Archiv für die Kategorie „Termine“

Eric Bibb & Habib Koité Trio (USA/Mali)

Brothers in Bamako

Aug
1
19:30

Eric Bibb; Habib Koité; © Michel de BookEric Bibb`s Samtstimme und sein Gitarrenstil hypnotisieren jeden, der ihn je im Konzert erleben durfte. Mit zahllosen internationalen Auftritten und seiner Ausstrahlung hat sich Bibb in die erste Liga gespielt. Keiner versteht es wie er, Folk, Blues und Singer-Songwriter Genre auf so sensible, eigenständige Art zusammenzubringen. Er steht den Folk-Roots eindeutig näher, und da hat es auch nicht geschadet, dass er einige Alben mit schwedischen Musikern aufgenommen hat, die zwar auf Akkordeon, Gitarren und Mandolinen Blues spielen können, aber auch anderes Folkloregut einbringen.

Bibb gilt als einer der momentan herausragenden Protagonisten des amerikanischen Blues, dazu gesegnet mit einer Stimme, von der ein Kritiker der New York Times schwärmte, sie wäre geradezu zum Sterben schön. Im heutigen Konzert treffen aber zwei kongeniale Musiker ihres jeweiligen Genres als Duo aufeinander: Der in Mali geborene und dort lebende Habib Koité komplettiert das Duo. Der Sänger und Gitarrist ist längst einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Musiker Afrikas. Koité respektiert die traditionelle Musik seiner Vorfahren, sieht aber gleichzeitig den Tag kommen, an dem die Griots, die Dorfältesten, sich via Laptop mit der Welt unterhalten werden.

Die New York Times schreibt über ihn: “Seine Reputation als Gitarrist ist schon beinahe mythisch, er kombiniert Rock- und Klassiktechniken mit Stimmungen aus Mali, die die Gitarre wie eine Kora oder N’Goni klingen lassen. Sein Gitarrenspiel verzaubert – egal, ob akustisch oder elektrisch verstärkt“. Koité hat eine besondere Technik entwickelt, mit der er den Klang des N’goni imitiert, des traditionellen Saiteninstruments der Jäger Malis. Virtuos ist auch sein Gesang, mal fein, kehlig, dann wieder tief. Vor allem wegen seiner mitreißenden Live-Auftritte wird Habib Koité, zu dessen erklärten und treuen Fans auch Jackson Browne und Bonnie Raitt zählen, als große Crossover-Hoffnung der Weltmusik gehandelt: ein Star, der mit Charisma und Können seine musikalischen Wurzeln einem breiten Publikum zugänglich macht. Es ist wohl die unerschrockene und äußerst feinsinnige Verschmelzung aller malischen Nuancen mit Soul und Blues, sogar Flamenco- Reminiszenzen zu einem neuen Klangbild, die den Zauber von Habib Koités Musik ausmacht.

Dritter ist im Bunde ist der Percussionist Mama Koné, der den Klangteppich legt, auf dem die beiden Sänger agieren.

Es wird etwas Besonderes: diese Begegnung zweier Stimmen aus zwei Kontinenten, die eines gemeinsam haben: Ihre Songs rühren an etwas, das im Dröhnen des popmusikalischen Alltagsgeschäfts verloren gegangen ist: an die spirituelle Dimension der Musik.

Mit freundlicher Unterstützung der Kasseler Sparkasse

The Urban Mash Up All Stars (D/Ghana/I)

feat. Cassandra Steen, Y´Akoto,
Matteo Capreoli, Fetsum, ...

Jul
6
19:30

Schön, energetisch und fröhlich soll sie sein, die Kulturzelteröffnung. Und in diesen Disziplinen sind sie bestens geübt, die Urban Mash Up All Stars. Sie haben ihre Wurzeln in den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen. Als mächtig groovende Antriebseinheit stehen auf der Bühne: die Johnny Blazers, Bläserfraktion von Jan Delay, Haze spielt im normalen Leben mit Joy Denalane und Curse, Ferdinand Kirner gehört zur Band von Mic Donet und Max Herre, Toni Farris und Grabi als Drummer komplettieren die All Star Band. Vor diesem Wall-of-Sound bittet  die Urban Mash Up All Star Band die Creme de la Creme des Deutschen Soul auf die Bühne und zusammen werden deren größten Hits präsentiert. Es gibt keine Pausen in diesem Konzert, nach und nach kommen immer mehr Künstler in das Live-Geschehen und integrieren sich in die Show. Jeder Song bekommt so eine eigene Entwicklung. Urban Mash Up ist eine musikalische Mischung aus Soul und Funk - ein ganzes Paket intelligenter und gutgelaunter Musik. Der musikalische Input der ganzen Welt wird genutzt, um als frisch gespeistes Kraftwerk auf der Bühne zu stehen. Wo sonst kann man es so heftigst knistern lassen zwischen zuckenden Zuschauerbeinen und trommelnden Musikerfingern? Einige der Vokalisten stellen wir hier vor:

y´akotoWer Erykah Badu und Soulfoul-Music mag, der wird Y’akoto lieben. Die Sängerin Y’akoto kommt mit einem souligen Song namens „Tamba“ daher und der geht direkt ins Blut. Ein mitreißendes Lied mit Ohrwurmqualität. Das Album „Babyblues“ von Y’akoto ist ein Meisterwerk in puncto Soul und Funk und lässt die Herzen dahinschmelzen, es ist genau das, was man im Sommer braucht. Als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen wurde die 23 jährige Jennifer Yaa Akoto Kieck von klein auf zur Cosmopolitin erzogen. Sie ist eine herzlich energetische Wandlerin zwischen den Welten.

Cassandra SteenSie hat uns ein Glashaus gebaut und später eine ganze Stadt. Mit ihrem neuen Album “Mir So Nah” zeigt Cassandra Steen nun transparent wie nie den Menschen hinter Deutschlands größter Soulstimme. Ganze 15 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die Stuttgarterin erstmals aktenkundig wurde. Damals als Featuregast im Freundeskreis, mitten in den Wogen des monströsen deutschen HipHop-Booms von 1997. Sie war das Mädchen mit der tollsten Stimme der Welt, zur rechten Zeit am rechten Ort. “Ketten zerspringen, der Himmel geht auf”, singt Cassandra. Es sind diese ganz besonderen Momente auf “Mir So Nah”, in denen sich der Himmel öffnet.  Immer auch mit Seele. Immer auch mit Herz. Aber eben auch mit jeder Menge Energie.

MatteoMit 4 Jahren begann Matteo Capreoli Schlagzeug zu spielen und entschied sich für einen musikalischen Lebensweg. Er war Mitglied der DeutschRockBand „Reisegruppe Fischer“. Das Schlagzeug spielen allein reichte ihm nicht, Matteo schrieb und schreibt auch seine Songs. So kaperte er in seinen jungen 17 Jahren seinen ersten Plattenvertrag, seine erste Single, Fernsehauftritte und eine Deutschland Tour. Matteo spielt und spielte mit Manumatei, Fola Dada, Fetsum, Chima, Cassandra Steen, Various Artists, Trijo. Heute wandert er mit deutschen Texten von Soul zu Pop, von Reggae zu Hip Hop, heraus kommt ein spezieller Sound mit ganz viel Wiedererkennungswert. Seine aktuelle Single „Heute nur bis morgen“ läuft gerade auf allen Musikkanälen.

FetsumFetsum beschreibt seine Musik als Urbanfolk. Er hat Charisma, eine tolle Stimme und ein enormes Gefühl für den richtigen Beat. Das Licht der Welt erblickte der Eritreer in Ägypten. Später aufgewachsen in Italien und Deutschland, gewähren seine Texte Einblicke in die Seele eines Cosmopoliten.. Fetsums musikalisches Talent lässt sich nicht auf ein einzelnes Genre reduzieren. Vielmehr schöpft er mit genialer Stimmgewalt aus Soul, Rhythm and Blues, Jazz und Reggae um daraus seine Essenz, seinen eigenen Klang zu kreieren. Inspiriert von Musiklegenden wie Nina Simone und Oum Kalsoum, stand Fetsum in den letzten Jahren mit Freundeskreis, Joy Denalane, Patrice und Peter Fox auf der Bühne.

Die Besetzung:
Y`Akoto , Fetsum, Matteo Capreoli, Cassandra Steen
Band: Haze, Grabi, Ferdinand, Johnny Blazers und Toni Farris

Manolito Simonet y su Trabuco (Cuba)

Salsa Cubano

Aug
17
19:30

Manolito y su Trabuco; ENDIRECTOHeute kommt die Nummer eins der Salsa Musik in Kuba nach Kassel,
Kubas Starpianist Manolito und seine Band Trabuco, die man getrost Orchester nennen darf. Was für ein lebensfrohes Bild: die Musiker spielen, tanzen, singen und werfen sich Töne und Melodien zu. Und machen bei aller Professionalität den Eindruck, großen Spaß zu haben. Geige, Cello, Flöte, Trompete, Posaune, Synthesizer, Piano, Congas, Bass - alles live und im verrückten Salsatakt neben-, über-, unter- und nacheinander.

Wie es im musikalischen Kuba so ist, spielte Manolito schon als kleines Kind Piano, sein Talent sprach sich herum  und mit knapp zwanzig Jahren war Manolito bereits der Pianist der Band ‚Maravilla de Florida’, damals das führende Tanzorchester Kubas.
Vor 15 Jahren gründete Manolito Simonet in Havanna dann seine eigene Gruppe Trabuco und gehört seitdem zu den absoluten Topformationen Kubas. Unzählige Salsahits, mehrere Auszeichnungen (u.a. zweimal als Kubas Musiker des Jahres) und viele Auslandstourneen haben aus ‚Manolito y su Trabuco’ eine feste Grüße der internationalen Salsaszene gemacht. Einige Kompositionen von Manolito gehören zu den bekanntesten Salsasongs überhaupt. ‚Marcando la distancia’ fehlt in keiner Latino Disco und ‚El aguila’ wurde 1999 von der amerikanischen Musikakademie ASCAP zum Salsasong des Jahres gewählt. Die Aufnahme von Victor Manuelle verkaufte sich über 1,5 Millionen Mal. Seine CDs “Locos por mi Habana” und „Hablando en serio“ erhielten 2005 und 2007 jeweils den Cubadisco Award, Kubas wichtigster Musikpreis. Aus dem Album “Hablando en serio” wurde der Titel “Sacude la mata” sogar von Salsa Legende Andy Montanez gecovert.

Beeindruckend an Manolitos Arbeit ist, dass er keinen aktuellen Trend wie z.B. die Timba oder Salsaton (Salsa + Reggaeton) verpasst, - er ist ein Trendsetter - und dennoch nie den Bezug zur traditionellen kubanischen Musik, dem Son, verliert. Seine Liebe zum Son stellt Manolito auch als Produzent in einer Vielzahl von CD-Aufnahmen unter Beweis.

Das Konzert ist unbestuhlt

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17 Hippies (D)

Live Sommer 2012

Aug
19
19:30

17 Hippies; © Hanna LipmannAdieu Kulturzelt Sommer – willkommen 17 Hippies!
Dieses Jahr sind die Hippies auf einer wirklich riesigen Welttournee, aber Glück gehabt: Kassel gehört dazu. Wenn die 17 Hippies aus dem Rest der Welt zurückkehren, haben sie meist mehr im Gepäck als beim Auftakt der Reise. Allerdings sind es kaum kitschige Staubfänger, die Koffer und Taschen füllen. Vielmehr bevölkern neue Klänge und Melodien die zwölf kreativen Köpfe. Nach Wochen der Live-Performances auf den Bühnen von Spanien, Frankreich, Israel oder China warten unzählige Rhythmen, Melodien und Instrumente darauf, in neuen Stücken verarbeitet zu werden. Ihre Musik steckt in den Klängen türkischer Straßenmusiker oder lässt sich auch mal von einem javanesischen Schattenspieler im eigenen Viertel inspirieren.

17 HippiesGenre-Bezeichnungen wie Weltmusik reichen nicht aus, um zu beschreiben, wie die vielköpfige Band ihre musikalischen Stärken in den letzten sechzehn Jahren zur Höchstform gebracht hat. Apropos Musikeranzahl: zählen ist zwecklos! 17 klingt einfach gut und bedeutet nicht unbedingt das, was einem als erstes in den Sinn kommt … oder was man auf der Bühne sieht. Mit Phantom Songs haben die 17 Hippies seit ihrem Bestehen zehn Alben veröffentlicht. Sie spielten als erste deutsche Band auf dem legendären WOMAD-Festival in Australien und Neuseeland. Das Repertoire der 17 Hippies umfasst mehr als die Summe aller identifizierbaren Komponenten.

17 HippiesAlles begann mit der Idee, Musik auf so einen kleinen gemeinsamen Nenner zu bringen, dass möglichst viele Musiker mitspielen können. Anfänglich wurden eingängige Melodien und Grooves traditioneller Musik naher Nachbarländer für den eigenen Gebrauch arrangiert. Balkanrhythmen haben dem anglo-amerikanischen Rock/Pop/Jazz-Background der Mitglieder neue Impulse gegeben. Ganz auf die einzelnen Musiker und ihr akustisches Instrumentarium abgestimmt, hat sich die Musik der 17 Hippies im Gesamtbild zu einem unverwechselbaren Sound verdichtet.
Ihr Programm Phantom Songs zeigt weise, wohin der musikalische Weg die 17 Hippies führt. Ohne ihre Ursprünge aus dem Blick zu verlieren gehen sie zielstrebig nach vorn – offen, wandelbar und mit schwindelerregender Leichtigkeit am Puls der Zeit. Es ist der Geist der Zeit, des Jetzt, der durch die deutsch, französisch und englisch gesungenen Texte weht – inklusive des längst zum Klassiker gewordenen Stücks in hessischem Dialekt, das diesmal geradezu arabisch anmutet.

Das Konzert ist unbestuhlt

Bernhoft (NW)

Solidarity Breaks Tour

Aug
18
19:30

BernhoftAls Kopf der Band Span feierte er schon Erfolge weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus, bis zu dem Zeitpunkt als ihn sein Faible für Soundtüfteleien einholte. Zum Glück kann man nur sagen, denn wer das Album „“Solidarity Breaks“ in die Finger bekommt, wird feststellen wie viel Spaß wirklich handgemachte Musik machen kann. Der Norweger tauscht die Soundgarden- und Aerosmith-Sounds, die seine alte Band beherrschten, gegen Sly & The Family und The Meters: in seinem Haus in Oslo mischt er ein wenig Funk mit viel Soul. Ganz allein. Bernhoft ist genau das, was man unter einem Ausnahmekünstler versteht: brilliante Stimme, staubtrockener Humor gepaart mit ausgelassener Spielfreude, Songs auf dem besten Weg zu Klassikern und ein vielfältiger Sound präsentiert in ausgefeiltem, technisch versierten Auftreten: „One-Man-Full-Band“ nennt Bernhoft selbst dieses Setup ernst-humorvoll.  Auf der Bühne arrangiert Bernhoft seine komplexen Arrangements mit Hilfe von Samples und Loops, die er nach und nach live einspielt und kreiert so einen vielschichtigen Sound.

Bernhoft„Er ist absolut faszinierend, eine sensationelle One-Man-Show! Den Mann muss man live sehen.“ – mit diesen Worten kündigte Harald Schmidt den norwegischen Soul-Singer Jarle Bernhoft in seiner Sendung an. Denn Bernhoft ist viel, viel mehr als „nur“ ein Sänger: er ist Vollblutmusiker und Vollblut-Entertainer, Multi-Instrumentalist, Sampling- und Loop-Wizard, gesegnet mit beneidenswerter Stimme, kurz: die multiple Musikalität in Person! Was da an Soul, Funk, Blues und Groove in diesem eher schlaksigen Mittdreißiger aus Norwegen steckt, überrascht und erfreut. Und weil dies alles nicht einfach zu beschreiben ist, empfehlen wir auf youtube: „cmon talk“

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

Hubert von Goisern (A)

Brenna Tuats Tour 2012

Aug
15
19:30
Aug
16
19:30

Hubert von Goisern; © Jürgen SkarwanEr ist wieder da: Nachdem das Konzert im vergangenen Jahr ratzfatz ausverkauft war – 2012 gleich an zwei Abenden. Und wieder wird die Bühne zum
musikalischen Labor.  Dabei klingt Hubert von Goisern so konzentriert wie selten zuvor: Nach seiner opulent in Szene gesetzten Donautournee begleiten den leidenschaftlichen Multiinstrumentalisten und Sänger diesmal nur ein Schlagzeug, ein Bass und eine Gitarre.
Nachdem er mit einem Konzertschiff die Donau bis zu ihrem Delta in der Ukraine bereist hat, bricht der virtuose Brückenbauer nun mit leichtem Gepäck zu neuen Ufern auf. Mit einem schwimmenden, klingenden, singenden Dorf, wie er es nannte, fuhr er im die Donau rauf und runter, stromaufwärts und stromabwärts quer durch das neue Europa, von den Zentren bis an die Ränder, von Linz aus nach Rotterdam und bis zum Schwarzen Meer.

Hubert von Goisern; © Jürgen SkarwanEr folgte einer Vision: der Einheit in der Vielfalt. Musik ist die gemeinsame Sprache und die Botschaft. Und Hubert von Goisern ist ein Künstler, der sie in die Welt hinausträgt, der über alle Grenzen hinweg Verständigung und Austausch sucht. Die abenteuerliche Flussfahrt ist nun vorbei, die Konzertbarke ihrer ursprünglichen Bestimmung als Schottertransporter im Flussverkehr zurückgeführt – aber die Energie, die Spielfreude und die Freude an der Begegnung mit anderen Musikern und Menschen wird weitergetragen in das Jahr 2012. Reduziert bis auf den Kern seiner vieldeutigen Musik wendet sich Hubert von Goisern 2012 dem Wesentlichem zu: dem puren Konzentrat der Songs,mit denen der erdige Fantast aus dem Salzkammergut seit einem knappen Vierteljahrhundert die Welt beglückt. Soul, Jazz, Samba, afrikanische Melodien halten keinen auf dem Stuhl und daher, und auf ausdrücklichen Wunsch von Hubert, werden diese dann auch weggeräumt!

Hubert von Goisern, voc., Zieharmonika, guitar., Maultrommel, klar.,lap steel; Alexander Pohn  drums., voc.; Helmut Schartlmüller, bass, voc.;Severin Trogbacher git., voc.

Das Konzert ist unbestuhlt

BOY (CH/D)

Aug
12
19:30

Boy; © Benedikt SchnermannDem Eröffnungsfest der diesjährigen Berlinale haben Boy den Drive verliehen.
«Drive darling, drive…» BOY - das sind Valeska Steiner und Sonja Glass. Erstere kommt aus Zürich, zweitere aus Hamburg; die Texte sind englisch, die Songs von Weltformat. Es sind elektrisierende Popstücke. Reich an Facetten, filigran arrangiert.Nina Kinert kommt einem in den Sinn, skandinavisches Songwritertum. Aber auch Indie-Pop. Wie in «Drive». Der Song sagt: volle Fahrt voraus. Valeska Steiner singt «Drive darling, drive». BOY geben Gas. Plötzlich sind da Beats, die gemahnen gar an Phoenix, die französischen Synthie-Rocker. Ganz von ungefähr kommt das nicht: Bei vier Stücken ist der Drummer von Phoenix höchstpersönlich am Werk.

Boy; © Inga SeeversHerbert Grönemeyer sagte über die Mini-Girlgroup: “Boy ist lebensbejahende, augenzwinkernde, vortreffliche, klare Musik. Direkt aus tiefen Herzen, melodiös, becircend. Wohltuend!”. Der Sound des Duos klingt wie eine Mischung aus der rockenden Eleganz von Phoenix, der quirligen Musikalität von Feist und der emotionalen Tiefe eines Bon Iver. Die beiden Frauen haben sich an einem Popkurs in Hamburg kennengelernt und gaben ihr Debut mit dem Album «Mutual Friends», das auf Grönemeyers Label Grönland erschien.. Übrigens war Valeska Steiner als Solo-Singer/Songwriterin eine der ersten MX3 Entdeckungen, die auf DRS Virus zu hören waren. BOY – das ist ein junges Duo, das sich seinen eigenen musikalischen Weg bahnt. Eine Art Songwriter-Pop, der berührend und verspielt klingt, und sich seine Geschichten aus dem eigenen Leben angelt. Die Single “Little Numbers” ist ein Nachzügler auf dem Album. Aber genau deshalb – weil alles erledigt war, und die Arbeit spielerisch wurde – besitzt “Little Numbers” diesen ausgelassenen Drive, etwas ungestüm Wildes und eine frisch verliebte Heiterkeit. BOY beweist, dass man auch heutzutage  ohne digitale Bässe viel Stimmung machen kann!  Der Song wurde zum Soundtrack des Kinofilmes „Sex ist auch keine Lösung“.

Die klare Stimme von Sängerin Valeska Steiner steht immer im Zentrum des Geschehens. Und das ist auch gut so, denn die Schweizerin überzeugt mit angenehm lasziven Vocals.  Die Hit-Dichte ist beachtlich. Ob “Little Numbers”, “Drive Darling” oder das flotte “Oh Boy”; alles Songs mit Ohrwurmqualitäten. Die Gitarren werden gezupft, manchmal kräftig angeschlagen. Feinfühlige Keyboard-Themen und unverschnörkelte Rhythmen bilden das musikalische Fragment für eine wunderbar entspannte Musik. «This is the beginning», heisst es im Opener. Es ist erst der Anfang. Von BOY wird noch viel zu hören sein.

Das Konzert ist unbestuhlt

Johannes Oerding (D)

Boxer

Aug
11
19:30

Johannes Oerding„Die Tage werden anders sein“ hieß die erste Single von Johannes Oerding, die seinem Debutalbum „Erste Wahl“ vorausging – und in der Tat sollte das die symbolische Überschrift der näheren Zukunft des sympathischen Sängers und Songwriters sein. Denn kurz darauf fand Oerding, bis dahin kleine Clubs gewohnt, sich im Programm von Ich & Ich, Simply Red und den Söhnen Mannheims mit seiner Band in den Arenen des Landes wieder. In einer derart neuen Umgebung in der viele Künstler panische Angst bekämen, läuft Oerding geradezu zu Höchstform auf und schafft es Show um Show, das Publikum, das eigentlich für die Band NACH Johannes Oerding gekommen war, im Sturm zu erobern.

Johannes OerdingNeues wagen,  an sich glauben und auch dann nicht aufgeben, wenn das Verständnis der Umgebung fehlt. Der Song “Tausend Menschen” gibt die Richtung vor auf Johannes Oerdings zweitem Album “Boxer”. In Amerika würde man das “Think positive” nennen, Johannes Oerding sagt: “Ich hab Angst zu wenig Mensch zu sein.” „Boxer“ stieg dann auch prompt in die Top Ten der deutschen Charts ein. Bisheriger Höhepunkt seiner Karriere war eine restlos ausverkaufte Tournee mit zwei aufeinanderfolgenden Abschlusskonzerten in der Großen Freiheit, dem wohl renommiertesten Live Club in Hamburg, der Wahlheimat Oerdings.

Johannes OerdingSeine Geschichten und Songs klingen immer nur nach ihm und seinem ganz eigenen Erzählstil – damit berührt der charmante Blondschopf nicht nur die Damenwelt, sondern gleich auch noch die mitgebrachten männlichen Begleiter, die, anfangs vielleicht noch ein wenig scheu, spätestens in der Hälfte des Sets lauthals mitsingen.
Johannes’ akustische Gitarre und vor allem seine außergewöhnliche Stimme zieht einen roten Faden durch das live-Geschehen, das Singer/Songwriter, Rock, orchestrale Begleitung oder auch mal einen Loop verbindet – alles was bleibt, ist dass es sich verändert. Uns bleibt Johannes Oerding, der unbeirrt seinen Weg geht, der heute klingt wie …eigentlich müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Johannes Oerding klingt wie Johannes Oerding. Das gelingt nicht jedem. Johannes Oerding schon.
Das Konzert ist unbestuhlt

Gabby Young & Other Animals (GB)

We’re all in this together

Aug
10
19:30

Gabby Young; © Gemma HallIm vergangenen Sommer war sie unser Eröffnungsgast – heute gehört Gabby und ihrer Band die Bühne allein.
Gabby Young & Other Animals haben sich einer wunderbaren  Mischung aus HonkyTonk, Moulin-Rouge-Twist, Osteuropafolk, Power-Chanson, Swing-Jazz und Zirkusmusik verschrieben. Wenn man schon vergleichen will, also eine britische Version der norwegischen Katzenjammer-Compagnie. Sie sind zeitlos, irgendwie aus der Zeit gefallen und dabei verblüffend lebensfroh. Am ehesten trifft es wohl der Begriff “Circus Swing”, den Fans im United Kingdom eigens für ihre Landsleute prägten.  Zirzensisch geht es in der Tat zu.

Gabby Young, © D.R. musicas.deDie zierliche Frontfrau Gabby Young und ihre Begleiter an Klarinette, Trompete, Posaune, Kontrabass, Mandoline, Banjo etc. jonglieren artistisch mit Ragtime und Big-Band-Bombast, Mazurka und Operndramatik, Varieté und Vaudeville, Kirmeswalzer und Backen voller Balkan-Blasmusik. Was für ein buntes und zauberhaftes Treiben! Die Unvorhersehbarkeit hat Methode, und das Vereinen von scheinbar Unvereinbarem macht den jungen Musikern ganz offensichtlich einen großen Spaß. Mit diebischer Freude wechseln sie übergangslos zwischen Dixieland-Anklängen, morbiden Akustikfolk-Balladen Swingjazz in Schieflage und liebenswerten Pop-Ohrwürmern . Und wunderschön, weil so fremdartig. Schön fremd.

Gabby Young; © Leonora Saunders FeathersDie Liedertexte aus Gabby Youngs Feder sind nicht minder ungewöhnlich. Mit ihrer mehrere Oktaven umspannenden Stimme, die vom Jazz-Crooning bis zu opernhaften Spitzentönen alles kann, singt die Engländerin von all den Widerständigkeiten des Lebens. Mit zwölf wurde Gabby Young als jüngstes Mitglied aller Zeiten an der National Youth Opera aufgenommen. Gabby war bereits auf dem besten Weg zur Opernsängerin, als ihr die Begeisterung für Jeff Buckley und die Meister der Jazzvergangenheit dazwischenkamen. Ein Glück für uns! Und genau das richtige für die Kulturzelteröffnung 2011.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH.

Dillon (Brasilien/D) / Nigel Wright (USA)

This Silence Kills / Millfoil

Aug
9
19:30

Nigel WrightNigel Wright kommt direkt aus den Höhen der Blue Ridge Mountains, roh und  naturalistisch spielt die Akustikgitarre, der Gesang ist trocken und  beinahe ungefiltert. Die spartanische Instrumentierung, mit Hall in die  Weite gezogen, erzeugt ein Gefühl der Abgeschiedenheit. Unprätentiös  schreibt sich Nigel Wright durch seine wunderschönen Songs. Hier und da  findet man Erinnerungen an Damien Rice oder Bon Iver, denen Wright  nachfühlt. Das Album “Millfoil” hat der heute 18-jährige Nigel mit 16 in  seinem Home Studio aufgenommen. Durch das limitierte Equipment,  bestehend aus einem 8-Track-Recorder und ein paar Mikrofonen, wurde  jeder Sound akribisch gewählt. Man sollte ihn im Auge behalten und in  den Ohren sowieso.

DillonDillon setzt sich ans Piano, spielt, singt, rappt, schreit ins Megaphon  und programmiert die Beats dazu. Dillon ist gesegnet mit einer  besonderen Stimme und einem feeling für Ohrwurm-Arrangements, ihre  Lieder haben immer einen Twist.  “Dillon” flüstert man sich in der  Underground-Pop-Szene in Deutschland im Moment hinter der Hand zu. Ein  Geheimtipp für Freunde, denen man Gespür für Qualtät zutraut.  Minimalistische Techno-Rhythmen aus dem Computer begleiten das Keyboard,  wie ein Sturm ihre Stimme, wenn das Megaphon zum Einsatz kommt. Dass  Dominique Dillon de Byington, so der vollständige Name,  zur Musik  gefunden hat, ist ein Glücksfall. Im Roster von Ellen Alliens Label  Bpitch Control bildet sie sozusagen den charmanten Ausfallschritt in  einem ambitionierten, elektronisch grundierten Korpus und verleiht eben  jenem, einen etwas melancholisch, poppigen Anstrich – eine Facette die  man so noch nicht von Bpitch kannte.

DillonÜber verschlungene Wege trieb es  die gebürtige Brasilianerin nach Deutschland. Anfangs gab es lediglich  Dillon, ein Piano und das raue Grundgerüst einiger Songs. Daraus  entstanden in kreativer Eigenregie kleine Filmschnipsel, die schließlich  in einem eigenen Youtube-Kanal landeten und sie gleichsam zum Zentrum  eines über Nacht wachsenden Publikums machten. “This Silence Kills”  heißt ihr Album und schafft  es, die Ambivalenz zwischen melancholischer  Empfindlichkeit und erbauenden, verspielten Elektronica-Stücken zu  überbrücken. Chanson versus Electro? Für Dillon lediglich zwei Seiten  einer Medaille. Dillon ist im letzten Jahr zum Liebling der Musikmedien  und des Feuilletons avanciert – und bald kein Geheimtipp mehr.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

Apparat (D)

The Devil`s Walk

Aug
8
19:30

Apparat; © Constantin FalkWer in den letzten Jahren den Finger an den Puls elektronischer Musik gelegt hat, dem wird Apparat begegnet sein. Sascha Ring, der Berliner Musiker, der unter jenem Alias firmiert, war eine der treibenden Kräfte elektronischer Musik der letzten Dekade. Er hat inzwischen drei umjubelte Apparat-Alben herausgebracht – und gefeierte Gigs in unzähligen Clubs und Festivals rund um den Erdball gespielt.

The Devil’s Walk, das nunmehr vierte Album, ist eine Verbeugung vor Percy Bysshe Shelleys gleichnamigem satirischen Gedicht aus dem Jahr 1812. Der Albumtitel ist nicht nur eine Referenz an Shelleys auch nach 200 Jahren aktuelle Sozialkritik; The Devil’s Walk spielt auf einen Sommer in Mexiko an:  „Der Tod hat eine andere Bedeutung in Mexiko. Die Menschen feiern Beerdigungen, sie sind nicht unbedingt nur Grund zur Trauer; ich fand das interessant und wollte das thematisieren.“
Doch auch die Balladen sind nicht das Werk eines tiefbetrübten Songwriters: „Es gibt sicher ein durchgängiges Thema hinter den Songs – ich möchte nicht sagen, was jeder über seine Platten sagt: Es ist ein sehr persönliches Album.

So oder so – alles, was man über Sascha Ring und Apparat wissen will, liegt in dieser fabelhaften Musik. Mit seiner Dream-Pop-Sigur-Ros-Signatur signalisiert Apparat eine Wende und amalgamiert epische, emotionale Texturen zu dichtem Sci-Fi Soul. Als missing link zwischen Steve Reich und RADIOHEAD evoziert The Devil’s Walk jene schwer fassbare euphorische Melancholie die einen dazu antreibt, die Arme vor Freude in die Luft zu werfen, während einem gleichzeitig die Tränen die Wangen hinunter rinnen. Facettenreich, poppig, dubbig schimmern die musikalischen Handschriften der Vorzeige-Bpitcher durch die Soundscapes. Die Zusammenarbeit der nun vierköpfigen Band wird im Konzert zu einer wahren Lehrstunde des Spagats zwischen Pop und abstrakter Elektronik.

Das Konzert ist unbestuhlt

Charles Bradley (USA) And His Extraordinairies

Aug
4
19:30

Charles Bradley; © KishabariCharles Bradleys Geschichte ist ein modernes Märchen. Nach Jahrzehnten der Armut und Obdachlosigkeit hat er mit 62 Jahren sein Debütalbum veröffentlicht. „No Time For Dreaming“  ist eine der besten Soulplatten der letzten Jahre und Bradley erobert nun die Konzertbühnen in den USA und Europa. “The screaming eagle of soul” wird er genannt; Bradley ist ein Deep-Soul-Sänger, der den rauen funky Ton von James Brown und Joe Tex mit der nihilistischen Weltsicht von O.V. Wright und James Carr verbindet.

Charles Bradley; © Loren WohlEr wurde 1948 geboren und hat Aufstieg und Fall der Soulmusik persönlich miterlebt. Das Label Daptone Records bescherte uns in den letzten Jahren so großartige Musiker wie Sharon Jones und Lee Fields; nun steht Charles Bradley im Rampenlicht. Daptone Records wurde für die Veröffentlichung  im vergangenen Jahr in die Bestenliste der deutschen Schallplattenkritik aufgenommen.  Der Soul von Charles ist vom Leben geformt, doch immer trägt er die unerschütterliche Hoffnung auf eine bessere Welt in sich. Seine All-Star- Band hat den Geist James Browns inhaliert, die Musiker gehören zu den Dapkings, Antibales und der Budo Band, ihr Zusammenspiel ist tight und erdet die Stimme Charles Bradleys.
Anlässlich des vierzigsten Bühnenjubiläums von Marvin Gayes „Whats Going on“ stand Bradley kürzlich mit Stevie Wonder und Sharon Lones auf der Bühne, er spielte im vergangenen Jahr mit B.B. King und auf dem Nirvana Tribute Album ist er mit einer in Soul getauchten Version von „Stay away“ zu hören. Ladies & Gentleman! Charles Bradley kommt in diesem Sommer für einige Konzerttermine nach Deutschland und wird das Publikum mit seiner Stimme und seiner ans Herz gehenden Performance umarmen! “No Time For Dreaming”: Die Zeit des Träumens ist so vorbei. Energie, Talent und Beharrlichkeit haben sich ausgezahlt, Charles Bradley steht endlich da, wo er hingehört: auf der Bühne.

Das Konzert ist unbestuhlt

Miss Li (S)

Beats & Bruises

Aug
3
19:30

Miss LiDas kombinieren verschiedenster Genres zu einem musikalischen Gesamtwerk ist seit vielen Jahren die Lieblingsbeschäftigung der schwedischen Sängerin und Pianistin Linda Carlsson. Die üblichen Vergleiche à la „schwedische Kate Nash“ hinken etwas und der Stilmix von Miss Li ist ein recht umfangreicher, der mit den Attributen Rag Time, Chanson, Jazz, Blues und  Pop und auch etwas Cabaret umfängt. Letztlich steht trotz der oftmals ernsten Texte Freude im Vordergrund und das sieht man dieser Band besonders live an.

Miss LiDabei scheint nicht zuletzt ihre Heimatstadt Borlänge besondere Ambitionen zu wecken:
Neben Carlsson hat die industriell geprägte Stadt nämlich bereits Top-Bands wie Mando Diao und Sugarplum Fairy hervorgebracht. Seit 2006 veröffentlicht Miss Li fleißig Langspielplatten und schaffte fast immer den Sprung in die Charts. Schnell, schneller, Miss Li: Mit drei Albumveröffentlichungen innerhalb eines Jahres sorgte Miss Li im Jahr 2007 für helle Aufregung  im europäischen Singer/Songwriter-Lager. Kurze Zeit später landete bereits die erste Best-Of-Scheibe der zierlichen Schwedin in den Plattenregalen, ihre Musik schmückte so illustre US-Serienformate wie „24“, „Lost“ oder „Greys Anatomy“.
Mit Bar-Feeling, lockeren Roadmovie-Soundtrack-Anleihen und einem Sack voller eingängiger Melodien füllt Miss Li einen Raum, der keinen Platz für musikalische Ausfälle bereithält. Wenn es auch in diesen Liedern um Gefühle geht, so sind sie doch nicht emotional klebrig. Sie singt einfach aus ihrem Leben. Als würde man sie fragen „Hey, wie geht’s dir“, und sie würde beginnen „Miss Li“ zu singen. 2011 schließlich erschien Album Nummer fünf, „Beats & Bruises“. Darauf haben die Skandinavier das Tempo noch mal angezogen und eine gehörige Portion Tanzpolka unter die ironischen Jazz-Pop-Nummern gemischt.

Linda Carlsson, piano, voc.; Sonny Boy Gustafsson, guitar; Clas Lassbo, bass; Gustav Nahlin,drums; Edvin Nahlin, key.; Lars Åhlund, sax.

Das Konzert ist unbestuhlt

Fink (GB)

Perfect Darkness

Aug
2
19:30

FinkFink, wie diese kleinen Vögel, oder so, wie es im amerikanischen gemeint ist: Verräter. Fink, aka Fin Greenall, ist ein auch elektromusikalisch bewanderte Singer-Songwriter, seine frühen Reverenzen hat er im Trip-Trop und DJing. Ein Künstler, der keine Kompromisse macht und charmant an jeder Klischeefalle vorbei läuft . Fink zählt neben Kollegen wie José Gonzalez oder Bright Eyes zur Speerspitze der Neo-Folk und Singer/Songwriter Bewegung. In den vergangenen drei Jahren hat er gemeinsam mit Guy Whittaker (Bass) und Tim Thornton (Drums) mehr als 300 Konzerte gespielt, unter anderem mit Zero 7 und Massive Attack.
Darüber hinaus machte Fink Furore als Songschreiber für Künstler wie John Legend oder Amy Winehouse und Remixer für Elbow, Nina Simone oder Ryuchi Sakamoto, um nur einige zu nennen. Nach drei von den Kritikern gefeierte Alben folgt 2011 „Perfect Darkness“, ein weiteres emotionales, hypnotisierendes Werk. Der szenebekannte Finian Paul Greenall besinnt sich in „Perfect Darkness“ einmal mehr seiner Wurzeln und greift zur Akustikgitarre.

Es ist etwas Eigenes  an den Saiten der Gitarre, oder an Finks minimalistischen Arrangements, das seinem Gitarrenspiel eine besondere Kühle verleiht. Die markante Stimme, irgendwo zwischen rauh und zart, eisig und fragil, fügt sich in dieses klangliche Bild ein wie eine siebte Saite auf der Gitarre – dies ist der spezielle Fink-Flow. Fink veröffentlicht auf Ninja Tunes, einem Label, das an sich schon als ebenso individuelle wie innovative Genrebezeichnung gilt. Aber dort Folk? Ja – Fink ist die perfekte Blaupause für die schlichte Eleganz dieser Musik. Fink kling organisch und urban, erinnert zuweilen an Portishead, es strahlt aus der Dunkelheit, denn nach wohliger Melancholie gibt es immer einen überraschenden Twist, der für Licht sorgt. Dieser eigenartige Mix aus Folk, relaxten Grooves und Soul ist der perfekte Soundtrack für den Sommer.

Das Konzert ist unbestuhlt

Rebekka Bakken (NW)

September

Jul
29
19:30

Rebekka Bakken; © AxelssonWenn es nach Rebekka Bakken ginge, würde man nicht über ihre Musik reden, sondern sie am besten nur anhören. Die Singer/Songwriterin mit der tief unter die Haut dringenden Drei-Oktaven-Stimme ist eine „Anti Drama Queen“, eine gleichzeitig rastlose und in sich ruhende Seele, die beständig abwägt und abwiegelt und bloß kein Aufhebens um ihre Person und ihre Kunst gemacht haben will. „Ich brauche die Musik mehr als sie mich braucht“, sagt sie daher. „Mir gefällt es, alles in meiner Musik zum Leben zu erwecken. Aber das ist keine große Sache.“ Hören ist Fühlen ist Leben, wenn es um diese emotionale Künstlerin geht. Aber vielleicht gerade weil ihre Lieder so poetisch und vielsagend sind, ihre Melodien so eine klare, schöne Sprache sprechen, ist die Neugierde so groß, dahinter zu schauen.

Rebekka BakkenMit ihrem fünften Soloalbum setzt die norwegische Sängerin, die lange in New York und Wien wohnte und inzwischen auf einer Pferdefarm in Schweden lebt, ihre „amerikanische Serie“ fort. In  enger Zusammenarbeit mit Malcolm Burn in Kingston, New York, produziert, präsentieren sich die zwölf selbstbewussten und schnörkellosen Songs von „September“ als eines der wohl schönsten von Country beeinflussten Liederalben unserer Zeit. Exzellent gesungen, sinnlich und satt gespielt, wirken diese Texte über Liebe, Leben, Lust und Leiden – die ältesten Themen der Welt – immer aktuell.

Rebekka BakkenSchon vom Sound her sind sie so eigen und originell, dass auch die drei Cover-Versionen von Bruce Springsteen, Jane Siberry und Alphaville perfekt zu den selbst geschriebenen Liedern passen. Diese Musik berührt, auf etlichen Ebenen. „Kommunikation“, sagt Rebekka Bakken, „braucht so viel mehr als Worte.“ Musik kann nicht nicht geschehen“, sagt sie, bewusst in der doppelten Verneinung. „Nur wenn man sich bemüht, klappt es nicht. Wenn man nicht zu viel denkt, kann Musik einfach kommen.“ Diese natürliche, selbstverständliche Qualität merkt man der Musik auf „September“ während der fast einstündigen Reise durch eine enorme emotionale Bandbreite an. Vor allem, wenn man sie anhört. Und nicht zu viel darüber redet.

Rebekka Bakken, vocals; Lars Danielsson, bass; Mathias Leber, piano, keys; Börse Petersen-Överleier, guitar

Lamb (GB)

Five

Jul
28
19:30

LambLamb ist ein kultiges Duo aus England, das musikalisch beeinflusst vor allem von solchen Musikgattungen ist, wie dem Bristol Sound und Trip Hop. Neben Massive Attack, Portishead und Hooverphonic  zeugen Lamb davon, dass elektronische Musik auch ein romantisches Gesicht haben kann. Lamb gelten als TripHop-Avantgarde der ersten Stunde. Louise Rhodes und Andy Barlow verzauberten die Menschen mit Hits wie “Gabriel”, “Cotton Wool” und “Gorecki, fünf Alben und drei Compilations gingen bis dahin auf ihr Konto – allesamt von Kritikern und Publikum bejubelt.

LambDas musikalische Wunderduo aus Manchester ist aber vor allem live eine Wucht. Faszinierende Klangteppiche, aufgebrochen durch schnelle Beats, facettenreich  und spannend. Lamb kombinieren Jazz, Dub, Breakbeats, Drum’n'Bass und vieles mehr zu einem schillernden  Wunderwerk. Nach einer langen Pause mit solistischen Einlagen veröffentlichten sie  2011 ihr neues Album “Five”.

Der Zauberer der Breakbeats und seine Folk-Prinzessin knüpfen nahtlos an frühere Lorbeeren an. Musikalische Spannung erzeugen sie in dem zwischen Bass und Louises transparenter Stimme weit gefächerten Klangbild -  durch raffinierte Samples und Klangfarben sowie immer wieder überraschend energetischen Harmoniewechseln. Der eine oder andere mag den Namen Lamb im vergangenen Jahr bereits mit freudigem Erstaunen auf dem line-up verschiedener großer europäischer Festivals wie The Big Chill und Glastonbury gelesen haben. Ja, Lamb sind endlich wieder da!

Lou Rhodes,guitar,voc.; Andy Barlow, technology,drums; Jon Thorne, bass

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Jane Birkin sings Gainsbourg (F/GB/Japan)

Via Japan

Jul
27
19:30

Jane BirkinDen französischen Popstar Serge Gainsbourg lernt sie während eines Filmprojekts zuerst hassen, dann lieben. Gemeinsam veröffentlichen sie im prüden Frankreich des Jahres 1969 den lasziv gestöhnten Song “Je t’aime moi non plus”. Der misantrophische Gainsbourg und die zerbrechliche Birkin avancieren damit zur Legende in den Pariser Szene-Bars der 68er.
Während der 70er veröffentlicht Jane Birkin mehrere Alben mit und ohne Serge Gainsbourg, spielt in etlichen Kinoproduktionen und erarbeitet sich einen exzellenten Ruf. Nach zwölf gemeinsamen Jahren verlässt Jane Birkin 1981 den Popstar, ihre geistige Bande aber blieben bestehen – zwei verwandte Seelen. 1990 widmet Serge ihr sein letztes Album “Amours Des Feintes”. Ein Jahr darauf stirbt Frankreichs großes Musik-Idol. 21 Jahre ist Gainsbourg tot, und die Frau, mit der er eine lange Zeit verbracht hat, tritt mit seinen Liedern auf die Bühne.

Jane Birkin; © Michael C. MaierDoch nicht nur die Hommage an Serge Gainsbourg wird dieses Konzert besonders machen, auch die Wahl der besten Musiker Japans wird garantiert dazu beitragen, dass dieser Konzertabend etwas ganz besonderes wird. Aber erstrahlen wird der Saal durch die Frau, die hier und jetzt alles verbindet, die Frau, die eine tiefe Liebe für das Land der aufgehenden Sonne empfindet, wie auch vor vielen Jahren für den Mann, dessen Lieder sie nun singt - Jane Birkin und Serge via Japan!

Jane Birkin, voc; Nobuyuki Nakajima, piano; Hoshiko Yamane, violine; Takuma Sakamoto, tromp.; Ichiro Onoe, perc.

Roberto Fonseca (Cuba)

YO

Jul
26
19:30

Roberto FonsecaRoberto Fonseca untermalt seine Musik mit vollem Körpereinsatz – er steht sogar auf, um auf sein Klavier einzuhämmern, als sei es ein Percussion-Instrument.
Es kann passieren, dass er sich eine Trommel schnappt und seine Gruppe in eine “Comparsa” verwandelt – ein Percussion-Ensemble, das während des Karnevals durch die Straßen zieht, das kubanische Äquivalent zu der brasilianischen “Batucada”, und die nachfolgende Menschenmenge zu euphorischem Tanz animiert…Unerschöpflich scheint das Repertoire und die schöpferische Energie dieses jungen Pianisten.

Roberto FonsecaMit den Heroen des „Buena Vista Social Club“ auf der Bühne der großen Konzertsäle bringt er frischen Wind in die traditionelle kubanische Musik . Nach hunderten Konzerten mit Ibrahim Ferrer arbeitete Roberto Fonseca auch als Arrangeur und Ko-Produzent für Ferrers letztes Album, „Mi Sueno“, das 2007 für einen Grammy nominiert war. Mit Omara Portuondo, Cachaito, Angá Diaz, Carlinhos Brown, Herbie Hancock, Michael Brecker, Wayne Shorter war und ist Roberto Fonseca zu hören. Mit seinem neuem Album „ YO“ geht diese Party weiter – in ganz neuer Art und Weise.

Fonseca ist dafür bekannt, den modernen kubanischen Jazz – und den Jazz im Allgemeinen – maßgeblich zu beeinflussen. Er beweist nun, dass sein Horizont nicht im geringsten von der Raffinesse der Blue Notes beschränkt ist, und schon gar nicht vom azurblau der Karibik. „YO“ ist eine Hommage an die Wurzeln der kubanischen Musik und ihre afrikanischen Ursprünge. Gleichzeitig flirtet er mit Jungle und Drum’n’Bass und hat sich für diesen Part Gilles Peterson als DJ und Produzent geangelt.
Da wird es auch einmal funky. Doch der eigentliche Hauptdarsteller ist das Klavier: Roberto Fonseca ist tief in das Studium der, an Zitaten reichen, kubanischen Musik getaucht. Zitieren wir Arte.TV: “Es ist kaum zu glauben, dass ein einziger Pianist, diese musikalische Bandbreite bravourös meistert, in wechselnden Besetzungen, sowohl als Solist als auch mit Unterstützung von Streich- und Latinorchester. Ob melancholisch somnambul oder lateinamerikanisch expressiv, ob spärlich grazil oder orchestral voluminös, Fonsecas Pianospiel changiert kaleidoskopartig mit berauschender Formenvielfalt.”

Roberto Fonseca, piano, key & voc; Joel Hierrezuelo, perc.; Jorge Chicoy, E-guitar; Ramsés Rodríguez, drums; Yandy Martínez, bass; Baba Sissoko, perc.

Julieta Venegas (Mex)

Otra Cosa

Jul
25
19:30

Julieta VenegasIm März 2006 ereignete sich bedeutendes in Mexiko. Zahllose Menschen stürmten die Plattenläden, standen Schlange, warteten und zogen dann, mit einer einzigen, gerade frisch erschienenen CD im Gepäck wieder nach Hause an das heimische Stereo-System. Eine kleine, feine Massenhysterie wie zu besten Zeiten der Beatles oder Michael Jacksons. Aber nein, der Auslöser dieser Kaufräusche war nicht eine auf einem Dachboden gefundene verschollene Jugendaufnahme von John Lennon oder der Nachfolger von Thriller, die Mexikaner erwarben gemeinschaftlich “Limon y Sal”, das vierte Album der Sängerin Julieta Venegas aus Tijuana, Mexiko. Und dies taten sie derart drangvoll, dass “Limon y Sal” schon nach zwei Tagen Gold-, und nach einer Woche Platinstatus für 100.000 verkaufte Exemplare erhielt (am Ende des Jahres stoppte der Zähler erst bei einer Marke von 4 Millionen).

Julieta VenegasEs ist also sicher nicht zuviel gesagt, wenn man Julieta Venegas als Superstar bezeichnet. Zumindest aber als eine sehr bekannte, sehr beliebte und sehr wichtige Pop-Sängerin Lateinamerikas. Im Gegensatz zur Bekanntheit ihrer kolumbianischen Kollegin Shakira beispielsweise fragt sich Mitteleuropa jedoch noch immer: Julieta wer? Es könnte daran liegen, dass Julieta Venegas im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen im Pop- und Singer/Songwriter-Fach immer der spanischen Sprache treu geblieben ist. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass Venegas unter dem schönen Etikett der sanften, sommerlich-flockigen Pop-Sängerin eine komplexe, verschlungene Musikerbiografie verbirgt. Noch zu Beginn der neunziger Jahre rührte sie zusammen mit einem kleinen Haufen Freunden unter dem einigermaßen bösen Bandnamen Radio Chantaje (Radio Erpressung) und später als Tujiana No! kräftig in der Punk- und Ska-Szene der Grenzmetropole Tijuana mit.

Doch schon Mitte der Neunziger Jahre wechselte Venegas jäh das Gleis, und veröffentlichte 1997 “Aquí”, ein Soloalbum voll melodiöser Song-Perlen mit sehr persönlichen, sehr politischen Texten und zackigen Folkpop-Varianten, die so bisher kaum im lateinamerikanischen Raum zu hören gewesen waren. Es war die Geburtsstunde der Multiinstrumentalistin und Songschreiberin Venegas, die von nun an Jahr für Jahr mit der gesamten Musikerelite Lateinamerikas zusammen arbeitete, auf Festivals auftrat, Grammys und andere Preise sammelte und 2008 schließlich en Ritterschlag einer internationalen MTV-unplugged Produktion erfuhr. Und auch wenn sie heute als musikalische Botschafterin Mexikos auf der ganzen Welt unterwegs ist, bleibt sie doch in Mexiko verwurzelt, und erzählt mit Gitarre, Akkordeon und Klavier exemplarische Geschichten zwischen elektrisch geladenen Grenzzäunen und rührseeligen Telenovelas, zwischen Drogenmafia und Tropennächten am Golf von Yucatan. Es ist ein weiter Spagat, zwischen dem No! der frühen Punk-Zeit und dem trügerisch-süßen “Si!”. Und wer zwischen diesen beiden Extremen sich derart melodiös und reich bewegt, dem sind gelegentliche Plattenladen-Hysterien nicht nur in Mexiko doch ganz von Herzen zu gönnen.

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Raul Midòn (USA)

Live in concert 2012

Jul
22
19:30

Raul MidònWenn man beim Video-Portal YouTube nach “Raul Midón” sucht, findet man einen Clip, der den in New York lebenden Sänger, Gitarristen und Songwriter bei einem Auftritt in der “Late Show With David Letterman” zeigt. Zu hören ist er mit “State Of Mind”, dem Titelstück seines dritten Albums, mit dem ihm 2005 der Durchbruch gelang. Nachdem man den Clip gesehen hat, weiß man nicht, was beeindruckender ist: Midóns elegante, soulige Tenorstimme, sein betont perkussives Gitarrenspiel oder die originellen, beboppigen “Trompeten”improvisationen, die er mit seinem Mund nachahmt und die sein Markenzeichen geworden sind. Seine virtuose und doch schlichte Performance lässt erahnen, weshalb Raul Midón schon seit Jahren einen so exzellenten Ruf genießt. Der amerikanische “Guitar Player” nannte Midón “eine jener seltenen musikalischen Kräfte, die einen daran erinnern, wie stark und tief die Verbindungen zwischen einem Mann und seiner Musik manchmal sein können.”

Raul Midòn; © Mac BrownEine Stimme, die unter die Haut geht – eine Gitarrentechnik, die Maßstäbe setzt. Der talentierteste Vertreter des New-Soul, so jubeln die Kritiker. Vielleicht liefert die Tatsache, dass Raul Midón schon in frühester Kindheit erblindete, eine schlüssige Erklärung. Eine Auflösung für das musikalisches Rätsel, das der hoch gelobte Singer/Songwriter seit Beginn seiner Solo-Karriere mit jedem neuen Album, mit jeder neuen Konzertreise aufgibt: Wie kann ein Mensch nur so viel Gefühl und Ausdruck in seine Musik legen? Doch das haben sich auch Musikkenner gefragt, als sie einst mit den Klängen von Stevie Wonder und Ray Charles in Berührung kamen. Man konnte die außergewöhnliche Phrasierungskunst dieser ebenfalls blinden Musik-Genies nicht an einzelnen Tönen oder Harmonien fest machen. Es war und ist vielmehr: Die Musik als Ganzes. Raul Midòn kanalisiert mit seiner brillanten Mixtur aus Soul-, Pop-, Jazz-, Folk- und Latin-Elementen, seine ganze Kreativität und Leidenschaft in Musik.

Max Prosa (D)

Die Phantasie wird siegen

Jul
21
19:30

Max Prosa; © Tino Sieland

Max Prosa ist wohl der jüngste und vielversprechendste Newcomer unter den neuen Singer-Songwritern. Mit gerade mal 21 Jahren ging er vergangenen Sommer mit Clueso auf Tour. Einundzwanzig. Gerade das richtige Alter für große Träume, für naive und echte große Träume, verpackt in Songs zwischen Wut und Mut, Melancholie und Lebenslust. „Max Prosa beherrscht die Kunst, Lieder zu machen, die wie selbstverständlich auf den klassischen Instrumenten der Popgeschichte ins Rollen kommen. Sie sind einfach, ohne simpel zu sein, und Max erzählt mit Leidenschaft und zwingendem Singsang. Es ist Musik, die so individuell ist, dass sie aneckt, aber doch universell genug, dass sie berührt.“ (Melodie & Rhythmus 03/2011)

Max Prosa; © Sandra LudewigMit siebzehn machte er Abitur, das anschließende Studium der Physik und Philosophie brach er ab, als er seine Liebe zum Folkrock entdeckte. Seine kantigen Texte kommen ohne adoleszente Selbstfindungslyrik und peinliche Pubertätspoesie aus. Er eckt an und berührt. Seine Lieder drehen sich nicht selbstverliebt im Kreis, sie stürmen nach vorn: „Heute ist ein schöner Tag zum Rennen“ – es klingt nach einem Akt der Befreiung. Akustisch ist das Ganze eingebettet in eine wärmende Neo-Folk-Ästhetik, die auf verspielte Soundtüfteleien weitgehend verzichtet. Elemente wie Hackbrett, Glockenspiel und Streicher-Arrangements werden von seiner Band ergänzt, die gefühlvollen Gitarren-Melodien bilden aber immer das Herzstück seiner berührenden Vocals und tiefgreifenden Lyrics.

Max Prosa voc., guitar; Alex Binder, guitar; Stefan Ebert, e-piano;  Erez Frank, bass; Joda Förster, drums, perc.

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Bob Geldof (IRL)

How To Compose Popular Songs That Will Sell

Jul
20
19:30

Das Konzert von Eric Burdon fällt leider wegen Krankheit des Künstlers aus. Karteninhaber des Burdon Konzertes haben vom 18. bis 26. Mai die Gelegenheit ihre Konzertkarten gegen die von Bob Geldof zu tauschen.

Danach gehen die Bob Geldof Konzertkarten in den freien Vorverkauf.
Der Eintrittspreis für die Eric Burdon Karten wird an den Vorverkaufstellen, bei denen sie erworben wurden, zurückerstattet. Eric Burdon Konzertkarten gelten nicht für das Bob Geldof Konzert.

Bob Geldof (IRL)

Bob Geldorf Er wurde von der Queen zum Ritter geschlagen und war zwei Mal für den Friedensnobelpreis nominiert. Doch nun macht Afrika-Aktivist Bob Geldof wieder das, was er als seine eigentliche Berufung ansieht: Musik! „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ ist sein erstes Studioalbum seit zehn Jahren.

“Als ich die gesellschaftliche Bühne betrat, war es unvermeidlich, dass das die Musik überschatten würde. Ich wurde zu einem sozialen Phänomen und werde für immer der Typ von Live Aid bleiben”, erzählt Bob Geldof. Vom Punk-Rocker zum Verteidiger der Armen, vom Saulus zum Paulus, lautet der Tenor der öffentlichen Wahrnehmung.

Bob Geldorf1951 in Dublin geboren, wächst Geldof in einem Land auf, das er als korrupt und beengend beschreibt. “Irland hatte eine absurd hohe Arbeitslosigkeit, einen Bürgerkrieg und eine kriminelle Regierung. Wir lebten in einer Republik des Schweigens. Aber es liegt nicht in meiner Natur zu schweigen“. 1975 gründet er die Boomtown Rats. Nach einem viel versprechenden ersten Konzert, proklamiert Geldof: “I want to get rich, get famous and get laid”. Der Satz sorgt für Empörung und macht ihn und die Band über Nacht berühmt. 1976 siedeln sie nach London über, wo sie eine prägende Rolle in der aufkommenden New Wave-Bewegung spielen. In den folgenden Jahren gehören sie auch kommerziell zu den erfolgreichsten Bands ihrer Generation. 1982 erhält Geldof die Hauptrolle in Alan Parkers Verfilmung des Pink Floyd-Werkes “The Wall”.

Bob Geldorf1984 erfährt er von der Hungerkatastrophe in Äthiopien, und beschließt, sich zu engagieren. Mit Midge Ure schreibt er das Lied “Do They Know It’s Christmas” und nimmt es mit 40 bekannten Musikern auf, unter ihnen Sting, Bono Vox und Paul McCartney. Der Erfolg des “Band Aid” ermutigt Geldof, das Projekt auszubauen. Am 13. Juli 1985 treten weltbekannte Künstler bei zwei riesigen Konzerten in Philadelphia und London auf. “Gebt uns euer Scheißgeld!”, fordert Geldof 1.5 Milliarden Zuschauer vor dem Fernseher auf. Sie zeigen sich großzügig: 150 Millionen US-Dollar kommen durch das “Live Aid” an Spenden und Tantiemen zusammen. Bob Geldof wird zu einem engagierten Vertreter des Schuldenerlasses. Seine Popularität nimmt er gelassen: “Is That It?”, “War’s das schon?” betitelt er selbstironisch seine Autobiografie. Nein, das war es natürlich nicht! „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ , seine jüngste Veröffentlichung, klingt nach einem Musiker und einer genialen Begleitband, die Energie und Inspiration stets neu erfinden. Keine Nostalgie, allenfalls Reverenzen an die Jugendtage: Klarinetten und Clavinets tauchen auf, Maultrommeln, Sägen – einige Loops und Rock & Roll. Bob Geldof hat auch immer wieder Augen für die schönen Dinge des Lebens, etwas zerknirscht ist die Sicht auf die Dinge, aber nie wehmütig. Es ist ein grandioses Album mit einem Sänger, der ganz lässig grandiose Songs schreibt.

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Osaka Monaurail (Japan)

State of the world

Jul
19
19:30

Osaka MonaurailDiese Band ist ein Muss und das non plus ultra für alle, die Motown und James Brown mögen! Also für jeden.

Wer in Japan Funk sucht, kommt an Osaka Monaurail nicht vorbei. Die neun-Mann-Combo ist die angesagteste Funkband Nippons. Die Jungs aus Tokyo haben sich ganz dem Sound des Godfather of Soul verschrieben und klingen bisweilen mehr nach James Brown als James Brown selbst! Seit 15 Jahren beschallen sie nun Japans Clublandschaft, haben in dieser Zeit immerhin fünf Alben und ein gutes Dutzend Vinyl-Singles veröffentlicht, die von Funk-DJs weltweit immer gern gespielt werden, wenn es auf der Tanzfläche heiß hergehen soll. Doch so richtig kracht der Nippon-Funk live auf der Bühne - in maßgeschneiderten Uniformen a la JB’s der 70iger, mit einstudierten Showeinlagen und dem von James Brown perfekt kopierten Tanzeinlagen von Frontmann und Sänger Ryo Nakata wird das Erlebnis perfekt!

Osaka MonaurailSo perfekt, dass Osaka Monaurail die Soulsister Number One Marva Whitney in Japan auf der Bühne unterstützten und gleich ein ganzes Studioalbum mit ihr einspielten. Die erste Singleauskopplung „ I am what I am“ war ein Top Hit in der globalen Soulszene. Den Ritterschlag erhielten Osaka Monaurail bereits 1998 von James-Brown-Posaunist Fred Wesley und  auch die anderen Ehemaligen aus Browns Umfeld arbeiteten gern mit Osaka Monaurail zusammen. Seit dem Ableben des Meisters dürfen sich Osaka Monaurail mit Fug und Recht die legitimen Old-School-Funk-Könige nennen, die die reine Lehre des Godfather des Funk weitertragen. Big in Japan – wir freuen uns, diese großartige Band zu Gast in Kassel zu haben.

Kentaro Yamagata, tromp.; Yohchi Masago, tromp.; Shimon Mukai, sax; Katsutoshi Hiraishi, tromp; Dan Haymami, guitar; Yuichi Ikeda, guitar; Dai Nakamura, bass;, Soki Kimura, drums; Ryo Nakata, voc, keyb

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Fatoumata Diawara (Mali)

Fatou

Jul
18
19:30

Fatoumata Diawara; © Youri LenquetteDie beiden Welten, die Fatoumata Diawara aus Mali spielerisch zusammenführt, kann man schon auf dem Cover ihres Debütalbums “Fatou” erahnen.Zwei Welten, zwei Gitarren. Vorn eine lachende, bezaubernde Fatoumata auf einem kräftig nachkolorierten Foto, wie auf einer kitschigen Urlaubspostkarte. Sie zupft eine Akustikgitarre und zeigt eine glückliche, anmutige Folksängerin. Dreht man das Cover, wird eine andere Geschichte erzählt: Dieselbe Sängerin beugt sich nun in deftiger Rock n Roll Manier über eine E-Gitarre.

Fatoumata Diawara; © Youri LenquetteDie Botschaft dieser beiden Fotos: Die Welt von Pop und Rock’n‘Roll ist ihr genauso vertraut wie die Folktradition der westafrikanischen Heimat. Die Idole von Fatoumata Diawara sind dann auch ihre Landsfrauen Oumou Sangare und Rokia Traore, die ebenfalls ihre Wurzeln selbstbewusst behaupten und gleichzeitig die Sprache von Pop sprechen. Diese Frau kann Musik, die vielen Europäern erst einmal fremd erscheint, so vermitteln, wie eine Norah Jones den Jazz einem Millionenpublikum schmackhaft machte. Die Lieder von Fatoumata sind einfach und klar. Trotzdem spürt man in ihnen die Tiefe, auch wenn wir kein Bambarra, Malis wichtigste Sprache, verstehen. Dabei hat Fatoumata Diawara einiges zu sagen: Sie thematisiert Beschneidungen von Frauen, Emanzipation, die Suche der Jugend Malis nach ihrem Platz in der Welt.

Fatoumata Diawara; © Serena AurorasFatoumata kreiert ihren eigenen Stil, den «Wassoulou Folk». Dies ist eine Mischung aus den traditionellen Klängen der Wassoulou mit Einflüssen von Soul, Funk, aber auch Jazz und Blues. Ihre einzigartige Stimme ist eher tief und mit dem Bélédougou Akzent unterlegt. Ihre rhythmischen Lieder sind von wunderschönen Melodien getriebenen und bringen die Klänge der Wassoulou Musik in eine neue Zeit. Ihr Debut, bei World Circuit – dem Label mit der Garantie für Qualität – erschienen, schlägt gerade die ersten Wellen. Sofort nach Erscheinen setzte sich die CD auf Platz 1 (!) der WORLD MUSIC CHARTS EUROPE. Vielleicht ist ihr eine ähnliche Karriere wie Norah Jones beschieden, nur diesmal von der anderen Seite des Atlantik.

Fatoumata Diawara voc, guitar; Martin Grenier guitar; Jean Alain Hony,bass;Jean Baptiste Gbadoe drums; Corine Thuy-Thy,back vocals

Nneka (Nigeria)

Soul Is Heavy

Jul
15
19:30

Nneka“In Afrika brennt ein Feuer”, sagt die aus Nigeria stammende Sängerin Nneka, ihr Anliegen: mit ihrer Musik auf Missstände in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Aufsehen erregt ihre eigenwillige Mischung aus HipHop, Dub und Soul allemal. Wer die zierliche Sängerin zum ersten Mal sieht, traut ihr die musikalische Energie, die sie auf ihren Platten beweist, zunächst gar nicht zu.
Einzig ihr selbstbewusstes, nonchalantes Auftreten und ihr stets skeptischer Blick lassen erahnen, was für eine eigenwillige Künstlerin sich hinter den ernsten, dunklen Augen verbirgt. Die Kritiker staunen, als Nneka 2005 mit ihrem Debüt auf der Bildfläche erscheint. Das unbeschriebene Blatt aus Nigeria sei Lauryn Hills legitime Nachfolgerin, jubelt etwa die englische Sunday Times: Tatsächlich schlägt Nneka in eine ähnliche Kerbe wie die ehemalige Sängerin der Fugees.  „Soul Is Heavy“ heißt das neue Album der begnadeten Soul-Stimme Nneka. Die wunderbar ausbalancierte Mischung aus HipHop-Beats, Reggae-Grooves, Bläsersätzen und afrikanischem Pop entzieht sich der Kategorisierung.

NnekaAuf vielen Konzertbühnen war sie zu Gast, in Frankreich, Deutschland, Holland und England – unter anderem zusammen mit Lenny Kravitz, Nas & Damian Marley, The Roots, Gnarls Barkley -  Nneka ist weit davon entfernt, noch ein Geheimtipp zu sein. 1980 in Warri geboren, einer nigerianischen Großstadt im Niger-Delta, die ihren relativen Wohlstand der seit den späten 70ern betriebenen Erdölförderung verdankt. Singen war für sie eine willkommene Abwechslung vom mitunter allzu unbeständigen nigerianischen Alltag. In den 90ern entdeckte sie wie so viele andere HipHop – insbesondere Mos Def, Talib Kweli und The Fugees – als musikalische Ausdrucksform ihrer Generation und begann, musikalisch ihren kreativen Instinkten zu folgen und innovative Sounds zu erforschen, von Afro-Beat über Fela Kuti bis hin zu Nina Simone.
Nnekas Persönlichkeit ist eigenwillig:  Einerseits ist sie Teil einer neuen musikalischen Revolution in Afrika, auf der anderen Seite hat sie sich ihre eigene musikalische Nische geschaffen, in der sie sich ungestört entwickelt. Sie schreibt Stücke, die rau und unverwechselbar sind und dennoch so klingen, als hätte es sie irgendwie schon immer gegeben. Nneka verbindet Soul, Groove, Herz und Stil. Wo das alles hinführen soll?  Nneka lächelt: “I just go with the flow!”

Das Konzert ist unbestuhlt

[tape.tv 265801]

The Whitest Boy Alive (D/NW)

Patience Tour 2012

Jul
14
19:30

Whitest Boy Alive; © Lars BorgesErlend Øye ist ein Mann der Superlative.
Er ist der lauteste Leisetreter, der nerdigste Musikzauberer, der charmanteste Narziss im heutigen Indie-Bereich. Der Norweger Erlend Øye ist für Freunde elektronischer Klänge kein Unbekannter. Mit einem “DJ-Kicks”-Album und zahllosen Auftritten als DJ hat er sich eine große Fangemeinde auf der ganzen Welt erspielt. Zudem zeigt er sich als Mitglied der Kings Of Convenience gerne mal von der poppig-akustischen Seite des Musikmachens. Mit The Whitest Boy Alive rief Erlend Øye ein  Bandprojekt ins Leben, das mit einer ordentlichen Schippe Dancepop auf die Bühne kommt.

Whitest Boy Alive; © Katharina PoblotzkiGleich mit dem ersten Release auf Vinyl geben sich The Whitest Boy Alive beim renommierten französischen Label Kitsuné die Ehre. Mit ihrem unkonventionellen Electropop passen sie dort wunderbar ins Labelroster. Auftritte bei europäischen Topfestivals wie dem Benicassim in Spanien oder auf dem Melt! vor den Toren Berlins folgen. Nach und nach geht die Entwicklung dann jedoch weg von der Elektronik hin zu natürlichen Instrumenten. Das Quartett spielt Club- als Rockmusik. Immer nach der Regel: Spiele im Studio live, damit sich live keiner beschwert. Die Herangehensweise von Multitalent Erlend Øye und seinen Compagnions  an ihre Arrangements gerät zuweilen auch puristisch. Unter der Prämisse, dass “Rules” und Livesound nicht zu weit auseinander liegen sollen, verzichten sie auf Overdubs und Effekte, und erweitern den Spannungsbogen der Musik in Richtung Dance-Hall.  Natürlich spielt der Gesang des norwegischen Sängers eine zentrale Rolle, doch Sebastian Maschat am Schlagzeug treibt die Lieder mit seinen präzisen Rhythmen manchmal ebenso voran wie Daniel Nentwig an den Tasten. Und mitten in den Herzrhythmus spielt sich Marcin Oz am Bass.

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Rainald Grebe (D)

Das ReinaldGrebeKonzert

Jul
13
19:30

Rainald Grebe

Lassen wir den Herren selbst zu Wort kommen:
„Ich bin in letzter Zeit sehr berühmt geworden. Ich hab die Waldbühne in Berlin gerockt, ich bin mit einem Orchester durch die großen Hallen dieser Republik getourt. Alles wurde immer fetter, ich auch. Jetzt bin ich wieder solo. Ganz allein mit mir. Abspecken. Runterkommen, also zu mir. An manchen Tagen hab ich 10 Interviews gegeben, die meisten Fragen haben sich die Redakteure aus Wikipedia rausgeschrieben. Da steht drin, wer ich bin. Und nach dem 30. Interview glaub ich das sogar selbst. Ich könnte jemanden anstellen, der für mich die Fragen beantwortet, auffallen würde es nicht. Jetzt also zurück auf Anfang. Wer bin ich? Ich habe in alten Familienalben geblättert, Ahnenforschung betrieben bis ins 18. Jahrhundert. Wer bin ich, woher komme ich, was macht mich aus? Ich hab meine Zwiebel geschält, bis zum Kern. Ich will mein Leben singen, der Versuch ist es wert.

Rainald Grebe (geb. 1971) betätigt sich seit 1989 als Autor, Comedian und Liedersänger. Er stammt aus Köln und machte sich Anfang der neunziger Jahre in die neuen Bundesländer auf, um seine künstlerische Karriere zu verfolgenl. Nach legendären Bühnenauftritten beim Quatsch Comedy Club in Hamburg arbeitete der Künstler als Regisseur und Schauspieler. Im Sommer 2004 begann er solo und zusammen mit der Kapelle der Versöhnung eigene Musikprogramme auf deutschen Kleinkunst- und Theaterbühnen zu spielen“.

„Das RainaldGrebeKonzert“ ist sein vierte Soloprogramm. Mit deklamatorischer Wucht und einer grandiosen Unsystematik agiert das System Grebe. „Pop ist per se nicht lustig  – da geht es um Coolness“. Er singt Spottlieder über ostdeutsche Bundesländer, lästert über das Szeneviertel Prenzlauer Berg und die bizarren Aufgaben des Bundespräsidenten. Ihm  sind die absurden Brüche wichtig, die Achterbahnfahrt vom Chanson hinab zum grabestiefen Pathos hinauf zur mädchendünnen Kopfstimme. Oft klingen seine Lieder, als erfinde er sie erst im Moment des Vortrags, dabei ist Grebe lustig wie ein Comedian und intelligent wie ein Chansonnier.  Grebe hat sich sein eigenes Genre erfunden. Er füllt eine Lücke, von der man bisher gar nicht wusste, dass es sie gibt: ein singender Deutschland-Kolumnist. Grebe ist dabei genial komisch. Ein wahrer Lichtblick mit geradezu irrwitzigem Sendungsbewusstsein.

Hugh Masekela (SA)

Celebrate South Africa Tour

Jul
12
19:30

Hugh MasakelaWenn die große, unvergessene Miriam Makeba die „Mama Afrika“, die Mutter zumindest der südafrikanischen Musik ist, kann man wohl den Trompeter Hugh Masekela den „Papa Afrika“ nennen. Seit über 50 Jahren prägt er den südafrikanischen Jazz. Hugh Masekela ist ein Stück lebendiger Musikgeschichte auch jenseits Südafrikas: Ende der 60er Jahre ließ der mit einem Grammy ausgezeichnete Musiker die Rolling Stones in den US Charts hinter sich. Im von der Apartheit geprägten Südafrika gründete Masekela 1959 die Jazz Epistles, die mit „Verse 1“ das erste südafrikanische Modern Jazz Album einspielten und damit die gesamte Musikerszene mit einem Ruck auf internationales Niveau hoben. Fortan lebte Masekela aus dem Koffer und reiste um die ganze Welt: einerseits, um in zahllosen Jamsessions mit internationalen Kollegen zu spielen, andererseits auch, weil nach dem Sharpeville-Massaker 1960 das Apartheid-Südafrika für Masekela keine Heimat mehr war.

Hugh Masakela„The Man with the Horn“ spielte mit vielen hochkarätigen Musikern wie Paul Simon, Bob Marley, The Byrds, Herb Alpert und Louis Armstrong, von dem er als junger Musiker eine Trompete geschenkt bekam. Die Neugier Masakelas, die Suche nach immer neuen Musikstilen, inspirierte die Musikszene auch in den USA und in Europa. Seine eigenen Kompositionen sind neben afrikanischen Rhythmen beeinflusst von Jazz-Musikern wie Ella Fitzgerald oder Dizzy Gillespie. Swing, Bop und die Sounds der Townships gelten dem Trompeter als unendliche Inspiration.
2010 eröffnete Hugh Maselela die Fußball WM in Südarika.Seine Konzertreisen führten ihn durch die ganze Welt. Ob vor 80 000 Menschen beim Mela Festival in Oslo open air, der Carnegie Hall New York oder der Royal Festival Hall in London und vielen anderen Orten mehr: Hugh Masekela wird ab dem Moment, in dem er die Bühne betritt, stets gefeiert ! Denn Musik, kann doch auch die Welt verändern - Hugh Masakela ist bis heute eine Art Gründungsmythos des neuen schwarzen südafrikanischen Kulturbewusstseins.

Hugh Masekela, flügelhorn, vocal; Francis Manneh Fuster, percussion; Fana Zulu, bass; Lee-Roy Sauls, drums; Randal Skippers, keys; Cameron Ward, guitar

Das Konzert ist unbestuhlt

Daniel Lanois` (CAN) Fällt leider aus!

Konzertabsage!

Jul
11
19:30

Das Konzert von Daniel Lanois fällt leider aus. Das Management hat kurzfristig alle Deutschlandtermine abgesagt. Karten können bei der Vorverkaufstelle, bei der sie erworben wurden bis zum 20. Mai zurückgegeben werden.

Daniel LanoisViele kennen ihn als Produzenten mit Legendenstatus - kein Wunder, zeichnete er bereits für Alben für U2, Bob Dylan, Brian Eno, Willie Nelson und Neil Young verantwortlich und trieb ›seine‹ Künstler zu immer neuen kreativen Höchstleistungen an. Das vermag nur jemand, der Musik nicht nur aufnehmen, sondern wirklich verstehen kann. Dazu sollte man sie meistens auch selbst spielen. Deshalb ist es kein Wunder, dass Daniel Lanois über die Jahre immer wieder mit spannenden Platten und Live Shows überrascht hat. Black Dub ist eine Melange aus Rock, der mit jamaikanischem Dub verschmilzt - eine Angelegenheit, die Lanois seit jeher liebt. Black Dub stellen ihr Album vor, ein Werk, das ganz nach den Werten der ›alten Schule‹ eingespielt wurde, komplett live, ohne Overdubs, oftmals nur in einem Take aufgenommen. Das geht selbstredend nur, wenn alle Mitglieder wissen, wohin die Reise geht - und ihre ganze Seele in die Musik legen.

Bei der Besetzung von Black Dub wundert man sich allerdings nicht, dass es so umwerfend gelungen ist: An den Drums Brian Blade, einer der besten Schlagzeuger der Welt, am Gesang Trixie Whiley, die mit ihrer Stimme und Attitüde nicht nur den Soul einer Aretha Franklin heraufbeschwört, sondern auch Erinnerungen an Joni Mitchell in den Himmel hebt. Und natürlich Daniel Lanois himself, der nicht nur ein grandioser Gitarrist, sondern auch sehr gut darin ist, einen Vibe, quasi einen spirituellen und philosophischen Überbau zwischen allen Bandmitgliedern zu kreieren, sodass die Entstehung besonderer Momente und besonderer Musik überhaupt erst möglich wird. Intensiv, voll Leidenschaft. Zwischen Rock und Americana pendeln die Songs, angereichert mit Elementen des Soul, Blues und Jazz. Brian Blade und Daryl Johnsen zaubern einen tiefgrollenden rhythmisch-treibenden Untergrund auf dem sich Daniel Lanois mit seinem vertrackten Gitarrenspiel und Trixie Whitley mit ihrer expressiven, von Soul und Blues geprägten Stimme austoben können. Fantastische Musiker! Fantastische Band!

Das Konzert ist unbestuhlt

Agnes Obel (D/DK)

" 13 "

Jul
7
19:30

Agnes Obel; © Frank EidelEin wunderbares Konzert hat die dänischen Künstlerin Agnes Obel im letzten Kulturzelt-Sommer hingelegt; stilistisch bewegt sie sich zwischen Katie Melua und Feist. Agnes Obel ist dem deutschen Publikum allerseits über ihren fantastischen Song „Just so“ bekannt, der von der Telekom in einer ihrer letzten groß angelegten Kampagnen verwendet wurde - einmal gehört hat man den Song nie wieder vergessen!
Genauso funktioniert auch Agnes Obels Musik. Es geht eine geheimnisvolle Faszination von ihr aus, von den einfachen, harmonischen Klavierarrangements, der sanften Stimme, den zarten Texten. Eine sehr rätselhafte Faszination, die zuerst denken lässt: zarte, simple Sommermusik. Die dann aber eine Ernsthaftigkeit offenbart, die allen luftigen Tastenläufen eine fast bodenlose Tiefe verleiht, in die man sich sehr gern versenkt. Um schließlich im dunklen Raum wieder ein warmes, hoffnungsvolles Licht zu verbreiten, wie von Unmengen halb abgebrannter Kerzen. Nein, es ist definitiv mehr als pure Radiofüllung, es ist große Liedkunst, die Agnes Obel hier serviert. Agnes Obél schreibt, komponiert, singt und produziert ihre Musik allein.

Ab und an verirren sich dezente Celloklänge in den Klangfluss, mal gemahnt die Begleitung in ihrem verlässlichen Ostinato an ein Spieluhrwerk, tröstend und verstörend zugleich. Das Geheimnisvolle in Obels Musik speist sich nicht aus Klangeffekten, sondern eher aus der Stille. Sie könne, sagt sie, nicht über sich selbst schreiben. Sondern nur einfach schöne Geschichten erfinden und schlicht: gute Songs. Das leuchtet ein. Und gelingt. Aber da sage noch einer, Dänen lügen nicht. Sie tun es sogar sehr melodisch. Die Songs der Agnes Obel ruhen in sich selbst; ihnen wohnt eine nahezu Bach’sche Strukturiertheit und Sakralität inne, gepaart mit einer Stimme, zu geerdet um als ätherisch beschrieben zu werden. Ihre Musik lässt sich wirklich schwer zuordnen: Würde man sie in die Schublade „Piano–Pop“ oder „Folk“ schieben, täte man dieser Musik wirklich Unrecht.
Agnes Obel schafft es mit einer überschaubaren Anzahl an Instrumenten Liedstrukturen zu schaffen, die man zurecht als zeitlos bezeichnen kann. Lediglich das Klavier zieht sich fortwährend wie ein „grüner“ Faden durch die Songs. Begleitet von Cello, Gitarre und zurückhaltenden Percussion – Obel verkleidet jedes einzelne Kleinod mit klassischer Instrumentierung: reduziert, verspielt, mit lachendem und weinendem Blick.

Agnes Obel, piano, Voc.; Anne Müller, cello, guitar, voc.

Nils Landgren Quartet (S/D)

The moon, the stars and you

Jul
8
19:30

Landgren; © Sebastian SchmidtFür die Worte Vielseitigkeit, Neugier und Arbeitseifer gibt es ein Synonym: Nils Landgren. Ein munter in der Welt umherziehender Schwede mit knallroter Posaune. Virtuos schwingt sich „Mr. Red Horn“ von Perspektive zu Perspektive, auch, weil er den ständigen Wechsel braucht. Auf mirakulöse Weise teilt sich der 55jährige Nils Landgren seine Zeit auf. Nils Landgren sagt: „Selbst wenn ich mich nicht langweile, ist es gut für mich, mehrere Dinge anzugehen – damit ich verschiedene Blickwinkel einnehmen kann. Denn die bewirken, dass sich die Art meines Singens und Posaune-Spielens ändert. Davon profitiert auch mein Publikum.“
Für die, die ihm musikalisch seit Jahren die Treue halten, wird es nie langweilig. Sie bekommen es bei Nils Landgren mit einem Mann zu tun, der sich der reichen Folklore-Tradition seines Landes genauso verpflichtet fühlt wie dem modernen Jazz. Sie lauschen einem Idealisten, der die Grenzen zwischen den Genres ignoriert, der auf eigenen Werken mit Musikern wie Maceo Parker, Colin Towns, den Brecker Brothers, Airto Moreira, Benny Anderson (von ABBA), Ray Parker Jr., oder Esbjörn Svensson gemeinsame Sache machte und so seinen Horizont ständig erweiterte.

Landgren; ©Sebastian SchmidtGleich zwei Seelen wohnen in seiner Brust: Wenn ihn das Publikum mit seiner „Funk Unit“ erlebt, zeigt sich der Schwede von seiner männlich-markanten, groovenden Seite. Aber es gibt eben auch einen ganz zarten, melancholischen, hoch sentimentalen Nils Landgren. Der zeigt sich auch auf Balladen-Alben wie seinem aktuellen „The Moon, The Stars And You“ – da intoniert er auf der Posaune mit vergleichsloser Geschmeidigkeit und seine so eigentümlich belegte, fragile Stimme berührt mit ihrer Empfindsamkeit. Gemeinsam mit Pianisten Michael Wollny, dem Drummer Rasmus Kihlberg und hochkarätigem Bass interpretiert Landgren Jazzstandards, Folk und Pop - inspiriert und swingend.

17 Hippies (D)

Phantom Songs/Das Konzert ist ausverkauft

Aug ’11
21
19:30

Kulturzeltabschied für den Sommer – das bedeutet Hippie-Abend!

17hippies_2011_photo1Genre-Bezeichnungen wie Weltmusik reichen nicht aus, um zu beschreiben, wie die vielköpfige Band ihre musikalischen Stärken in den letzten sechzehn Jahren zur Höchstform gebracht hat. Apropos Musikeranzahl: zählen ist zwecklos! 17 klingt einfach gut und bedeutet nicht unbedingt das, was einem als erstes in den Sinn kommt … oder was man auf der Bühne sieht. Mit Phantom Songs haben die 17 Hippies seit ihrem Bestehen zehn Alben veröffentlicht. Gleichzeitig touren sie seit Jahren weltweit und sind inzwischen in über 20 Ländern aufgetreten.

17hippies_photo_live4Im März 2011 spielten sie als erste deutsche Band auf dem legendären WOMAD-Festival in Australien und Neuseeland. Das Repertoire der 17 Hippies umfasst mehr als die Summe aller identifizierbaren Komponenten. Alles begann mit der Idee, Musik auf so einen kleinen gemeinsamen Nenner zu bringen, dass möglichst viele Musiker mitspielen können. Anfänglich wurden eingängige Melodien und Grooves traditioneller Musik naher Nachbarländer für den eigenen Gebrauch arrangiert. Balkanrhythmen haben dem anglo-amerikanischen Rock/Pop/Jazz-Background der Mitglieder neue Impulse gegeben. Ganz auf die einzelnen Musiker und ihr akustisches Instrumentarium abgestimmt, hat sich die Musik der 17 Hippies im Gesamtbild zu einem unverwechselbaren Sound verdichtet.

17hippies_photo_live3Ihr neues Programm Phantom Songs legt seinen Schwerpunkt auf Lieder und Geschichten. Es zeigt weise, wohin der musikalische Weg die 17 Hippies führt. Ohne ihre Ursprünge aus dem Blick zu verlieren gehen sie zielstrebig nach vorn – offen, wandelbar und mit schwindelerregender Leichtigkeit am Puls der Zeit. Die schöne krude Wahrheit über die Liebe – ohne Umschweife blossgestellt. Ein Blick nach vorn mit Leichtigkeit – die dunkle Vergangenheit verblasst. Es ist der Geist der Zeit, des Jetzt, der durch die deutsch, französisch und englisch gesungenen Texte weht – inklusive des längst zum Klassiker gewordenen Stücks in hessischem Dialekt, das diesmal geradezu arabisch anmutet.

Das Konzert ist unbestuhlt

Edgar Knecht Quartett (D)

Good Morning Lilofee

Aug ’11
20
19:30

edgar-knechtknecht_a4„Eine solche Musik hat die Welt wohl noch nicht gehört“ schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das Jazzpodium findet Edgar Knechts Musik „schlichtweg grandios“ und der Kölner Stadtanzeiger hält ihn für einen „der besten Jazz-Pianisten Deutschlands“. In der Tat kommt kaum ein Jazz-Pianist an die Virtuosität aber auch an das Rhythmusgefühl von Edgar Knecht heran. Anfang 2009 wird er mit seiner Mischung aus Jazz, Klassik und Weltmusik auf dem legendären Jazzfestival in Havanna von einem Weltpublikum stürmisch gefeiert. „One of the most important musicians presented at the Jazz Festival Havana 2009!” schwärmte Jorge Alvarado vom Instituto Cubano de Radio y Televisión in Havanna.

Nun ist seine erste Trio-CD „Good morning Lilofee“ erschienen und wird von Kritik und Publikum gleichermaßen als „sensationelles Album“ umjubelt. Denn Edgar Knecht glückt ein ganz eigener und neuer Zugang zur scheinbar verlorenen Tradition. Der Tastenvirtuose unterzieht den dahinsiechenden deutschen Volkssong einer Frischzellenkur aus Jazz und Weltmusik. Dabei „gelingt es, den tradionellen Liedern dermaßen viel neues Leben und Modernität einzuhauchen, dass es wohl auch dem letzten Skeptiker den Atem verschlägt“, befindet ein Musikkritiker. Wenn er und sein Trio ihre packenden Rhythmen und berührend schönen Melodien präsentieren, spürt das Publikum die große emotionale Kraft, die durch die Verbindung von frischen musikalischen Ideen mit dem eigenen Erbe entsteht. Da wird „Maria durch ein Dornwald ging“ zur unter die Haut gehenden Ballade und „Es war ein König in Thule“ zum Gipfeltreffen zwischen Beethoven und kubanischer Salsa. In „Froh zu sein bedarf es wenig“ feiern afrikanischer Sechsachtel- und deutscher Dreivierteltakt ein rauschendes Freudenfest. Und zur Krönung wird es an diesem Abend einige neue Stücke zu hören geben, die heute ihre Uraufführung feiern.

Wo immer Edgar Knecht und sein Trio ihre Musik aufführen hinterlassen sie ein bewegtes und begeistertes Publikum. Es bedarf manchmal so wenig, ein König zu sein. Edgar Knechts brilliantes Quartett wird von Rolf Denecke am Bass und Stephan Emig am Schlagzeug und Tobias Schulte an der Percussion komplettiert.

Asa (Nigeria /F)

Beautiful Imperfection

Aug ’11
19
19:30

th_asa1-credit-jean-baptiste-mondinoMusikalisch verwoben ist die, mit einem charmanten Glamour ausgestattete Sängerin, in einem Kosmos aus Afrobeat, R&B und Reggae. Schon auf dem famosen Debüt der Vokalprinzessin drängen sich Einflüsse von India Arie, Marvin Gaye und Bob Marley. Sie jammt mit Katie Melua und avanciert in ganz Afrika und Frankreich zum Superstar. Ein Feuerwerk aus eleganten Rhythmen und warmherzigen Melodien. Leichtfüßig im Tempo, Asa (= kleiner Falke) ist ein funkelnder Edelstein, der die Sonnenstrahlen fängt.

th_asa-2-credit-jean-baptiste-mondinoMit ihrer Stimme fängt alles an - und muss alles enden, was man über Asa sagen kann und will. Denn diese heisere, kraftvolle und dabei doch samtene Stimme bestimmt auch die Songs ihres zweiten Albums mehr als jeder noch so gute textliche Kniff. Will man es unbedingt in eine Schublade stecken, muss Pop drauf stehen, auch Soul und Afro. Aber Afrosoulpop? Asa ist viel origineller. Rockpop verwandelt sie mit einem in Yoruba gesungenen Text in ein fantastisches Fabelwesen, das ebenso wie Asa, die in Paris geboren wurde, in Nigeria aufwuchs und später nach Paris zurückkehrte, in vielen Welten zu Hause ist.

th_asa-3-credit-jean-baptiste-mondinoAsa (gesprochen Aasha) verbindet aufs Wunderbarste die sanften, intellektuellen Acoustic-Soul-Klänge einer India-Arie mit der britischen Eleganz von Des’ree und den schwermütigen Chanson-Erzählungen ihrer Wahlheimat Paris. Reggae klingt bei ihr intim. Mit Weltmusik im eigentlichen Sinne hat das nichts zu tun; Asa verschmilzt verschiedene Stile zu einem. Besinnlich, persönlich und charismatisch, tut sie das - und mit einer Liebe für eine Prise Jazz.

Asa, voc.; Janet Nwose, voc.; Nicolas Mollard, Roman Chemlinski guitar; Jean-Mi Coret, bass; Jeff Ludovicus, perc.; Cyril Barbesol, keys

Earth Wind & Fire Experience feat. The Al McKay Allstars

(USA) / Das Konzert ist ausverkauft

Aug ’11
17
19:30
Aug ’11
18
19:30

earth-wind-and-fire-experience-featthe-al-mckay-allstarsIm zarten Alter von 18 Jahren - im herrlichen Jahr 1966 war das - lief Grünschnabel Al McKay frisch zugereist aus Louisiana in L.A. einem gewissen Ike Turner über den Weg. Dem zeigte er seine lang geübten Jugendzimmer-Gitarrenkünste und fand sich - so was gibt´s - unversehens auf der großen Bühne wieder, unterwegs durch die Staaten mit Ike & Tina Turners Revue und mitten hinein in ein unwahrscheinlich reiches, herrliches Musikerleben!

earth-wind-and-fire-experience-featthe-al-mckay-allstars-4Die Turner-Lehrjahre dauerten nur kurz für Al McKay, bald schon wurde er (gerade 20jährig) in L.A. zu einem der angesagtesten Session-Musiker, bei dem Größen von Isaac Hayes bis Charles Wright, von Pearl Bailey bis Sammy Davis jr. anklopften. Ebenfalls im hippie-bewegten L.A. startete zu dieser Zeit das Brüderpaar Verdine und Maurice White mit einer neuen Formation namens Earth, Wind and Fire. Der Erfolg war nicht sonderlich groß, die Mischung aus Soul und R&B mit afrikanischen Rhythmen fiel noch nicht auf fruchtbaren Boden. Al McKay stieg 1973 bei den Brüdern White ein, und endlich schien auch die Zeit reif für den esoterisch angehauchten, klassischen Afro-Fusion-Sound unter dem Zeichen von Sonnengott & E-Gitarre. Earth, Wind & Fire starteten spätestens mit dem 1975er Album „That’s the way of the world” eine internationale Karriere und prägten sowohl das zu Ende gehende Hippie- als auch das beginnende Disco-Zeitalter ganz entscheidend mit.

earth-wind-and-fire-experience-featthe-al-mckay-allstars-3Und mitten drin stand immer Al “The Hurricane” McKay. Er bediente zwischen Pyro-Technik und Flatter-Outfit die Rhythmus-Gitarre, schrieb einige der größten Hits mit (wie „September” oder „Saturday Nite”), und fungierte neben Gründer Maurice White als Produzent. 1981, nach sieben Jahren, hatte McKay erst einmal genug. Er zog sich von der Bühne zurück, produzierte die Alben von Kollegen wie Carl Anderson und den Temptations, und arbeitete hauptberuflich als frisch gebackener alleinerziehender Vater eines Sohnes. In den Neunzigern juckte es dann McKay doch wieder in den Gitarren-Fingern. Er formierte aus alten Freunden und Kollegen eine Art Super-Band, geschaffen einzig und allein für großartigste, mitreißende Disco-Funk-Liveauftritte: die 14-köpfige „Al McKay All Stars”. Mit ihnen reist er nun bis heute um die Welt, in ganz verschiedenen Konstellationen aus alten EW&F-Kollegen, namhaften Gästen wie Ed Wynne von den Doobie Brothers oder Bill Churchville von Tower of Power, und hochklassigen Session-Musikern aus Los Angeles. Gemeinsam tragen sie ein Stück des Lebensgefühls der 70er Jahre weiter, der überbordenden Earth, Wind & Fire Experience. Und ja, seien wir ehrlich: ohne diese 70er-Sonne wäre die Welt wirklich ein wenig ärmer.

Al McKay, guitar; Ben Dowling, Dean Gant, keyboards; Freddie Flewelen, bass; Stephen Reid, trumet; Justin Kirk, trombone; Ed Wynne, saxophone; Aaron Haggerty, drums; Michael Harris, trumpet; David Leach, percussion; Devere Duckett, Tim Owens, Claude Woods, vocals

Das Konzert ist unbestuhlt.

Sharon Jones & The Dap Kings (USA)

I Learned the Hard Way / Das Konzert ist ausverkauft

Aug ’11
14
19:30

sharon-jones-3-photo-credit-steven-dewallNur zwei Auftritte wird es dieses Jahr in Deutschland geben. Wir freuen uns, dass wir diese aufregende Band in Kulturzelt haben!
Amy Winehouse spannte ihr die Band aus, um das Album Back to Black einzuspielen und auf USA-Tournee zu gehen, aber die Amerikanerin Sharon Jones holte sich ihre Jungs zurück – Argument: Qualität. Sharons Soul ist einfach doppelt so gut! Sharon Jones & The Dap Kings sind in den USA nicht erst seit gestern als einer der aufregendsten Acts in Sachen explosive Liveshows und eindrucksvolle Studioaufnahmen bekannt.

th_sharon-jones-1-photo-credit-laura-hanifinMit ihrem letzten Album 100 Days, 100 Nights haben sie auch international den Durchbruch geschafft und weltweit mehr als 150.000 Platten verkauft. Pünktlich zu Sharon Jones’ diesjährigem Geburtstag wird die Band ihre vierte Veröffentlichung I Learned the Hard Way. “Was wissen diese kleinen weißen Jungs schon über Funk?”, fragte sich Sharon Jones zu Beginn ihrer Zusammenarbeit mit den Dap Kings. “Dann habe ich sie spielen gehört. Wow!” Ein “Wow!”, dem man sich vorbehaltlos anschließen möchte. Die bestens angezogenen und geradezu erschütternd jungen Herren spielen, als hätten sie den Geist James Browns zum Frühstück verspeist. Kein Wunder, schließlich feiert auch Amy Winehouse mit dieser großartigen Band im Rücken Erfolge am laufenden Band.

th_sharon-jones-2-photo-credit-steven-dewallDie wahre Dap Queen bleibt aber ohne jeden Zweifel Sharon Jones. Ihr überlassen die exzellenten Musiker zu jedem Zeitpunkt den Platz im Rampenlicht. Jones’ kraftvoller, souliger, vom Leben weniger gezeichneter denn geformter Gesang beherrscht die Szenerie in jeder einzelnen Minute der Show. Schmutzig, kantig und warm will sie ihn haben, den Soul. Was einst für James Brown oder Aretha Franklin galt, ist heute noch die Maxime von Sharon Jones. “Retro” darf man das in Gegenwart der Sängerin nicht nennen, nein, echter Soul war immer so und wird immer so klingen. Die bestens angezogenen und geradezu erschütternd jungen Dap-Kings spielen dazu, als hätten sie den Geist sämtlicher Soul-Heroen zum Frühstück verspeist.

Das Konzert ist unbestuhlt.

Polarkreis 18 (D)

Frei

Aug ’11
13
19:30

pk18_planet_v„Ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dies bei anderen der Fall war. Mir gefallen diese Lieder mehr als alle, und sie werden euch auch noch gefallen.“ Franz Schubert „Winterreise“ Polarkreis 18 können – musikalisch gesehen - vom Winter nicht genug kriegen. Vor zwei Jahren wirbelten die sechs Dresdner Jungs mit ihrem äußerlich eisig anmutenden Album „The Colour Of Snow“ ganz nach oben, und ihre Single „Allein Allein“ blieb ganze 40 Wochen quasi als Spitze des Eisbergs, in den Charts. Und auch ihr umjubeltes Debüt-Album „Polarkreis 18“ kam in frostiger Optik daher, was jedoch keinesfalls bedeutet, dass beim Abspielen je die Gefahr des Global Cooling drohte, im Gegenteil: Die Lieder von Polarkreis 18 sind ganz und gar geeignet, die Polkappen zum Schmelzen zu bringen.
„Frei“, ihr drittes Album, ist zwar erstmals kein winterlicher Titel, dafür nimmt es uns mit auf eine Winterreise. Die 6 Musiker haben Franz Schuberts bald 200 Jahre altes Werk in die Neuzeit geholt und das Thema Winterreise als Orientierung, sowie musikalischen und lyrischen Handlungs- und Interpretationsspielraum genutzt. Das Ergebnis sind nicht 24 Lieder wie bei dem hoffnungslosen Romantiker Schubert, sondern zehn starke, moderne, eigenständige Songs, die, wie in „Unendliche Sinfonie“ von Liebe und Sehnsucht handeln und wie in „Evergreen“,auch auf den Lindenbaum als dem romantischen Sinnbild für Geborgenheit zurückgreifen.

th_pk18_planet1Polarkreis 18 bleiben mit „Frei“ ihrem orchestralen, bisweilen bombastischen Sound genauso treu, wie dem fantasievollen Wechselspiel zwischen deutschen und englischen Texten. Herausgekommen ist ein Liederzyklus mit bisher ungekannter Tiefe und Drama, Energie und Opulenz. Es sind Kompositionen mit kristallklarem Sound und Text. Ein Jahr lang schlossen sich Felix Räuber, Silvester Wenzel, Klavier, Elektronik; Ludwig Bauer, Gitarre; Klavier), Christian Grochau, Schlagzeug; Philipp Makolis, Gitarre, Klavier; Uwe Pasora, Bass und Produzent Sven Helbig quasi ein, arbeiteten erstmals in ihrem eigenen Studio, ihrem „Band-Biotop“ oder ihrer „Kreativ-Zelle“, wie sie ihr Studio nennen, entstanden sind komplexe Kompositionen mit verblüffend einfacher, ergreifender Wirkung, die dem Konzept „Reduce to the max“ folgen. Diese Kunst beherrscht Polarkreis 18 wie keine zweite Band. Es ist zweifellos das stärkste und intelligenteste Werk von Polarkreis 18. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Frei.

Das Konzert ist unbestuhlt.

Vienna Teng (USA)

Inland Territory

Aug ’11
12
19:30

vienna-teng-1Nach dem wunderbaren Konzert im vergangenen Jahr noch einmal! Spiegel-Online nannte Vienna Teng “eine der interessantesten Persönlichkeiten zeitgenössischer amerikanischer Musik”. Und das Fachhandelmagazin All My Music schwärmte über das neueste Album der Sängerin, Pianistin und Songschreiberin: “Lyrisch klar ist die Stimme der Vienna Teng, vielfältig sind die Einflüsse, die sich in ihrer Musik zu einem fragil-filigranen Sound verdichten. Zu der Musik auf ihrem Album ‘Inland Territory’, das sie in ihrem neuen Wohnort New York aufgenommen hat, siedelt Vienna Teng selbst ihre Musik an: “Irgendwo zwischen Folk und Pop, mit ein bisschen Klassik und Jazz“. Es ist etwas frustrierend, keine griffigere Bezeichnung bieten zu können. Aber gleichzeitig zeigt es wohl, dass ich irgendetwas richtig mache.“ Sehr richtig sogar.

vienna-teng-3Herausgekommen ist ein erstaunlich vielschichtiges Album, auf dem sich in erster Linie ihre bewegend natürliche Stimme erhebt. Unterstützt von ihrer zurückhaltend aber absolut effektvoll aufspielenden Band, stecken so komplex arrangierte Hymnen wie ‘Kansas’ oder ‘Oh Gringo’, das sich mit der illegalen Immigration von Mexikanern in die USA beschäftigt, voller musikalischer Überraschungen. ‘Inland Territory’ ist ein Werk, das mit jedem Anhören an Brillanz gewinnt. 2002 veröffentlichte die Newcomerin ihr Debüt-Album „Walking Hour“, das bereits auf genügend Resonanz stieß, um ihr im folgenden Jahr eine Einladung in David Lettermans „Late Show“ einzubringen, ein im Rückblick surreales Ereignis, das ihr inzwischen kaum noch wahr vorkommt. Vienna Tengs Popularität jedenfalls stieg stetig. Im Jahr 2004 folgte „Warm Strangers“, das sie bereits in die Billboard Spartencharts brachte, vor knapp zwei Jahren schließlich das hochgelobte Songalbum „Dreaming Through The Noise“ (2007). Die Sängerin mit der lyrisch klaren Stimme wurde eingeladen, Konzerte von Kolleginnen wie Shawn Colvin, Joan Osborne, Patty Griffin, Joan Baez oder auch den Indigo Girls zur eröffnen und ging selbst fleißig auf Tournee. Ihr gelang der Absprung in die musikalische Selbständigkeit, denn ihre Lieder berühren die Menschen: „Ich habe das Glück, ein loyales Publikum zu haben.

vienna-teng-4Es hat Vertrauen in mich, ist neugierig auf meine Lieder und trägt mich mit, solange ich Bedeutungsvolles mitzuteilen habe“. Die Menschen lieben Vienna Teng, denn ihre Lieder brauchen keine Klischees, um zu wirken. Im Gegenteil: Die Sängerin liebt die Vielfalt der Einflüsse, die sie von überall annimmt und zu Eigenem verarbeitet, unmittelbar in der Wirkung und zugleich durch die beiläufig komplexen Arrangements voller kleiner musikalischer Überraschungen. Es setzt Vienna Tengs bisherige Entwicklung fort, in eine Richtung, die sie zielstrebig in das Pantheon des großen amerikanischen Songwritings führt.

Nils Landgrens Funk Unit (S/D)

Funk for life

Aug ’11
11
19:30

th_nils_landgren_5654_by_steven_haberlandDer Posaunist Nils Landgren ist mit seiner Funk Unit nach Kenia gereist. Zusammen mit der Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” unterstützt die Band Kinder im größten Slum von Nairobi - mit Geld, aber auch mit jeder Menge Musik. Erlöse aus Veranstaltungen und dem Verkauf einer neuen CD leitet er über die “Médecins Sans Frontières” (MSF) an Bedürftige; die “Ärzte ohne Grenzen” organisieren auch die Verteilung von Musikinstrumenten, die Landgren in Europa für afrikanische Schulkinder beschafft. Wenn Schweden als schwermütig gelten, verkörpert er den Prototyp des Anti-Schweden.

th_nils_landgren_5649_by_steven_haberlandZwar kann Nils Landgren auch die traurigen Volkslieder seiner Heimat mit zu Tränen rührender Innigkeit spielen - etwa im Duo mit dem verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson. Aber richtig zu Hause fühlt sich der 45-Jährige eher in seiner Funk Unit: einer groovenden Truppe, die junge Leute zu Tanz-Ekstasen animiert und die auch von ergrauten Jazz-Snobs ernst genommen wird. Denn zu modischen Rap- und Synthesizer-Sounds überraschen Landgrens Funk-Musikanten mit zeitlos mitreißenden Improvisationen. Die vitalsten Soli kommen aus der metallicrot lackierten Posaune des Chefs. Von einfühlsamen Jazzballaden, krachenden Funkstücken bis hin zu schwedischer Volksmusik - Landgren ist ein Mann fast ohne musikalische Grenzen. Sein Markenzeichen ist die rote Posaune, sein Spitzname “Mister Red Horn”.

th_nils_landgren_5381_by_steven_haberlandDas Engagement für den Jazz führte ihn nicht nur zur Big Band von Thad Jones. Im Laufe seiner Karriere stand er mit Größen wie Herbie Hancock, Maceo Parker oder Joe Sample auf der Bühne. Er liebt Bach sowie die Weite und Unbegrenztheit des Meeres und sein Spiel offenbart etwas von dem besonderen Mythos Skandinaviens.Nils Landgren hat den europäischen Jazz entscheidend geprägt: Und ab und an, mal als allerletzte Zugabe, mal zum Luftholen, sang Nils stets einige der schönsten Balladen, die der Jazz kennt. „Wie da einer, der schon alles weiß, die Geschichten, und nichts als die Geschichten erzählt, das fesselt zunächst, dann berührt es.“ (Süddeutsche Zeitung). Er ist ein Magier der Posaune, mit Funk Unit baut Landgren das Konzept des Funk`n Jazz konsequent und in organischer Verbindung von Funk, Soul und Jazz aus. Dass der schwedische Posaunist sich früher oder später auch an das ABBA-Erbe machen würde, war ebenso amüsant wie folgerichtig. Vor vielen Jahren wurde Mr. Redhorn selbst einmal von Benny Andersson ins Studio gebeten, um den ABBA-Song „Voulez-Vous“ mit seiner Posaune anzureichern. „Funky ABBA“ war ein liebenswürdiger Geniestreich, der die ABBA-Hits durch den Groove von Funk Unit passiert, ihnen etwas Retro-Feeling beigibt und sie erfrischend mit Rap-Einlagen aktualisiert. Die Licence to Funk hat sich Landgren redlich erspielt.
Nils Landgren, trombone; Magnum Coltrane Price, bass; Robert Ikiz, drums; Jonas Wall, saxophon & flute; Sebastian Studnitzky, keys & trumpet; Andy Pfeiler, guitar

Das Konzert ist unbestuhlt.

Hindi Zahra (Marocco)

Handmade Tour 2011

Aug ’11
10
19:30

th_hindi-zahra-photo-credit-hassan-hajjajHindi Zahra ist das neue Gesicht einer jungen Generation emanzipierter, kosmopolitischer Songwriterinnen Nordafrikas. Sie hat alles, um als Künstlerin erfolgreich zu sein: Ein Name, der Orientalisches vermuten lässt, einen multikulturellen Hintergrund, Vielsprachigkeit und, wie ihre bunten Gewänder verraten, die nötige Prise Originalität. Als Tochter eines Franzosen in Marokko aufgewachsen, fließen in ihre Musik französische und afrikanische Elemente ein. Doch die afrikanischen Wurzeln machen nur einen Teil des Erbes aus, von dem Zahra zehrt.

th_efr366-014-mfMit ihrem Vater siedelte sie in jungen Jahren nach Paris über, bekam mit 18 Jahren einen Job im Louvre. “Das war mein großes Treffen mit der Kunst”, sagt sie, “als Kind war ich nachdenklich und eng mit der Natur verbunden. Die Gemälde haben bei mir ganz ähnliche Empfindungen ausgelöst”. Chansons muss sie auch viele gehört haben in dieser Zeit; diesen Geist atmen die Lieder fast alle. Als Backgroundsängerin hat sie in Paris und London Hip Hop, Jazz und Soul aufgesaugt und nun aus dem kunterbunten Haufen eine eigene Mischung kreiert.

th_efr366-009-mf2Manu Chao trifft Portishead - Die junge Hindi Zahra schöpft aus Pop, Chanson, Jazz und verbindet sie mit marokkanischen Elementen. “Handmade” heißt ihr sonniges Debütalbum. Schwermütige Nebel verhängen eine global inspirierte Szenerie, gedämpfte Klänge überraunen afrowurzelige Rhythmen, der Gesang schlurft eher, als dass er tänzelte. Ihre Texte hat Hindi Zahra in teilweise eigenwilligem Englisch und in Tamazight geschrieben, und selbst produziert hat sie das Album auch. Das britische Magazin The Wire hat Hindi Zahra mal als Symbiose aus Django Reinhardt und Billie Holiday bezeichnet, lange, bevor es ihre Musik zu kaufen gab.

th_efr366-003-mfUm in Zahras Gitarrenspiel Anklänge an Djangos Gypsy-Jazz zuhören, muss man schön frei assoziieren. Die Stimme von Lady Day ist allerdings wirkliche nicht weit. Hip-Hop liebt sie genauso wie amerikanischen Blues, nordafrikanische Rhythmen ebenso wie Jazz. Ihrem kürzlich bei Blue Note erschienenen Debüt „Handmade“ hört man all diese und viele weitere Einflüsse an. Was den musikalischen Kosmos gleichwohl zusammenhält und zu einem geschlossenen Werk macht, ist die melancholische Grundfärbung ihrer Songs und Hindi Zahras zwischen Billie Holiday und Feist changierende Stimme. Zu ihren Vorbildern gehören Ella Fitzgerald und die ägyptische Sängerin Oum Kalthoum – die Strecke zwischen den USA und Afrika ist für Zahra eben nur ein Katzensprung.

Harold Lopez Nussa Trio & David Sanchez (Cuba/ Puerto Rico)

Herencia

Aug ’11
6
19:30

Harold López-Nussa -patricia-de-gorostarzuDie Reihe junger Piano-Talente aus Kuba reißt nicht ab .Was für ein musikalisches Land! Nun schickt sich Harold López-Nussa an, sie fortzuführen. Nachdem er den 1. Preis im Pianowettbewerb des renommierten Jazzfestivals von Montreux gewonnen hatte, begann man international auf ihn aufmerksam zu werden. Harold López-Nussa hat sein musikalisches Leben zunächst mit einer klassischen Klavierausbildung begonnen. Mit Anfang zwanzig wuchs die Neugier auf die Musikstile seiner kubanischen Heimat – dem Son, dem Rumba oder dem Guaguanco – und so begann er, sich diese Musik autodidaktisch anzueignen. Mit seinem Trio spielt López-Nussa schnörkellosen Latin-Jazz – modern, virtuos und grandios. Schon als kleines Kind habe er immerzu Musik gehört, sagte Harold López-Nussa einmal.

„Musik hat mich umgeben – sie ist Teil meines Lebens.“ Kein Wunder, wenn man einmal einen Blick auf die Familie von López-Nussa wirft: Die Mutter war Klavierlehrerin, Vater und Bruder sind bekannte Perkussionisten und Onkel Ernán ein bedeutender Pianist. In dessen Fußstapfen trat der 27-Jährige und inzwischen dürften ihm diese längst zu klein geworden sein: Harold López-Nussa ist selbst ein Star, und er hat die einzigartige Gabe, traditionelle kubanische Rhythmen mit den formalen Freiheiten des Jazzpianos zu verbinden – dies auf dem grundsoliden Fundament seiner klassische Ausbildung, die in seinem Spiel hedonistische Spuren hinterlässt. Das hebt ihn heraus aus den vielen begnadeten, jungen Pianisten, die in den letzten Jahren ins Rampenlicht getreten sind. Letztes Jahr erschien mit „Herencia“ eine faszinierende Trio-Aufnahme mit seinem Bruder Ruy Adrian López-Nussa am Schlagzeug und dem Bassisten Felipe Cabrera, der häufig in der Band von Gonzalo Rubalcaba spielt. Es ist ein Album, das auf fantastische Weise die verschiedenen Einflüsse in López-Nussas Musik ausstellt: seinen Sinn für Latin Jazz, seine Liebe zum amerikanischen Jazz, seine Faszination für klassische Musik. David Sanchez, der im heutigen Konzert das Trio zum Quartett macht, wurde viermal für die Grammy Awards nominiert und mit einem Latin Grammy Award für seine Veröffentlichung „Coral“ geehrt.

Wie kaum ein anderer Saxophonist hat sich David Sanchez um die Weiterentwicklung des lateinamerikanischen Jazz verdient gemacht. Gemeinsam spielen sie eine Musik, die im langen Atem der lateinamerikanischen Musiktradition fließt – und dabei die Zuhörer atemlos hinterlässt.

Agnes Obel (DK)

Philharmonics

Aug ’11
5
19:30

Agnes ObelEin wunderbares Debüt hat die dänischen Künstlerin Agnes Obel da hingelegt; stilistisch bewegt sie sich zwischen Katie Melua und Feist. Agnes Obel ist dem deutschen Publikum allerseits über ihren fantastischen Song „Just so“ bekannt, der von der Telekom in einer ihrer letzten groß angelegten Kampagnen verwendet wurde - einmal gehört hat man den Song nie wieder vergessen! Agnes Obél schreibt, komponiert, singt und produziert ihre Musik allein. Und das nicht in einem der zahlreichen Musikstudios, sondern in ihrem Schlafzimmer. “Als Kind habe ich begonnen, klassisches Piano zu lernen. Damals hörten meine Eltern sehr unterschiedliche Musik, mein Vater meistens Jazz während meine Mutter Lauri Anderson und Talking Heads hörte. Ein Künstler, der mich damals ziemlich beeinflusst hat, war der schwedische Jazzpianist Jan Johansson, der traditionelle europäische Folk-Melodien als Jazz spielte. Wahrscheinlich habe ich so die Folk-Musik entdeckt.“ Ab und an verirren sich dezente Celloklänge in den Klangfluss, mal gemahnt die Begleitung in ihrem verlässlichen Ostinato an ein Spieluhrwerk, tröstend und verstörend zugleich. Das Geheimnisvolle in Obels Musik speist sich nicht aus Klangeffekten, sondern eher aus der Stille. Hier ist nichts symphonisch-romantisch übersteigert oder gar verschwurbelt; bei Obel dominiert eine Klarheit, die ihresgleichen sucht. Nichts Überflüssiges haben die Songs an sich; sie bestechen durch eine klassische Schnörkellosigkeit jenseits des Zeitgeistes. Die Songs der Agnes Obel ruhen in sich selbst; ihnen wohnt eine nahezu Bach’sche Strukturiertheit und Sakralität inne, gepaart mit einer Stimme, zu geerdet um als ätherisch beschrieben zu werden. Philharmonics lässt sich wirklich schwer zuordnen: Würde man es in die Schublade „Piano–Pop“ oder „Folk“ schieben, täte man dieser Musik wirklich Unrecht. Agnes Obel schafft es mit einer überschaubaren Anzahl an Instrumenten Liedstrukturen zu schaffen, die man zurecht als zeitlos bezeichnen kann. Lediglich das Klavier zieht sich fortwährend wie ein „grüner“ Faden durch die Songs. Begleitet von Cello, Gitarre und zurückhaltenden Percussion – Obel verkleidet jedes einzelne Kleinod mit klassischer Instrumentierung: reduziert, verspielt, mit lachendem und weinendem Blick.

Stephanie Nilles (USA)/ Alexi Murdoch (GB)

Fuck Off, Grizzly Bear/ Towards the sun

Aug ’11
4
19:30

th_stephanie_nillesEin Journalist hat einmal versucht, Stephanie Nilles Wirkung auf ihn zu beschreiben. Und dies war das Ergebnis: “Ella Fitzgerald on speed beating the…out of Regina Spektor!” Ihre Texte sind prägnant und ironisch und wunderbar schnoddrig. Man hat das Gefühl, einen jungen weiblichen Tom Waits in den Ohren zu haben. Geboren wurde die Sängerin und Pianistin in Chicago, inzwischen lebt sie in New Orleans. Stephanie Nilles wollte unbedingt Konzertpianistin werden. Mit Freude und Ehrgeiz studierte sie klassische Klavierliteratur, stürzte sich in erste Wettbewerbe und schrieb sich schließlich an einer Musikhochschule in Cleveland ein. Während des Studiums begann sie zu spüren, dass die klassische Ausbildung nicht ihrem Blick aufs Leben und auf die Welt entsprach. Sie machte den Abschluß - und stieg aus. Die quirlige Frau, die immer schon skurille Texte verfasst hatte, schrieb Songs, am ehesten den Gattungen Folk und Blues zuzuordnen. „She weaves it into her music, which growls like Eartha Kitt and bites like Tom Waits … Nilles is just the kind of treasure that music aficionados love to discover.” -The Tennessee Journalist.

th_alexi_murdoch_photo-credit-jessica-shokrianDas Rockmagazin Rolling Stone bezeichnet Alexi Murdoch als den nächsten Nick Drake, ein neues Wunder der Indie/Folk Szene und listen ihn als „someone to watch“. Seine neueste Veröffentlichung, Towards the sun“, ist definitiv ein Lieblingstück. Die Musik ist meisterhaft arrangiert, seine Stimme wunderschön (und auch sein leicht schottischer Akzent, der gelegentlich durchsickert) und die akustischen Gitarrenklänge sind ein Ohrenschmaus – Alexi Murdoch ist ein aufgehender Stern. Alexi Murdoch, geboren in London, wuchs in Schottland auf und zog in die USA, um an der Duke University Philosophie zu studieren, landete aber letztendlich in Los Angeles. Alexi Murdoch’s dunkle, zarte Stimme und sein dezentes, akustisches Gitarrenspiel nahmen Publikum wie Presse im Sturm – ganz zu schweigen von großen Plattenlabels. Er spielte auf dem Sundance Film Festival und dort entdeckte ihn Sam Mendes (Zeiten des Aufruhrs). In Sam Mendes’ neuem Film ‚Away we Go‘ spielt der Soundtrack die dritte Hauptrolle. Murdochs Stimme hat Raumklang und Tiefe, die Musik ist intim und fordernd. Stimme und Gitarre im perfekten Zusammenspiel, die gedämpften Melodien zaubern dazu eine leicht unheimlich anmutende Atmosphäre. Alexi Murdoch versteht es ausgezeichnet, seine Stimme mit der Gitarre zu amalgieren um eine Stimmung zu schaffen, die gleichermaßen heiter wie melancholisch stimmt. Über die Qualität von “Towards the sun” und die unglaubliche Nähe zu Nick Drake kann man nur staunen.
Nicht nur die Freunde von Nick Drake, Elliott Smith oder Neil Halstead sollten sich den Namen Alexi Murdoch gut einprägen. Unbedingter Tipp!

Juan de Marcos Afro Cuban All Stars (Cuba)

Son, Guaracha & Rumba

Aug ’11
3
19:30

th_juan-de-marcos-photo-credit-sarkis-boyadjianHe’s back! Nach langer Pause kommt endlich einer der wichtigsten kubanischen Musiker wieder nach Europa. Mittlerweile behauptet ja jeder Schwippschwager, er sei irgendwie mit dem Buena Vista Social Club bekannt oder habe schon mal mit ihm gespielt. Wenn aber heutzutage jemand von sich sagen kann, die Geschichte dieses legendären Ensembles mitgeschrieben zu haben, dann ist das Juan de Marcos. Niemand anderes als er hatte die Idee zu diesem Projekt - er holte Ruben Gonzalez ins Studio, stellte Ry Cooder den damals völlig unbekannten Ibrahim Ferrer vor, holte Compay Segundo aus der Versenkung und verhalf Omara Portuondo zu einem späten Comeback. Und so sind seine Produktionen mit den Afro Cuban All Stars, dem Buena Vista Social Club oder auch Sierra Maestra immer auch eine Referenz an seine Helden, die legendären “soneros” (Sänger) aus der Goldenen Zeit.

th_acas-juandemarcos_posterAls Juan de Marcos González, begnadeter Bandleader der Afro Cuban All Stars und ein ebenso fantastischer tres-Spieler, in Havanna aufwuchs, waren die angesagten Bands seiner Zeit – selbst im kommunistischen Kuba – King Crimson, Yes und Jethro Tull.
Doch der junge Juan bevorzugte statt Prog-Rock son, guaracha und rumba und empfindet es bis heute nach wie vor als Auftrag, diese Tradition kubanischer Musik am Leben zu erhalten. Seit den späten siebziger Jahren spielte Juan de Marcos mit der Son-Gruppe Sierra Maestra und versuchte parallel, sich weitere eigene Wünsche zu erfüllen. So verfolgte er beispielsweise jenen Traum, “all die großen und noch lebenden Stars der 40er und 50er Jahre mit jungen Musikern in einem Orchester zu vereinen, um kubanische Musik zu spielen, die die Kontinuität der Tradition zeigt”.

th_juan-de-marcos3-photo-credit-sarkis-boyadjianDie Ergebnisse sind heute weltbekannt und tragen Namen wie Buena Vista Social Club und Afro Cuban All Stars. Für das Repertoire dieses Ensembles unternahm Juan de Marcos akribische Studien alter Big Band Arrangements, um einerseits den Geist der einst geschriebenen Musik zu erfassen und diesen in einem zweiten Schritt auf neuere, moderne Ausdrucksformen zu übertragen.

Das Konzert ist unbestuhlt.


Canned Heat Woodstock Reunite 2011 (USA)

On the road again

Jul ’11
30
19:30

canned-heat-promo-copyright-canned-heatFür einige ausgewählte Konzerte in Europa in diesem Sommer kommen drei original Mitglieder der Rock-Legende Canned Heat wieder zusammen: Adolfo “Fito” de la Parra, Larry “The Mole” Taylor und Harvey “The Snake” Mandel Sie standen bereits zusammen beim legendären Woodstock-Festival auf der Bühne. Begleitet werden sie vom Stamm der US-Band: Greg Kage, Barry Levenson und Dale Spalding. Mit „Let’s work together“ oder „On the Road again“ wurden Canned Heat berühmt – das ist rund 40 Jahre her, aber den Biss von damals hat die Band von der US-Westküste bis heute behalten. Canned Heat spielte schon beim Woodstock-Festival 1969 mit. Ihr Song „Goin’ up the country“ eröffnet gar den legendären dreistündigen Film über dieses berühmteste aller Festivals. Weitere Hit-Klassiker der Band sind „Let’s work together“ und „On the Road again“ – auch heute noch regelmäßig im Rundfunk oder im TV gespielt. Frischer und peppiger können Blues und Boogie nicht sein, als in der legendären Woodstock-Formation. Canned Heat ist jetzt wieder unterwegs und die Band ist vitaler denn je. Allenthalben wird das homogene Zusammenspiel der Formation gelobt. Canned Heat liefert von der ersten Minute an dichten Blues’n'Boogie, der keinen Zuhörer stillstehen lassen wird. Ein Klassiker eben, der sich indessen nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht, sondern auf der Bühne Frisches anbietet. Treibende Rhythmen, die markante Harmonika als eines der tragenden Instrumente – Canned Heat macht noch immer herrlich treibende Musik, die direkt ins Blut geht.

Fito de la Parra: drums/vocal
Larry Taylor: bass/guitar
Harvey Mandel: guitar
Dale Spalding: vocals/guitar/harmonica

Das Konzert ist unbestuhlt.

Maceo Parker (USA)

Come by and see

Jul ’11
29
19:30

th_maceo0003Unter dem Ruf: „Maceo, I want you to blow!“ wurde Maceo Parker in der Band von James Brown zum funkigsten Saxophonisten überhaupt. Unermüdlich bläst er mit seiner Crew der Welt 2% Jazz und 98% Funk um die Ohren. Er spielt auf den großen Festivals in den USA und Europa, er spielt mit Prince und George Clinton, aber der vom „Rolling Stone“ als „Best Jazz Artist“ geehrte Musiker lässt sich auch hin und wieder gern in das Kulturzelt bitten! Hier begann vor immerhin 23 Jahren seine europäische Karriere. Maceo steht nach vier Jahrzehnten Bühnenerfahrung mit dem Gewicht seiner bodenständigen coolness für handgemachte Perfektion und uplifting Soul. Über den für Mr. Parkers so typischen, fest in bester R’n’B Tradition verwurzeltem Funk-Groove spinnt er mit einer phantastischen gedanklichen Freiheit extrem reduzierte Essenzen des Bebob. Unter strikter Einhaltung des Konzeptes von „funkyness“ betätigen sich Wahwah-Gitarren, Hammond-Orgeln, gerappten Refrains, gebreakte Bläsereinsätze und Parkers saxophonale Wanderschaften. Der Ton aus seinem Saxophon kommt äußerst präzise und scharf.

th_maceo-teachingEr bläst mit so viel Attack an, dass man fast den Eindruck bekommt, es sei ein Perkussionsinstrument zu hören. Die Riffs sind dementsprechend rhythmusorientiert. So ergänzt sein Spiel, vor allem wenn er begleitet, die synkopierten Arrangements der Rhythmusgruppe. Das ist Maceo Parkers Art, in einer Funkband Saxophon zu spielen. Als Mitte der 80er Jahre HipHop ins Rampenlicht rückte und sich all die tanzorientierten Musikstile an den technischen Möglichkeiten des Sampelns erfreuten, rückten Maceos Grooveaktivitäten in das Zentrum des Interesses – weil es grundsätzlich um einen guten GROOVE ging. Doch der legendäre Saxophonist und seine Band sind live einfach am besten. Funk als kräftevereinigender Ruf nach dem freisetzen menschlicher Energien. Wie man eine Party zündet, da macht dieser Band so bald keiner was vor.

Das Konzert ist unbestuhlt.

Christina Lux, Reentko & Stefan Emig / Anna Depenbusch (D)

Playground/ Die Mathematik der Anna Depenbusch

Jul ’11
28
19:30

th_luxreentko300Seit Anfang der Neunziger Jahre ist Christina Lux als Solokünstlerin unterwegs und berauscht und beseelt das Konzertpublikum, wie auch die Presse. Christina Lux lässt sich noch immer in keine Schublade packen und das ist gut so. Wäre doch zu schade, wenn die Vielfarbigkeit und die wunderbare Kraft und Beweglichkeit ihrer Stimme sich in irgendeinem „Popmainstream-Kleid“ verfangen würde. So bleibt sie 100% Lux mit soul-folkigen Klängen, spannenden Scat-Improvisationen, sowie zauberhaften, sanften Balladen mit berührenden Lyrics. Ihre Songs sind poetisch und gehen tief unter die Oberfläche. Ihre an Klangfarben reiche Multi-Oktaven-Stimme, die ebenso schmeichlerisch hauchen kann wie sie temperamentvoll scattet, korrespondiert mit temporeichem Funk und Soul , mit ruhigen Balladen und erdigem Blues.

th_lux-renntko-koffaLux und ihrem musikalischen Partner Reentko gemeinsam ist ein dynamischer, lebendiger Austausch: Lux‘Songs und Reentkos Klangwelten, seine brillante Gitarrenarbeit und die erdige Percussion ergänzen sich kongenial. Reentko ist ein wundervoller Musiker, der sich stets mit Haut und Haar eingibt, ohne auch nur einen Moment lang die Aufmerksamkeit für die Intentionen seiner Mitspieler oder des Publikums zu verlieren. Exclusiv für dieses Kulturzeltkonzert wird dieses schon geniale Duo zum kongenialen Trio: Stefan Emig, der aus vielen Formationen, wie Triosense, bekannte Schlagzeuger wird heute mit auf der Bühne stehen.

th_02_anna-depenbusch_fotmathias-bothorTragische Texte, federleichte Musik: Bei ihrem Debüt vor fünf Jahren galt Anna Depenbusch als Geheimtipp, jetzt tritt sie energisch in die Öffentlichkeit. Auf ihrem neuen Album präsentiert sie einen gewagten Mix aus Chanson, Jazz und Pop - Die 33-Jährige, die in Hamburg geboren ist und bereits als Kind in der Schul-Bigband spielte, studierte Musik und Theater, war Background-Sängerin von Orange Blue. Aber sie fuhr auch Gemüselaster auf dem Deich oder sang in einem Nachtclub auf der Reeperbahn.  Die Mathematik der Anna Depenbusch heisst das  Album einer Künstlerin, die alles selbst macht: Sie singt und spielt Klavier, sie schreibt ihre Texte selbst, sie komponiert, arrangiert und produziert ihre Stücke.

th_06_anna-depenbusch_fotmathias-bothorIst eben alles handgemacht, und das kann man auch hören: In “Astronaut” knarzen die Stühle des Orchesters, in “Madame Cliquot” wetzt ihr Gitarrist zwei Brotmesser. “Ich finde es toll, solche Details in den Aufnahmen zu lassen.”  Und es ist ein gewagtes Album, weil fast jedes Lied ein anderes Genre bedient: Chanson, Jazz, Disco, Polka, Klassik - irgendwie ist alles dabei. Eine mutige Entscheidung in Zeiten, in denen Popstars aus der Retorte geboren werden und vor allem in eine Schublade passen sollen. “Viele Produzenten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben mich gewarnt”, erinnert sich Depenbusch. “Ein Album mit vielen verschiedenen Genres sei zu durcheinander, ich wisse nicht, was ich wolle.” Wusste sie aber doch - und produzierte sich kurzerhand selbst: Ihr Song “Monoton” erinnert mit Penny-Lane-Piccolotrompete und Vibrafon ein bisschen an die Beatles, Cello und Klavier in “Tanz mit mir” an ein Chanson von Edith Piaf, und “Madame Cliquot” vermittelt ein James-Bond-Casino-Feeling. Die Mathematik der Anna Depenbusch ist Musik zum Zuhören und zum Entdecken.

th_o_o_01_anna-depenbusch_foto_mathias-bothorEigenwillig, emotional und collagenhaft. So ist „Wir sind Hollywood“ ein kraftvoller, akustischer Popsong, bei dem es um den verstärkt auftretenden Reiz von Schein und Sein geht. Wogegen der wundervolle Liebesreigen „Tim liebt Tina“ einen verspielten Walzer mit bittersüßem Text über das Beziehungskarussell darstellt. Eine weitere Klangfarbe bildet der atmosphärische Bluestitel „Wenn du nach Hause kommst“. Dabei singt Anna mit verführerisch zurückhaltender Stimme über große Versprechungen sich zu ändern. In „Glücklich in Berlin“, ein Country-Song mit Banjo, Pedal-Steel Guitar und Western-Fiddle, beschäftigt sie sich mit der Frage, wo man sich wohl und zuhause fühlt. Vielfältigkeit gehört für die Sängerin sowohl zur Mathematik als auch zur Musik. Die Verschiedenheit der Dinge bewirkt eben manchmal, dass am Ende der Gleichung ein verblüffend stimmiges Ergebnis herauskommt.

Anna Depenbusch, voc., piano; Ulle Rode, guitar; Oliver Karstens, bass; Martin Engelbach, perc.; Anne de Wolff, violin

Abdullah Ibrahim & Ekaya (SA)

Sotho Blue

Jul ’11
27
19:30

th_ai_photo_jepgma25549244-0005Der Begriff Legende wird in unseren prosaischen Zeiten nur allzu inflationär gebraucht. Auf den südafrikanischen Jazzpianisten Abdullah Ibrahim trifft er jedoch in jeder Hinsicht zu. Abdullah Ibrahim verströmt eine Aura von unangreifbarer Ewigkeit. Als Adolphe Johannes Brand 1934 in Kapstadt geboren, arbeitete er ab 1949 unter dem Namen Dollar Brand als Berufsmusiker. Was das zu Zeiten der Apartheid in Südafrika bedeutete, muss hier nicht näher ausgeführt werden. Immerhin hielt er es bis Anfang der Sechziger in seiner Heimat aus, wo er Miriam Makeba begleitete und mit den Jazz Epistles die erste nennenswerte Jazzband Afrikas gründete. Doch die internationale Anerkennung trug ihm zuhause auch Misstrauen ein. 1962 setzte er sich nach Europa ab, und wurde 1965 von Duke Ellington entdeckt. Ellington holte Brand nach New York. An der Seite von Ornette Coleman und John Coltrane begab er sich auf ein spirituelles Gleis, das er bis heute nicht verlassen hat. Seine enge Verbindung zu Afrika ließ er niemals abreißen, aber auch in Europa und Asien suchte er unentwegt nach Allianzen. 1968 konvertierte er zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an. In den siebziger und achtziger Jahren war er die Integrationsfigur für afrikanischen Jazz schlechthin. Die Abschaffung der Apartheid war auch für Abdullah Ibrahim ein Befreiungsschlag. 1994 spielte er auf der Amtseinführung Nelson Mandelas. Mit dem nachdenklichen Soloalbum „Senzo“ erweiterte er den Kontext seiner afrikanischen Roots und amerikanischen Erinnerungen zu einer globalen Erfahrung.

th_ai-ekaya_photosZu seinen Langzeitformationen gehört die Band Ekaya. Ekaya bedeutet Heimat. 1983 gegründet, nahm sich die Band der südafrikanischen Vokalmusik an und übertrug ihre hymnische Magie in den Kontext des instrumentalen Jazz. Ibrahim: „Ekaya hat sich zu einer Art Institution entwickelt. Ihr Zentrum ist ein universaler Code. Egal wie weit man geht, du bleibst zu Hause.“

Cleave Guyton (Altsax, Flöte), Keith Loftis (Tenorsax), Jason Marshall (Baritonsax), Andrae Murchinson (Posaune) klingen im Verein mit Drummer George Gray, Bassist Belden Bullock und Ibrahims unverkennbarer Pianohymnik wie ein vielstimmiger Chor..Der Slogan „Back to the Future“ hat für sie nichts Cooles oder Abgeklärtes, er gehört zur rituellen Grundausstattung ihrer Musik. So ist der Rekapitulation dieser teilweise 25 Jahre alten Songs überhaupt nichts von Revisionismus, Melancholie oder gar Selbstgefälligkeit eigen. Oder mit Ibrahims Worten: „Die neuen Ekaya statten uns mit der einzigartigen Möglichkeit aus, unsere Vergangenheit zu hinterfragen, um unsere Zukunft zu entwerfen.“ Ekaya 2010 ist sparsamer und minimalistischer als frühere Ausgaben der Band. Der Kampf ist vorüber, es gilt die Erinnerung zu wahren und etwas Neues daraus zu machen. Geblieben ist die überbordende Poesie der Songs.

Curtis Stigers (GB)

Lost in dreams

Jul ’11
24
19:30

curtis stigers credit andy lawlessSeit fast zwei Jahrzehnten beweist Curtis Stigers auf seinen Alben und Konzerten, dass die Trennlinien zwischen Jazz, Pop, Soul, Rock, Blues und sogar Country-Musik längst nicht so klar definiert sind, wie es den Anschein haben mag. Indem Stigers seine eigenen Kompositionen mit ein paar wohlbekannten Jazzstandards und Songs von Annie Lennox und Roger Waters mischt, erschafft er ein überraschendes Repertoire, das in seiner Gesamtheit sicherlich noch großartiger ist als die Summe seiner Einzelteile. Dafür wurde er im vergangenen Jahr mit dem Echo als bester Jazzsänger geehrt.

curtis stigers 3 credit andy lawlessAls Curtis Stigers 1991 sein titelloses Debütalbum veröffentlichte, eroberte er die Popwelt im Handstreich: Das Album landete auf Platz 1 der Heatseeker-Charts von Billboard, verkaufte sich über 1,5 Millionen Mal und brachte dem Debütanten mehrere Platinum-Auszeichnungen in aller Welt ein. Mit “I Wonder Why”, “Never Saw A Miracle”, “Sleeping With The Lights On” und “You’re All That Matters To Me” enthielt es zudem gleich vier selbstverfaßte Hit-Singles, von denen es zwei in die Top 10 schafften. Einen weiteren Erfolg verzeichnete Stigers im darauffolgenden Jahr, als er für den Soundtrack des Kinofilms “The Bodyguard” (mit Whitney Houston und Kevin Costner in den Hauptrollen) eine wunderbare Interpretation von “(What’s So Funny ‘Bout) aufnahm. Dann allerdings besann er sich recht bald auf seine eigentlichen Wurzeln und sang wieder Jazz. Mit seiner leicht rauen, soulgetränkten Stimme und einer wunderbar sonoren Phrasierung auf dem Tenorsaxophon zeichnet Curtis Stigers für eine unverwechselbare musikalische Persönlichkeit. Was Curtis Stigers von vielen anderen Jazzsängern heutiger Tage unterscheidet, ist seine Fähigkeit, selber exzellente Songs zu schreiben. “Ich strebe nach einem komplexen und sich stets wandelnden eigenen Stil”, sagt Stigers. “Das macht es schwierig, mich in eine Kategorie einzuordnen. Ich singe wunderbare Liebeslieder, aber ich bin nicht wirklich ein Crooner. Ich schreibe eigene Songs, aber ich bin auch nicht nur ein Singer/Songwriter“.

Curtis Stigers, voc, saxophon; Matthew Fries, piano; Keith Hall, bass; Cliff Schmitt, drums; Jon Sneider, trumpet

De Phazz (D)

LaLa 2.0

Jul ’11
23
19:30

Auf ihrer Myspace - Fanseite ist als Musikrichtung “Jazz / Andere” angegeben. Keine besonders genaue Definition, aber genau so ist es, und genau das macht den Sound der Band aus. De - Phazz aus Heidelberg verstehen es wie kaum eine andere Band, genreübergreifende Songs zu kreieren, die zwischen Jazz, Nu - Jazz, Trip Hop, Soul und Latin hin und her grooven und sich im Gehörgang festsetzen.Being Pit Baumgartner. Was geht im Kopf des Produzenten und “Head of De Phazz” vor sich? GaGa oder doch DaDa – das ist hier die Frage. Nun  zu den Fakten: Die Heroen von De Phazz sind nicht nur Begründer des Genres Loungemusic und weltweit in ihrem Stil kopiert, auch ihre Alben werden in Asien und den USA regalweise (raub)kopiert und verkauft. „LaLa 2.0“, das mittlerweile achte De Phazz Album, ist geprägt von den zahlreichen Vokalisten aus dem musikalischen Kreis der Band. Vorneweg Pat Appleton und Karl Frierson. Die ‚Godfathers of Lounge’ wie De Phazz auch gerne genannt werden, haben seit ihrer ersten Veröffentlichung ‚Detuned Gravity’ von 1997 eine beeindruckende Karriere hingelegt. Seither wurden sechs weitere Alben veröffentlicht - zwei davon fanden sich in den Top 20 der Albumcharts wieder, gefolgt von diversen Echo-Nominierungen. 2011 heisst es nun ‚LaLa 2.0′, ein lyrischer Spagat zwischen Tiefsinn und Leichtsinn, Lamento und Lachfalten,  untermalt mit elektro-organischen Klangkollagen wie Pit Baumgartner, Produzent und Mastermind von De Phazz sein jüngstes Werk beschreibt. Weil heute im MP3-Zeitalter alles austauschbar scheint, und Musik auf Dateiträger komprimiert wird, kann sich der Käufer der aktuellen CD sein eigenes “LaLa 2.0″-Cover aus sieben austauschbaren Coverkarten gestalten. Pit Baumgartner hat den Humor für sich gebucht. Seine neuen Kreationen sprühen vor Witz und einer wunderbaren Ironie. De Phazz klingen nach einer besseren Welt - zumindest einer entspannteren Zeit. Perlender Loungepop im weitesten Sinne, zu dem man die Tanzfläche leichtfüßig betritt. Das Revier von Pit Baumgartner und seinen Langzeit-Kollaborateuren ist hinlänglich abgesteckt. Vielleicht fasst man die gesamte Sound-Philosophie am besten so zusammen: spacige Synthieflächen, dazu weich und tief groovender Bass, Jazz-Vibe mit Bläser, Streichern, etwas Percussion und die starken, in Soul und Pop verankerten De Phazz-Stimmen - das ganze Paket intelligenter und gutgelaunter Musik.

Das Konzert ist unbestuhlt.