo und Trompeter Oscar Ybarra das Trio Marlango bildet. Sie bewegen sich im sinnlichen Spannungsfeld zwischen Blues und Jazz, Rock und Pop.

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«Automatic Imperfection» ist das zweite Album, das Marlango jetzt live vorstellen wird. Verrucht, lässig und ein wenig rau verhaucht singt Leonor Watling ihre das Licht scheuenden Songs , die sich mit elegischem Tempo als puristische Lieder der Nacht entpuppen.Marlango gehört sicher zum interessantesten, was die spanische Musikszene aktuell hervorgebracht hat. Trotzige Eleganz: Eine sensationelle Band, ein großartiges Werk. Man kann sich einen Club in Madrid in den Morgenstunden vorstellen, schon fast verlassen, nur gedankenverloren tanzt noch eine Frau vor sich hin – solche Bilder kommen in den Sinn.

Wunderbar lasziv Leonor Watling, deren dunkle und leicht raue Stimme den gelassen ruhigen Liedern die Richtung gibt. Dabei liegt in dieser Stimme, die sich scheinbar in der tiefen Lage festklammert, aber mühelos und wie beiläufig die Register wechseln kann, ein Hauch von spöttischer Ironie. Im einen Moment umschmeichelt sie das Ohr des Hörers noch mit sanft wiegenden Melodien und kann doch im nächsten Augenblick schon fast kratzbürstig, rauchig und widerborstig klingen. Vergleiche mit Macy Gray oder Tori Amos sind erlaubt.

Spanisches Kolorit darf man dabei keinesfalls erwarten; vielmehr hat die vor allem von Tom Waits beeinflusste Musik die Ruhe des Jazz, kombiniert mit strengen Rhythmen von Tanzmusik. Mit „Pequeño vals” hat sogar ein formidabler Walzer Einzug gefunden. Die Musik Marlangos könnte im Zug entstanden sein, auf der Route Madrid – Tokyo-Palermo, mit all dem im Gepäck, was die Band auf dieser Reise gehört hat: Calexico, Radiohead, Sonic Youth, The Doors und ganz besonders und immer wieder der großartige Tom Waits. Eine wunderbare Band, deren internationalen Erfolges wir sicher sind. Marlango sind: Leonor Waitling (voc.); Alejandro Pelayo (piano); Oscar Ybarra (tromp.); Vicente Ninana (git.); Gonzalo Maestre (drums); Manuel Begues (bass).

Sonntag, 15. Juli: Naturally Seven (USA)

Music is the key – seit ihrem Hit mit Sarah Connor werden Naturally Seven in ganz Europa gefeiert. Ohne Sarah sind sie gar nicht blond, sondern machen allein mit ihren Stimmen mehr Alarm als eine ganze Big Band. Naturally Seven - die Band ohne Band!

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Alle Instrumente werden mit dem Mund imitiert. Bass, Schlagzeug, Keyboards, alles hört sich so echt an, dass nur ein Unterschied zu instrumentierter Musik besteht: Naturally Seven klingen natürlicher. Dort, wo andere Musiker große Instrumentenkoffer durch die Welt schleppen, tragen sie lediglich bequeme Reisetaschen. Ihr gesamtes Instrumentarium sitzt in der goldenen Kehle. Als würde man Bobby McFerrin im Siebenerpack hören, zischt, popt und swingt es von der Bühne.

Naturally Seven verwenden ihre Stimmen und vermitteln dem Zuhörer das Gefühl, eine Band mit Instrumenten zu hören. Da grummelt eine Bass-Drum, eine Trompete quäkt und allerlei Percussionsgerät verleiht den Liedern die richtige Würze. Ihre Musik zeichnet sich durch komplexe und innovative R&B, Gospel und Funk-Grooves aus. 7-stimmige Harmonien, so komplex und präzise gesungen, dass selbst geschulte Ohren Probleme haben, die Akkorde zu identifizieren. Die Arrangements sind vielschichtig, die Grooves ansteckend, der Bass resonant und raumfüllend. Die Vocals so smooth und präzise.

Das Septett aus New York um die beiden Brüder Roger und Warren Thomas verfügt ohne Zweifel über gesangliche Talente, die jedes Instrument oder technische Hilfsmittel überflüssig machen. Mit einer klassischen A-cappella-Band hat Naturally Seven so gut wie nichts mehr gemein. Dies ist modernes Vokal-Entertainment. Naturally 7 sind sich ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten bewusst, ohne ihre Virtuosität dabei zu sehr in den Vordergrund zu rücken. Bestes Beispiel hierfür, die wirklich charmante Cover-Version des 80er-Jahre-Pop-Klassikers “Broken Wings” von Mr. Mister, dem die sieben Vokal-Akrobaten auf beeindruckende Weise neues Leben einhauchen. Von vergleichbarer Güte sind auch “I Wanna Be Where U.R. (Rescue Me)” und “More Than Words”, eine wunderbar einfühlsam gesungene Neubearbeitung des Songs der US-Rockband Extreme. Wunderbar swingend kommt ihr „Love is in the air“ von Phil Collins daher.

Vor allem aber ist es eine mitreissende Soul-Musik, reich an herrlichen Harmonien, ansteckenden Grooves und tiefer Aufrichtigkeit.

Samstag, 14. Juli: Babylon Circus (F)

Babylon CircusBabylon Circus spielen keine Konzerte, sie erstaunen mit einem berauschenden Spektakel. Verführerischer als jede Rockshow, rockiger als jeder Circus. Die zehn Musiker zelebrieren eine Melange aus dem traditionellen Folk Osteuropas, neo-realistischen Songelementen ihrer französischen Heimat, aus urbanem Reggae, sonnigem Ska, Jazz, Dub und Punk.

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Kunstvoll verwobene Sounds aus Stadt, Land, Fluss: dies ist die Idee von Babylon Circus. Eine fast paradoxe Mischung, die von der Bühne herunter ihre formidable Kraft entfaltet. Das klingt ein wenig, als hätten Serge Gainsbourg und Vanessa Paradies ein Rendevous mit Noir Desir und diese Compagnie tritt dann im Cirque de Soleil auf. Die feierfesten Musiker haben in Frankreich längst Kultstatus und gehören zum Intelligentesten dessen, was zur Zeit die Festivalbühnen erobert. Ein richtiger Circus aber hat mehr zu bieten als Musik: Mit Clownerien, Pantomime und artistischen Improvisationen zielen Babylon Circus auch auf den Zauber der Manege und machen ihre Auftritte zum anarchistischen, magischen Erlebnissen.

1995 in Frankreich gegründet, spielte die Band bisher mehr als 700 Shows in 15 Ländern. Einige Musiker der Band proben den vocalen Soliakt, andere bilden den Hintergrundchor. Von Saxophon bis Posaune, über Keyboard, Bass, Geigen und Gitarren ist alles erdenkliche Instrumentatium im Gepäck. In Frankreich schnell zum Chartsstürmer avanciert, eroberte sich das irrwitzige Kollektiv erfolgreich eine immer größer werdende Fangemeinde in Deutschland, Italien, Polen und Spanien. Die Texte sind zweisprachig (französisch/englisch) und enthalten deutliche politische Sendekraft. Ihre Musik ist vollkommen romantisch, lebt ewigen Optimismus und wendet sich dennoch lautstark gegen jede Form der Repression. Über 100.000 Alben haben die Franzosen europaweit bisher verkauft. Nach dem beeindruckenden Erfolg ihres letzten Albums “Au marché de illusions” dürfen wir uns nun auf das neue Projekt des wundervollen musikalischen Wandercircus freuen: „Dances of Resistance“ wird mit seiner beeindruckende Vielfältigkeit für ein herzerfrischendes Menü sorgen, wie es so farbenreich wohl nur die französische Haute Cuisine hervorbringen kann.
David Baruchel & Manuel Nectoux (voc.); Georges Chaccour (git.); Olivier Soumali (piano); Basile Mouton (bass); Laurent Sedent (trump.); Vincent Brizoux (sax.); Christophe Millot (sax.); Clement Amirault (trombone); Frederic Rea (drums).

Manege frei für Babylon Circus!

Sonntag, 1. Juli: Quadro Nuevo (D)

Seit ihrem Debüt im Jahre 2000 hat Quadro Nuevo stets seine Affinität zum Tango demonstriert, aber zugleich immer wieder Offenheit für andere Schubladen bewiesen. Mit Saxophon oder Klarinette, Gitarre, Bass, Accordeon und Percussion interpretieren die vier Musiker alte italienische Canzones, Tangos und Klassiker der zwanziger Jahre. Mal klingt es nach dem Swing eines Django Reinhardt, dann wieder fühlt man sich nach Marseille in ein Café versetzt und lauscht einer Musette. Hier und da könnte man auch eine Jamsession mit einer reduzierten Banda vermuten.

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Ein zackig-strenger Tango, eine konzertante Milonga, elegante Clubatmosphäre oder Straßenmusik: Das Quartett schafft eine ebenso inspirierende wie erfrischende Collage von mediterraner Musik, dieTradition und Moderne zwischen westlichen und östlichen Winden souverän zusammenfügt. Dazu gesellt sich wiederholt die Idee des argentinischen Tangos. Der wiederum wird lustvoll durch die orientalische Linse eines Ibrahim Özgür gebrochen. Grazie!.

Ausgehend von einem europäisch geprägten Tango bereichert Quadro Nuevo diese Musikrichtung mit Elementen des Flamenco, der Valse Musette, des Balkan-Swing und einer lässigen mediterranen Leichtigkeit. Auf ihrem jüngsten Album Tango Bitter Sweet erblühen europäische Klassiker wie „Petite Fleur“, „Tango Jalousie“ oder der Säbeltanz in frischen, schillernden Farben. Dazu mischen sich elektrisierende Eigenkompositionen, die vom Vagabundenleben der vier spielsüchtigen Virtuosen erzählen. Selbst 70er Jahre Schlager wie Dalidas „Paroles, Paroles“ oder „L’été indien“ von Joe Dassin erhalten ein ganz neues, persönliches Flair. Das Geheimnis ist Hingabe. Selten hat man erlebt, dass Musik mit so viel Spannung, Verve, fast zärtlicher Liebe zum Instrument und Einfühlungsvermögen in fremde Kulturen interpretiert wird. Quadro Nuevo spielen in der ersten Liga des europäischen Jazz.. Alle Alben des deutschen Quartetts wurden mit dem Deutschen Jazz Award ausgezeichnet und schafften es in die Top Ten sowohl der Jazz- als auch der Weltmusik-Charts (Platz 1). Bereits dreimal wurden die Musiker mit dem Europäischen Impala geehrt.Ihre Musik könnte man als imaginäre Folklore bezeichnen. Quadro Nuevo reisen zu Konzerttourneen nach Singapur, Korea, Kanada, Australien und quer durch Europa. Das Quartett spielte auf zahlreichen renommierten Festivals wie dem Montreal Jazz Festival, der Internationalen Jazzwoche Burghausen, dem Rheingau Musikfestival, und schließlich in Kassel!

Mulo Francel, (sax., klar.); Robert Wolf, (git.); D.D. Lowka; (kontrabass, perc.); Andreas Hinterseher, (accordeon, vibrandoneon)

Freitag, 20. Juli: Willy DeVille Band (USA)

Das stilistische Repertoire des eklektizistische Künstler Willy DeVille kennt keinerlei Grenzen. Er ist ein Künstler der Sonderklasse, mit einem extravaganten Aussehen. Es hat lange gedauert, bis er seinen eigenen künstlerischen Stil gefunden hat. Das Leben der “singenden Bohnenstange”, wie er in den Anfangszeiten seiner ersten Band Mink DeVille genannt wurde, hätte wohl kaum wechselhafter verlaufen können.

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Preisgekrönte Alben, 1980 die Wahl zur Stimme des Jahres, der Drogentod seiner Frau und die eigene Sucht gehören zur bemerkenswerten Biographie des Jimi Hendrix- und Bob Dylan-Anhängers. Willy De Ville kommt 1950 in New York zur Welt. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in London kehrt er schließlich nach San Francisco zurück, um dort die Bands “Lazy Eights” und “Billy De Sade & The Marquis” zu formieren. Zu Weltruhm gelangt er mit “Mink DeVille”. Das Debütalbum “Cabretta” veranlasst 1977 die gesamte Musikpresse zu Lobeshymnen.

Das Rolling Stone Magazin kürt es mit seinem urbanen Rock’n'Roll - Rhythm’n'Blues zum “Best Album Of The Year”. Der deutsche Musikexpress schrieb: “Willy ist der Prototyp eines Rock’n'Roll-Menschen. Seine Stimme ist rau, trocken, aufregend und dreckig, und in ihr schwingt die sinnliche Anmache, die uns Hörer zittern lässt”. Welthits wie „Chiva“ und „Cadillac Walk“ sicherten Willy DeVille einen Platz in der Hall of Fame. Mit Mark Knopfler von den Dire Straits entstand das illustre Album „Miracle“, hier erfand sich Willy DeVille nach Drogenproblemen neu. Heute, mit seiner großartigen Band, erfüllt sich der Musiker einen Wunsch an die Huldigung New Orleans.
Willy DeVille (voc. & git.); Darin Brown (piano); Mark Newman (git.); Bob Catalano (bass); Boris Kinberg (perc.); Shawn Murray (drums); Dorene & Yadonna Wise (backing voc.)

Donnerstag, 28. Juni: K’naan (Somalia/Can)

Und plötzlich hört man eine HipHop- Stimme aus Somalia: K’naan rappt über Raketen und fehlendes Wasser und wirbelt dabei mächtig Staub auf. Bereits im Alter von neun Jahren rapte er für seine Freunde in einem der gefährlichsten Vierteln von Mogadischu, der Hauptstadt Somalias. Als der Krieg ausbricht ist K’naan 13. Er verlässt das Land und geht ins Exil, zuerst in den Norden der USA, später nach Toronto. Dort nimmt er in der Obhut von Mos Def und Damian Marley seine erste Platte auf. In diesem Sommer spielt er auf allen großen Festivals Europas von Nizza bis Roskilde, dann wird K’naan mit selten gehörter Virtuosität das Publikum im Sturm genommen haben.

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Building Bridges heisst sein Projekt. Ein Titel, der auch K’naans eigenes Schaffen charakterisiert. Intelligent schlägt er die Brücke zwischen neuer und alter Heimat. Mit Eminem teilt er sein Sendungsbewusstsein und eine nervöse, vorwärts drängende Energie, mit Patrice den afrikanische Spirit. Er ruft auf zum Widerstand gegen Kriegsherren und einem tradierten Blick auf afrikanische Welten. K’naan lässt sich von vielem auf der Erde inspirieren. Er vereint das beste digitaler und analoger Produktionsweisen: akustische Instrumente, afrikanische Percussion, Gelooptes und Gesampeltes schichten sich zu einem Ozean innovativer Sounds. Wer nach bassverliebten Downbeats sucht, wird in K’naans souligen Funk-Roots ebenso fündig wie jene, denen die Egozentrik mancher Rapper zu viel und die Kühle digitaler Club-Musik zu wenig ist.

Anlässlich eines Londoner Konzerts hat der «Guardian» zwischen Djembe-Trommel und Drummachine den kommenden Superstar aus Afrika ausgerufen. In den Vereinigten Staaten wurde er mit dem Juno-Award geehrt und jüngst widmete ihm ARTE ein Feature. K’naans Musik ist Feier und Persiflage zugleich; eine Feier der afrikanischen Wurzeln des in Kanada wohnhaften Somaliers, zugleich Persiflage eines klischierten Afrikabildes. Zweischneidig ist auch die charakterisierende Titelmetapher des barfüssigen Philosophen „The Dusty Foot Philosopher“. Während K’naan im Gespräch spöttisch auf die verbreitete Praxis hinweist, Spendenaufrufe für Afrika mit Kinderaugen und Kinderfüssen im Sand zu garnieren, betont er im selben Atemzug, wie komisch er es nach 15 Jahren in Nordamerika noch immer findet, in Schuhen durch die Welt zu gehen.

K’Naan (leadvoc.); Rayzak (voc.); Usen( drums & perc.), Kierscey (git.)

Mittwoch, 27. Juni: Fanfare Ciocarlia (R)

Sie wohnen hinter den sieben Bergen… Was in einem bekannten Märchen als charmante Umschreibung für einen Ort am Ende der Welt herhalten muss, könnte genauso gut für die Heimatstadt der Fanfare Ciocarlia gelten.

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Zece Prajini (Zehn Felder) heißt das mit Provinz noch charmant umschriebene Dorf im Osten Rumäniens, das zwar an einem Bahngleis liegt, der dort dreimal am Tag vorbeifahrende Zug hält jedoch nicht. Die Passagiere, die zu der kleinen Ansammlung von Häusern gelangen möchten, müssen kurzerhand aus dem fahrenden Zug springen. Gnädigerweise verlangsamt der Lokführer an der Stelle das Tempo, damit die Reisenden sich sanft in die Böschung werfen können. Wie in vielen anderen abgelegenen Dörfern auf dem Balkan, gibt es auch in Zece Prajini eine rege Blechbläser-Szene der Roma. Diese Kapellen nennen sich Fanfare und spielen bei allen möglichen Festlichkeiten auf. Die Musik, die sie dabei spielen geht in auf die Marschmusik der Osmanen zurück.

Das Reich der Türken hat den Balkan Jahrhunderte beinflusst und dies erklärt auch die orientalisch anmutenden Melodiebögen. Notenblätter und derlei Krimskrams existiert dabei nicht. Die Musiker holen einfach ihre verbeulten Instrumente hervor und zelebrieren das Fest im besten Wortsinn. Dabei kann es schon einmal vorkommen, dass die Musiker ohne große Unterbrechung an die 20 Stunden vor sich hin spielen. Welche Auswirkungen das auf die körperliche Verfassung hat, kann jeder nachvollziehen, der schon mal in eine Trompete geblasen hat.

Auch die Musiker der Fanfare Ciocarlia musizieren in diesem Stil bereits Jahre, mit dem Unterschied, dass sich außer den Hochzeits- und anderen Festgesellschaften die ganze Welt dafür interessiert. Der 6. Oktober 1996 ist aber ein Datum, von dem die Bewohner von Zece Prajini wahrscheinlich noch ihren Urenkeln erzählen werden. An jenem herbstlichen Tag schneit ganz unverhofft ein junger Deutscher namens Henry Ernst ins kleine Dörfchen herein (auch er musste vom Zug springen!). Der blonde Henry, von Beruf Toningenieur, setzt sich zu Ioan Ivancea auf eine Bank unter dessen Zwetschgenbaum. Beim anschließenden Plausch kommt die Sprache auf die Musik des Dorfes und dass er von der Blaskapelle schon einmal gehört habe. Die Autodidakten an den Instrumenten geben ihm eine kleine Kostprobe ihres Könnens und dies war der Beginn einer internationalen Karriere.

Die Reaktionen des Publikum auf die Shows der Roma-Derwische sind umwerfend und das ist erst der Anfang. Im Laufe der Jahre folgen Tourneen durch viele Städte auf fast allen Kontinenten. Die sieben - im Falle der Fanfare Ciocarlia 12 - Zwerge haben sich einen Traum erfüllt, die Bühne ist ihre eigentliche Domäne, hier wetteifern sie mit größter Virtuosität – Instrumentales im Hochgeschwindigkeitsrausch.

Mittwoch, 11. Juli: Dino Saluzzi Family Group (Arg/USA)

Dino Saluzzi Family GroupDino Saluzzi ist ein einzigartiger musikalischer Geschichtenerzähler. Die Tatsache, daß er - und in diesem Punkt herrscht weitgehend Konsens - auch der herausragende Bandoneónspieler seiner Generation ist, ist für Dino selbst fast schon ein zufällige Auszeichnung. “Ich möchte kein Teilnehmer an einer Weltmeisterschaft im Musikmachen sein“.

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Subtile Kraft haben seine Töne: kaum ein anderer Musiker kann das Bandoneon so zart und eindringlich spielen. Wenn er sich auf seinem Stuhl zurücklehnt, das Tango-Instrument über seinen Knien tief Luft holen und die Finger über die Knöpfe gleiten lässt, erzeugt der Argentinier magische Momente. Die Komposition “Juan Condori” ist das Portrait eines Mannes, der aus einer der amerindischen (indigenen) Familien der Provinz Salta stammte und der “einen wahren Sinn für Humanität besaß sowie eine magische Beziehung zu allem hatte, was mit der Natur zusammenhing. Er zog es vor draußen auf dem Land zu leben, in Gemeinschaft mit Vögeln, Tieren, Fischen, Insekten, Pflanzen. Ein weiser, lustiger, warmherziger Mann…” Als “warmherzig” oder sogar “zärtlich” kann man auch dieses ganze musikalische Projekt bezeichnen. Dino Saluzzi hat im Laufe seiner Karriere mit Musikern aus vielen Kulturkreisen zusammengespielt. Auf dem neuen Album “Juan Condori” geht es ganz besonders um Wurzeln, die gemeinsamen Wurzeln der Saluzzi-Familie, die Stücke von “Juan Condori” stammen - mit Ausnahme des 1934 von Pedro Laurenz geschriebenen Miloga-Klassikers “Milonga de mis amores” - von Dino Saluzzi. Wie stets reflektieren seine Stücke selbst Erlebtes, Gesehenes und Erfahrenes. Das die Musik Dino Saluzzis im besten Sinne des Wortes “unklassifizierbar” ist und keineswegs immer in die Schublade “Tango” oder “Tango Nuevo” gesteckt werden sollte, weiß jeder, der die Diskographie des 1935 geborenen Argentiniers kennt. Dort gibt es neben den Aufnahmen mit heimischen Tangos, Milongas und andinischer Volksmusik auch reichlich andersartige Einspielungen mit Jazzmusikern wie Charlie Haden, Enrico Rava, Tomasz Stanko, Charlie Mariano und Al DiMeola oder dem kammermusikalischen Rosamunde Quartet. Saluzzis Tango-Rhythmen liegen nie platt zutage, sie sind raffiniert versteckt: ein Puls, den man nicht hört, der aber immer fühlbar ist – und Soli, unter einem gelben Mond, diskutieren über die Vergangenheit.

Sonntag, 24. Juni: Young German Jazz Night (D)

Mit Nils Wülker Group / Michael Schiefel / Michael Wollnys [em]

Safely Falling ist das neueste und schon vierte Projekt des 29jährigen Trompeters Nils Wülker. Mit Till Brönner wird Nils Wülker oft verglichen. Warm und essentiell klar reduziert setzt das neue deutsche Wunderkind seine Trompete ein. Die Eigenkompositionen haben ihre Wurzeln im Jazz, lassen aber auch Pop und Klassik nicht außer acht. Trotz aller Komplexität wirken Wülkers Kompositionen immer leicht und elegant. Für die FAZ ist er “eine der ganz großen Jazznachwuchshoffnungen”, das brachte auch die für Entdeckungen zuständigen Macher des Bayerischen Rundfunks auf den Plan. Sie suchten für ihren nächtlichen Spacenight-Kult einen neuen Kick. Den hat Nils Wülker ihrer Sendung verschafft, indem er den Jazz in neue Sphären führte. “Spacenight Vol. 10″ stellte Wülker einem begeistertem Publlikum vor. Es folgte “My Game” als drittes Werk. „Stellar“ nennt dies die „Welt“. Nils Wülker gilt als neue deutsches Aushängeschild des Jazz, seine Musik klingt virtuos und ideenreich, Wülkers Ansatz am Flügelhorn ist perfekt, seine Band mit Saxophon, Flügel, Kontrabass und Schlagzeug kongenial.

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Michael Schiefel ist ein Ausnahmevokalist, seine ungeheuer wandlungsfähige Stimme schraubt sich vom Bauchnabel bis zum Kopf empor, sein Gesang ist ironisch, lakonisch und klingt wunderbar androgyn. Dieser Vocalist ist einer der wenigen deutschen Jazzmusiker mit einem wirklich originären Stil - ein begnadeter Soloperformer, der in seinen unbegleiteten Auftritten seine verspielte Stimme mit elektronischen Mitteln erweitert und verfremdet. Was ihn neben seiner originellen Bühnenshow so einmalig macht, ist seine Fähigkeit, Stimme und Maschine so zu kombinieren, dass er mit sich selbst im Chor singt… Da wo Bobby McFerrin und Al Jarreau aufhören, fängt Michael Schiefel an.

Michael Wollnys EM sind zu dritt und unter dreißig; postmoderne stilistische Beliebigkeit ist ihnen wahrscheinlich ein verquaster intellektueller Begriff von gestern, und was soll der, angesichts des Erlebens der Gleichzeitigkeit von Techno, Hip-Hop, Rotem Bereich, Rosa Rauschen, Keith Jarrett, Cecil Taylor und der jazzakademischen Ausbildung. Letztere muss hervorragend gewesen sein, denn Michael Wollny am Klavier, Eva Kruse am Bass und Eric Schaefer sind Virtuosen auf ihren Instrumenten. Wundervolle Spannungsbögen, überraschende und zugleich elegante Wendungen zeugen von Wollnys enormer dramaturgischer Sensibilität im Klaviertrio. Und dies ist immer spannend, neugierig und innovativ.