| Aug ’09 |
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| 19:30 |
Die 17 Hippies sorgen alljährlich für einen furiosen Konzertabend im Kulturzelt! Wir grüßen den Rock’n'Roll, den Balkan, Mexiko, den Chanson, Pop und Cajun. Die Lebenseinstellung der 17 Hippies ist herrlich unverdorben und gnadenlos rock n’roll, die Berliner Band passt so gut in das Kulturzelt Kassel, dass wir sie schon getrost als „Artists in Resident“ bezeichnen können.
Ihre Entstehungsgeschichte liest sich wie eine Chronik des Berliner Musik-Lebens seit den 80er Jahren. Heute stehen sie zu dreizehnt auf der Bühne und produzieren diesen typischen »17 Hippies-Sound«: Kontrabass, Banjo, Ukulele und Gitarre sind die rhythmische Basis über die sich das Melodiegeflecht aus Geigen, Violoncello, Accordeon, Klarinette, Trompete und Posaune legt. Traditionelle Musik aus Osteuropa, Frankreich und Amerika wird mit eigener Berliner Prägung versehen. Der Sound der Hippies: witzig, spritzig, tanzbar.
Vor dem Hintergrund anglo-amerikanischer Pop- und Rockmusik fing die Suche nach den eigenen Traditionen an. Im Laufe der Zeit sind dann mehr und mehr eigene Kompositionen und zahlreiche Songs mit Texten auf deutsch, englisch und französisch entstanden. Den Drive und die Fülle der weltmusikalischen Einflüsse haben die 17 Hippies dabei in ein neues Licht gestellt. „Wir sind gierig nach allem, was uns anschaut und berührt. Und da wir nie wissen, hinter welcher Ecke eine Überraschung lauert, bleibt uns nur, um möglichst viele Ecken zu biegen!“ Die Grundstimmung beschreibt die Band mit einem richtungsweisenden Zitat von Duke Ellington: „It don’t mean a thing if it ain’t got that swing.“
Ihr neues Album „El Dorado“ zeugt vom Willen, in der Weite das Große suchen zu wollen. Die 17 Hippies, die eigentlich nie 17 sondern 13 waren, sind Vollblutmusiker. Das Kollektiv gehört seit dem Soundtrack von „Halbe Treppe“ zu den Kultfiguren des deutschen Films. Sie komponierten die Musik für das Stück „Kasimir & Karoline“ von Ödön von Horvarth am Deutschen Theater Berlin, spielten jüngst eine CD mit Marc Ribot und Jakob Ilja ein.
Die E-Gitarrenklänge geben der Musik noch einmal eine formidable faszinierende Wende. 17 Hippies – dies ist auf einer DVD dokumentiert „The greatest show on earth“ – eine wunderbar reizvolle wie liebenswerte Dokumentation von Künstlern, die sich mit ihrer zutiefst intelligenten Musik viele Ehrungen und Lorbeeren erspielt haben.
Wo sie ist, geht die Sonne auf. Soha erhellt nicht nur den französischen Pophimmel, auch hierzulande ist die Botschaft der musikalischen Neuentdeckung angekommen. Auf der Bühne springt die in Marseille geborene Tochter einer algerischen Großfamilie zwischen Stilen, Sprachen und Kulturen hin und her. Nicht umsonst heißt ihr durchaus wörtlich zu verstehendes Debütalbum „D’ici et d’ailleurs“ – „Von hier und von woanders“.
Soha nimmt den Hörer mit auf eine Reise, die wahrhaft cosmopolitisch ist. Dabei verblüfft sie in ihrer multilingualen Musik Textzeilen wie „On ne saura jamais whatever people say como empieza l’amour“ . Das Überraschende daran: Der Slang wirkt authentisch und wird auf der ganzen Welt verstanden. Da bekommt das Wort „Crossover“ gleich eine ganz neue Bedeutung. Soha bringt groovenden westlichen Pop und karibisch inspirierte Musik zusammen, vermischt dabei Ragga, Reggae und Hip Hop zu einem explosiven Gebräu, schwebt nicht nur in der luftigen Coverversion von Serge Gainsbourgs „Les Petits Papiers“ in französischen Sphären. Soha vereint alle Einflüsse, die ihr Leben bislang geprägt haben, und entwirft gemeinsam mit ihrer vierköpfigen Band eine gleichsam lässige, zauberhafte, kraftvolle und mitreißende Klanglandschaft.
In Frankreich ist die Sirene ein shootingstar, der das legendäre Olympia Konzerthaus in Paris gleich tagelang ausverkauft. Ab den ersten Takten wickelt Soha die Hörenden um den Finger. Betört von sagenhaft schönem Songwriting, folgen wir ihrem Ruf ins Irgendwo zwischen Jamaika, Frankreich, Amerika und Kuba. Dancehall, Pop und Jazz mischt sie mit französischem Charme, nordafrikanischen Wurzeln, kubanischer Leichtigkeit und einem originären Singer/ Songwriter-Selbstverständnis. indem sie Schichten musikalischer Farben übereinander legt Und besitzt auch die Frechheit, den Klang eines Metronoms als Rhythmus-Hook zu verwenden. Frech und äußerst äußerst gekonnt.
Er liebt Bach sowie die Weite und Unbegrenztheit des Meeres und sein Spiel offenbart etwas von dem besonderen Mythos Skandinaviens.
Er ist ein Magier der Posaune, mit Funk Unit baut Landgren das Konzept des Funk`n Jazz konsequent und in organischer Verbindung von Funk, Soul und Jazz aus. Dass der schwedische Posaunist sich früher oder später auch an das ABBA-Erbe machen würde, war ebenso amüsant wie folgerichtig. Vor vielen Jahren wurde Mr. Redhorn selbst einmal von Benny Andersson ins Studio gebeten, um den ABBA-Song „Voulez-Vous“ mit seiner Posaune anzureichern.
Dafür zeichnet vor allem ihr eigentümlicher Sprechgesang verantwortlich, der seinesgleichen in der Popwelt sucht und der blonden Engländerin eine über die Jahre treue und stetig wachsende Fangemeinde beschert. Die Pop-Poetin aus Londons Vorort Croydon spuckt sperrige Texte mit zackig betonten Konsonanten ins Mikro, drapiert mit einem Mix aus eingängigen Melodien und widerspenstigen Softtechno-Beats. Anne Clark wird gern als das weibliche Gegenstück zu Künstlern wie Nick Cave, John Cale von Velvet Underground oder Tom Waits bezeichnet.
„The smallest acts of kindness“, das sind Songs, die Anne seit Jahren live spielt, zu deren Umsetzung im Studio sie bisher aber nie gekommen ist, ebenso wie neue Stücke. Vom atmosphärischen “As soon as I get home” bis zum aufwühlenden, von elektronischen Beats getriebenen “Prayer before birth” führt Anne Clark das ganze Spektrum ihrer gesamten Karriere auf, während sie immer neue Wege auslotet, die alte wie neue Fans begeistern werden. Konzerte mit Anne Clark sind intensiv und berührend, voller Song- und Klangperlen. Es schmerzt immer noch einiges auf der Welt, aber Anne Clark vermittelt 2009 angenehm mehr Hoffnung als Endzeitstimmung in ihrer Kunst. Begleitet wird dieses Multiwunder von einer exquisiten Band, die im Genre der Elektronik ebenso beheimatet ist, wie im Umgang mit akustischen Instrumenten.
Mit “I Wonder Why”, “Never Saw A Miracle”, “Sleeping With The Lights On” und “You’re All That Matters To Me” enthielt es zudem gleich vier selbstverfaßte Hit-Singles, von denen es zwei in die Top 10 schafften. Einen weiteren Erfolg verzeichnete Stigers im darauffolgenden Jahr, als er für den Soundtrack des Kinofilms “The Bodyguard” (mit Whitney Houston und Kevin Costner in den Hauptrollen) eine wunderbare Interpretation von “(What’s So Funny ‘Bout) aufnahm. Dann allerdings besann er sich recht bald auf seine eigentlichen Wurzeln und sang wieder Jazz. Mit seiner leicht rauhen, soulgetränkten Stimme und einer wunderbar sonoren Phrasierung auf dem Tenorsaxophon zeichnet Curtis Stigers für eine unverwechselbare musikalische Persönlichkeit.
Was Curtis Stigers von vielen anderen Jazzsängern heutiger Tage unterscheidet, ist seine Fähigkeit, selber exzellente Songs zu schreiben. “Ich strebe nach einem komplexen und sich stets wandelnden eigenen Stil”, sagt Stigers. “Das macht es schwierig, mich in eine Kategorie einzuordnen. Ich singe wunderbare Liebeslieder, aber ich bin nicht wirklich ein Crooner. Ich schreibe eigene Songs, aber ich bin auch nicht nur ein Singer/Songwriter“.
Das Ergebnis ist ein virtuos umgesetzter Bigband-Sound, bei dem Tradition und Moderne eine gleichberechtigte Fusion eingehen und in dessen lyrischem Mittelpunkt meist Alltagsgeschichten, aber auch sozialpolitische Themen stehen.
Scharf gewürzt wird dieser Mix mit einfallsreichen Jazzsoli und abwechslungsreichen, unvorhersehbaren originellen Arrangements. Die ansteckende natürliche Spielfreude verführt mühelos jedes Publikum, sich dem Rhytmus hinzugeben und den Tanzboden zu bevölkern.
Synthie-Sounds, druckvolles Schlagzeug und britisch angehauchte E-Gitarren gehen eine harmonische Liason ein. Oft temporeich und druckvoll inszeniert, schweben verträumte Melodien wärmend durch den Raum In einem ihrer größten Hits hat die Kölner Band „Gold“ besungen, jetzt greifen sie danach. Wie Goldschürfer so lange gesiebt, bis nur noch glänzende Nuggets übrigblieben: reine Popsongs mit großen, wahren Gefühlen, noch größeren Melodien und unwiderstehlichen Refrains. Klee haben auf „Berge versetzen“, ihrer letzten Veröffentlichung, die perfekte Symbiose gefunden aus Elementen britischer Gitarrenpopkunst und europäischer Elektronikkultur, aus edlem Schliff feiner Songjuwelen und kluger Auslotung komplexer Gefühlswelten „Zwischen Glauben und Vertrauen“ entwirft ein kleines, halb fiktives Panorama vom Leben in der Stadt, ein Song, für dessen Text ursprünglich gemeinsame Erinnerungen aus Barcelona Pate standen, die sich hier zu den Bausteinen eines metropolistischen Utopias zusammenfügen.
„Weil es Liebe ist“ ist eine melodisch wie poetisch betörende Liebeserklärung, abgerundet mit orchestralem Glanz zu einer Miniatursymphonie. Auch der Titelsong „Berge versetzen“ hat diesen erhaben klassischen Glanz. Klee sind keine zurückhaltende Studioband - im Gegenteil. Von jeher nehmen Live-Auftritte einen großen Raum im Schaffen des Quintetts ein.
Das Licht der Kunstfigur Sophie Hunger, eine Folksängerin ohne Folk-Botschaft, hatte bislang nur auf der Bühne gebrannt. Mittlerweile ist ihr erstes, wie man so sagt: professionelles Album in der Schweiz bei einem kleinen Label erschienen. Der Branchenriese Universal zieht nun in Frankreich und in Deutschland nach. “Monday’s Ghost” landete gleich in der ersten Woche auf dem ersten Platz der helvetischen Hitparade, Es geht um Zauber und um Täuschung, um Verführung. Etwa wenn sie manchmal die Vokale verformt und sie in ein Nuscheln gleiten lässt, dessen stilisierte Prononcierung so sehr ihre Bewunderung für Radiohead verrät.
Roberto Fonseca, 1975 in Havanna geboren, gilt als der bedeutendste Pianist seiner Generation. 1990, als er gerade fünfzehn war, trat er beim International Jazz Plaza Festival auf und begeisterte die Fachpresse. 1996 wurde er Mitglied der Band des Sängers Augusto Enriquez und 1997 gründete er mit Javier Zalba die Gruppe Temperamento. Von 1999 bis 2001 nahm er eigene Kompositionen auf und kooperierte bei Platteneinspielungen mit internationalen Künstlern.
Es ist nicht allein das musikalische Können, das das Spiel von Roberto Fonseca auszeichnet, es ist auch das Studium der an Zitaten reichen kubanischen Musik, ihrer vielfältigen Einflüsse und das Wissen um all jene Erkundungen, die geradewegs in die Zukunft führen.
Wie man “The Art Of The Trio” perfekt beherrscht, das kannte man bislang nur von Brad Mehldau, Bill Evans und E.S.T. Mit dem norwegischen Helge Lien Trio macht sich nun eine neue Formation auf den Weg, dem Piano-Trio neue, spannende Klangbilder hinzuzufügen. Das perfekt aufeinander eingespielte Trio hat mit ‘Hello Troll’ ein Album vorgelegt, das lyrisch-impressionistische Stimmungsbilder zeichnet, deren Anziehungskraft man sich nur schwer entziehen kann. Helge Lien, der neben seinem eigenen Trioprojekt auch mit anderen norwegischen Acts, wie zuletzt mit Silje Nergaard, unterwegs ist, hat mit seinen Bandkollegen Frode Berg (Bass) und Knut Aalefjær (Drums & Percussion) eine ganz eigene, unverwechselbare Art des Triospiels entwickelt. Mit traumwandlerisch sicherem Zusammenspiel entwickeln die Musiker einen kammermusikalisch anmutenden Jazz, der sich durch harmonisch komplexe Klangfarben auszeichnet. Anknüpfend an Bill Evans’ lyrischer Kraft und dem beschwingt melancholischen Spiel eines Esbjörn Svensson, erzeugt Lien auf ‘Hello Troll’ Stimmungsbilder, die er im ständigen Dialog mit Berg & Aalefjær mit leichter Hand vorträgt. Getragen von großer Disziplin und absoluter Relevanz sind die Eröffnungstakte des Openers “Gamut Warning”, das durch Liens dynamische Phrasierungskunst und das traumwandlerische Zusammenspiel des Trios aufhorchen lässt.
Zweifellos zählt der Pianist Helge Lien zu den spannendsten jungen Talenten Skandinaviens. Nachdem das ehrwürdige Dagbladet aus Norwegen schon das Vorgänger-Werk ‘To The Little Radio’ als „Das beste norwegische Piano Trio Album seit langem” bezeichnete, kann man sich auch auf ähnliche Reaktionen zu ihrem neuen Longplayer gefasst machen. Der Erfindungsreichtum des Trios, sich mit klassisch-impressionistischen Mustern und rhythmisch-melodischem Jazz in den Herzen eines beständig wachsenden Zuhörerkreises zu spielen, scheint wahrhaft grenzenlos zu sein.
Siehe Moriarty: In dem transatlantischen Quintett vereinigen sich Frankreich und die Staaten so selbstverständlich wie Wasser aus der Seine und dem Mississippi: Alte Welt trifft neue Welt, Country trifft Chanson, Swamp-Blues trifft Cabaret. Ein nächtlicher Folk-Mix, der keinem Jahrzehnt, keinem Jahrhundert, keinem Ort zuzuordnen ist. Banjo, Harmonica, Doublebass, ein Koffer als Trommel und die unvergleichliche Kanarien-Stimme von Rosemary Moriarty. Die Bühne ist voll gestellt mit allerlei Instrumenten und Gerätschaften, und die Musiker sind ganz spezielleTypen, pflegen alle einen eigenen Stil, ob Klamotte oder Frisur.
Und wichtiger noch: auch als Instrumentalisten sind sie spezial und was sie da ,mit Gesang, Gitarre, Dobro, Kontrabass, Schlagzeug und Mundharmonika, auf die Bühne zaubern ist unique, einzigartig, so und in dieser Kombination noch nicht zu hören gewesen. Bedenkt man ihre Biografie, hört in den eher Blues und Country gefärbten Titeln die Weite Amerikas heraus, könnte man schnell auf die Idee kommen, sie zur bestmöglichsten Verkörperung von Wim Wenders „Paris, Texas“ zu erklären. Aber in Moriartys Musik steckt mehr als the best of both worlds. Und so wirklich frankophil ist sie gar nicht, eher global angelegt. Denn ihre Chanson-Variante könnte auch im Berlin der Dreißigerjahre zu Hause gewesen sein.
Cabaret trifft auf Folk, und der hat auch östliche Farben. Die Show ist eine Inszenierung. Die Sängerin gibt eine Diva, aber die erzählt ganz bodenständige Geschichten, die auch an Tragik und Komik nicht vermissen lassen. Hauptsache, man wiederholt sich nicht. Es darf experimentiert werden. Der Einsatz spezieller kleiner Instrumente wie einem Glockenspiel oder Utensilien des täglichen Lebens wie Zinkbadewanne oder alter Reisekoffer erzeugen einen zuweilen skurrilen, aber immer bezaubernden Sound. Die Perkussion erinnert mitunter an Tom Waits. Und von ihm spielen sie ja auch einen Song, aber nicht nur das.
Wildgewordenen Klezmerklarinetten treffen auf HipHop Beats, auf jiddisch wird gerappt, gelegentlich schaut der House vorbei - auf dieser Hochzeit feiern sich die intelligentesten Musikstile. Dazwischen herzbrechende Trauer. Alles in allem ein beglückendes Tohuwabohu. Mit seinen Samples aus Hip-Hop- und alten Klezmeraufnahmen macht der kanadische MC Socalled szeneweit Furore. Josh Dolgin, wie der vielseitige Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, geht bei seiner Arbeit recht undogmatisch vor:
Später verliebte er sich in das Accordeon und spielte in den unterschiedlichsten Bands - Salsa, Gospel, Rock, Funk. Schließlich aber widmete er sich dem Hip-Hop, wenn auch auf seine ganz eigene Weise. Seine Aktivitäten sind vielfältig: So dirigiert er den Addath Israel Chor in Montreal bei allen großen jüdischen Festen und tritt auf mit angesagten Musik-Größen wie Killah Priest, Susan Hoffman-Watts, Frank London und Irving Fields. Zuletzt machte er Furore als Gast in David Krakauers „Klezmer Madness“ und auf youtube hat er es mit einem selbst gebastelten Clip auf mittlerweile fast 2 Millionen Klicks gebracht:
Jazz aus Skandinavien, speziell aus Norwegen klang schon immer ein wenig anders. Nils Petter Molvaer, wohl einer der bekanntesten Modernisten aus dem hohen Norden, unterstreicht einmal mehr seinen Nimbus als Grenzgänger zwischen den Welten.
Die amerikanische Zeitung L.A. Weekly kürt “Khmer”, das berühmteste Album des Trompeters zum Jazzalbum des Jahres. Zudem erhält es den Preis der Deutschen Schallplattenkritik und das norwegische Äquivalent des Grammy. Molvaers Gewandtheit im Umgang mit den Konventionen des modernen Jazz führten zu Kooperationen mit Gary Peacock und Elvin Jones. Molvaer ist dennoch bekennender Traditionalist, der alle Sparten des Genres auslotet.
Sie tourten durch Australien mit James Brown und spielten zu Silvester ein Open Air-Konzert in Melbourne vor mehr als einer Viertelmillion Zuschauer. Auch jenseits ihrer Heimat macht die Band Furore. In New York spielten sie eine ausverkaufte Show im Central Park, sie waren zu Gast bei David Letterman und Jay Leno. Seit ihren vielbeachteten Auftritten bei Rock am Ring und Rock im Park weiß auch Deutschland um die Ausnahmequalität des Sextetts.
Gut ein Jahr später erschien das erste Studioalbum „The Cat Empire“, das im Fahrwasser ihrer Live-Reputation zu einem Hit in Australien wurde und insgesamt sieben Nominierungen für den international bedeutsamen ARIA-Preis einheimsen konnte. Als ihr zweites Album „Two Shoes“, entstanden auf Kuba im Jahre 2005, in Australien erschien, erreichte es umgehend Doppel-Platin-Status. In Australien mittlerweile Superstars, widmeten sie sich in der Folge einem ganz anderen Projekt: Mit dem Konzeptalbum „Circles“ schrieben sie eine World Music-Platte als offiziellen Soundtrack der Commonwealth Games. Bei der weltweiten TV-Übertragung der Eröffnungsfeier spielten sie vor mehr als einer Milliarde Fernsehzuschauern. Gemeinsam mit der Produzenten-Legende John Porter (Roxy Music, The Smiths, BB King, Ryan Adams) spielten sie ihr drittes Album „So many nights“ ein, das von einer gereiften, facettenreicheren Seite erzählt.
Sie sind aufgewachsen in Castros Kuba, aber geschult an der Welt und ihren Musikstilen. Nichts hindert sie daran, den guten alten Son mit Mardi-Gras-Brass oder R’n’B zu verquicken, ihre korrekten Anzüge zu Mamboschritten zu verbiegen und Stunden am Stück zu spielen, bis dem Publikum die Tanzbeine abfallen. Ohne Zweifel, den Kumpanen des Social Club gebührt die große Ehre, die traditionelle kubanische Musik wieder in das Licht einer Weltöffentlichkeit gezogen zu haben. Sogar in den USA wurde ihnen offizieller Ruhm zuteil, was angesichts des immer noch andauernden Auftrittsembargos für kubanische Musiker fast ein Wunder ist. Doch neben Rubén Gonzáles oder Compay Segundo hat die reiche kubanische Musiktradition eben noch eine ganze Menge anderer Pflänzchen hervor gebracht.
In den 90er-Jahren zog es Alemañy nach London, wo er mit anderen Exilkubanern zusammen kam und durch die Studios zog. Doch eines Tages überredete ihn der Produzent Joe Boyd, wieder nach Kuba zurückzukehren, um dort eine Band zusammenzustellen. Gesagt, getan: Alemañy kehrte nach Havanna zurück und nahm 1995 mit einem Personal, das vom 10jährigen Bongo-Trommler Julian Oviedo bis zum Pianoveteranen Alfredo Rodríguez reichte, eine klassische Descarga, eine karibische Jam Session auf. Das Ergebnis der Mixtur war ein zwar noch traditioneller, aber extrem eigener perkussiver Stil, den die Truppe auf ihrer zweiten Platte 1997 noch verstärkte. „Malembe“ war fast schon ein sehr flottes Jazz-Album, mit maschinengewehrartigen Trompetensoli und einem Rhythmus, dem sich nur der grämlichste Misanthrop zu entziehen vermag.
Die junge Sängerin Mayra Andrade ist die Entdeckung der Kapverdischen Inseln und neben der famosen Cesaria Evora eine zweite große Stimme der Inseln. Auf Kuba geboren, kam sie schon in jungen Jahren um die Welt und wuchs unter anderem im Senegal, in Angola, auf den Kapverden und in Deutschland auf. Als sie 2002 nach Frankreich kam, stellte Mayra sich im Vorprogramm der kapverdischen Legende Cesaria Evora einen großen Publikum vor. 2005 lud Charles Aznavour sie ein, für dessen neues Album mit ihm gemeinsam ein Duett zu singen. Auf ihrem Debüt-Album “Navega” zeigt sie, dass sie auch musikalisch wahrlich eine Weltenbummlerin ist. „Navega“ wurde mit dem Preis der Deutschen Schallplattenkritik geehrt.
Mayra Andrade bewegt sich stilistisch zwischen Latin und Jazz; verbindet brasilianische Einflüsse “Tunuka” mit Flamenco “Lapidu na bo”, bevor sie wieder in Songs wie “Dispidida” und “Navega” die Schönheit der kapverdischen Musik und ihre melancholische Stimmung einfängt. Ganz zart wird die Gitarre gezupft, weich fällt die Stimme ein: “Kant du ma demokrasia/Ma stba sukundidu”; “Man hat mir gesagt, die Demokratie sei wie ein versteckter Schatz”, erzählt sie auf Kriolu. Aber der Rhythmus brodelt schon. Bald wird aus dem vorsichtigen Tasten ein kraftvoller Rausch, ein exotisches Gedicht, eine weite Reise.
Wer selbst ein bisschen Bass spielt und Gelegenheit hatte, stämmigen Stars wie Ray Brown und Buster Williams die Pranke zu schütteln, wundert sich über die grazile Dame: Ihre Arme sind dünner als der Hals ihres Instruments, ihre Hände gleichen denen eines schmächtigen Teenagers. Und mit ihnen holt sie Töne aus dem Kontrabass heraus, wie wir sie zum Beispiel auf ihrer CD “Esperanza” hören?
Wenn man Esperanza zuhört, singt einem aus dem Ensembleklang der ausgesprochen warme Sound eines beeindruckend geschmeidig gespielten Kontrabasses entgegen, dazu ertönt eine mühelos kreuz und quer durch die höhere Mathematik der Jazz-Melodik steigende, sehr schöne Frauenstimme. Es gab viel Hype um Esperanza Spalding. Doch der Rummel hat der unter dem Motto “Lady Plays The Bass” angekündigten Künstlerin nicht den Kopf verdreht. Sie beschreibt sich selbst zuerst als Bassistin; aber es mache ihr Spaß, wie eine Sängerin/Songwriterin Stücke zu schreiben und selbst darzubieten. Ihre Mutter schickte sie zum Geigenunterricht, als sie fünf Jahre alt ist. Schon als Kind wird die Hochbegabte Mitglied der Chamber Music Society im heimatlichen Portland (Oregon), mit 15 wählt man sie zur Konzertmeisterin; dann wechselt sie von der Violine zum Kontrabass und von klassischer Musik zum Jazz. Beim Studium am Berklee College, das ein Stipendium möglich macht, lernt Esperanza Idole wie Pat Metheny kennen.
„Im Rahmen einer Ausstellung meiner Dioramen und Guckkästen, die auf die Grimmschen Märchen zurückgehen, wurde der Liederzyklus erstmals 2001 in New York vorgestellt. Beim Wiederlesen und Recherchieren der Märchen begegnete ich auch den Liedern meiner Kindheit wieder, wobei mich die Auseinandersetzung mit Abschied, Tod, Verlust und Verlassen am tiefsten berührten. Es sind fast alles eher morbide Lieder, weil ich es schon als Kind immer am schönsten fand, wenn am Ende alle tot waren - die “zwei Königskinder”, der “Wirtin Töchterlein” und das “Schwesterlein”. Und ich kam auf den Titel “Schamlos Schön”, weil ich das Schöne an den Liedern rauskitzeln wollte und sie nicht ironisch-distanziert interpretieren wollte.” (Tine Kindermann)
„Es geht ein dunkle Wolk herein”, “Ich hab die Nacht geträumet”, “Es ist ein Schnitter heißt der Tod” – diese wunderschönen alten Lieder haben die Jahrhunderte überdauert, sie geben Gefühlen und Erfahrungen Raum, die Zeiten und Kulturen transzendieren. Und es sind einfach unglaublich gute Lieder.
Der Reiz dieser neuen Aufnahme liegt im Zusammenklang von Tine Kindermanns klarer Stimme und der bewußt schlicht gehaltenen Interpretation sowie der sensiblen Instrumentierung und Begleitung durch einige der besten zeitgenössischen New Yorker Musiker. Das Ziel war, jenseits von Männerchören und Volkskapellen die alten, klassischen Lieder einer neuen Generation nahe zu bringen, ohne ihnen gewaltsam eine neue musikalische Identität aufzuzwingen. Frank Londons behutsame Arrangements und Tine Kindermanns schnörkellose, berührende Interpretation erzählen so die alten Geschichten auf eine neue Weise: schlicht - und ergreifend. Schamlos schön eben!



















