Archiv für die Kategorie „Kulturzelt 2010“

OqueStrada (Portugal)

TASCA BEAT

Jul ’10
16
19:30

oquestrada1Eine Band, die in portugisisch, spanisch, creolisch, französisch und englisch singt kann man durchaus als international bezeichnen. Oquestrada, aus Lissabon, von der anderen Seite des Tejo, zelebrieren nicht den traurigen Fado, ihre Musik so sagen sie selbst ist : 100% unabhängig, 200% guter Humor und 300% genial. Das zeugt von gesundem Selbstbewußtsein.

Das Debütalbum „TascaBeat- O Sonho Portugês”, plazierte sich wochenlang in den Pop- Charts. Die CD wurde zu einer der drei besten Musikveröffentlichungen des Jahres gewählt und wurde mit Gold ausgezeichnet. OqueStrada spiegeln in ihrer Musik die Seele eines sich verändernden Portugals wider. Musik eines Landes, das mit proletarischem Glamour die Strassen und Vorstädte Lissabons besingt, Musik die nur ab und an mit dem klassischen portugiesischen Fado flirtet. Die Musik einer Hafenstadt, wo der erfüllte Traum des Wegfahrens und der Wiederkehr in vielen Sprachen lebt, ein Hafen in dem wir auf neu erfundene portugiesische Herzen treffen.

oquestrada2010Portugiesischer Folk-Pop trifft auf ganz unterschiedliche Musikstile wie Funaná und französischen Chanson. Das Ergebnis ist eine Musik, die das spezielle Lebensgefühl der Menschen in Portugal erzählt.. Sie Der Stil ist unkonventionell, die Energie grenzenlos. Live auf der Bühne ist OqueStrada ein Erlebnis, mit insgesamt 6 Musikern spielen sie ihren rohen, populären, tanzbaren Mix: Afrikanische Kuduro oder Funaná, Brazilianisch Musik oder Hip Hop, einfach jede Melange von Musik, die die Migranten nach Portugal gebracht haben. Der CD-Titel „Tasca Beat“ stellt eine Bar dar, ähnlich einer spanischen Tapas-Bar, in der man Essen und Trinken kann und wo man sich mit Freunden trifft. Ähnlich wie diese Bar, reich gefüllt mit den verschiedensten Gerichten und Menschen, ist diese Musik reich an Klängen und Rhythmen, die vom ersten bis zum letzten Stück gehört werden will.
Der Fado als Basis mit hunderten von anderen Stilen gepaart – unter anderem Hip Hop, Ska, Brasilianische Musik, Walzer, Morna, gespickt mit herrlichen Texten und Posen.

In Portugal hat OqueStrada längst Kultstatus erlangt und füllt dort die großen Konzertsäle. Nachdem OqueStrada auf einige renommierte Festivals in Spanien und Frankreich eingeladen waren und dort großen Erfolg feierte, macht die Band sich nun auf, die deutschen Landen zu erobern. Schon vorab zu besichtigen bei youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=ZGDYa0abSXk

Miranda, voc.; Lima Portuguese, Gitarre; Zeto, Gitarre & voc. ; Marina, Akkordeon; Pablo, Kontrabass; Sandra Manuel, Posaune

Tina Dico (DK)

Almost alone again

Jul ’10
29
19:30

Tina DicoDas Konzert mit Tina Dico an einem verregneten Juliabend des letzten Jahres, war eines der schönsten und intensivsten  der letzten Kulturzeltjahre. „Wenn du auf der Bühne stehst und Musik machst, kannst du an nichts anderes denken. Du existierst einfach. Du lässt es durch dich hindurch fließen.” Und dies teilt sich ganz unmittelbar mit.

Tina Dico“Ich habe diese Energie in mir, nie stehen bleiben zu wollen. Mich treibt nicht der Wunsch nach Perfektion voran. Als Songwriterin suche ich zwar nach dem perfekten Song, der die Idee, ein Gefühl oder einen Moment am intensivsten festhält. Doch es ist immer die Leidenschaft zur Musik, die alles in meinem Leben bewegt.” Dieses Motto beschreibt Tinas Musikverständnis, vor allem ihre Passion als Songwriterin. Die 28-jährige Wahl-Londonerin, die 1977 im dänischen Arhus zur Welt kam, ist in ihrem Heimatland längst keine Unbekannte mehr.

Sie verdrängte in den dortigen Charts U2 und Coldplay von der Pole-Position. Außerdem heimste sie diverse Musikpreise als beste Songwriterin (beim Dänischen Grammy) sowie beste Komponistin (Danish Music Critics Award) ein. Mit “Count To Ten”, das in Deutschland  auf dem Island-Label veröffentlicht wurde, veröffentlichte Tina Dico ihr viertes Album. In Dänemark erobert die Sängerin damit aus dem Stand die Spitze der dänischen Plattencharts. Kurz darauf darf sich Tina Dico über den erreichten Platinstatus freuen. Bei den Danish Music Awards 2008 erhält sie außerdem vier Nominierungen in den Kategorien Best Album, Best Pop Album, Best Female Singer, Best Songwriter.

Mit “Count To Ten” ist Tina Dico der internationale Durchbruch gelungen. Es sind die feinen kleinen Sounds, die es so richtig interessant machen, Tina und ihrer Band zuzuhören. Wenn man die dänische Künstlerin Tina Dico in einem Satz beschreiben müsste, würde man wohl das Sprichwort „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ wählen. Denn sie liebt die Herausforderung, ist sich aber auch durchaus der damit verbundenen Risiken bewusst. Diesem Naturell entsprechend, machte die Sängerin den Schritt in eine Selbstständigkeit, die eine schnell erkennbare Wegrichtung eingeschlagen hat – steil nach Oben. Kreative Unruhe der Ausnahmekönnerin zeichnet nicht nur ihre Alben aus. Auch auf der Bühne begeistert Tina Dico mit der ihr eigenen charismatischen Performance, bei der sich introvertierte Momente mit expressiver Energie abwechseln. Sie verzaubert ihre Zuhörer, und sorgt für berührende Momente.

Incognito (GB)

Tales from the beach

Jul ’10
30
19:30

Incognito (Quelle=www.bacana.fr)Incognito - der Name ist Programm. Zumal er bestätigt, dass trotz des Erfolgs keiner genau weiß, aus wem diese Band eigentlich besteht. Das dürfte ungewollt sein, doch die Mannschaft von Incognito ist über die Jahre seit der ersten Zusammenkunft schließlich auch eine wechselnde gewesen. Gleichbleibend ist allerdings der Master Mind: Jean-Paul “Bluey” Maunick, Gitarrist, Komponist und das “Studio-Ohr” des Jahrtausends - Schöpfer von Incognito. Und jenem ist in London, als der Dance Hype gegen Ende der 70er gen Höhepunkt zusteuert, der Traum nach eingängiger, clubtauglicher aber deswegen nicht weniger komplexer und improvisationslastiger Musik gelungen..

Die damalige überwältigende Existenz von groß besetzten Discofunk-Bands wie Earth Wind and Fire, Weather Report und Ubiquity unter der Leitung von Roy Ayers beeinflussten und inspirierten den Leader of the gang.. Bees & Things & Flowers, ist der jüngste Wurf des legendären Kollektivs; die Musik erinnert vom Stil an die Bill Withers-Alben der 70er Jahre. Brilliante Sängerinnen wie Maysa Leak, Joy Rose, Jocelyn Brown sorgen für wundervolle akustische Neuinterpretationen der Incognito Klassiker wie „Still a fried of mine“, „Always there“ oder das energetische „Everyday“. Incognito unplugged. Die sorgfältige Studioarbeit, die den Live-Tourneen vorausgeht ist Garant für mitreißénde und explosive Performances einer der besten Jazz-Funk Formationen seit Gründung der Band 1979.

„That’s the way of the world” ist eine Hommage an Earth, Wind and Fire, Seelenverwandte im Geiste. Das Credo von Incognito “Beyond colour, beyond creed, we are one nation under the groove” schlägt sich in der multikulturellen Besetzung der Band nieder. Die weltweite Fangemeinde eint dann auch vom HipHoper bis zum Musikkritiker: Die Einen frönen dem Dance-Aspekt, die Anderen begeistern Texte und die phantastische gedankliche Freiheit der Arrangements. Die musikalische Identität Incognitos ist eine globale und steht in diesem Jahr für kunstvoll verwobene Sounds aus Jazz, Soul und Funk. Eine Verneigung vor dem Motown-Sound der 70er Jahre ist ihr aktuelles Programm „Tales from the Beach“.

Sierra Maestra (Kuba)

Son & Rock`n Roll!

Jul ’10
31
19:30

Sierra MaestraVor 30 Jahren retteten neun Studenten in Havanna den Son vor dem Aussterben. Sie gründeten die Band Sierra Maestra, benannt nach jener Bergkette im Osten Kubas, in deren Hügellandschaft der Son, die Wurzel weltweit populärer Musikstile wie Mambo, Cha-Cha oder Salsa entstand, und reanimierten die alte akustische Musik aus der Provinz.

Bläser, die dreisaitige GitSierra Maestraarre Tres, Bongos und Claves standen plötzlich wieder im Mittelpunkt einer unverwüstlichen Tanzmusik, die von schneidenden Trompetensoli, ausgefeilten Vokalsätzen und einer ebenso selbstverständlich wie vertrackt wirkenden Rhythmik lebt. Auftritte von Sierra Maestra sind immer ein Fest. Ein Fest, das dem Son gewidmet ist und rootslastige guajira, Afro-Cuban-Jazz mit knackigen Riffs, gefühlvolle Boleros und feurige son-montunos präsentiert. Die kubanische Musik, hier ist sie in all ihren Stimmungen präsent mit wunderbaren Harmoniegesängen, Solostimmen, die mit den Bläsern ins Duett treten und immer wieder den sich langsam zu wahren Gruppen-Feuerwerken aufbauenden son-montunos, die zu den weltweit gefeierten Höhepunkten eines jeden Sierra Maestra-Konzerts zählen.

„Wir lieben, was wir tun, und deshalb wird unser Feuer auch nie verlöschen“ lautet das gemeinsame Credo von Sierra Maestra. Kein Zweifel, diese Band hat einen wunderbaren Swing, den jede Nummer ihres Repertoires in sich trägt. Selten wurde das besondere Flair des Son, der Kollektivgeist der Musiker, ihre Stimmen, Soli und die bedeutungsvollen Texte, packender zelebriert als bei Sierra Maestra. Die Band spielte mit so unterschiedlichen Musikern wie Marc Ribot, Omara Portuondo und Ibrahim Ferrer zusammen. Die Celebrities der kubanischen Musikszene zelebrieren den Kollektivgeist und dennoch sorgt in der Besetzung jeder einzelne für Furore.

Und so wird es auch an diesem Konzertabend sein: Sierra Maestra bringen uns den Humor und die Spielfreude, die den Erfolg der kubanischen Musik ausmachen. Für diese Musiker ist das eine Herzensangelegenheit.

Gil Scott Heron (USA)

I’m New Here

Aug ’10
1
19:30

Gil Scott HeronBeat’n’Rap: Über die Großvaterschaft des Rap gibt es keinen Zweifel. Als Ahnherr gilt unangefochten Gil Scott-Heron. Der Jahrhundertsong “The Revolution Will Not Be Televised” stammt von ihm. Jetzt hat der große Soulpoet ein neues Album aufgenommen, das beweist: Auch lebende Legenden schreiben Geschichte. Erst ist nur ein kurzer Clip auf YouTube aufgetaucht.

Grobkörnige Schwarzweißaufnahmen,Gil Scott Heron durchzogen von Bildstörungen, wie aus einem Geheimversteck. Sie zeigen einen ergrauten Gil Scott-Heron bei dem, was er kann wie kaum ein anderer: mit donnernder Stimme ins Mikrofon sprechen. Ein Puls aus verzerrten Bässen begleitet das erste Lebenszeichen des Soulpoeten seit langem. Gil Scott-Heron kehrt zurück: “I’m New Here”.

Während sich Musiker heute bedingungslos auf den Markt werfen müssen, hat sich Scott-Heron äußerst rar gemacht. Sein politisierter Jazzfunk hat ihm zwar den Ruf als Urvater des HipHop eingebracht. 1971 gab er den Jahrhundertslogan “The Revolution Will Not Be Televised” aus und verewigte sich als Chronist des entrechteten Amerika. Rapper haben seine Musik gesampelt, seinen Stil imitiert und die sozialkritischen Botschaften kopiert. Lebenden Poplegenden bleiben ja im Grunde nur zwei Wege zum Weitermachen.

Die meisten verwalten ihr Erbe indem sie es immer wieder reproduzieren. Wenige haben das Glück, ihren Stil im Geiste der glorreichen Vergangenheit zu verfeinern, und musikalisch in der Gegenwart zu verorten. “I’m New Here” ist kein Retro-Album, kein Stillstand auf hohem Niveau. Basslastige Dubspuren, mächtig schwingende Beats und elektronische Soundkaskaden verpflanzen Gil Scott-Heron in eine völlig neue Klangwelt. Hier ragt besonders eine Qualität von Gil Scott-Heron heraus, die wegen seiner textlichen Radikalität oft übersehen wurde: seine Stimme, dieser grollende Bariton, überträgt sich vor allem als physisches Erlebnis auf den Hörer. Gil Scott-Heron klang schon mit 20 Jahren, als ob er ein Mikrofon verschluckt hätte.

Verwoben in dystopisch wirkende Klanglandschaften landen die Songs nun direkt in der Magengrube. Scott-Herons Wortkaskaden erschüttern Mark und Bein. Der Sturm und Drang der jungen Jahre ist einer Autorität der Lebenserfahrung gewichen.  Das hört sich an, als wolle er den selbst ernannten Nachfolgern vom Schlage Kanye Wests zurufen: Junger Mann, mit mir ist noch zu rechnen. Gil Scott-Heron setzt 2010 auf trip-hoppige Sounds, wie sie ebenso hätten von Massive Attack produziert werden können. Dazwischen Folk-Elemente: übertönt, unterstützt oder zersägt von dieser Stimme. Wow.

Katzenjammer (NW)

Le Pop / Das Konzert ist ausverkauft

Aug ’10
4
19:30

katzenjammer_promoneu_photo-by-mathias-fossumKatzenjammer – vier hübsche und vor allem talentierte Norwegerinnen, Multiinstrumentalistinnen und allesamt Sängerinnen. Musikalisch einordnen lassen sie sich jedoch gar nicht, zu vielseitig sind ihre Einflüsse und Anleihen: Katzenjammer klingen nach Montmarte in Paris, nach russischem Zirkus, Zigeuner-Jahrmärkten und düster-verrauchten Whiskey-Bars in Oslo. Dabei haben die Vier immer die entsprechenden folkloristischen Instrumente. Von Tuba, Harmonika, Banjo über Mandoline, Trompete, Akkordeon bis hin zum Balalaika-Bass mit dem frech grinsenden Katzengesicht. So lassen die Norwegerinnen musikalische Genres in ihren ganz eigenen Interpretationen entstehen.

Ihr Debütalbum „Le Pop“ wird 2008 bereits in ihrer Heimat veröffentlicht. Ein furioser Auftritt bei den Spellemannsprisen, den norwegischen Grammys, im selben Jahr verschafft ihnen Konzerte in der ganzen Welt, v.a. in den USA, wo Katzenjammer die Besucher des South By Southwest Festivals begeistern. Schließlich erschien „Le Pop“ auch in Deutschland und die charismatischen Frauen erobern ihr Publikum hierzulande nun in Handstreich. Katzenjammer hören ist wie eine Fahrt in einem durchgedrehten Karussell: schnell, aufregend und man kriegt gar nicht genug davon.

Die „Overture“ läutet es ein: „A Bar In Amsterdam“ zieht einen sogleich in den Strudel ‚Katzenjammer’. Das ist wilder Tanz und treibender Rhythmus, alles mit folkloristischen Instrumenten und dem geballten, kraftvollen Gesang der vier Norwegerinnen. Einen Moment dreht sich das Karussell ein wenig langsamer, um im nächsten noch einmal Vollgas zu geben. Das ist der Auftakt zu „Le Pop“, eine Mischung aus verspielten, lebhaften, dramatischen Songs, deren Einordnungsversuch zwangsläufig scheitern muss. Die Musik von Katzenjammer ist zu facettenreich, als dass man ihr einen Stempel aufdrücken könnte. Höchstens von Einflüssen kann man sprechen und diese sind zahlreich.

Die Norwegerinnen bedienen sich beispielsweise an Seemannsliedern, am Blues und sogar an jüdischer Volksmusik. Dabei genügt es völlig, zu viert auf der Bühne zu stehen, denn Solveig, Anne Marit, Turid und Marianna spielen alle Instrumente selbst und das auch noch im Wechsel. Dabei glänzen die  Musikerinnen zu jeder Zeit mit ihren Stimmen. Diese sind keineswegs nur süß, sondern auch richtig kraftvoll, wie in „Hey Ho On The Devil’s Back“ und dem zusätzlichen Track „Ain’t No Thang“, einer gestandenen Bluesnummer. Katzenjammer können aber auch ruhige Töne anschlagen: „Wading In Deeper“ ist eine wunderschöne Klavierballade, ebenso schön, nur mit mehr Dramatik versehen, ist das von Seemann-Shanties inspirierte „Virginia Clemm“. Es darf gestaunt werden!

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

Clare Teal and her Band (GB) / Michael Kaeshammer (CDN)

Get Happy & Love Light

Aug ’10
5
19:30

Clare TealClare Teal entdeckte einst als Kind auf dem Dachboden ihres Elternhaus die Jazz-Plattensammlung ihres Vaters und ein altes Grammophon - »das war das letzte was meine Eltern für die nächsten sechs Monate von mir sahen«, kommentiert die Britin trocken, die heute noch Ella Fitzgerald und Joe Loss zu ihren musikalischen Paten zählt. Der Durchbruch kam 2004 mit „Don‘t Talk“, erschienen bei Sony Jazz: Das Album erreichte Platz 1 der UK Jazz Charts und Platz 20 der UK Album Charts. Gleich zweimal wurde sie bei den British Jazz Awards zum „Jazz Vocalist of the Year“ ernannt und erhielt  die Auszeichnung als „BBC Jazz Vocalist of the Year“.

Ihren ersten Vorbildern fühlt sich Clare Teal noch immer verantwortlich und präsentiert im britischen „Radio 2“ regelmäßig„Clare Teal‘s Jazz Divas“. Der britische „The Observer“ fasste Teals musikalisches Engagement treffend zusammen: „Manche Sänger singen Standards, manche ihre eigenen Stücke, aber nur sehr wenige machen beides und noch weniger machen es gut. Clare Teal gehört zu diesen Raritäten.“ Prickelnde Arrangements und ein glorioser Mix von Klassikern der Musikgeschichte mit fabelhaften Eigenkompositionen – das swingt und wird von Clares stimmlichen und charismatischen Qualitäten mit warmen Humor zusammengehalten.

mkaeshammer by andrew macnaughtanMichael Kaeshammer - das Multi-Talent aus Kanada: Pianovirtuose, Sänger, Songwriter, Entertainer dürfte mittlerweile weit über die Grenzen seiner kanadischen Heimat populär sein. Er arbeitet mit Bassist Marc Rogers und Drummer Mark McLean zusammen. Vor inzwischen 13 Jahren veröffentlichte der kanadische Pianist mit deutschen Wurzeln seine erste Solo-CD »Blue Keys«. In Kanada hat Michael Kaeshammer seitdem eine steile Karriere hingelegt - nun beginnt das Multitalent den europäischen Kontinent im Sturm zu erobern: Er ist jung, sieht gut aus und ist ein faszinierender Musiker.

Immer wieder wird der Vergleich zu seinem britischen Kollegmkaeshammer by andrew macnaughtanen Jamie Cullum gezogen,  was im Wesentlichen Kaeshammers eigenwilligen Kompositionen und seinem ausgeprägtem Sinn für stimmliche Interpretationen zuzuschreiben ist. Eine wesentliche Ingredienz der überwiegenden Eigenkompositionen ist ein kräftiger Schuss Boogie Woogie, wunderbar gebrochen immer wieder verspielt, fast kindlich. Es scheint vor dem geistigen Auge ständig Charlie Brown seinem Football nachzuhechten. Kaeshammer ist ein Musiker, der seine, an zahlreichen klassischen Pianogrößen aus Jazz, Blues und R’n’B geschulten Fähigkeiten, in den Dienst des eigenen Songwritings stellt. Die immense Virtuosität des Kanadiers wird dabei mit einer leichtfüßigen Pop-Sensibilität verwoben, ohne die Integrität des Meisterpianisten in Frage zu stellen. Zu hören sind erstklassige Kaeshammer-Songs zwischen New Orleans-Groove und Ballade, dazu ausgewählte Covers aus der illustren musikalischen Welt des Swing. Ein großer Schritt nach vorne für den vielleicht interessantesten kanadischen Pianomann der jungen Generation.

Max Herre (D)

Ein geschenkter Tag

Aug ’10
6
19:30

Max Herre„Es ist nicht das, was man sagt, es zählt, was man dabei fühlt“, heißt es in einem der neuen Lieder von Max Herre. Dass es nicht schaden kann, wenn man seinen Gefühlen auch eine durchdringende Lyrik, die ideale Stimme und einen berührenden Sound gibt, ist auch klar. „Ein Geschenkter Tag“ ist der beste Beweis. Direkt, echt, leidenschaftlich und verdammt gut singt Max Herre ungeschmückte Lieder aus dem Leben, die mit Stift, Papier und Gitarre innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden sind. Der Tag ist kühl, ich bin klar, alles da und endlich nehm’ ich’s wahr“ singt er auf seinem neuen Album.

Das wirkt wie ein Motto, wie eine einfache, aber grundlegende Erkenntnis – es klingt schlicht nach dem Prinzip „Hoffnung“, das sich seit nunmehr weit über einer Dekade wie ein roter Faden durch Max Herres Schaffen zieht. Schon als 12-Jähriger hat sich Max Herre an der Gitarre versucht und erste kleine Songs geschrieben. Dann kamen Reggae und Soul und später Hip Hop und deren faszinierende Interpretationen von „A-N-N-A“ über „Leg Dein Ohr Auf Die Schiene Der Geschichte“ bis „1ste Liebe“ von seinem Solodebüt „Max Herre“, das ihn im Jahr 2004 auf Platz #1 der Albumcharts brachte. Ziemlich gegen Ende dieses Albums fand sich das Lied „Alter Weg“, ein nur mit Gitarre und Kontrabass instrumentierter Folksong, der die neue Richtung stilistisch vorankündigte. Fast fünf Jahre später kam der kühle Tag, an dem Max Herre alles klar war.

„Es war ein langer Prozess. Aber letztlich habe ich mich auf das besonnen, worauf sich für mich alles runterbrechen lässt, auf das, was ich letztlich schon immer gemacht habe: Ehrliche Texte und Musik“, sagt Max Herre. Unterstützt wurde Max auf dem Weg zum neuen Album von einigen langjährigen Weggefährten, wie Frank Kuruc, Sékou Neblett und nicht zuletzt seinem Label-Kollegen Clueso. Im März wurde „Ein Geschenkter Tag“ dann in nur einer knappen Woche eingespielt, komplett live mit Max’ neuer Band, einem Quartett aus Pianist Roberto Di Gioia, Frank Kuruc an der Gitarre, dem Bassisten Christian Diener und Schlagzeuger Earl Harvin, der „besten Band, die ich mir für diese Songs wünschen konnte „Ein Geschenkter Tag“ ist nicht nur gelebte Geschichte, sondern vor allem ein unprätentiöses Zusammenspiel von Klängen und Worten - eine außergewöhnliche Harmonie von Gefühl und Ausdruck.

Soviel ist sicher: „Ein Geschenkter Tag“ ist nicht jene Art öffentliche Verarbeitung einer gescheiterten Beziehung, die vielleicht manch einer erwartet hätte. Das soll nicht heißen, dass dieses Thema tabu ist. Ganz im Gegenteil: Es wird lyrisch be- und verarbeitet; dabei jedoch nicht zu offensichtlich und eher durch poetische Bilder. So zum Beispiel in „Scherben“, einem Ohrwurm mit einem der emotionalsten Momente dieses sehr emotionalen Albums: „Ich lass dich los und du lässt mich auch, vielleicht verstehen wir’s irgendwann“. In den dunkelsten Momenten hingegen, legt sich; „Staub…auf alles drauf, meine Seele meine Haut / macht mich stumm, macht mich taub / und all das, woran ich glaub’, wird zu Staub“. Aber dann, wenn die Nacht am tiefsten ist, naht der neue Morgen: „Du kommst raus, der Tag ist hell, blickst nach vorn, versuchst ihn scharf zu stellen“, singt Max Herre.

Al Di Meola (USA)

New World Sinfonia

Aug ’10
7
19:30

Al Di Meola“Der beste Job für einen Gitarristen auf dem ganzen Planeten”: bereits der Beginn von Al Di Meolas internationaler Karriere in Chick Coreas Projekt “Return to forever” startete in rasantem Tempo. Über die Jahre konnte Al Di Meola seinen Ruf als Gitarrenlegende und “schnellster Gitarrist” noch weiter ausbauen und festigen. Der Italo-Amerikaner zählt bereits seit Jahrzehnten unbestritten zu den besten Gitarristen der Welt.

Wie kein anderer vereint Al Di Meolaer Leidenschaft und brillante Technik in einer Person; vom Fachmagazin Guitar Player wurde er insgesamt gleich viermal zum ’Best New Talent’ und ’Best Jazz Guitarist’ gekürt. Wie viele der großen amerikanischen Musiker hat auch Al Di Meola am Berklee College of Music in Boston studiert. Sein unverkennbarer Stil ist geprägt durch eine Fusion aus Rock, Jazz, Latin und World Music. Delikate Pickings und raffinierte Riffs bestimmen den Charakter seiner Handschrift, oft schon wurde er als „schnellster Gitarrist der Welt“ bezeichnet. Einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere erlebte Al Di Meola 1981 mit dem berühmten Live-Album „Friday Night in San Francisco”, das er gemeinsam mit John McLaughlin und Paco de Lucia aufgenommen hatte. Das Album gilt als Genre-Klassiker und hat sich bis heute über zwei Millionen Mal verkauft.

Al Di Meola hat in seiner langen Karriere immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern gesucht. Neben musikalisch Gleichgesinnten stößt man dabei auch auf einige bekannte Namen aus Pop und Klassik. Die unterschiedlichsten Künstler wie Luciano Pavarotti, Paul Simon, Phil Collins, Santana, Stevie Wonder, Herbie Hancock, Frank Zappa, Les Paul, Jimmy Page, Wayne Shorter, Jaco Pastorius, Larry Coryell oder Egberto Gismonti standen mit dem Star-Gitarristen im Studio und auf der Bühne. Über seine Freundschaft zu Astor Piazzolla hat Al Di Meola  dem Online-Fachmagazin Jazzdimensions Auskunft gegeben: „Astor Piazzollas Musik zog mich geradezu magisch an - das war ’Liebe auf den ersten Ton’, sozusagen.

Am Anfang war es wirklich nur die Freundschaft, auf der sein Einfluss beruhte. Immer war ich extrem stark berührt von seiner Musik und seiner Herzenswärme. Wir hatten Pläne, zusammen zu spielen und aufzunehmen – unglücklicherweise hat sein vorzeitiger Tod das vereitelt. Aber er hat uns ein gewaltiges Erbe hinterlassen, uns allen. Ich bin froh, dass ich einer der Ersten in Nordamerika bin, die seine Musik etwas ’anders’ interpretiert haben – im Gegensatz zur üblicherweise gepflegten ’klassischen’ Herangehensweise. Was im Grunde nur heißt: die Leute spielen die Musik einfach wie es geschrieben steht. Aber wir haben etwas wirklich davon Abweichendes gemacht – in rhythmischer Hinsicht. Und ich glaube, dass Piazzolla es so lieber gesehen hätte – ganz bestimmt sogar.“

Al Di Meola, guitars/leader; Fausto Beccalossi, accordion; Gumbi Ortiz, percussion; Peter Kaszas, drums; Kevin Seddiki, 2nd guitar; Victor Miranda, bass

Blood, Sweat & Tears (USA)

Nuclear Blues

Jul ’10
28
19:30

Blood, Sweat & Tears“Die Beatles haben den Rock in die Musik gebracht. BLOOD, SWEAT & TEARS haben die Musik in den Rock gebracht.” So urteilte der britische Musikjournalist Leonard Feather über die (Mit-)Erfinder des Jazz-Rock. Der Name der Band geht zurück auf ein Zitat aus der Antrittsrede von Winston Churchill als Premierminister am Anfang des 2. Weltkrieges.

Seit 1968 hinterlässt die Blood, Sweat & TearsUS-Institution ihre Spuren in der Musikgeschichte. Ihre einzigartige Mixtur aus Blues, Rock und Jazz ist auch ihr Markenzeichen: druckvolle Bläsersätze, pulsierender rhythmischer Groove, expressive Vocals sowie zahlreiche bis heute noch bekannte Top-Hits. Die Liste aller Musiker, die einmal zum Line-up von BLOOD, SWEAT & TEARS gehörten, liest sich wie ein Who is Who des Jazz, Blues und Rock: Al Kooper war in der Urformation Chef der Band, Randy Brecker blies die Trompete, Steve Katz werkt an der Gitarre. Zeitweise waren Jaco Pastorius, Mike Stern, Joe Henderson, Lew Soloff und unzählige andere bekannte Namen auf der Line up Liste von BS&T.

Hervorgegangen aus dem New Yorker Greenwich Village, waren BS&T in vielerlei Hinsicht Pioniere: Sie waren die erste Band, die hinter dem Eisernen Vorhang spielte, sie hatten als erste 3 Hitsingles auf einem Album, sie kreuzten als erste Jazz mit Rock. Sie waren außerdem einer der Headliner in Woodstock und gewannen 3 Grammies, darunter den prestigeträchtigsten für das Album des Jahres (mit “Blood, Sweat & Tears”, 1969).
In den über 4 Jahrzehnten seit der Gründung blieben BS&T immer aktiv, um die Fans mit Hits wie “Spinning Wheel”, “You’ve Made Me So Very Happy”, “And When I Die”, “Hi-de-ho”, “Go down gamblin’” und  “One” zu beglücken. Und jüngere Fans werden bei diesem geschichtsträchtigen Abend die eine oder andere Sample-Quelle aktueller Chart-Hits erforschen können.

Für eine einzigartige Mixtur aus Blues, Rock und Jazz steht Blood, Sweat & Tears. Markenzeichen: Druckvolle Bläsersätze, pulsierender rhythmischer Groove, expressive Vocals sowie zahlreiche bis heute noch bekannte Top-Hits. Dabei ist auch Gründungsmitglied Steve Katz mit seiner Gitarre. Mit ihren Bläserarrangements und Bearbeitungen von Themen klassischer Komponisten wie Erik Satie setzte die ausgezeichnete Band Ende der sechziger Jahren Maßstäbe für andere Gruppen des Jazz- und Brassrock. In ihrer Reunion-Tour knüpft die Formation an ihre alten Erfolge an und greift zurück auf ihre großen Hits.

Rob Paparozzi: vocals, harmonica, Steve Katz: guitar, vocals, Dave Gellis: guitar, Glenn McClelland: keys, Teddy Mulet, Steve Jankowski: trumpet, Jens Wendelboe: trombone, Tom Timko: sax, Gary Foote: bass, Andrea Valentini: drums

Portico Quartet (GB) / Studnitzky Trio (D)

Jazz forward!

Aug ’10
11
19:30

Sein Sound ist unverwechselbar, seine Klangwelten sind detail- und ereignisreich, sein Anliegen ist in einer sehr persönlichen musikalischen Sprache formuliert. Sein neues Album heißt »EGIS« – ein Album, das all sein Können auf den Punkt bringt, lustvoll und spannend daherkommt – voller unterschiedlicher Geschichten, hoch konzentriert und aufgeladen mit viel Energie.

Studnitzki TrioSebastian Studnitzky lebt in Berlin, ist ein gefragter und profilierter Sideman auf internationalen Bühnen (u.a. mit Nils Landgren und Jazzanova) und ist in vielen Musikstilen zuhause. Ob mit der Trompete oder am Klavier sind seine Songs durch seine ungewöhnliche, sehr individuelle Klangfärbung geprägt: weich, fließend und zurückgenommen, aber nicht minder intensiv und eindringlich - entwaffnend schlicht und unmittelbar. Nach den unzähligen Touren und Festival-Auftritten in aller Welt hat sich der Multiinstrumentalist Sebastian Studnitzky jetzt die Ruhe genommen seine eigene Musik zu formulieren.

Die lustvoll kreative Suche nach organischen Klangfarben und -mustern hat sein Spiel geprägt. Es geht ihm mehr um Reduktion bzw. um die Bildung aussagekräftiger Destillate als darum, so viele Noten wie möglich in ein Solo zu pressen. “Ich stehe darauf”, so Sebastian Studnitzky, “wenn alles etwas schlichter daherkommt. Ich möchte lieber die Musik und die Musiker sprechen zu lassen und auf das plakativ Spektakuläre zu verzichten.” Hier wird das Beste von Jazz und Pop miteinander verbunden - riskante organische Soli und aktuelle luftige Grooves, songdienliche Kreativität und hookige Abstraktionen.

Sebastian Studnitzky, trumpet; Paul Kleber, bass; Sebastian Merk, drums

Portico Quartet credit Toby SummerskillIst Brit Jazz das nächste große Ding? Oder vielleicht sogar das aktuelle große Ding? Auf jeden Fall wird diese junge Band aus London in Kürze eine der aufregendsten neuen Jazz Bands sein. Portico Quartet besteht aus vier Jungs aus London, deren Album „Knee Deep in the North Sea“ 2008 auf der Shortlist des Mercury Prize stand. Was nichts anderes bedeutet, als dass das Debüt des Portico Quartet von der Preis-Jury zu den zwölf besten britischen Alben des Jahrgangs 2007/08 gezählt wurde. Damit die Schubladen nicht so leicht zugehen, charakterisieren die vier Musiker um den Saxophonisten Jack Wylie sich kurzerhand als „Indie-Band, die „Post-Jazz“ spielt“.

Portico Quartet credit Toby SummerskillGut gebrüllt, denn das Portico Quartets ist mit Saxophon, Bass und Schlagzeug eigentlich recht konventionell besetzt,
wäre da nicht Nick Mulvey, der das scheinbar archaische, de facto aber sehr junge Schweizer Perkussionsinstrument Hang spielt, wodurch sich ein afrikanischer und auch karibischer Anklang in den „Post-Jazz“ schleicht. Die Musik des Portico Quartets klingt frisch und tanzbar, dabei sind E-Musik- und Minimal-Referenzen in die Kompositionen verwoben – und das ist ebenso unortodox wie interessant. Das aktuelle Album “Isla”, das in England am 19. Oktober erschien, weckt bei der dortigen Presse Erinnerungen an Radiohead.

Jack Wyllie, sax, loops; Milo Fitzpatrick, bass; Nick Mulvey,  hang; Duncan Bellamy, dr, hang

CèU (Brasilien)

Vagarosa

Jul ’10
25
19:30

CèULange schaute man in Brasilien erstaunt auf die Elektro-Bossa-Welle ; die Synthese, die die Europäer da aus Tropenrhythmen und Technologie in den letzten Jahren gebastelt hatten. Einige Zeit dauerte es, bis mit Suba, mit Bossacucanova und schließlich auch mit Bebel Gilberto im Heimatland von Samba und Bossa Nova die Verzwirbelung von neuen Bits und alten Beats Fuß fasste. Doch nun ist auch auf der anderen Seite des Atlantiks kreative Blütezeit angesagt. Maria Do CéU Whitaker Poças, kurz CéU (sprich: SÄ-u, zu deutsch: Himmel!), nennt sich das neueste Stimmenwunder aus Sáo Paulo, das Samba-Grooves mit TripHop, Lounge, Dub, Jazz und Funk poliert. Wer die barcelonesische Nubla mochte, der wird von CéU hochbegeistert sein. Diese Musik ist – der Rückverweis auf ihren Namen liegt nah – einfach nur “himmlisch”. Geschickt umschifft Cèu die Klischees, lässt sich nicht auf sirenenhaftes Hauchen oder auf die überstrapazierte Drum’n’Bossa-Masche ein. Stattdessen gibt es eine feinziselierte Gratwanderung.

DiCèUe Grooves sind nie elektronisch überladen, sondern beziehen ihre Energie aus organischer Trommelarbeit oder aus dem samba-angelehnten Groove der akustischen Gitarre. Espritvolle Effekte und Scratches kommen von Synthesizer und Turntable, dazu bläst eine kleine Hornfraktion gedämpfte jazzig-soulige Linien, teils konterkariert von fernen Backgroundstimmen. Darüber fliegt ihre helle Stimme, sinnlich-sanft und katzenartig zuweilen, aber doch ausdrucksvoll und muskulös – mit leichten Anklängen an eine Maria Rita oder Marisa Monte, mal verführerisch und sinnlich, mal eher lolitahaft. Die melodische Substanz ist immer der chromatisch geschwungenen Melancholie der Samba-Melodien verpflichtet, hat auch die funkigen Errungenschaften von Samba Soul-Größen wie Jorge Ben verinnerlicht und kombiniert sie mit Reggae- und Dub-Versatzstücken. Das gipfelt in einer gänzlich unerwarteten Adaption von Marleys “Concrete Jungle”, die – vom Offbeat bereinigt – in neuer Schönheit daherstolziert. Zwischendurch beweist CéU ihre enge Verbundenheit zum Samba- Erbe, indem sie auch mal nur zur Mandoline ihre wehmütigen Verse schweifen, oder in einem fast psychedelischen Umfeld den ominösen Brummtopf Brasiliens, die Cuica klagen lässt.

CéUs fruchtiger Mix besitzt globalen Anspruch, ist trotzdem Samba-Poesie durch und durch – und ihre Stimme hat etwas von der kristallblauen Transparenz eines wolkenlosen Himmels. Cleverer und erotischer hat der Samba des 21.Jahrhunderts sich noch nirgends niedergeschlagen. Geehrt wurde die Sängerin und ihre Band bei den Latin Grammy Awards in der Kategorie “Best New Artists”, der Billboard hat sie in die Liste der Top 10 Newcomer aufgenommen. Die New York Post vergibt vier Sterne für das Album, und von Newsweek über die Libération bis zu O Globo sind die Kritiker allerorten becirct.

Quadro Nuevo (D)

Spielt Quadro Nuevo

Aug ’10
12
19:30

Quadro Nuevo Pressefoto EvelynhuberWie klingen Safran, Cacao, Paprika, Zimt, Mohn, Sternanis, Koriander, Rosmarin, Kreuzkümmel, Ingwer? Oder Silphion, die heute verschollene Würze der Römer und Griechen? Quadro Nuevo gehen dieser spannenden Frage musikalisch nach. Wie seltener Wein oder ergreifende Musik sind Gewürze dazu bestimmt, den Genuss des Augenblicks zu verschönen. Mal süss, mal scharf. Seit ihrem Debüt im Jahre 2000 hat Quadro Nuevo stets seine Affinität zum Tango demonstriert, aber zugleich immer wieder Offenheit für andere Schubladen bewiesen.

Mit Saxophon oder Klarinette, Gitarre, Bass, Accordeon und Percussion interpretieren die vier Musiker alte italienische Canzones, Tangos und Klassiker  der zwanziger Jahre. Mal klingt es nach dem Swing eines Django Reinhardt, dann wieder fühlt man sich nach Marseille in ein Café versetzt und lauscht einer Musette. Hier und da könnte man auch eine Jamsession mit einer reduzierten Banda vermuten. Ein zackig-strenger Tango, eine konzertante Milonga, elegante Clubatmosphäre oder Straßenmusik: Das Quartett schafft eine ebenso inspirierende wie erfrischende Collage von mediterraner Musik, dieTradition und Moderne zwischen westlichen und östlichen Winden souverän zusammenfügt. Dazu gesellt sich wiederholt die Idee des argentinischen Tangos. Der wiederum wird lustvoll durch die orientalische Linse eines Ibrahim Özgür gebrochen. Grazie!.

Ausgehend von einem europäisch geprägten Tango bereichert Quadro Nuevo diese Musikrichtung mit Elementen des Flamenco, der Valse Musette, des Balkan-Swing und einer lässigen mediterranen Leichtigkeit. Dazu mischen sich elektrisierende Eigenkompositionen, die vom Vagabundenleben der vier spielsüchtigen Virtuosen erzählen. Selbst 70er Jahre Schlager wie Dalidas „Paroles, Paroles“ oder „L’été indien“ von Joe Dassin erhalten ein ganz neues, persönliches Flair. Das Geheimnis ist Hingabe. Selten hat man erlebt, dass Musik mit so viel Spannung, Verve, fast zärtlicher Liebe zum Instrument und Einfühlungsvermögen in fremde Kulturen interpretiert wird.  Quadro Nuevo spielen in der ersten Liga des europäischen Jazz..

Alle Alben des deutschen Quartetts wurden mit dem Deutschen Jazz Award ausgezeichnet und schafften es in die Top Ten sowohl der Jazz- als auch der Weltmusik-Charts (Platz 1). Bereits dreimal wurden die Musiker mit dem Europäischen Impala geehrt.Ihre Musik könnte man als imaginäre Folklore bezeichnen. Quadro Nuevo reisen zu Konzerttourneen nach Singapur, Korea, Kanada, Australien und quer durch Europa. Das Quartett spielte auf zahlreichen renommierten Festivals wie dem Montreal Jazz Festival, der Internationalen Jazzwoche Burghausen, dem Rheingau Musikfestival, und nun freundlicherweise wieder in Kassel!

Dan Berglund’s Tonbruket (S) / Helge Lien Trio (NW)

Jazz forward!

Jul ’10
24
19:30

Gleich zwei zukunftsweisende Jazzformationen an einem Abend:

Dan Berglund Tonbruket by Joerg Grosse Geldermann 2 2009Der schwedische Bassist Dan Berglund ist international bekannt durch seine Mitgliedschaft bei e.s.t., der womöglich einflussreichsten Jazzband der letzten Dekade. Esbjörn Svensson (piano) und Magnus Öström (drums) waren seine kongenialen Partner in dieser künstlerischen Einheit, die die Art wie Jazz heute verstanden wird entscheidend geprägt hat. Eines von Dan Berglunds Markenzeichen ist die unglaubliche Wärme, der runde und volle Ton den er seinem Instrument entlocken kann, daneben auch der Gebrauch unzähliger Effekte um den Double Bass Sound zu verfremden und damit in seinem Spektrum zu erweitern. Der tragische Tod von Esbjörn Svensson bereitete der vielversprechendsten Jazzformation ein zu frühes Ende. Eine Neusondierung war nötig. Berglunds neue Partner sind Johan Lindstroem an der Gitarre, Martin Hederos von der Pop-Band “The Soundtracks of our Live” am Piano und Andreas Werliin am Schlagzeug. Sämtliche Stücke für die neue Formation und das Debut-Album sind gemeinsam geschrieben, arrangiert und produziert. Bei Tonbruket finden sich verblüffend vielfältige und schillernde Anklänge: an nordische Folkmusik und amerikanische Countrymusik, an Ambient Music und Drum & Bass, oder gar an Artrock.

Bei „Gi Hop“ lässt sich Berglunds jDan Berglund Tonbruket by Joerg Grosse Geldermann 5 2009ugendliche Vorliebe für Hardrock-Bands wie Deep Purple oder Black Sabbath, mehr aber noch seine spätere Bewunderung von Pop-Revolutionären wie Radiohead oder Royksopp herauslesen. Meisterlich gelingt es dem Quartett, eine überzeugende Klammer für all diese Elemente zu finden: Vor allem die Dominanz von Saitenklängen aller Art - klassisch akustisch bis elektronisch verfremdet - verleiht dieser Band einen bereits unverwechselbaren eigenen Ton. Tonbruket ist mehr als nur ein Neubeginn für Dan Berglund, der hier erstmals direkt als Komponist bezwingender Songs und Melodien hervortritt. Die Musik erweist sich als spannendes, womöglich bereits wieder wegweisendes Projekt, das die Flamme von e.s.t. weiterreicht.

Helge LientrioWie man “The Art Of The Trio” perfekt beherrscht, das kannte man bislang nur von Brad Mehldau, Bill Evans und E.S.T. Mit dem norwegischen Helge Lien Trio macht sich nun eine neue Formation auf den Weg, dem Piano-Trio neue, spannende Klangbilder hinzuzufügen. Das perfekt aufeinander
eingespielte Trio hat mit ‘Hello Troll’ ein Album vorgelegt, das lyrisch-impressionistische Stimmungsbilder zeichnet, deren Anziehungskraft man sich nur schwer entziehen kann. Helge Lien, der neben seinem eigenen Trioprojekt auch mit anderen norwegischen Acts, wie zuletzt mit Silje Nergaard, unterwegs ist, hat mit seinen Bandkollegen Frode Berg (Bass) und Knut Aalefjær (Drums & Percussion) eine ganz eigene, unverwechselbare Art des Triospiels entwickelt. Mit traumwandlerisch sicherem Zusammenspiel entwickeln die Musiker einen kammermusikalisch anmutenden Jazz, der sich durch harmonisch komplexe Klangfarben auszeichnet. Anknüpfend an Bill Evans’ lyrischer Kraft und dem beschwingt melancholischen Spiel eines Esbjörn Svensson, erzeugt Lien auf ‘Hello Troll’ Stimmungsbilder, die er im ständigen Dialog mit Berg & Aalefjær mit leichter Hand vorträgt.

Helge LienGetragen von großer Disziplin und absoluter Relevanz sind die Eröffnungstakte des Openers “Gamut Warning”, das durch Liens dynamische Phrasierungskunst und das traumwandlerische Zusammenspiel des Trios aufhorchen lässt. Und auch die weiteren Stücke, wie das dramatische “Axis Of Free Will”, das hochromantische „Radio”, die fragilen Songs “Diverted Dance” und “It Is What It Is, But It Is” oder das vertrackte, aufwühlende Stück “Hallo Troll” demonstrieren eindrucksvoll, dass sich hier eine Formation präsentiert, die die Kunst des Trios perfekt beherrscht. Zweifellos zählt der Pianist Helge Lien zu den spannendsten jungen Talenten Skandinaviens. Nachdem das ehrwürdige Dagbladet aus Norwegen schon das Vorgänger-Werk ‘To The Little Radio’ als „Das beste norwegische Piano Trio Album seit langem” bezeichnete, kann man sich auch auf ähnliche Reaktionen zu ihrem neuen Longplayer gefasst machen. Der Erfindungsreichtum des Trios, sich mit klassisch-impressionistischen Mustern und rhythmisch-melodischem Jazz in den Herzen eines beständig wachsenden Zuhörerkreises zu spielen, scheint wahrhaft grenzenlos zu sein.

Manu Katchè (F)

Third Round

Aug ’10
13
19:30

Manu Katche by Darius KhondjiManu Katché hat am „Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris“ eine klassische Perkussionsausbildung genossen. Damit steht einer Karriere in einem Symphonieorchester nichts im Wege. Vermutlich ist darauf der typische Katché-Sound zurückzuführen, den feinsinnige Musikfreunde unter tausend anderen heraushören. Doch Katché wendet sich bald dem Jazz und dann dem Pop-Rock zu.

Es ist nach wie vor einen SManu Katcheeltenheit, daß ein Album - zumal im Jazz - kommerziell erfolgreich ist und zugleich auch künstlerisch höchsten Ansprüchen genügt. Dem französischen Schlagzeuger Manu Katché ist aber genau dies mit seinem ECM-Debütalbum “Neighbourhood” gelungen. Völlig zurecht erhielt er folglich sowohl einen Jazz Award als auch den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Die Kombination der Musiker, die Katché für dieses Projekt und das folgende „Playground“zusammengestellt hat, ist so überraschend wie einleuchtend und überzeugend: der Trompeter Mathias Eick, der Saxophonist Trygve Seim und der Bassist Slawomir Kurkiewicz.. Die Chemie der Formation stimmt absolut, sowohl in der Rhythmusgruppe als auch zwischen den Bläsern. Delikat und entspannt gleichermaßen entspinnen sich die sketchartigen Kompositionen Katchés. Sein luzides Schlagwerk drängt sich nie in den Vordergrund. Ohne die ungeheuer einfühlsamen, aber dennoch stets groovenden Schlagzeugkünste Manu Katchés wäre die Popwelt (und nicht nur die) deutlich ärmer.

Manu KatcheKatché trat zwar schon Ende der 70er Jahre mit Größen wie der damals in Paris lebenden brasilianischen Pianistin und Sängerin Tânia Maria oder dem Jazzpianisten Bobby Few auf, ins Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit geriet er aber eigentlich erst ab 1986, nachdem er an der Einspielung von Peter Gabriels Pop-Klassiker “So” mitgewirkt hatte. Seitdem hat Katché mit zahllosen Größen der internationalen Musikwelt zusammengespielt: Sting, Joni Mitchell, Dire Straits, Simple Minds, Tears For Fears, und und und… Schon dieser gekürzte Auszug aus der Liste der Künstler, die Katché in beinahe zwanzig Jahren begleitete, zeigt zum einen seine geradezu universelle Vielfältigkeit als Drummer, zum anderen aber auch, daß er bei der Auswahl der Musiker, mit denen er zusammenarbeitet, hohe Qualitätsstandards setzt.
Das Schlagzeug Manu Katchès scheint zu singen, er verfügt über eine filigrane und elegante Spielkultur, eine poetische Einfühlsamkeit.  Seinen Schlagzeug-Stil bezeichnete Katché selbst einmal als ein “Amalgam aus afrikanischen Rhythmuskonzepten und klassischem Schlagzeugspiel, illuminiert durch die ad hoc entstehende Interaktion des Jazz”.

Vienna Teng (USA)

Inland Territory

Aug ’10
14
19:30

Vienna TengBei Spiegel-Online nannte Andreas Borcholte Vienna Teng vor kurzem “eine der interessantesten Persönlichkeiten zeitgenössischer amerikanischer Musik”.  Und das Fachhandelmagazin All My Music schwärmte über das neueste Album der Sängerin, Pianistin und Songschreiberin: “Lyrisch klar ist die Stimme der Vienna Teng, vielfältig sind die Einflüsse, die sich in ihrer Musik zu einem fragil-filigranen Sound verdichten.

Zu der MuVienna Tengsik auf ihrem neuen Album ‘Inland Territory’, das sie in ihrem neuen Wohnort New York aufgenommen hat, siedelt Vienna Teng selbst ihre Musik an: “Irgendwo zwischen Folk und Pop, mit ein bisschen Klassik und Jazz“. Es ist etwas frustrierend, keine griffigere Bezeichnung bieten zu können. Aber gleichzeitig zeigt es wohl, dass ich irgendetwas richtig mache.“ Sehr richtig sogar. Herausgekommen ist ein erstaunlich vielschichtiges Album, auf dem sich in erster Linie ihre bewegend natürliche Stimme erhebt. Unterstützt von ihrer zurückhaltend aber absolut effektvoll aufspielenden Band, stecken so komplex arrangierte Hymnen wie ‘Kansas’ oder ‘Oh Gringo’, das sich mit der illegalen Immigration von Mexikanern in die USA beschäftigt, voller musikalischer Überraschungen. ‘Inland Territory’ ist ein Werk, das mit jedem Anhören an Brillanz gewinnt.2002 veröffentlichte die Newcomerin ihr Debüt-Album „Walking Hour“, das bereits auf genügend Resonanz stieß, um ihr im folgenden Jahr eine Einladung in David Lettermans „Late Show“ einzubringen, ein im Rückblick surreales Ereignis, das ihr inzwischen kaum noch wahr vorkommt. Vienna Tengs Popularität jedenfalls stieg stetig.

Im Jahr 2004 folgte „Warm Strangers“, das sie bereits in die Billboard Spartencharts brachte, vor knapp zwei Jahren schließlich das hochgelobte Songalbum „Dreaming Through The Noise“ (2007). Die Sängerin mit der lyrisch klaren Stimme wurde eingeladen, Konzerte von Kolleginnen wie Shawn Colvin, Joan Osborne, Patty Griffin, Joan Baez oder auch den Indigo Girls zur eröffnen und ging selbst fleißig auf Tournee. Ihr gelang der Absprung in die musikalische Selbständigkeit, denn ihre Lieder berühren die Menschen: „Ich habe das Glück, ein loyales Publikum zu haben.

Es hat Vertrauen in mich, ist neugierig auf meine Lieder und trägt mich mit, solange ich Bedeutungsvolles mitzuteilen habe“. Die Menschen lieben Vienna Teng, denn ihre Lieder brauchen keine Klischees, um zu wirken. Im Gegenteil: Die Sängerin liebt die Vielfalt der Einflüsse, die sie von überall annimmt und zu Eigenem verarbeitet, unmittelbar in der Wirkung und zugleich durch die beiläufig komplexen Arrangements voller kleiner musikalischer Überraschungen. Es setzt Vienna Tengs bisherige Entwicklung fort, in eine Richtung, die sie zielstrebig in das Pantheon des großen amerikanischen Songwritings führt.

Fred Wesley & The New JBs (USA)

Hit me, Fred

Jul ’10
23
19:30

Fred WesleyFunky Partyabend im Kulturzelt! Einer der Erfinder dieser energetisch aufgeladenen Fortschreibung von Jazz und Soul persönlich: Posaunist Fred Wesley rockt das Haus. Begleitet wird er von einer Superband des Genres, die den verheißungsvollen Namen „The New JBs“ trägt. JB, dahinter verbirgt sich natürlich James Brown, der „Godfather of Soul“, dem Wesley seinen unverwechselbaren Stil zu verdanken hat – und umgekehrt. Denn in den sechziger und siebziger Jahren trug Wesley – wie auch die beiden anderen Legenden der Brown-Band, Maceo Parker und Pee Wee Ellis – dazu bei, dass der charismatische Soul-Shouter von einem eng verzahnten und immens groovenden Gruppen-Sound getragen wurde.

Als musical director sorgte er für den ebeFred Wesleynso geschmeidigen, wie ruppigen Klang-Teppich, auf dem sich die Funkkoriphäe Brown verwirklichen konnte. Wie bedeutsam Wesley für dessen Musik tatsächlich war, ergründete sich eigentlich erst, als er schon weitergezogen war – zu George Clinton, in dessen Gruppen „Parliament“ und „Funkadelic“ sich manifestierte, was bei Brown noch in der Entstehung begriffen war:  Wesley, der zwischendrin auch Spaß daran fand, als Mitglied im „Count Basie Orchestra“ ganz tief in die Swing-Kiste zu greifen, wurde zum Vorbild für ungezählte junge Jazz- und Rock-Kollegen. Ray Charles, Randy Crawford, Van Morrison oder die Rapper von „De La Soul“ bedienten sich der Dienste des Posaune blasenden Kugelblitzes. Im Gepäck von Fred Wesley finden sich große Hits: von „Pass The Peas“ bis „House Party“. Ob mit ehemaligen Kollegen der James-Brown-Band wie Maceo Parker und Pee Wee Ellis oder mit weiteren Funk-Helden wie George Clinton und Bootsy Collins — Fred Wesley hält die Funk-Maschine am Laufen und das seit 1996 auch mit der eigenen Band. In seine Musik hat er alle Erfahrungen gepackt, ist dabei aber auch offen für ein breites Spektrum an Einflüssen heutiger Musikstile. Strikt eingehalten wird das Prinzip „funkyness“: Handgemachte Perfektion und bodenhafte Coolness gepaart mit einer phantastischen gedanklichen Freiheit für uplifting Soul.

The Hooters (USA)

Both Sides Live / Das Konzert ist ausverkauft

Jul ’10
22
19:30

The HootersSeit dreißig Jahren verwöhnen die amerikanischen Folkrock-Barden ihr Publikum mit mitreißenden Melodien und gehaltvollen Texten. Angesprornt vom großen Erfolg geht die Band im Sommer 2010 auf Tournee.

Ihr 1. Album veröffentlichten sie 1983 und seither nimmt der Erfolg kein Ende. Das Album enthielt die Original-Versionen der  internationalen Hits wie „All You Zombies“ und „Fightin’ On The Same Side“. Ein Jahr später unterschrieben die Hooters ihren 1. Major-Platten-Vertrag bei Columbia Records und veröffentlichten 1985 ihr offizielles Debut “Nervous Night” mit den Klassikern “Day by Day“, “And We Danced”, “Where Do The Children Go” und natürlich “All You Zombies”.

Ein Meilenstein war die Teilnahme der HoThe Hootersoters am LIVE AID-Konzert im Juli 1985 in Philadelphia und brachte der Band schnell weltweite Anerkennung für das Album “Nervous Night” ein. Im gleichen Jahr wählte das Musikmagazin „Rolling Stone Magazine“ die Band als “Best New Band Of The Year”.1987 legten die Hooters nach und bescherten ihren Fans mehrere Hits. “Johnny B”, “Karla With A K” und “Satellite” veredelten allesamt das Album “One Way Home”. 1989 folgte das mit Gold und Platin ausgezeichnete Album “Zig Zag”, welches mit dem Song “500 Miles” die Aufmerksamkeit des Pink Floyd Gründers und Bassisten Roger Waters erregte. Dieser lud die Hooters zu seinem mittlerweile legendären Event “The Wall” ein, bei der 1990 Größen wie Joni Mitchell, Van Morrison, The Band, Bryan Adams und viele andere zusammen kamen. Auch als Songwriter haben die Bandleader Eric Bazilian und Rob Hyman Hits für namhafte Künstler geschrieben: für Cyndi Lauper’s Debut-Album „Time after Time“, das neben “She’s So Unusual” für mehrere Grammys u. a. in der Kategorie „Song of the Year“ nominiert wurde. Und auch für das Debut-Album „Relish“ von Joan Osborne – das Album als auch der Titel „One of us“ erhielten ebenfalls diverse Grammy- Nominierungen in den Kategorien “Song Of The Year”, “Record Of The Year” und “Best Female Pop Vocal Performance”.

Mittlerweile können Rob und Eric auf Arbeiten mit Künstlern und Bands wie z.B. Taj Mahal, Mick Jagger, Sophie B. Hawkins, Jon Bon Jovi, Willie Nelson, The Band, LeAnn Rimes, Amanda Marshall, Billie Myers, Carole King, Robbie Williams, Dar Williams, Jonatha Brooke, JC Chasez, Meatloaf und The Scorpions zurückblicken. Im Jahr 2000 coverte Ricky Martin den Hooters Song “Private Emotion” auf der englischen Version seines Grammy-nominierten Debut-Albums „Ricky Martin“.

Live ist die Band hinreißend charismatisch wie eh und je.

China Moses (USA)

The one’s for Dinah

Aug ’10
15
19:30

China Moses (photo credit Benoit Peverelli)

Bei Kindern berühmter Eltern stellt sich immer wieder die Frage: name-drop or not? Aber es hilft ja nichts. Wenn man die Tochter von Dee Dee Bridgewater ist, führt kein Weg an der Nennung der prominenten Mama vorbei.  Doch China Moses ist als individuelle Künstlerin bei weitem mehr als die Tochter einer berühmten Mutter. Ihre Professionen werden mit Sängerin, Autorin, Songwriterin, Produzentin und Moderatorin umschrieben.

Im Grunde abeChina Moses (photo credit Benoit Peverelli)r ist sie Entertainerin im besten Wortsinne. Nach einigen vielversprechenden Projekten mit dem französichen Pianisten Raphaël Lemonnier,steht die Umsetzung der gemeinsamen Liebe zu Dinah Washington, der Königin des Blues an: Das Tribute-Album “This One’s For Dinah” erscheint 2009 und enthält, neben der Hommage “Dinah’s Blues”, viele Washington-Songs. China Moses interpretiert einfühlsam und authentisch das Œuvre der „Queen of the Blues“, indem sie nämlich nicht bloß bekannte Songs von Dinah Washington interpretiert, sondern die ganze Stimmung und auch den Sound aus den jazzigen 50er-Jahren mitnimmt. Neben Standards wie „Cry me a river“ oder „Goodbye“ sind auch Eigenkompositionen von Moses und Lemmonier „Fine fine daddy“ und, großartig interpretiert: „Dinah Blues“ zu hören, bei denen man sich förmlich vorstellen kann, dass Dinah Washington bei den Aufnahmen vor dem Mikrophon stand.

Als Dinah Washington im Jahr 1963 die tödliche Mischung aus Schlafmitteln, Alkohol und Diättabletten nahm, war sie kaum Vierzig. Jetzt werden die großen Lieder der afroamerikanischen Blues-Sängerin wieder geehrt. Das schwarze Publikum liebte die Mehrdeutigkeit der von Dinah Washington gesungenen Texte. Bei ihrer Großmutter habe sie deren Platten nur heimlich gehört, erzählt die Sängerin China Moses. Blues sei afroamerikanische Kultur, die Musik ihrer Vorfahren zeuge von der Freude am Leben – auch angesichts widriger Umstände. „Sie singt die Lieder, als seien es ihre eigenen“, stellt Christian Broecking auf ZEIT Online fest, „das klingt richtig gut, weil sie erst gar nicht erst versucht, ihr Vorbild zu übertreffen“.

Ihr lässiger Ansatz gefällt auf ganzer Linie: „Das Ergebnis ist faszinierend: China Moses gelingt es mit ihrer Powerstimme, Energie, Verve und Witz von Washingtons Songs rüberzubringen, ohne in platte Imitation zu verfallen. Sie entstaubt die Klassiker, die Arrangements der Stücke rücken Chinas Stimme, die sie enorm kraftvoll und dennoch mit präziser Sensitivität einsetzt, in den Mittelpunkt der Songs. „Die Musik von China Moses klingt so authentisch, dass man fast meinen könnte, sie sei in einem Jazz-Club der 50er- oder 60er-Jahre aufgenommen worden“, schwärmte Sarah Seidel auf hr2-kultur. Und das Süddeutsche Zeitung Magazin bringt die Faszination der Musik von China Moses so auf den Punkt: „Jede einzelne Silbe klingt sexy“.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

CocoRosie (USA)

Grey Oceans

Jul ’10
21
19:30

Coco Rosie CD-CoverCocoRosie sind nicht etwa Coco und Rosie, sondern die bezaubernd anzustaunenden Schwestern Sierra und Bianca Casady. Ihre Jugend verbrachte die Eine in Paris, die Andere in New York. Geboren wird die Band CocoRosie als Bianca ihre “französische” Schwester in Paris besucht und dann doch ein wenig länger bleibt.  In einer kleinen Wohnung im 18. Bezirk spielte Sierra Gitarre und Flöte und Bianca die Percussions.

Nach acht emsigen Monaten hält das Geschwisterpaar ihr Debut “La Maison De Mon Rêve” (”Das Haus meiner Träume”) in den Händen, auf dem nicht nur beider Stimmen, sondern auch jede Menge Hintergrundgeräusche festgehalten wurden. In bonbonfarbiger musikalischer Verpackung gibt es Texte über Straßenkämpfe, Rassismus und Kinderprostitution. Herrlich schön kauzig, herrlich schön schräg!  Anfänglich nur von Insidern beobachtet, hat sich in New York eine erfrischende Avantgarde-Szene gegründet.

Die Darlinge heißen Devendra Banhart, Antony Hegarty (AntonyCoco Rosie credit CocoRosies Mom And The Johnsons) und CocoRosie, sämtlich miteinander verbandelt. Die  Songs von CocoRosie entstehen ganz flatterhaft in Brooklyn, Paris, einem Stall in der französischen Camargue und zwischen den vielen Auftritten. Große Technik brauchen die zwei nicht, eher schon die vielen lustigen Kinder- und Spielzeug-Instrumente, die Pferde wiehern und Katzen miauen lassen.

Ihre Musik ist eine Mischung aus elektronischen Samples, klassischem Gesang und verzerrtem, kindlichem Lied von Bianca, sie kombiniert traditionelle Songmuster und Instrumentierung mit elektronischer Musik und Oper. Dabei verwenden CocoRosie originelle „Instrumente“ wie etwa eine Popcornmaschine, Kinderspielzeug oder einen Föhn. Trotz der oft naiv und kindlich anmutenden Musik sind die Texte meist sehr feministisch und politisch motiviert.

CocoRosie haben ein außergewöhnliches  Gespür für Sprache und Symbolik. Die Songs des Duos sind akustisch-schräge Folk-Tabletten, was sie auf der Bühne zaubern, ist unique und der Einsatz ganz spezieller kleiner Instrumente erzeugt einen ebenso skurrilen wie bezaubernden Sound. Fragmentarischen Stücke, Kammermusik, frankophile Momente oder kleine Pop-Hymen bilden eine andere Soundwelt, in der Bianca singt wie ein weiblicher Marc Bolan. Live werden die beiden Ladies von ihrer tatkräftigen Band unterstützt.

Als echte Künstler haben CocoRosie natürlich ihre Finger in zahlreichen Projekten im Spiel. Ihr Label Voodoo-Eros veröffentlicht allerlei Bands und Sierra ist neuerdings eine Hälfte der Band Metallic Falcons, in der sie gemeinsam mit Matteah Baim - ganz ähnlich wie in ihrer Hauptarbeitstelle - zärtliche Melodien von sphärischen Klängen begleiten lässt.

James Carter (USA)

Present Tense

Jul ’10
17
19:30

James CarterDer 39jährige James Carter ist nun schon seit rund 15 Jahren eine der treibenden Kräfte der Jazzszene. Sein Spiel ist tief in der afroamerikanischen Kultur des 20. Jahrhunderts verwurzelt. Mit unerschöpflichem Ideenreichtum, fast schon beängstigender Energie und atemberaubender Technik bewaffnet, gelingt es ihm die gesamte Tradition des Saxophons im Jazz zu verkörpern und sie durch seinen in die Zukunft gerichteten Blick zugleich ins 21. Jahrhundert zu verlängern. Deswegen kürte ihn das britische Magazin Hif-Fi UK nicht zu Unrecht schon zum “modernen Saxophon-Gott”.

So lässt er neben JJames Carterazzstandards auf seinen CDs auch eigene Kompositionen hören, in denen er durch die Verwendung von Growling, großen Intervallsprüngen und anderen untypischen Klangeffekten einen unverwechselbaren Sound erzeugt. “Present Tense” enthält zehn Stücke, von denen drei von James Carter selbst geschrieben wurden. Eines dieser Stücke hatte eine ganz besondere Entstehungsgeschichte. “Die Idee zu dem Stück ‘Sussa Nita’ lieferte mir ein Traum”, erzählt Carter. “Und in meinem Traum war es Billie Holiday, die mir die ersten paar Phrasen vorsang. Das war im November 2005 und es war einer dieser sepiagetönten Träume.

Ich befand mich in einem angesagten Nachtclub, als Billie Holiday zu mir kam und mir die ersten paar Phrasen vortrug. Ich wachte auf und notierte alles sofort! Dann ließ ich die Noten eine Zeitlang liegen und holte sie erst wieder hervor, als ich mich an dieses Projekt machte. Ich komponierte das Stück fertig und benannte es nach einer der Phrasen, die Billie Holiday mir ins Ohr gesungen hatte ‘Sussa Nita’.”

Unortodox geht Carter mit dem umfangreichen Fundus des Jazz um: “Ich habe allergrößten Respekt vor der Jazztradition, aber ich möchte sie ‘remixen’ und mit der Zukunft der Musik Einklang bringen”, meint Carter. Ein Beispiel für diese progressive Herangehensweise liefert seine Version von “Song Of Delilah”. “Jazzfans werden wissen, daß Clifford Brown diese Nummer gespielt hat, mit Sonny Rollins am Tenorsax. James Carter hat sie ordentlich umgekrempelt und ihr einen gewissen HipHop-Touch verpaßt. Der 1969 in Detroit geborene James Carter war Schüler von Marcus Belgrave und begann seine professionelle Laufbahn als 17jähriger in der Band von Wynton Marsalis. Die nächste Sprosse auf der Karriereleiter führte ihn dann, als er 1988 nach New York zog, ausgerechnet zu Marsalis’ Antipoden Lester Bowie. Schon mit seinem Debütalbum “JC On The Set”, sorgte der Saxophonist in der Szene für Furore. Noch mehr allerdings ein Jahr später mit dem Nachfolger “Jurrasic Classics”. In den folgenden Jahren spielte er noch acht Alben ein und 2005 gemeinsam mit Pianist Cyrus Chestnut, Bassist Reginald Veal und Drummer Ali Jackson “Gold Sounds”, eine ebenso ungewöhnliche wie gelungene Hommage an die amerikanische Indie-Rock-Band Pavement. Hören konnte man den umtriebigen und scheuklappenlosen Saxophonisten aber auch auf Alben von Lester Bowie, Wynton Marsalis, Madeleine Peyroux, Herbie Hancock, Kathleen Battle,  Marcus Miller, Christian McBride und Regina Carter.

James Carter, Saxophones; Corey Wilkes, Trumpet; Gerard Gibbs, Piano; Leonard King, Drums; Ralphe Armstrong, Bass

Marianne Faithfull (GB)

An intimate evening with Marianne Faithfull and Doug Pettibone

Jul ’10
18
19:30

Marianne Faithfull (photo credit - Patrick Swirc)Marianne Faithfull ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit vielen biografischen Brüchen.

Sie begann ihre Karriere 1964 mit „As Tears Go By“, einer Komposition von Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones. Sie veröffentlichte eine Reihe erfolgreicher Singles, darunter „This Little Bird“, „Summer Night“ und „Sister Morphine“. Marianne Faithful war eine Ikone der 60er, das glamouröseste Beat-Starlet Englands.  Marianne Faithfull kannte sie alle, und alle kannten sie: Die größten Rock-Legenden und Künstler der wilden Sechzigerjahre. Mick Jagger, die Beatles, Bob Dylan, Allen Ginsberg, William Burroughs … Sie galt als das exzentrische und intellektuelle Groupie dieser legendären Zeit. Das Leben als Tanz auf dem Vulkan. Sie reizte bis zum Anschlag aus und ging durch alle Höhen und Tiefen, feierte selbst riesige musikalische Erfolge – und lebte als Junkie auf der Straße.

Entzug, Krebs und immer wieder ein NeuanfangMarianne Faithfull (photo credit - Patrick Swirc). Nach Drogensucht und der Trennung von Mick Jagger gelang ihr mit ihrem ersten Album Broken English nach etwa einem Jahrzehnt ein Comeback, das mit dem Versuch einher ging, sich von der Drogenabhängigkeit zu lösen und eine neue künstlerische Karriere nicht nur als Musikerin, sondern auch als Theaterschauspielerin aufzubauen. Ihre Stimme war sehr rau und dunkel geworden, passend zu den nachdenklichen melancholischen und oft dunklen Liedtexten. Marianne Faithful arbeitete mit Pulp und Metallica zusammen, sie spielte in London im „Black Rider“ von Robert Wilson und war eine beindruckende Ophelia in Tony Richardsons Hamlet-Verfilmung an der Seite von Anthony Hopkins.

Rauchig und zornig macht sich die Faithfull über die Kompositionen her – weg ist die Jungmädchenstimme von „As Tears Go By“. Auf ihrem letzten Album “Easy Come, Easy Go”, auf dem Faithful Songs von Billie Holiday, Dolly Parton und Morrissey interpretiert, stellt sich die Sängerin endgültig in den Rang ausdrucksstarker Chanteusen wie Nico oder Joni Mitchell. Mit dabei ist ein ganzer Stab an ehrwürdigen Musikern, darunter Jarvis Cocker und Rufus Wainwright . Heute ist Marianne Faithfull ein Mensch mit vielen Facetten. In ihrer Musik erzählt, träumt und zeigt sich von ihrer nachdenklichen Seite. Resultat einer Welt, in der das Jetzt gelebt und nicht alles geplant wurde. Ein Leben mit einer Intensität, die nachdenklich stimmt – und vor allem eines hinterlässt: Gänsehaut. Marianne Faithfull geht ihr neues Leben mit Optimismus an. Und der Hörer spürt es in jeder Zeile ihrer Musik.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

Rebekka Bakken (NW)

Morning Hours

Aug ’10
18
19:30

Rebekka BakkenWer sie mag, kennt sie vermutlich gut. Wer sie nicht zu mögen vorgibt, hat sie womöglich nie erlebt: Die Dämmerung in aller Herrgottsfrühe, wenn die Sonne langsam den Nebel vertreibt und die Tautropfen noch verheißungsvoll glänzen. Was genau aber ist an den frühen Morgenstunden, die Rebekka Bakkens neuem Album den Titel gaben, für die Musikerin so besonders? Ein morgendlicher Anruf soll Klärung bringen.

„Das ist jene Zeit, zu der sich der Tag noch nicht mit Impressionen angefüllt hat. Wenn dein Geist also noch jungfräulich da liegt, ein wundervoller Zustand. Alles kommt aus einem bestimmten Nichts und hat seine Geheimnisse noch nicht verloren, ich mag das wirklich gern.“ „Morning Hours“ lässt ihren Songs viel Raum für Entfaltung. „Für mich ist dieser viele Platz sehr wichtig“, sagt Rebekka Bakken. Ihr viertes Album klingt anders als seine Vorgänger, es ist ihre bislang romantischste Arbeit. „Das habe ich zunächst gar nicht so bemerkt. Ich mag das Album vor allem deshalb, weil seine Songs so klingen, wie ich sie geschrieben habe.

th_rebekka-bakken-3Nichts steht zwischen mir und ihnen, ich habe ihnen nicht allzu viel angetan, vielmehr fühlte ich mich mit ihnen sofort wohl.“ Dass die Norwegerin lange in New York und Wien lebte, malt reizvolle Kontraste in ihr Schaffen. Noch immer wird die Musik ihres Heimatlandes gern mit Klischees versehen. Aber Rebekka sieht sich nicht als musikalische Landschaftsmalerin, „Ich hatte niemals das Gefühl, dass meine Umgebung mich allzu sehr inspirierte, ob es nun die fremde oder meine heimatliche war.“ Und trotzdem findet, wer will, die langen Winter, die klare Bergluft und die mystischen Landschaften der Fjorde in ihren Werken wieder.  Auf „Morning Hours“ jedoch ist alles anders, ihr erstes Album, das in Amerika entstand. Hier also kann man sich in amerikanischen Landschaften wähnen, kann an die Hitze des Südens oder raue Ostküsten-Motive denken und gelangt hier und da zur countryesken Idylle, die eher den Indian Summer vor dem inneren Auge erstehen lässt als die skandinavische Weite.

Eigene Erfahrungen – auch solche romantischer Art - müssen aber Teil der Inspiration gewesen sein, sonst nämlich könnte sie sich kaum mit ihrer Drei-Oktaven-Stimme derart innig durch solch vielfarbige Preziosen singen wie auf „Morning Hours“ und dabei auch einfach mal eine der drei Oktaven charmant weglassen. „Diese Songs haben mich einfach nicht zu übertriebener Akrobatik eingeladen.“

Ein Glück.

Staff Benda Bilili (Kongo)

Tres, Tres, Fort

Aug ’10
19
19:30

Staff Benda Bilili (photo credit Renau Barrett)Staff Benda Bilili heißt die einzigartige Formation aus dem Centre Ville von Kinshasa, der Hauptstadt Demokratischen Republik Kongo. Sie leben dort unter freiem Himmel und einige der polioerkrankten Musiker bewegten sich auf selbstgebauten Rollstühlen fort. Der afrikanische Soul von Staff Benda Bilili ist geradezu hypnotisierend.

Ihre Musik ist tief in der kongolesischen Rumba verwurzelt und erinnert in ihrer Dynamik an den Funk des Godfather of Soul. Zuweilen strahlt sie auch eine fast kubanische Nonchalance voller Kraft und Schönheit aus oder lässt ihre Verwandtschaft zu Reggae und altem R&B erklingen. Gründer und einer der vier Hauptsänger ist der 55 jährige Sänger Ricky Likabu, das jüngste Mitglied der Band ist ein 17-jähriger Straßenjunge, der mit verblüffendem Talent atemberaubende Soli auf seiner selbst gebauten, einsaitigen Laute spielt.

Staff Benda Bilili sehen sich mit ihrer Musik Staff Benda Bilili (photo credit Renau Barrett)selbst als Journalisten und Troubadoure der Straßen von Kinshasa. Ihre Songs dokumentieren die Ereignisse des Alltags aus einer Hauptstadt, in der es mehr als 40 000 Straßenkinder, darunter auch ehemalige Kindersoldaten gibt, die vor Armut und Gewalt in ihren Heimatorten geflohen sind. Unter ihnen bilden die behinderten Menschen, Handicapés, die zweitstärkste Gruppe, die sich gegenseitig und selbstbewußt über ihre Plateforme genannte Selbsthilfeorganisation unterstützen. Vor allem für diese Menschen singen Staff Benda Bilili – Benda Bilili bedeutet, „das nicht Sichtbare hervorbringen“ – in ihren ermutigenden Liedern.

Staff Benda Bilili (photo credit Renau Barrett)Produziert wurde «Très Très Fort» von Vincent Kenis, der auch die Alben von Konono No 1 und die der bekannten Congotronics-Serie von Crammed discs aufgenommen hat. Alle 11 Songs wurden unter freiem Himmel, direkt im Zoologischen Garten von Kinshasa mit etlichen Mikrofonen auf einem MacBook aufgenommen. Schwerelos federn die klapprigen Trommeln, staubig scheppern die Melodien, heiser, ja hungrig singen die Stimmen. Rumba, Blues und Funk verheddern sich zu einem schrottig schönen Afro-Feeling, das sich so authentisch anhört, als hätte man es auf dem Flohmarkt zusammengetragen. Da blinzelt einem aus den  Stücken mal die störrische Wildheit des UrBlues, mal die sanfte Kraft des afrikanischen RumbaRocks entgegen. Die auf dem Album enthaltenen vier Videos haben Belle Kinoise aka Florent de la Tullaye und Renaud Barret produziert. Sie begleiten die Band seit 2004 und arbeiten an einem dokumentarischen Spielfilm über Staff Benda Bilili. Handgemachter, futuristischer Funk. Der Rhythmus einer gleichzeitig kollabierenden und zum Tanz aufrufenden Dritte-Welt-Metropole,” schrieb die Süddeutsche Zeitung.

Marit Larsen (NW)

If a song could get me you Das Konzert ist unbestuhlt

Aug ’10
20
19:30

Marit Larsen

Das Konzert ist unbestuhlt

In Norwegen ist Marit Larsen ein absoluter Topstar –  mit ihren gerade einmal 26 Jahren gelang der bezaubernden Musikerin in ihrer Heimat bereits zum zweiten Mal das Kunststück, eine sensationelle Musikbiz-Karriere zu starten. Als Hälfte des Chart-Pop-Duos M2M war sie zwischen Mitte der Neunziger und 2002 an mehr als zwei Millionen verkauften Tonträgern beteiligt und landete Chart-Hits in den USA, halb Europa und in Japan (!).

Marit LarsenWarum man hierzulande von dem skandinavischen Dance-Pop-Export seinerzeit kaum Notiz nahm, ist derweil rätselhaft. Auch Marit Larsen hat keine schlüssige Erklärung: „Vielleicht war es nur Zufall, es ging damals alles sehr schnell“, erinnert sie sich. „Wir waren so wahnsinnig jung und die Platten wurden gleichzeitig in mehr als zwanzig Ländern veröffentlicht. So richtig traurig ist die junge Sängerin allerdings nicht, dass sie hierzulande nicht wie in ihrer norwegischen Heimat die Öffentlichkeit mit einem musikalischen Komplett-Relaunch überzeugen muss, sondern auf ein völlig unvoreingenommenes Publikum trifft.

Dass man seine Ziele auch tatsächlich erreichen kann,  bewies Marit Larsen bereits vor drei Jahren: Mit ihrem ersten Soloalbum, das in Norwegen unter dem Titel „Under The Surface“ erschien, legte sie in jeder Hinsicht ein beeindruckendes Debüt vor, das sowohl bei Kritikern als auch Plattenkäufern in Norwegen auf vorbehaltlose Gegenliebe stieß. Dabei gelang ihr ein sensationeller Spagat: Von Musikliebhabern wurde „Under The Surface“ unter den besten Alben des Jahres gelistet, gleichzeitig brachte der Longplayer mehrere Airplay- und Singlehits hervor (alleine ihre Debütsingle „Don’t Save Me“ rangierte fünf Wochen an der Spitze der norwegischen Charts). Die unverschämt catchy, aber dennoch sehr speziellen Popsongs, deren musikalische Einflüsse von Folk über Bluegrass bis zu klassischer Musik reichten, verzückten ganz Norwegen und heimsten zahlreiche Musikpreise (u.a. einen MTV Europe Music Award in der Kategorie „Beste norwegische Künstlerin“) ein.

Mit dem Follow-Up „The Chase“, das in Norwegen im vergangenen Oktober erschien, gelang es Marit, diese Erfolge noch zu toppen: Mit ihrer Single „If A Song Could Get Me You“ stellte sie einen neuen Rekord auf. Der Song, mit dem sie hierzulande ihr Debüt gibt, platzierte sich länger auf Platz eins der norwegischen Charts als jeder andere zuvor – eine Bestmarke, die bislang von Robbie Williams gehalten wurde.

Ob ein Song fertig und gut ist, entscheidet bei Marit ein simpler Test. „Ich habe zu Hause kein schickes Aufnahme-Equipment, deshalb höre ich mir die Stücke auf meinem Diktaphon an. Wenn es mir gelingt, einen Song von vorne bis hinten durchzuhören und mich dabei wohl zu fühlen, dann weiß ich, es ist vollbracht. Jeder Song muss diese Hürde nehmen.“ Eine qualitative Abstufung unter den einzelnen Kompositionen gibt es für Marit, zu deren musikalischen Helden u.a. Joni Mitchell, Rufus Wainwright, Paul McCartney, Feist, Billy Joel, Grieg und Chopin zählen, nicht.  Auch das Konzept „Hitsingle“ ist ihr im Rahmen der Albumaufnahmen eher fremd. „Für mich ist jeder Song, der auf dem fertigen Album ist, ein ‚Hitsong’“, erklärt sie. „Nicht, weil ich mir jedes Stück im Radio vorstellen kann, sondern weil irgendwann im Laufe der Entstehung jeder Song einmal mein Lieblingssong war. Man komponiert und schreibt, man schreibt und komponiert, und ab und zu hat man das Gefühl, dass ‚niemand jemals einen solchen Text aus dieser Perspektive geschrieben hat’ oder dass einem ‚diese Melodie einfach nicht mehr aus dem Kopf geht’. Das ist für mich das, worum es beim Songwriting geht.“

Ein Abend also voller Lieblingssongs von einer bezaubernden Künstlerin, die genau weiß, was sie will: Wir können uns auf Marit Larsen freuen.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

Jan Josef Liefers & Oblivion (D)

Lieder meiner Kindheit im Osten Das Konzert ist ausverkauft / unbestuhlt

Aug ’10
21
19:30

 

Das Konzert ist ausverkauft

Jan Josef Liefers ©Jo GernJan Josef Liefers hatte mit Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief 1996 den Durchbruch. Für die Rolle des Bodo Kriegnitz erhielt Liefers den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsschauspieler. Inzwischen zählt Liefers zur ersten Garde deutscher Filmschauspieler. Seit 2002 steht er zweimal im Jahr als liebenswert skurriler Professor Karl-Friedrich Boerne für den WDR-Tatort in Münster gemeinsam mit Axel Prahl vor der Kamera.

Jan Josef Liefers ist ein Multitalent und auchJan Josef Liefers & Oblivion ©Jo Gern musikalisch sehr bewandert. Mit seiner Band Oblivion spielt der in Dresden geborene Künstler die Musik, die ihn durch die verschiedenen Phasen seiner Kindheit und Jugend begleitet, beeindruckt und geprägt hat. Dieses Programm entstand anlässlich der Ruhr Trienale. „Century Of Song“ stellt alljährlich namhafte Künstler wie Rickie Lee Jones, Elvis Costello und Laurie Anderson vor, die in dieser Reihe Musik spielen, die sie in ihrem Leben beeinflusst hat.

„Wenn ich Musik mache, bin ich Musiker, nicht Schauspieler“, sagt der 1964 in Dresden geborene Schauspieler, Regisseur und Sprecher Jan Josef Liefers, der immer noch ausreichend Zeit findet, eigene Texte für seine Lieder zu schreiben. Zwischen den Songs erzählt er von seinem Leben im Osten, plaudert über die Hintergründe der ehemaligen DDR-Heroen und ihrer Lieder und setzte sie unmittelbar in Beziehung zu den jeweiligen Stationen und Ereignissen seiner Kindheit und Jugend. Kombiniert mit einer effektvollen Visualisierung des Programms durch privates Super-8-Filmmaterial und O-Tönen aus den siebziger Jahren, bereitet der in Dresden geborene Schauspieler Jan Josef Liefers seine Karriere und sein Leben auf: Ein authentisches „DDR-Kind“, das später in ganz Deutschland bekannt wurde, erzählt sein Stück deutsche Geschichte. Dabei sind es nicht einmal die über die Grenzen der DDR bekannten Hits, die Liefers singt, sondern eher weniger populäre, von der Zensur verbotene Stücke. Und natürlich all die Lieder über Liebe, Freiheit und Sehnsucht mit den unterhaltsamen und sehr persönlich gehaltenen Einblicken in das Leben eines jungen Menschen im Osten mit all seinen Widersprüchen.

Die Pop-Musiker der DDR entwickelte eine Art Code-Sprache, die Texte sind oft voller Anspielungen und Mehrdeutigkeiten. Die Übung des Umschreibens, das Erfinden sprachlicher Bilder wird auch heute als sehr poetisch empfunden. Den Soundtrack meiner Kindheit im Osten stellt Liefers mit seiner Band auf den Prüfstand der deutschen Gegenwart. Er singt Lieder von Karat, den Puhdys und Renft, und auch „westliche“ Klassiker von Jimi Hendrix und den Rolling Stones in eigenen höchst vergnüglich rockenden Interpretationen.

Jan Josef Liefers (vocal); Timon Fenner (drums); Christian Hon Adameit (bass); Gunter Papperitz (keyboards); Jens Nickel (gitar); Johann Weiß (gitar)

2raumwohnung (D)

Rette mich später / Das Konzert ist ausverkauft

Jul ’10
14
19:30

2raumwohnung - foto anca munteanu rimnic“2raumwohnung” sind die Paradevertreter des neuen Berlin-Pop. Elektronische Beats des Elektro-Sound-Tüftlers Tommy Eckart treffen auf akustische Gitarrenklänge und die warme Stimme Inga Humpes. Die beiden beweisen, das auch Popmusik aus Deutschland leicht und beschwingt klingen kann. 2raumwohnung öffnen endlich wieder ihre Pforten, um frische Luft und Sonnenstrahlen hineinzulassen. Im vergangenen Hochsommer, erschien das sehnlich erwartete Album „Lasso“, mit dem Inga Humpe und Tommi Eckart ein großer Wurf gelungen ist. Das Duo, bei dem die Grenzen zwischen dem Privaten und der Profession so angenehm aufgehoben scheinen wie die musikalischen Trennlinien zwischen Club Culture und Pop-Parkett, hat sich einmal mehr richtig ins Zeug gelegt.

2raumwohnung - foto anca munteanu rimnicVom ersten Augenblick – so stürmisch wie „Der letzte Abend auf der Welt“ begann noch keines ihrer Alben – nehmen uns 2raumwohnung mit ihren neuen Songs gefangen. „Lasso“ kommt mit enorm viel Hüftschwung daher und hält die Spannung bis zum Schluss. Für wilde Nächte im Club und entspannte Momente auf der Couch. Popmusik mit der rechten Balance zwischen Retro-Chic und futuristischem Glanz. Zündende Grooves, prächtige Melodien, Songtexte voller kleiner Volten und hübscher Metaphern, eine abenteuerliche Produktion mit Gespür fürs Detail. Die Popjournalistin Kerstin Grether schrieb einmal: „Es ist so eine Hitze, flirrende Freude und Bewegung in den Songs. Aber auch eine Direktheit, die nicht verschreckt, sondern ankommt beim Gegenüber.“ Nicht nur angekommen, sondern längst tief verankert sind Songs wie „Besser geht‘s nicht“, „Ich und Elaine“, „Freie Liebe“, „36 Grad“ und natürlich „Wir trafen uns in einem Garten“, das im kollektiven Bewusstsein der hiesigen Pop-Fans schon wie ein fest ans Herz gewachsener Klassiker anmutet.

2raumwohnung - foto anca munteanu rimnicMittlerweile kann das im Jahr 2000 aus der Taufe gehobene Duo nahezu auf eine ganze Dekade zurückblicken — ein Jahrzehnt voller Erfolge und Euphorie. Die Goldene Stimmgabel für das erfolgreichste deutsche Pop-Duo bestätigte dies ebenso wie die Auszeichnung mit der EinsLive-Krone fürs Lebenswerk, die Inga Humpe gemeinsam mit ihrer Schwester Annette erhielt. Inga Humpe schrieb bereits Ende der Siebziger mit den Neonbabies deutsche Popgeschichte und zeigte sich später für unterschiedlichste Bands und Projekte aufgeschlossen. Tommi Eckart feierte in den Neunzigern als musikalischer Kompagnon von Andreas Dorau erste große Erfolge, initiierte zahlreiche Dance-Projekte und schrieb etliche Soundtracks. 2raumwohnung mag durchaus das Resultat all dieser unterschiedlichen Erfahrungen sein, aber die persönliche Nähe und das blinde Verständnis verleiht dem Paar erst die besondere Note. Ihre bisherigen fünf Alben gleichen fröhlichen Fahrten mit dem Autoscooter, wo man bei jedem neuen Song, bei jeder neuen Runde mit einem neuen Genre kollidiert. Berührungsängste kennt dieses Duo wahrlich nicht. Von Songwriterjuwelen bis zum Discoinferno, von Liebesschwelgerei bis Electro-Tüftelei reicht die stilistische Palette von 2raumwohnung, die weder Kitsch noch Kunst scheuen, wenn es gilt mit sinnlich intonierten Popsongs den Alltag zu veredeln.

17 Hippies (D)

Nur Stämme werden überleben

Aug ’10
22
19:30

17 Hippies  (photo credit: Hanna Lipmann)Die 17 Hippies sorgen alljährlich für einen furiosen Konzertabend im Kulturzelt! Wir grüßen den Rock’n’Roll, den Balkan, Mexiko, den Chanson, Pop und Cajun. Die Lebenseinstellung der 17 Hippies ist herrlich unverdorben und gnadenlos rock n’roll, die Berliner Band passt so gut in das Kulturzelt Kassel, dass wir sie schon getrost als „Artists in Resident“ bezeichnen können. Ihre Entstehungsgeschichte liest sich wie eine Chronik des Berliner Musik-Lebens seit den 80er Jahren.

Heute stehen sie zu dreizehnt auf der Bühne und produzieren diesen typischen »17 Hippies-Sound«: Kontrabass, Banjo, Ukulele und Gitarre sind die rhythmische Basis über die sich das Melodiegeflecht aus Geigen, Violoncello, Accordeon, Klarinette, Trompete und Posaune legt. Traditionelle Musik aus Osteuropa, Frankreich und Amerika wird mit eigener Berliner Prägung versehen.

17 HippiesDer Sound der Hippies: witzig, spritzig, tanzbar. Vor dem Hintergrund anglo-amerikanischer Pop- und Rockmusik fing die Suche nach den eigenen Traditionen an. Im Laufe der Zeit sind dann mehr und mehr eigene Kompositionen und zahlreiche Songs mit Texten auf deutsch, englisch und französisch entstanden. Den Drive und die Fülle der weltmusikalischen Einflüsse haben die 17 Hippies dabei in ein neues Licht gestellt. „Wir sind gierig nach allem, was uns anschaut und berührt. Und da wir nie wissen, hinter welcher Ecke eine Überraschung lauert, bleibt uns nur, um möglichst viele Ecken zu biegen!“ Die Grundstimmung beschreibt die Band mit einem richtungsweisenden Zitat von Duke Ellington: „It don’t mean a thing if it ain’t got that swing.“ Ihr neues Album „El Dorado“ zeugt vom Willen, in der Weite das Große suchen zu wollen.

17 HippiesDie 17 Hippies, die eigentlich nie 17 sondern 13 waren, sind Vollblutmusiker. Das Kollektiv gehört seit dem Soundtrack von „Halbe Treppe“ zu den Kultfiguren des deutschen Films. Sie komponierten die Musik für das Stück „Kasimir & Karoline“ von Ödön von Horvarth am Deutschen Theater Berlin, spielten jüngst eine CD mit Marc Ribot und Jakob Ilja ein. Die E-Gitarrenklänge geben der Musik noch einmal eine formidable faszinierende Wende. 17 Hippies – dies ist auf einer DVD dokumentiert „The greatest show on earth“ – eine wunderbar reizvolle wie liebenswerte Dokumentation von Künstlern, die sich mit ihrer zutiefst intelligenten Musik viele Ehrungen und Lorbeeren erspielt haben.

Music Maker (USA)

Blues Foundation Revue

Jul ’10
9
19:30
Jul ’10
10
19:30

music_maker_liljoeburtonWenn Tim Duffy mit den Music Maker`s nach Europa kommt, sind sie auch im Kulturzelt Kassel zu Gast. Und weil dieses Projekt so hervorragend ist, diesmal gleich an zwei Abenden.

music_maker_beverlywatkins2010Martin Scorcese und Wim Wenders haben uns wunderschöne Filme über den Blues als Lebensgefühl beschert, jetzt beweisen die Blues Survivors, dass der Blues, wie er in diesen Filmen zu hören und zu sehen ist, auch heute noch existiert.
Die Musikerinnen und Musiker, sind allesamt bewegende Geschichtenerzähler, die ihr Leben viele Jahre abseits des Glamours der Bühnen lebten. HipHop, Soul und Funk eroberten die Welt und so fand Tim Duffy die Legenden des alten Blues als Kellner, als Straßenmusikanten und Fischer in den kleinen Gassen des US-amerikanischen Südens. Diese großen Pioniere des Blues sangen und singen auf Festen, auf den Straßen, in den Clubs. Ihre großen Tage hatten sie auf den Festivals während der Blues-Revival Zeit in den frühen Sechzigern.

music-maker-eddietigner2010The Last & Lost Blues Survivors verdanken ihre Existenz einem Projekt, das sich mit großer Leidenschaft für die Erhaltung und Wiederbelebung amerikanischer Blues-Traditionen engagiert: die 1994 von Tim und Denise Duffy ins Leben gerufene Music Maker Relief Foundation. Tim Duffy und seine Musikarchäologen wurden nicht nur in den Archiven fündig, sie spürten auch bejahrte, musikalisch aber jung gebliebene Roots-Musiker auf, wie die wundervolle Sängerin Pat Cohen, die zusammen mit Eddie Tigner, Lil ‚ Joe, Dr. Burt und Albert White, und Ardie (Drums) die aktuelle Besetzung von The Last & Lost Blues Survivor bilden.  Dabei wird auch die erstaunliche Beverly Guitar Watkins sein. Mehr als 50 CDs hat Music Maker seit der Gründung im hauseigenen Studio produziert und mit den Erlösen viele fast vergessene Musiker wieder ins Rampenlicht geholt. Dabei geht der gesamte Profit an die Künstler. Die Leidenschaft, die Duffy in Sachen amerikanische Bluestraditionen an den Tag legt, geht weit über die akustischen Wurzeln hinaus.
music-maker-albertwhiteDie beeindruckenden Liveauftritte der Musiker, die erstmals 2005 auf dem Nancy Jazz Festival zu erleben waren, lösten bei Fans und Kritikern große Begeisterung aus.

The Last & Lost Blues Survivors sind allesamt bewegende Geschichtenerzähler, die den größten Teil ihres Lebens abseits von Ruhm und Erfolg als Straßenmusiker, Kellner, Verkäufer oder Landarbeiter fristen mussten. Ihre großen Tage hatten sie auf den Festivals während der Blues-Revival Zeit in den frühen Sechzigern. Heute, mit der Unterstützung des von Tim Duffy gegründeten Dixiefrog Labels und Kooperationen mit Musikern wie Taj Mahal, B.B. King und Rosanne Cash, die auch auf den CDs zu hören sind, erobern diese fast vergessenen Künstler das Publikum dies- und jenseits des Atlantics und verzaubern mit einer Lebensfreude und Authenzität, wo immer sie auftreten.

music maker posterDie Konzerte, und noch beeindruckender die Liveauftritte der Musiker zeugen von der enormen stilistischen Bandbreite des Blues – vom tiefen Süden mit dem Bluesharper Georges Higgs bis zu lupenreinem Texasblues. Die alten Aufnahmen und die neuen Auftritte belegen auch, dass es kaum einen populären amerikanischen Musikstil, vom Folk bis zum Jazz gibt, der seine Wurzeln nicht in der Bluesmusik hätte.
„Ein wundervolles Projekt… ein echter Beleg dafür, dass die Musik die ich immer mochte noch vital und wohlauf ist.“ (Eric Clapton).

Line Up Music Maker Foundation - Summer 2010

Ardie Dean - Drums

Nashid Abdul Bass - guitar

Soloists :

Albert White - Guitar & Vocals

Beverlyn Watkins - Vocals

Dr. Burt - Guitar & Vocals

Tommy Brown - Vocal

Eddie Tigner - Piano & Vocals

Pat Cohen - Vocals

Lil Joe - Trombone

Esperanza Spalding Quartet (USA)

Esperanza

Jul ’10
8
19:30

Esperanza By Johann SautyBei der Friedensnobelpreisverleihung in Oslo an Barack Obama spielte sie und alle Welt konnte sich davon überzeugen: Sie ist 24 Jahre alt, sieht blendend aus, singt, komponiert und spielt virtuos Kontrabass: Die Amerikanerin Esperanza Spalding verkörpert genau das, was die in die Jahre gekommene Jazzwelt dringend braucht. Esperanza Spalding gilt als eine DER Entdeckungen der US-Jazzszene: Umwerfend natürlich, begnadete Sängerin, virtuose Kontrabassistin und als Komponistin bahnbrechend.

Wer selbst ein bisschen Bass spielt und Gelegenh

Esperanza By Johann Sauty

eit hatte, stämmigen Stars wie Ray Brown und Buster Williams die Pranke zu schütteln, wundert sich über die grazile Dame: Ihre Arme sind dünner als der Hals ihres Instruments, ihre Hände gleichen denen eines schmächtigen Teenagers. Und mit ihnen holt sie Töne aus dem Kontrabass heraus, wie wir sie zum Beispiel auf ihrer CD “Esperanza” hören? Das amüsiert Esperanza. Zum Bassspielen brauche man nicht unbedingt übergroße Hände und Arme wie ein Bodybuilder. Auf die Spielweise käme es an, sagt sie, und da hätten ihr Lehrer aus Klassik und Jazz Techniken beigebracht, mittels denen man auch mit kleinen Greiforganen mächtige Klänge erzeugen kann. Nach ihrem internationalen Debütalbum “Esperanza” soll die Jazzwelt das Wunderkind nun live erleben: Die virtuose Instrumentalistin, die begabte Sängerin, Komponistin und Texterin, die jüngste Dozentin am berühmten Bostoner Berklee College, die auch noch den verheißungsvollen Vornamen “Hoffnung” trägt. Wenn man Esperanza zuhört, singt einem aus dem Ensembleklang der ausgesprochen warme Sound eines beeindruckend geschmeidig gespielten Kontrabasses entgegen, dazu ertönt eine mühelos kreuz und quer durch die höhere Mathematik der Jazz-Melodik steigende, sehr schöne Frauenstimme. Es gab viel Hype um Esperanza Spalding. Doch der Rummel hat der unter dem Motto “Lady Plays The Bass” angekündigten Künstlerin nicht den Kopf verdreht. Sie beschreibt sich selbst zuerst als Bassistin; aber es mache ihr Spaß, wie eine Sängerin/Songwriterin Stücke zu schreiben und selbst darzubieten. Ihre  Mutter schickte sie zum Geigenunterricht, als sie fünf Jahre alt ist. Schon als Kind wird die Hochbegabte Mitglied der Chamber Music Society im heimatlichen Portland (Oregon), mit 15 wählt man sie zur Konzertmeisterin; dann wechselt sie von der Violine zum Kontrabass und von klassischer Musik zum Jazz. Beim Studium am Berklee College, das ein Stipendium möglich macht, lernt Esperanza Idole wie Pat Metheny kennen. Dieser bemerkte: “Ihre einmalige Qualität geht über ihre unglaublichen musikalischen Fähigkeiten hinaus. Sie hat diesen seltenen “X-Faktor”, sie ist in der Lage, ihre Visionen und ihre Energie transportieren zu können.” Erst jetzt verwirft die vielseitig Interessierte den Plan, vielleicht doch lieber Politikwissenschaft zu studieren und konzentriert sich voll auf die Musik.

Welche Musik? Esperanza Spalding ist im Pop-Zeitalter aufgewachsen; außer Jazz mag sie auch Funk, Rock und Latino-Folklore. Sie träume eher von einem Platz als Bassistin in einer super Jazzband, etwa bei Leuten wie Herbie Hancock oder Joe Lovano, mit denen sie schon aufgetreten ist. Ob sie poppige Songs bringt oder scattet - Esperanza Spalding ist auch mit ihrer Stimme eine Ausnahmekünstlerin, von der wir in Zukunft noch viel hören wollen.

Bitte beachten sie, dass am Eröffnungsabend die Hälfte der Eintrittskarten für die Freunde und Förderer des Kulturzeltes reserviert sind.
Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

Selah Sue (B) / Hamel (NL)

Black Part Love/ Nobody’s Tune

Jul ’10
15
19:30

Selah SueDen Namen Selah Sue wird man sich merken müssen. Denn obwohl sie gerade erst ihre Debüt-EP veröffentlicht hat, schickt sich die blutjunge Belgierin bereits an, mit ihrer einzigartigen Soul- Stimme und einer eingängigen Mischung aus Soul, Ska, Raggamuffin und R’n'B die Welt zu erobern.
Selah Sue, geboren 1989 im belgischen Leuwen, beginnt bereits mit fünfzehn, erste eigene Songs zu verfassen. Nur zwei Jahre darauf wagt sie sich als einzige Frau und jüngste Teilnehmerin bei einem rennomierten Open-Mic-Song-Contest auf auf die Bühne, der von keinem geringeren als Jonathan Vandenbroeck - besser bekannt als Milow - moderiert wird.

Selah SueDieser ist von ihrem Talent so begeistert, dass er sie vom Fleck weg als Opener für seine eigenen Auftritte engagiert. A soul voice in a thousand“ so urteilt Milow. Hinter der großen Westerngitarre wirkt die kleine blonde Seleah Sue auf Anhieb eher wie eine dieser zerbrechlichen Singer/Songwriterinnen. Umso mehr verblüfft sie das Publikum mit ihrer warmen und vollen Soul-Reggae-Röhre und einer Bühnenpräsenz, mit der sie selbst erfahrenen Entertainern die Show stiehlt. Mit ihren Auftritten im Vorprogramm von Milow und im Radiosender Studio Brussels erspielt sie sich einen rasch wachsenden Fankreis, und kurz darauf reist sie als Opener für Jamie Lidell nach Paris und London. Kurze Zeit später steht sie schon mit Sergent Garcia, James Morrison & Ray LaMontagne auf der Bühne.

Sie begeistert das Publikum beim Dour Festival (B), Lowlands Festival (NL), Nancy Jazz Pulsation und North Sea Jazz Festival (NL).

Neben ihren ureigenen Interpretationen des Liedguts von Erykah Badu oder Amy Winehouse spielt sie ihre eigenen Songs, die eine bemerkenswerte Seele offenbaren. Ein neues, sehr junges und sehr talentiertes aus Flandern stammendes Phänomen von dem wir noch viel hören wollen.


Hamel by kai z fengMika twitterte kürzlich “I love Hamel”. Die englische Presse wundert sich: “Wie kommt dieser Newcomer dazu, so jung derart perfekte Pop-Songs zu schreiben. Aus welchem Londoner Stadtteil kommt der gutaussehende Blondschopf? In welchen Hip-Clubs verkehrt er? Weit gefehlt. Hamel ist Holländer und hat sein halbes Leben in der “gottverlassensten Kleinstadt aller Zeiten” zugebracht. “Holland, wo es am flachsten ist. Morgens Nebel, abends nichts los.” Seine Flucht war die Musik. Die brachte ihn erst aufs Konservatorium und dann in die holländischen Charts. Dort hat er mit zwei Alben Platin erbeutet, in Japan kreischen inzwischen die Teenies, wenn er aus dem Flugzeug steigt.

Nach einem Literatur- und Journalismus-Studium, stürzte er sichHamel by kai z feng – inzwischen überzeugter Smashing-Pumpkins-Fan – mit Elan auf die Gitarre. Weil er außerdem Gesang und Songschreiben lernen wollte, ging er an das Musikkonservatorium - was für eine unglaubliche Chance, jeden Tag Musik zu machen, an sich arbeiten zu können. „Ich kam dahin mit einer leisen, luftigen Stimme. Dort entdeckte man den ’Crooner’ in mir. Ich lernte alles, von Jazz-Klassikern bis Bossa Nova. Die holten aus mir eine Stimme heraus, von der ich nie gedacht hätte, dass ich sie habe! Aber ich wollte definitiv kein neuer Sinatra werden und auch nicht auf Kreuzfahrtschiffen enden. Deshalb fing ich an, meinen eigenen Stil zu suchen“.

Hamel by kai z fengDen hat Hamel (gesprochen Chamel)  glorios gefunden: Schon Hamels erstes Album, komplett im Alleingang komponiert und getextet, erreichte in Holland Platin-Status. Das zweite stieg gleich auf Platz 5 in die Charts ein. Er gewann die beiden begehrtesten Newcomer-Preise “Essent Award“ und „Zilveren Harp“ und trat auf allen wichtigen Festivals und regelmäßig im TV auf. Hamel will Pop. Er greift sich seine Gitarre und die Songs beginnen zu fließen, einer luftiger und charismatischer als der andere.

…clarity, perfect timing and a beautiful own sound. Hamel is going to make it big… De Telegraaf