Kulturzeltabschied für den Sommer – das bedeutet Hippie-Abend!
Genre-Bezeichnungen wie Weltmusik reichen nicht aus, um zu beschreiben, wie die vielköpfige Band ihre musikalischen Stärken in den letzten sechzehn Jahren zur Höchstform gebracht hat. Apropos Musikeranzahl: zählen ist zwecklos! 17 klingt einfach gut und bedeutet nicht unbedingt das, was einem als erstes in den Sinn kommt … oder was man auf der Bühne sieht. Mit Phantom Songs haben die 17 Hippies seit ihrem Bestehen zehn Alben veröffentlicht. Gleichzeitig touren sie seit Jahren weltweit und sind inzwischen in über 20 Ländern aufgetreten.
Im März 2011 spielten sie als erste deutsche Band auf dem legendären WOMAD-Festival in Australien und Neuseeland. Das Repertoire der 17 Hippies umfasst mehr als die Summe aller identifizierbaren Komponenten. Alles begann mit der Idee, Musik auf so einen kleinen gemeinsamen Nenner zu bringen, dass möglichst viele Musiker mitspielen können. Anfänglich wurden eingängige Melodien und Grooves traditioneller Musik naher Nachbarländer für den eigenen Gebrauch arrangiert. Balkanrhythmen haben dem anglo-amerikanischen Rock/Pop/Jazz-Background der Mitglieder neue Impulse gegeben. Ganz auf die einzelnen Musiker und ihr akustisches Instrumentarium abgestimmt, hat sich die Musik der 17 Hippies im Gesamtbild zu einem unverwechselbaren Sound verdichtet.
Ihr neues Programm Phantom Songs legt seinen Schwerpunkt auf Lieder und Geschichten. Es zeigt weise, wohin der musikalische Weg die 17 Hippies führt. Ohne ihre Ursprünge aus dem Blick zu verlieren gehen sie zielstrebig nach vorn – offen, wandelbar und mit schwindelerregender Leichtigkeit am Puls der Zeit. Die schöne krude Wahrheit über die Liebe – ohne Umschweife blossgestellt. Ein Blick nach vorn mit Leichtigkeit – die dunkle Vergangenheit verblasst. Es ist der Geist der Zeit, des Jetzt, der durch die deutsch, französisch und englisch gesungenen Texte weht – inklusive des längst zum Klassiker gewordenen Stücks in hessischem Dialekt, das diesmal geradezu arabisch anmutet.
„Eine solche Musik hat die Welt wohl noch nicht gehört“ schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, das Jazzpodium findet Edgar Knechts Musik „schlichtweg grandios“ und der Kölner Stadtanzeiger hält ihn für einen „der besten Jazz-Pianisten Deutschlands“. In der Tat kommt kaum ein Jazz-Pianist an die Virtuosität aber auch an das Rhythmusgefühl von Edgar Knecht heran. Anfang 2009 wird er mit seiner Mischung aus Jazz, Klassik und Weltmusik auf dem legendären Jazzfestival in Havanna von einem Weltpublikum stürmisch gefeiert. „One of the most important musicians presented at the Jazz Festival Havana 2009!” schwärmte Jorge Alvarado vom Instituto Cubano de Radio y Televisión in Havanna.
Nun ist seine erste Trio-CD „Good morning Lilofee“ erschienen und wird von Kritik und Publikum gleichermaßen als „sensationelles Album“ umjubelt. Denn Edgar Knecht glückt ein ganz eigener und neuer Zugang zur scheinbar verlorenen Tradition. Der Tastenvirtuose unterzieht den dahinsiechenden deutschen Volkssong einer Frischzellenkur aus Jazz und Weltmusik. Dabei „gelingt es, den tradionellen Liedern dermaßen viel neues Leben und Modernität einzuhauchen, dass es wohl auch dem letzten Skeptiker den Atem verschlägt“, befindet ein Musikkritiker. Wenn er und sein Trio ihre packenden Rhythmen und berührend schönen Melodien präsentieren, spürt das Publikum die große emotionale Kraft, die durch die Verbindung von frischen musikalischen Ideen mit dem eigenen Erbe entsteht. Da wird „Maria durch ein Dornwald ging“ zur unter die Haut gehenden Ballade und „Es war ein König in Thule“ zum Gipfeltreffen zwischen Beethoven und kubanischer Salsa. In „Froh zu sein bedarf es wenig“ feiern afrikanischer Sechsachtel- und deutscher Dreivierteltakt ein rauschendes Freudenfest. Und zur Krönung wird es an diesem Abend einige neue Stücke zu hören geben, die heute ihre Uraufführung feiern.
Wo immer Edgar Knecht und sein Trio ihre Musik aufführen hinterlassen sie ein bewegtes und begeistertes Publikum. Es bedarf manchmal so wenig, ein König zu sein. Edgar Knechts brilliantes Quartett wird von Rolf Denecke am Bass und Stephan Emig am Schlagzeug und Tobias Schulte an der Percussion komplettiert.
Musikalisch verwoben ist die, mit einem charmanten Glamour ausgestattete Sängerin, in einem Kosmos aus Afrobeat, R&B und Reggae. Schon auf dem famosen Debüt der Vokalprinzessin drängen sich Einflüsse von India Arie, Marvin Gaye und Bob Marley. Sie jammt mit Katie Melua und avanciert in ganz Afrika und Frankreich zum Superstar. Ein Feuerwerk aus eleganten Rhythmen und warmherzigen Melodien. Leichtfüßig im Tempo, Asa (= kleiner Falke) ist ein funkelnder Edelstein, der die Sonnenstrahlen fängt.
Mit ihrer Stimme fängt alles an - und muss alles enden, was man über Asa sagen kann und will. Denn diese heisere, kraftvolle und dabei doch samtene Stimme bestimmt auch die Songs ihres zweiten Albums mehr als jeder noch so gute textliche Kniff. Will man es unbedingt in eine Schublade stecken, muss Pop drauf stehen, auch Soul und Afro. Aber Afrosoulpop? Asa ist viel origineller. Rockpop verwandelt sie mit einem in Yoruba gesungenen Text in ein fantastisches Fabelwesen, das ebenso wie Asa, die in Paris geboren wurde, in Nigeria aufwuchs und später nach Paris zurückkehrte, in vielen Welten zu Hause ist.
Asa (gesprochen Aasha) verbindet aufs Wunderbarste die sanften, intellektuellen Acoustic-Soul-Klänge einer India-Arie mit der britischen Eleganz von Des’ree und den schwermütigen Chanson-Erzählungen ihrer Wahlheimat Paris. Reggae klingt bei ihr intim. Mit Weltmusik im eigentlichen Sinne hat das nichts zu tun; Asa verschmilzt verschiedene Stile zu einem. Besinnlich, persönlich und charismatisch, tut sie das - und mit einer Liebe für eine Prise Jazz.
Asa, voc.; Janet Nwose, voc.; Nicolas Mollard, Roman Chemlinski guitar; Jean-Mi Coret, bass; Jeff Ludovicus, perc.; Cyril Barbesol, keys
Earth Wind & Fire Experience feat. The Al McKay Allstars
(USA) / Das Konzert ist ausverkauft
Aug ’11
17
19:30
Aug ’11
18
19:30
Im zarten Alter von 18 Jahren - im herrlichen Jahr 1966 war das - lief Grünschnabel Al McKay frisch zugereist aus Louisiana in L.A. einem gewissen Ike Turner über den Weg. Dem zeigte er seine lang geübten Jugendzimmer-Gitarrenkünste und fand sich - so was gibt´s - unversehens auf der großen Bühne wieder, unterwegs durch die Staaten mit Ike & Tina Turners Revue und mitten hinein in ein unwahrscheinlich reiches, herrliches Musikerleben!
Die Turner-Lehrjahre dauerten nur kurz für Al McKay, bald schon wurde er (gerade 20jährig) in L.A. zu einem der angesagtesten Session-Musiker, bei dem Größen von Isaac Hayes bis Charles Wright, von Pearl Bailey bis Sammy Davis jr. anklopften. Ebenfalls im hippie-bewegten L.A. startete zu dieser Zeit das Brüderpaar Verdine und Maurice White mit einer neuen Formation namens Earth, Wind and Fire. Der Erfolg war nicht sonderlich groß, die Mischung aus Soul und R&B mit afrikanischen Rhythmen fiel noch nicht auf fruchtbaren Boden. Al McKay stieg 1973 bei den Brüdern White ein, und endlich schien auch die Zeit reif für den esoterisch angehauchten, klassischen Afro-Fusion-Sound unter dem Zeichen von Sonnengott & E-Gitarre. Earth, Wind & Fire starteten spätestens mit dem 1975er Album „That’s the way of the world” eine internationale Karriere und prägten sowohl das zu Ende gehende Hippie- als auch das beginnende Disco-Zeitalter ganz entscheidend mit.
Und mitten drin stand immer Al “The Hurricane” McKay. Er bediente zwischen Pyro-Technik und Flatter-Outfit die Rhythmus-Gitarre, schrieb einige der größten Hits mit (wie „September” oder „Saturday Nite”), und fungierte neben Gründer Maurice White als Produzent. 1981, nach sieben Jahren, hatte McKay erst einmal genug. Er zog sich von der Bühne zurück, produzierte die Alben von Kollegen wie Carl Anderson und den Temptations, und arbeitete hauptberuflich als frisch gebackener alleinerziehender Vater eines Sohnes. In den Neunzigern juckte es dann McKay doch wieder in den Gitarren-Fingern. Er formierte aus alten Freunden und Kollegen eine Art Super-Band, geschaffen einzig und allein für großartigste, mitreißende Disco-Funk-Liveauftritte: die 14-köpfige „Al McKay All Stars”. Mit ihnen reist er nun bis heute um die Welt, in ganz verschiedenen Konstellationen aus alten EW&F-Kollegen, namhaften Gästen wie Ed Wynne von den Doobie Brothers oder Bill Churchville von Tower of Power, und hochklassigen Session-Musikern aus Los Angeles. Gemeinsam tragen sie ein Stück des Lebensgefühls der 70er Jahre weiter, der überbordenden Earth, Wind & Fire Experience. Und ja, seien wir ehrlich: ohne diese 70er-Sonne wäre die Welt wirklich ein wenig ärmer.
Al McKay, guitar; Ben Dowling, Dean Gant, keyboards; Freddie Flewelen, bass; Stephen Reid, trumet; Justin Kirk, trombone; Ed Wynne, saxophone; Aaron Haggerty, drums; Michael Harris, trumpet; David Leach, percussion; Devere Duckett, Tim Owens, Claude Woods, vocals
I Learned the Hard Way / Das Konzert ist ausverkauft
Aug ’11
14
19:30
Nur zwei Auftritte wird es dieses Jahr in Deutschland geben. Wir freuen uns, dass wir diese aufregende Band in Kulturzelt haben!
Amy Winehouse spannte ihr die Band aus, um das Album Back to Black einzuspielen und auf USA-Tournee zu gehen, aber die Amerikanerin Sharon Jones holte sich ihre Jungs zurück – Argument: Qualität. Sharons Soul ist einfach doppelt so gut! Sharon Jones & The Dap Kings sind in den USA nicht erst seit gestern als einer der aufregendsten Acts in Sachen explosive Liveshows und eindrucksvolle Studioaufnahmen bekannt.
Mit ihrem letzten Album 100 Days, 100 Nights haben sie auch international den Durchbruch geschafft und weltweit mehr als 150.000 Platten verkauft. Pünktlich zu Sharon Jones’ diesjährigem Geburtstag wird die Band ihre vierte Veröffentlichung I Learned the Hard Way. “Was wissen diese kleinen weißen Jungs schon über Funk?”, fragte sich Sharon Jones zu Beginn ihrer Zusammenarbeit mit den Dap Kings. “Dann habe ich sie spielen gehört. Wow!” Ein “Wow!”, dem man sich vorbehaltlos anschließen möchte. Die bestens angezogenen und geradezu erschütternd jungen Herren spielen, als hätten sie den Geist James Browns zum Frühstück verspeist. Kein Wunder, schließlich feiert auch Amy Winehouse mit dieser großartigen Band im Rücken Erfolge am laufenden Band.
Die wahre Dap Queen bleibt aber ohne jeden Zweifel Sharon Jones. Ihr überlassen die exzellenten Musiker zu jedem Zeitpunkt den Platz im Rampenlicht. Jones’ kraftvoller, souliger, vom Leben weniger gezeichneter denn geformter Gesang beherrscht die Szenerie in jeder einzelnen Minute der Show. Schmutzig, kantig und warm will sie ihn haben, den Soul. Was einst für James Brown oder Aretha Franklin galt, ist heute noch die Maxime von Sharon Jones. “Retro” darf man das in Gegenwart der Sängerin nicht nennen, nein, echter Soul war immer so und wird immer so klingen. Die bestens angezogenen und geradezu erschütternd jungen Dap-Kings spielen dazu, als hätten sie den Geist sämtlicher Soul-Heroen zum Frühstück verspeist.
„Ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dies bei anderen der Fall war. Mir gefallen diese Lieder mehr als alle, und sie werden euch auch noch gefallen.“ Franz Schubert „Winterreise“ Polarkreis 18 können – musikalisch gesehen - vom Winter nicht genug kriegen. Vor zwei Jahren wirbelten die sechs Dresdner Jungs mit ihrem äußerlich eisig anmutenden Album „The Colour Of Snow“ ganz nach oben, und ihre Single „Allein Allein“ blieb ganze 40 Wochen quasi als Spitze des Eisbergs, in den Charts. Und auch ihr umjubeltes Debüt-Album „Polarkreis 18“ kam in frostiger Optik daher, was jedoch keinesfalls bedeutet, dass beim Abspielen je die Gefahr des Global Cooling drohte, im Gegenteil: Die Lieder von Polarkreis 18 sind ganz und gar geeignet, die Polkappen zum Schmelzen zu bringen.
„Frei“, ihr drittes Album, ist zwar erstmals kein winterlicher Titel, dafür nimmt es uns mit auf eine Winterreise. Die 6 Musiker haben Franz Schuberts bald 200 Jahre altes Werk in die Neuzeit geholt und das Thema Winterreise als Orientierung, sowie musikalischen und lyrischen Handlungs- und Interpretationsspielraum genutzt. Das Ergebnis sind nicht 24 Lieder wie bei dem hoffnungslosen Romantiker Schubert, sondern zehn starke, moderne, eigenständige Songs, die, wie in „Unendliche Sinfonie“ von Liebe und Sehnsucht handeln und wie in „Evergreen“,auch auf den Lindenbaum als dem romantischen Sinnbild für Geborgenheit zurückgreifen.
Polarkreis 18 bleiben mit „Frei“ ihrem orchestralen, bisweilen bombastischen Sound genauso treu, wie dem fantasievollen Wechselspiel zwischen deutschen und englischen Texten. Herausgekommen ist ein Liederzyklus mit bisher ungekannter Tiefe und Drama, Energie und Opulenz. Es sind Kompositionen mit kristallklarem Sound und Text. Ein Jahr lang schlossen sich Felix Räuber, Silvester Wenzel, Klavier, Elektronik; Ludwig Bauer, Gitarre; Klavier), Christian Grochau, Schlagzeug; Philipp Makolis, Gitarre, Klavier; Uwe Pasora, Bass und Produzent Sven Helbig quasi ein, arbeiteten erstmals in ihrem eigenen Studio, ihrem „Band-Biotop“ oder ihrer „Kreativ-Zelle“, wie sie ihr Studio nennen, entstanden sind komplexe Kompositionen mit verblüffend einfacher, ergreifender Wirkung, die dem Konzept „Reduce to the max“ folgen. Diese Kunst beherrscht Polarkreis 18 wie keine zweite Band. Es ist zweifellos das stärkste und intelligenteste Werk von Polarkreis 18. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes Frei.
Nach dem wunderbaren Konzert im vergangenen Jahr noch einmal! Spiegel-Online nannte Vienna Teng “eine der interessantesten Persönlichkeiten zeitgenössischer amerikanischer Musik”. Und das Fachhandelmagazin All My Music schwärmte über das neueste Album der Sängerin, Pianistin und Songschreiberin: “Lyrisch klar ist die Stimme der Vienna Teng, vielfältig sind die Einflüsse, die sich in ihrer Musik zu einem fragil-filigranen Sound verdichten. Zu der Musik auf ihrem Album ‘Inland Territory’, das sie in ihrem neuen Wohnort New York aufgenommen hat, siedelt Vienna Teng selbst ihre Musik an: “Irgendwo zwischen Folk und Pop, mit ein bisschen Klassik und Jazz“. Es ist etwas frustrierend, keine griffigere Bezeichnung bieten zu können. Aber gleichzeitig zeigt es wohl, dass ich irgendetwas richtig mache.“ Sehr richtig sogar.
Herausgekommen ist ein erstaunlich vielschichtiges Album, auf dem sich in erster Linie ihre bewegend natürliche Stimme erhebt. Unterstützt von ihrer zurückhaltend aber absolut effektvoll aufspielenden Band, stecken so komplex arrangierte Hymnen wie ‘Kansas’ oder ‘Oh Gringo’, das sich mit der illegalen Immigration von Mexikanern in die USA beschäftigt, voller musikalischer Überraschungen. ‘Inland Territory’ ist ein Werk, das mit jedem Anhören an Brillanz gewinnt. 2002 veröffentlichte die Newcomerin ihr Debüt-Album „Walking Hour“, das bereits auf genügend Resonanz stieß, um ihr im folgenden Jahr eine Einladung in David Lettermans „Late Show“ einzubringen, ein im Rückblick surreales Ereignis, das ihr inzwischen kaum noch wahr vorkommt. Vienna Tengs Popularität jedenfalls stieg stetig. Im Jahr 2004 folgte „Warm Strangers“, das sie bereits in die Billboard Spartencharts brachte, vor knapp zwei Jahren schließlich das hochgelobte Songalbum „Dreaming Through The Noise“ (2007). Die Sängerin mit der lyrisch klaren Stimme wurde eingeladen, Konzerte von Kolleginnen wie Shawn Colvin, Joan Osborne, Patty Griffin, Joan Baez oder auch den Indigo Girls zur eröffnen und ging selbst fleißig auf Tournee. Ihr gelang der Absprung in die musikalische Selbständigkeit, denn ihre Lieder berühren die Menschen: „Ich habe das Glück, ein loyales Publikum zu haben.
Es hat Vertrauen in mich, ist neugierig auf meine Lieder und trägt mich mit, solange ich Bedeutungsvolles mitzuteilen habe“. Die Menschen lieben Vienna Teng, denn ihre Lieder brauchen keine Klischees, um zu wirken. Im Gegenteil: Die Sängerin liebt die Vielfalt der Einflüsse, die sie von überall annimmt und zu Eigenem verarbeitet, unmittelbar in der Wirkung und zugleich durch die beiläufig komplexen Arrangements voller kleiner musikalischer Überraschungen. Es setzt Vienna Tengs bisherige Entwicklung fort, in eine Richtung, die sie zielstrebig in das Pantheon des großen amerikanischen Songwritings führt.
Der Posaunist Nils Landgren ist mit seiner Funk Unit nach Kenia gereist. Zusammen mit der Hilfsorganisation “Ärzte ohne Grenzen” unterstützt die Band Kinder im größten Slum von Nairobi - mit Geld, aber auch mit jeder Menge Musik. Erlöse aus Veranstaltungen und dem Verkauf einer neuen CD leitet er über die “Médecins Sans Frontières” (MSF) an Bedürftige; die “Ärzte ohne Grenzen” organisieren auch die Verteilung von Musikinstrumenten, die Landgren in Europa für afrikanische Schulkinder beschafft. Wenn Schweden als schwermütig gelten, verkörpert er den Prototyp des Anti-Schweden.
Zwar kann Nils Landgren auch die traurigen Volkslieder seiner Heimat mit zu Tränen rührender Innigkeit spielen - etwa im Duo mit dem verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson. Aber richtig zu Hause fühlt sich der 45-Jährige eher in seiner Funk Unit: einer groovenden Truppe, die junge Leute zu Tanz-Ekstasen animiert und die auch von ergrauten Jazz-Snobs ernst genommen wird. Denn zu modischen Rap- und Synthesizer-Sounds überraschen Landgrens Funk-Musikanten mit zeitlos mitreißenden Improvisationen. Die vitalsten Soli kommen aus der metallicrot lackierten Posaune des Chefs. Von einfühlsamen Jazzballaden, krachenden Funkstücken bis hin zu schwedischer Volksmusik - Landgren ist ein Mann fast ohne musikalische Grenzen. Sein Markenzeichen ist die rote Posaune, sein Spitzname “Mister Red Horn”.
Das Engagement für den Jazz führte ihn nicht nur zur Big Band von Thad Jones. Im Laufe seiner Karriere stand er mit Größen wie Herbie Hancock, Maceo Parker oder Joe Sample auf der Bühne. Er liebt Bach sowie die Weite und Unbegrenztheit des Meeres und sein Spiel offenbart etwas von dem besonderen Mythos Skandinaviens.Nils Landgren hat den europäischen Jazz entscheidend geprägt: Und ab und an, mal als allerletzte Zugabe, mal zum Luftholen, sang Nils stets einige der schönsten Balladen, die der Jazz kennt. „Wie da einer, der schon alles weiß, die Geschichten, und nichts als die Geschichten erzählt, das fesselt zunächst, dann berührt es.“ (Süddeutsche Zeitung). Er ist ein Magier der Posaune, mit Funk Unit baut Landgren das Konzept des Funk`n Jazz konsequent und in organischer Verbindung von Funk, Soul und Jazz aus. Dass der schwedische Posaunist sich früher oder später auch an das ABBA-Erbe machen würde, war ebenso amüsant wie folgerichtig. Vor vielen Jahren wurde Mr. Redhorn selbst einmal von Benny Andersson ins Studio gebeten, um den ABBA-Song „Voulez-Vous“ mit seiner Posaune anzureichern. „Funky ABBA“ war ein liebenswürdiger Geniestreich, der die ABBA-Hits durch den Groove von Funk Unit passiert, ihnen etwas Retro-Feeling beigibt und sie erfrischend mit Rap-Einlagen aktualisiert. Die Licence to Funk hat sich Landgren redlich erspielt.
Nils Landgren, trombone; Magnum Coltrane Price, bass; Robert Ikiz, drums; Jonas Wall, saxophon & flute; Sebastian Studnitzky, keys & trumpet; Andy Pfeiler, guitar
Hindi Zahra ist das neue Gesicht einer jungen Generation emanzipierter, kosmopolitischer Songwriterinnen Nordafrikas. Sie hat alles, um als Künstlerin erfolgreich zu sein: Ein Name, der Orientalisches vermuten lässt, einen multikulturellen Hintergrund, Vielsprachigkeit und, wie ihre bunten Gewänder verraten, die nötige Prise Originalität. Als Tochter eines Franzosen in Marokko aufgewachsen, fließen in ihre Musik französische und afrikanische Elemente ein. Doch die afrikanischen Wurzeln machen nur einen Teil des Erbes aus, von dem Zahra zehrt.
Mit ihrem Vater siedelte sie in jungen Jahren nach Paris über, bekam mit 18 Jahren einen Job im Louvre. “Das war mein großes Treffen mit der Kunst”, sagt sie, “als Kind war ich nachdenklich und eng mit der Natur verbunden. Die Gemälde haben bei mir ganz ähnliche Empfindungen ausgelöst”. Chansons muss sie auch viele gehört haben in dieser Zeit; diesen Geist atmen die Lieder fast alle. Als Backgroundsängerin hat sie in Paris und London Hip Hop, Jazz und Soul aufgesaugt und nun aus dem kunterbunten Haufen eine eigene Mischung kreiert.
Manu Chao trifft Portishead - Die junge Hindi Zahra schöpft aus Pop, Chanson, Jazz und verbindet sie mit marokkanischen Elementen. “Handmade” heißt ihr sonniges Debütalbum. Schwermütige Nebel verhängen eine global inspirierte Szenerie, gedämpfte Klänge überraunen afrowurzelige Rhythmen, der Gesang schlurft eher, als dass er tänzelte. Ihre Texte hat Hindi Zahra in teilweise eigenwilligem Englisch und in Tamazight geschrieben, und selbst produziert hat sie das Album auch. Das britische Magazin The Wire hat Hindi Zahra mal als Symbiose aus Django Reinhardt und Billie Holiday bezeichnet, lange, bevor es ihre Musik zu kaufen gab.
Um in Zahras Gitarrenspiel Anklänge an Djangos Gypsy-Jazz zuhören, muss man schön frei assoziieren. Die Stimme von Lady Day ist allerdings wirkliche nicht weit. Hip-Hop liebt sie genauso wie amerikanischen Blues, nordafrikanische Rhythmen ebenso wie Jazz. Ihrem kürzlich bei Blue Note erschienenen Debüt „Handmade“ hört man all diese und viele weitere Einflüsse an. Was den musikalischen Kosmos gleichwohl zusammenhält und zu einem geschlossenen Werk macht, ist die melancholische Grundfärbung ihrer Songs und Hindi Zahras zwischen Billie Holiday und Feist changierende Stimme. Zu ihren Vorbildern gehören Ella Fitzgerald und die ägyptische Sängerin Oum Kalthoum – die Strecke zwischen den USA und Afrika ist für Zahra eben nur ein Katzensprung.
Harold Lopez Nussa Trio & David Sanchez (Cuba/ Puerto Rico)
Herencia
Aug ’11
6
19:30
Die Reihe junger Piano-Talente aus Kuba reißt nicht ab .Was für ein musikalisches Land! Nun schickt sich Harold López-Nussa an, sie fortzuführen. Nachdem er den 1. Preis im Pianowettbewerb des renommierten Jazzfestivals von Montreux gewonnen hatte, begann man international auf ihn aufmerksam zu werden. Harold López-Nussa hat sein musikalisches Leben zunächst mit einer klassischen Klavierausbildung begonnen. Mit Anfang zwanzig wuchs die Neugier auf die Musikstile seiner kubanischen Heimat – dem Son, dem Rumba oder dem Guaguanco – und so begann er, sich diese Musik autodidaktisch anzueignen. Mit seinem Trio spielt López-Nussa schnörkellosen Latin-Jazz – modern, virtuos und grandios. Schon als kleines Kind habe er immerzu Musik gehört, sagte Harold López-Nussa einmal.
„Musik hat mich umgeben – sie ist Teil meines Lebens.“ Kein Wunder, wenn man einmal einen Blick auf die Familie von López-Nussa wirft: Die Mutter war Klavierlehrerin, Vater und Bruder sind bekannte Perkussionisten und Onkel Ernán ein bedeutender Pianist. In dessen Fußstapfen trat der 27-Jährige und inzwischen dürften ihm diese längst zu klein geworden sein: Harold López-Nussa ist selbst ein Star, und er hat die einzigartige Gabe, traditionelle kubanische Rhythmen mit den formalen Freiheiten des Jazzpianos zu verbinden – dies auf dem grundsoliden Fundament seiner klassische Ausbildung, die in seinem Spiel hedonistische Spuren hinterlässt. Das hebt ihn heraus aus den vielen begnadeten, jungen Pianisten, die in den letzten Jahren ins Rampenlicht getreten sind. Letztes Jahr erschien mit „Herencia“ eine faszinierende Trio-Aufnahme mit seinem Bruder Ruy Adrian López-Nussa am Schlagzeug und dem Bassisten Felipe Cabrera, der häufig in der Band von Gonzalo Rubalcaba spielt. Es ist ein Album, das auf fantastische Weise die verschiedenen Einflüsse in López-Nussas Musik ausstellt: seinen Sinn für Latin Jazz, seine Liebe zum amerikanischen Jazz, seine Faszination für klassische Musik. David Sanchez, der im heutigen Konzert das Trio zum Quartett macht, wurde viermal für die Grammy Awards nominiert und mit einem Latin Grammy Award für seine Veröffentlichung „Coral“ geehrt.
Wie kaum ein anderer Saxophonist hat sich David Sanchez um die Weiterentwicklung des lateinamerikanischen Jazz verdient gemacht. Gemeinsam spielen sie eine Musik, die im langen Atem der lateinamerikanischen Musiktradition fließt – und dabei die Zuhörer atemlos hinterlässt.
Ein wunderbares Debüt hat die dänischen Künstlerin Agnes Obel da hingelegt; stilistisch bewegt sie sich zwischen Katie Melua und Feist. Agnes Obel ist dem deutschen Publikum allerseits über ihren fantastischen Song „Just so“ bekannt, der von der Telekom in einer ihrer letzten groß angelegten Kampagnen verwendet wurde - einmal gehört hat man den Song nie wieder vergessen! Agnes Obél schreibt, komponiert, singt und produziert ihre Musik allein. Und das nicht in einem der zahlreichen Musikstudios, sondern in ihrem Schlafzimmer. “Als Kind habe ich begonnen, klassisches Piano zu lernen. Damals hörten meine Eltern sehr unterschiedliche Musik, mein Vater meistens Jazz während meine Mutter Lauri Anderson und Talking Heads hörte. Ein Künstler, der mich damals ziemlich beeinflusst hat, war der schwedische Jazzpianist Jan Johansson, der traditionelle europäische Folk-Melodien als Jazz spielte. Wahrscheinlich habe ich so die Folk-Musik entdeckt.“ Ab und an verirren sich dezente Celloklänge in den Klangfluss, mal gemahnt die Begleitung in ihrem verlässlichen Ostinato an ein Spieluhrwerk, tröstend und verstörend zugleich. Das Geheimnisvolle in Obels Musik speist sich nicht aus Klangeffekten, sondern eher aus der Stille. Hier ist nichts symphonisch-romantisch übersteigert oder gar verschwurbelt; bei Obel dominiert eine Klarheit, die ihresgleichen sucht. Nichts Überflüssiges haben die Songs an sich; sie bestechen durch eine klassische Schnörkellosigkeit jenseits des Zeitgeistes. Die Songs der Agnes Obel ruhen in sich selbst; ihnen wohnt eine nahezu Bach’sche Strukturiertheit und Sakralität inne, gepaart mit einer Stimme, zu geerdet um als ätherisch beschrieben zu werden. Philharmonics lässt sich wirklich schwer zuordnen: Würde man es in die Schublade „Piano–Pop“ oder „Folk“ schieben, täte man dieser Musik wirklich Unrecht. Agnes Obel schafft es mit einer überschaubaren Anzahl an Instrumenten Liedstrukturen zu schaffen, die man zurecht als zeitlos bezeichnen kann. Lediglich das Klavier zieht sich fortwährend wie ein „grüner“ Faden durch die Songs. Begleitet von Cello, Gitarre und zurückhaltenden Percussion – Obel verkleidet jedes einzelne Kleinod mit klassischer Instrumentierung: reduziert, verspielt, mit lachendem und weinendem Blick.
Ein Journalist hat einmal versucht, Stephanie Nilles Wirkung auf ihn zu beschreiben. Und dies war das Ergebnis: “Ella Fitzgerald on speed beating the…out of Regina Spektor!” Ihre Texte sind prägnant und ironisch und wunderbar schnoddrig. Man hat das Gefühl, einen jungen weiblichen Tom Waits in den Ohren zu haben. Geboren wurde die Sängerin und Pianistin in Chicago, inzwischen lebt sie in New Orleans. Stephanie Nilles wollte unbedingt Konzertpianistin werden. Mit Freude und Ehrgeiz studierte sie klassische Klavierliteratur, stürzte sich in erste Wettbewerbe und schrieb sich schließlich an einer Musikhochschule in Cleveland ein. Während des Studiums begann sie zu spüren, dass die klassische Ausbildung nicht ihrem Blick aufs Leben und auf die Welt entsprach. Sie machte den Abschluß - und stieg aus. Die quirlige Frau, die immer schon skurille Texte verfasst hatte, schrieb Songs, am ehesten den Gattungen Folk und Blues zuzuordnen. „She weaves it into her music, which growls like Eartha Kitt and bites like Tom Waits … Nilles is just the kind of treasure that music aficionados love to discover.” -The Tennessee Journalist.
Das Rockmagazin Rolling Stone bezeichnet Alexi Murdoch als den nächsten Nick Drake, ein neues Wunder der Indie/Folk Szene und listen ihn als „someone to watch“. Seine neueste Veröffentlichung, Towards the sun“, ist definitiv ein Lieblingstück. Die Musik ist meisterhaft arrangiert, seine Stimme wunderschön (und auch sein leicht schottischer Akzent, der gelegentlich durchsickert) und die akustischen Gitarrenklänge sind ein Ohrenschmaus – Alexi Murdoch ist ein aufgehender Stern. Alexi Murdoch, geboren in London, wuchs in Schottland auf und zog in die USA, um an der Duke University Philosophie zu studieren, landete aber letztendlich in Los Angeles. Alexi Murdoch’s dunkle, zarte Stimme und sein dezentes, akustisches Gitarrenspiel nahmen Publikum wie Presse im Sturm – ganz zu schweigen von großen Plattenlabels. Er spielte auf dem Sundance Film Festival und dort entdeckte ihn Sam Mendes (Zeiten des Aufruhrs). In Sam Mendes’ neuem Film ‚Away we Go‘ spielt der Soundtrack die dritte Hauptrolle. Murdochs Stimme hat Raumklang und Tiefe, die Musik ist intim und fordernd. Stimme und Gitarre im perfekten Zusammenspiel, die gedämpften Melodien zaubern dazu eine leicht unheimlich anmutende Atmosphäre. Alexi Murdoch versteht es ausgezeichnet, seine Stimme mit der Gitarre zu amalgieren um eine Stimmung zu schaffen, die gleichermaßen heiter wie melancholisch stimmt. Über die Qualität von “Towards the sun” und die unglaubliche Nähe zu Nick Drake kann man nur staunen.
Nicht nur die Freunde von Nick Drake, Elliott Smith oder Neil Halstead sollten sich den Namen Alexi Murdoch gut einprägen. Unbedingter Tipp!
He’s back! Nach langer Pause kommt endlich einer der wichtigsten kubanischen Musiker wieder nach Europa. Mittlerweile behauptet ja jeder Schwippschwager, er sei irgendwie mit dem Buena Vista Social Club bekannt oder habe schon mal mit ihm gespielt. Wenn aber heutzutage jemand von sich sagen kann, die Geschichte dieses legendären Ensembles mitgeschrieben zu haben, dann ist das Juan de Marcos. Niemand anderes als er hatte die Idee zu diesem Projekt - er holte Ruben Gonzalez ins Studio, stellte Ry Cooder den damals völlig unbekannten Ibrahim Ferrer vor, holte Compay Segundo aus der Versenkung und verhalf Omara Portuondo zu einem späten Comeback. Und so sind seine Produktionen mit den Afro Cuban All Stars, dem Buena Vista Social Club oder auch Sierra Maestra immer auch eine Referenz an seine Helden, die legendären “soneros” (Sänger) aus der Goldenen Zeit.
Als Juan de Marcos González, begnadeter Bandleader der Afro Cuban All Stars und ein ebenso fantastischer tres-Spieler, in Havanna aufwuchs, waren die angesagten Bands seiner Zeit – selbst im kommunistischen Kuba – King Crimson, Yes und Jethro Tull.
Doch der junge Juan bevorzugte statt Prog-Rock son, guaracha und rumba und empfindet es bis heute nach wie vor als Auftrag, diese Tradition kubanischer Musik am Leben zu erhalten. Seit den späten siebziger Jahren spielte Juan de Marcos mit der Son-Gruppe Sierra Maestra und versuchte parallel, sich weitere eigene Wünsche zu erfüllen. So verfolgte er beispielsweise jenen Traum, “all die großen und noch lebenden Stars der 40er und 50er Jahre mit jungen Musikern in einem Orchester zu vereinen, um kubanische Musik zu spielen, die die Kontinuität der Tradition zeigt”.
Die Ergebnisse sind heute weltbekannt und tragen Namen wie Buena Vista Social Club und Afro Cuban All Stars. Für das Repertoire dieses Ensembles unternahm Juan de Marcos akribische Studien alter Big Band Arrangements, um einerseits den Geist der einst geschriebenen Musik zu erfassen und diesen in einem zweiten Schritt auf neuere, moderne Ausdrucksformen zu übertragen.
Für einige ausgewählte Konzerte in Europa in diesem Sommer kommen drei original Mitglieder der Rock-Legende Canned Heat wieder zusammen: Adolfo “Fito” de la Parra, Larry “The Mole” Taylor und Harvey “The Snake” Mandel Sie standen bereits zusammen beim legendären Woodstock-Festival auf der Bühne. Begleitet werden sie vom Stamm der US-Band: Greg Kage, Barry Levenson und Dale Spalding. Mit „Let’s work together“ oder „On the Road again“ wurden Canned Heat berühmt – das ist rund 40 Jahre her, aber den Biss von damals hat die Band von der US-Westküste bis heute behalten. Canned Heat spielte schon beim Woodstock-Festival 1969 mit. Ihr Song „Goin’ up the country“ eröffnet gar den legendären dreistündigen Film über dieses berühmteste aller Festivals. Weitere Hit-Klassiker der Band sind „Let’s work together“ und „On the Road again“ – auch heute noch regelmäßig im Rundfunk oder im TV gespielt. Frischer und peppiger können Blues und Boogie nicht sein, als in der legendären Woodstock-Formation. Canned Heat ist jetzt wieder unterwegs und die Band ist vitaler denn je. Allenthalben wird das homogene Zusammenspiel der Formation gelobt. Canned Heat liefert von der ersten Minute an dichten Blues’n'Boogie, der keinen Zuhörer stillstehen lassen wird. Ein Klassiker eben, der sich indessen nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruht, sondern auf der Bühne Frisches anbietet. Treibende Rhythmen, die markante Harmonika als eines der tragenden Instrumente – Canned Heat macht noch immer herrlich treibende Musik, die direkt ins Blut geht.
Fito de la Parra: drums/vocal
Larry Taylor: bass/guitar
Harvey Mandel: guitar
Dale Spalding: vocals/guitar/harmonica
Unter dem Ruf: „Maceo, I want you to blow!“ wurde Maceo Parker in der Band von James Brown zum funkigsten Saxophonisten überhaupt. Unermüdlich bläst er mit seiner Crew der Welt 2% Jazz und 98% Funk um die Ohren. Er spielt auf den großen Festivals in den USA und Europa, er spielt mit Prince und George Clinton, aber der vom „Rolling Stone“ als „Best Jazz Artist“ geehrte Musiker lässt sich auch hin und wieder gern in das Kulturzelt bitten! Hier begann vor immerhin 23 Jahren seine europäische Karriere. Maceo steht nach vier Jahrzehnten Bühnenerfahrung mit dem Gewicht seiner bodenständigen coolness für handgemachte Perfektion und uplifting Soul. Über den für Mr. Parkers so typischen, fest in bester R’n’B Tradition verwurzeltem Funk-Groove spinnt er mit einer phantastischen gedanklichen Freiheit extrem reduzierte Essenzen des Bebob. Unter strikter Einhaltung des Konzeptes von „funkyness“ betätigen sich Wahwah-Gitarren, Hammond-Orgeln, gerappten Refrains, gebreakte Bläsereinsätze und Parkers saxophonale Wanderschaften. Der Ton aus seinem Saxophon kommt äußerst präzise und scharf.
Er bläst mit so viel Attack an, dass man fast den Eindruck bekommt, es sei ein Perkussionsinstrument zu hören. Die Riffs sind dementsprechend rhythmusorientiert. So ergänzt sein Spiel, vor allem wenn er begleitet, die synkopierten Arrangements der Rhythmusgruppe. Das ist Maceo Parkers Art, in einer Funkband Saxophon zu spielen. Als Mitte der 80er Jahre HipHop ins Rampenlicht rückte und sich all die tanzorientierten Musikstile an den technischen Möglichkeiten des Sampelns erfreuten, rückten Maceos Grooveaktivitäten in das Zentrum des Interesses – weil es grundsätzlich um einen guten GROOVE ging. Doch der legendäre Saxophonist und seine Band sind live einfach am besten. Funk als kräftevereinigender Ruf nach dem freisetzen menschlicher Energien. Wie man eine Party zündet, da macht dieser Band so bald keiner was vor.
Christina Lux, Reentko & Stefan Emig / Anna Depenbusch (D)
Playground/ Die Mathematik der Anna Depenbusch
Jul ’11
28
19:30
Seit Anfang der Neunziger Jahre ist Christina Lux als Solokünstlerin unterwegs und berauscht und beseelt das Konzertpublikum, wie auch die Presse. Christina Lux lässt sich noch immer in keine Schublade packen und das ist gut so. Wäre doch zu schade, wenn die Vielfarbigkeit und die wunderbare Kraft und Beweglichkeit ihrer Stimme sich in irgendeinem „Popmainstream-Kleid“ verfangen würde. So bleibt sie 100% Lux mit soul-folkigen Klängen, spannenden Scat-Improvisationen, sowie zauberhaften, sanften Balladen mit berührenden Lyrics. Ihre Songs sind poetisch und gehen tief unter die Oberfläche. Ihre an Klangfarben reiche Multi-Oktaven-Stimme, die ebenso schmeichlerisch hauchen kann wie sie temperamentvoll scattet, korrespondiert mit temporeichem Funk und Soul , mit ruhigen Balladen und erdigem Blues.
Lux und ihrem musikalischen Partner Reentko gemeinsam ist ein dynamischer, lebendiger Austausch: Lux‘Songs und Reentkos Klangwelten, seine brillante Gitarrenarbeit und die erdige Percussion ergänzen sich kongenial. Reentko ist ein wundervoller Musiker, der sich stets mit Haut und Haar eingibt, ohne auch nur einen Moment lang die Aufmerksamkeit für die Intentionen seiner Mitspieler oder des Publikums zu verlieren. Exclusiv für dieses Kulturzeltkonzert wird dieses schon geniale Duo zum kongenialen Trio: Stefan Emig, der aus vielen Formationen, wie Triosense, bekannte Schlagzeuger wird heute mit auf der Bühne stehen.
Tragische Texte, federleichte Musik: Bei ihrem Debüt vor fünf Jahren galt Anna Depenbusch als Geheimtipp, jetzt tritt sie energisch in die Öffentlichkeit. Auf ihrem neuen Album präsentiert sie einen gewagten Mix aus Chanson, Jazz und Pop - Die 33-Jährige, die in Hamburg geboren ist und bereits als Kind in der Schul-Bigband spielte, studierte Musik und Theater, war Background-Sängerin von Orange Blue. Aber sie fuhr auch Gemüselaster auf dem Deich oder sang in einem Nachtclub auf der Reeperbahn. Die Mathematik der Anna Depenbusch heisst das Album einer Künstlerin, die alles selbst macht: Sie singt und spielt Klavier, sie schreibt ihre Texte selbst, sie komponiert, arrangiert und produziert ihre Stücke.
Ist eben alles handgemacht, und das kann man auch hören: In “Astronaut” knarzen die Stühle des Orchesters, in “Madame Cliquot” wetzt ihr Gitarrist zwei Brotmesser. “Ich finde es toll, solche Details in den Aufnahmen zu lassen.” Und es ist ein gewagtes Album, weil fast jedes Lied ein anderes Genre bedient: Chanson, Jazz, Disco, Polka, Klassik - irgendwie ist alles dabei. Eine mutige Entscheidung in Zeiten, in denen Popstars aus der Retorte geboren werden und vor allem in eine Schublade passen sollen. “Viele Produzenten, mit denen ich zusammengearbeitet habe, haben mich gewarnt”, erinnert sich Depenbusch. “Ein Album mit vielen verschiedenen Genres sei zu durcheinander, ich wisse nicht, was ich wolle.” Wusste sie aber doch - und produzierte sich kurzerhand selbst: Ihr Song “Monoton” erinnert mit Penny-Lane-Piccolotrompete und Vibrafon ein bisschen an die Beatles, Cello und Klavier in “Tanz mit mir” an ein Chanson von Edith Piaf, und “Madame Cliquot” vermittelt ein James-Bond-Casino-Feeling. Die Mathematik der Anna Depenbusch ist Musik zum Zuhören und zum Entdecken.
Eigenwillig, emotional und collagenhaft. So ist „Wir sind Hollywood“ ein kraftvoller, akustischer Popsong, bei dem es um den verstärkt auftretenden Reiz von Schein und Sein geht. Wogegen der wundervolle Liebesreigen „Tim liebt Tina“ einen verspielten Walzer mit bittersüßem Text über das Beziehungskarussell darstellt. Eine weitere Klangfarbe bildet der atmosphärische Bluestitel „Wenn du nach Hause kommst“. Dabei singt Anna mit verführerisch zurückhaltender Stimme über große Versprechungen sich zu ändern. In „Glücklich in Berlin“, ein Country-Song mit Banjo, Pedal-Steel Guitar und Western-Fiddle, beschäftigt sie sich mit der Frage, wo man sich wohl und zuhause fühlt. Vielfältigkeit gehört für die Sängerin sowohl zur Mathematik als auch zur Musik. Die Verschiedenheit der Dinge bewirkt eben manchmal, dass am Ende der Gleichung ein verblüffend stimmiges Ergebnis herauskommt.
Anna Depenbusch, voc., piano; Ulle Rode, guitar; Oliver Karstens, bass; Martin Engelbach, perc.; Anne de Wolff, violin
Der Begriff Legende wird in unseren prosaischen Zeiten nur allzu inflationär gebraucht. Auf den südafrikanischen Jazzpianisten Abdullah Ibrahim trifft er jedoch in jeder Hinsicht zu. Abdullah Ibrahim verströmt eine Aura von unangreifbarer Ewigkeit. Als Adolphe Johannes Brand 1934 in Kapstadt geboren, arbeitete er ab 1949 unter dem Namen Dollar Brand als Berufsmusiker. Was das zu Zeiten der Apartheid in Südafrika bedeutete, muss hier nicht näher ausgeführt werden. Immerhin hielt er es bis Anfang der Sechziger in seiner Heimat aus, wo er Miriam Makeba begleitete und mit den Jazz Epistles die erste nennenswerte Jazzband Afrikas gründete. Doch die internationale Anerkennung trug ihm zuhause auch Misstrauen ein. 1962 setzte er sich nach Europa ab, und wurde 1965 von Duke Ellington entdeckt. Ellington holte Brand nach New York. An der Seite von Ornette Coleman und John Coltrane begab er sich auf ein spirituelles Gleis, das er bis heute nicht verlassen hat. Seine enge Verbindung zu Afrika ließ er niemals abreißen, aber auch in Europa und Asien suchte er unentwegt nach Allianzen. 1968 konvertierte er zum Islam und nahm den Namen Abdullah Ibrahim an. In den siebziger und achtziger Jahren war er die Integrationsfigur für afrikanischen Jazz schlechthin. Die Abschaffung der Apartheid war auch für Abdullah Ibrahim ein Befreiungsschlag. 1994 spielte er auf der Amtseinführung Nelson Mandelas. Mit dem nachdenklichen Soloalbum „Senzo“ erweiterte er den Kontext seiner afrikanischen Roots und amerikanischen Erinnerungen zu einer globalen Erfahrung.
Zu seinen Langzeitformationen gehört die Band Ekaya. Ekaya bedeutet Heimat. 1983 gegründet, nahm sich die Band der südafrikanischen Vokalmusik an und übertrug ihre hymnische Magie in den Kontext des instrumentalen Jazz. Ibrahim: „Ekaya hat sich zu einer Art Institution entwickelt. Ihr Zentrum ist ein universaler Code. Egal wie weit man geht, du bleibst zu Hause.“
Cleave Guyton (Altsax, Flöte), Keith Loftis (Tenorsax), Jason Marshall (Baritonsax), Andrae Murchinson (Posaune) klingen im Verein mit Drummer George Gray, Bassist Belden Bullock und Ibrahims unverkennbarer Pianohymnik wie ein vielstimmiger Chor..Der Slogan „Back to the Future“ hat für sie nichts Cooles oder Abgeklärtes, er gehört zur rituellen Grundausstattung ihrer Musik. So ist der Rekapitulation dieser teilweise 25 Jahre alten Songs überhaupt nichts von Revisionismus, Melancholie oder gar Selbstgefälligkeit eigen. Oder mit Ibrahims Worten: „Die neuen Ekaya statten uns mit der einzigartigen Möglichkeit aus, unsere Vergangenheit zu hinterfragen, um unsere Zukunft zu entwerfen.“ Ekaya 2010 ist sparsamer und minimalistischer als frühere Ausgaben der Band. Der Kampf ist vorüber, es gilt die Erinnerung zu wahren und etwas Neues daraus zu machen. Geblieben ist die überbordende Poesie der Songs.
Seit fast zwei Jahrzehnten beweist Curtis Stigers auf seinen Alben und Konzerten, dass die Trennlinien zwischen Jazz, Pop, Soul, Rock, Blues und sogar Country-Musik längst nicht so klar definiert sind, wie es den Anschein haben mag. Indem Stigers seine eigenen Kompositionen mit ein paar wohlbekannten Jazzstandards und Songs von Annie Lennox und Roger Waters mischt, erschafft er ein überraschendes Repertoire, das in seiner Gesamtheit sicherlich noch großartiger ist als die Summe seiner Einzelteile. Dafür wurde er im vergangenen Jahr mit dem Echo als bester Jazzsänger geehrt.
Als Curtis Stigers 1991 sein titelloses Debütalbum veröffentlichte, eroberte er die Popwelt im Handstreich: Das Album landete auf Platz 1 der Heatseeker-Charts von Billboard, verkaufte sich über 1,5 Millionen Mal und brachte dem Debütanten mehrere Platinum-Auszeichnungen in aller Welt ein. Mit “I Wonder Why”, “Never Saw A Miracle”, “Sleeping With The Lights On” und “You’re All That Matters To Me” enthielt es zudem gleich vier selbstverfaßte Hit-Singles, von denen es zwei in die Top 10 schafften. Einen weiteren Erfolg verzeichnete Stigers im darauffolgenden Jahr, als er für den Soundtrack des Kinofilms “The Bodyguard” (mit Whitney Houston und Kevin Costner in den Hauptrollen) eine wunderbare Interpretation von “(What’s So Funny ‘Bout) aufnahm. Dann allerdings besann er sich recht bald auf seine eigentlichen Wurzeln und sang wieder Jazz. Mit seiner leicht rauen, soulgetränkten Stimme und einer wunderbar sonoren Phrasierung auf dem Tenorsaxophon zeichnet Curtis Stigers für eine unverwechselbare musikalische Persönlichkeit. Was Curtis Stigers von vielen anderen Jazzsängern heutiger Tage unterscheidet, ist seine Fähigkeit, selber exzellente Songs zu schreiben. “Ich strebe nach einem komplexen und sich stets wandelnden eigenen Stil”, sagt Stigers. “Das macht es schwierig, mich in eine Kategorie einzuordnen. Ich singe wunderbare Liebeslieder, aber ich bin nicht wirklich ein Crooner. Ich schreibe eigene Songs, aber ich bin auch nicht nur ein Singer/Songwriter“.
Curtis Stigers, voc, saxophon; Matthew Fries, piano; Keith Hall, bass; Cliff Schmitt, drums; Jon Sneider, trumpet
Auf ihrer Myspace - Fanseite ist als Musikrichtung “Jazz / Andere” angegeben. Keine besonders genaue Definition, aber genau so ist es, und genau das macht den Sound der Band aus. De - Phazz aus Heidelberg verstehen es wie kaum eine andere Band, genreübergreifende Songs zu kreieren, die zwischen Jazz, Nu - Jazz, Trip Hop, Soul und Latin hin und her grooven und sich im Gehörgang festsetzen.Being Pit Baumgartner. Was geht im Kopf des Produzenten und “Head of De Phazz” vor sich? GaGa oder doch DaDa – das ist hier die Frage. Nun zu den Fakten: Die Heroen von De Phazz sind nicht nur Begründer des Genres Loungemusic und weltweit in ihrem Stil kopiert, auch ihre Alben werden in Asien und den USA regalweise (raub)kopiert und verkauft. „LaLa 2.0“, das mittlerweile achte De Phazz Album, ist geprägt von den zahlreichen Vokalisten aus dem musikalischen Kreis der Band. Vorneweg Pat Appleton und Karl Frierson. Die ‚Godfathers of Lounge’ wie De Phazz auch gerne genannt werden, haben seit ihrer ersten Veröffentlichung ‚Detuned Gravity’ von 1997 eine beeindruckende Karriere hingelegt. Seither wurden sechs weitere Alben veröffentlicht - zwei davon fanden sich in den Top 20 der Albumcharts wieder, gefolgt von diversen Echo-Nominierungen. 2011 heisst es nun ‚LaLa 2.0′, ein lyrischer Spagat zwischen Tiefsinn und Leichtsinn, Lamento und Lachfalten, untermalt mit elektro-organischen Klangkollagen wie Pit Baumgartner, Produzent und Mastermind von De Phazz sein jüngstes Werk beschreibt. Weil heute im MP3-Zeitalter alles austauschbar scheint, und Musik auf Dateiträger komprimiert wird, kann sich der Käufer der aktuellen CD sein eigenes “LaLa 2.0″-Cover aus sieben austauschbaren Coverkarten gestalten. Pit Baumgartner hat den Humor für sich gebucht. Seine neuen Kreationen sprühen vor Witz und einer wunderbaren Ironie. De Phazz klingen nach einer besseren Welt - zumindest einer entspannteren Zeit. Perlender Loungepop im weitesten Sinne, zu dem man die Tanzfläche leichtfüßig betritt. Das Revier von Pit Baumgartner und seinen Langzeit-Kollaborateuren ist hinlänglich abgesteckt. Vielleicht fasst man die gesamte Sound-Philosophie am besten so zusammen: spacige Synthieflächen, dazu weich und tief groovender Bass, Jazz-Vibe mit Bläser, Streichern, etwas Percussion und die starken, in Soul und Pop verankerten De Phazz-Stimmen - das ganze Paket intelligenter und gutgelaunter Musik.
Norway – 12 points! Es muss an den langen Polarnächten liegen, dass die Norweger so romantisch wie musikalisch sind. Dieses Land hat mit Silje Nergaard eine Stimme hervorgebracht, die in ihrer klaren Ausdruckskraft und Persönlichkeit mittenhinein ins Genre der großen Vocalistinnen zielt. Ist es Jazz? Ist es Pop? Mit dieser Frage sieht sich die Grenzgängerin ständig konfrontiert, denn es vergeht kein Pressetermin, der dieses Thema nicht anreißt.
“Am liebsten würde ich mit der Frage ‘Imagination oder eindimensionales Denken?’ antworten. Es ist Unfug, mir diese Frage zu stellen, weil ich im Hinblick auf Stilistiken eine Gejagte bin, die sich nicht einfangen lässt”, soweit Silje Nergaard. Von ihrem langjährigen Begleittrio schwärmt sie: “Manchmal braucht ein Song nur Klarheit und Einfachheit – keine Komplikationen, keine Soli. Es geht um den Song und um ihren Beitrag dazu. Lieber wenige Noten, die etwas bedeuten, als viele, die nur zeigen, wie virtuos man mit seinem Instrument umgehen kann. Sie arbeiten mit mir daran, die Songs sehr einfach und schön zu machen. Ich glaube, Jazz braucht das.
Es muss nicht immer tricky sein.” Silje Nergaard schreibt ihre Songs meist selbst, nutzt bestehende Klischees und Strukturen, um dann etwas sehr eigenständiges zu erfinden. Silje ist eine Berühmtheit und besonders in Japan stürmt sie regelmäßig die Charts. Lasziv-bluesige Melodien – die Sängerin intoniert mit exaltierter Linie und swingt im besten Bar-Jazz Gewand. Mit großer Reife gibt die norwegische Nationalheldin einem Popmaterial Jazzsensibilität. Über ihre Begleitmusiker heisst es, sie seien „as tight as Kylie’s pants“.
Norwegen hat Öl, Lachs und – Jazz. Tatsächlich ist Musik im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zu einem wichtigen Exportgut geworden und Beady Belle nicht nur in Skandinavien eine Band, die das Publikum liebt. Beady Belle ist etwas zum Gute-Laune-Kriegen, nach der Arbeit entspannen, für sonnige Nachmittage auf der Wiese, kurz: Für schöne Momente. Dabei gehen die Lieder ins Ohr, man kann sie sowohl als Hintergrundmusik, als auch konzentriert auf dem Kopfhörer genießen. Mit einem Mix aus Elektronik und Akustik, aus Jazz und Funk, aus komplizierten Grooves und straighten Melodien spricht dieses Kollektiv sein Publikum an.
Doch Ruhm und Ehre bringen nicht nur neue Freunde mit sich - als Gäste sind bei der Band manchmal Jamie Cullum und India.Arie mit von der Partie - auch die Schattenseiten reflektiert Beate Lech, der Kopf von Beady Belle augenzwinkernd:, “Auf einmal muss ich mich schminken, bevor ich kurz mal in den Supermarkt an der Ecke gehe.” Mit ihrem neuen Album „At welding bridge” schla¬gen Beady Belle die musi¬ka¬lisch sanf¬teren und vor allem sou¬li¬gere Pfade ein, die auch kurio¬ser¬weise ab und an durch ein paar Country-Einflüsse gekreuzt wer¬den. Doch das Country-Music-Flair der neuen Stücke wird immer wieder geschickt durch andere Elemente gebrochen oder bereichert.
Mal sind es deftige Tex-Mex-Einlagen, dann eine Portion eleganter Soul oder Funk im Stil der 1970er Jahre, ein wenig afro-kubanische Perkussion oder atmosphärische Dub-Reggae-Passagen. Im einen Moment werden Erinnerungen an die frühen Aufnahmen von Steely Dan wach, dann meint man die dengelnde Baritongitarre von Marc Ribot zu vernehmen oder wähnt sich plötzlich in einem Spaghetti-Western-Soundtrack von Ennio Morricone. So steckt die Musik trotz der wunderbar eingängigen Songs voller Überraschungen. Und Beate S. Lech bewegt sich mit ihrer gereiften Stimme vollkommen souverän durch das bunte musikalische Szenario. Wer will nicht in der “mobile Bubble” mitfliegen!
Beate S. Lech, voc; | Marius Reksjø, bass; Erik Holm, drums; David Wallumrød, keys, piano; Tommy Kristiansen, guitar (t.b.a.)
Geniale Gene? Müßig darüber zu spekulieren, ob Ravi Coltrane, 1965 geboren und nach dem indischen Sitar-Virtuosen Ravi Shankar benannt, das Talent von seinem 1967 gestorbenen Vater John Coltrane und der Mutter Alice geerbt hat oder nicht. Denn der Saxofonist hat sich seit geraumer Zeit aus dem übergroßen Schatten seines Vaters frei spielen können. Inzwischen trägt Ravi Coltrane, Sohn der Jazz-Legende John, seine Bürde mit Würde: „Es ist ein Fluch und ein Segen zugleich“, stöhnt der smarte Mann aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn. „An der Jazzgeschichte bin ich nicht interessiert“, betont er gegenüber dem US-amerikanischen Downbeat Magazine. „Ich trage keinen Banner mit ,Keep Jazz Alive‘ vor mir her, weil diese Musik nicht tot ist.“
Hört man den Jazz seines aktuellen Quartetts, so kann man seiner Aussage nur zustimmen. Frisch und lebendig, swingend und forsch improvisierend spielen sich die vier Musiker durch ein stimmungsvolles Repertoire aus Originals, gelegentlich mit Standards aus dem Great American Songbook durchsetzt. Nein, Vergleiche muss Ravi Coltrane keineswegs mehr fürchten – als Jazzmusiker ist er längst im Hier und Heute angekommen. Der modernisierte Hardbop aber atmet den Geist des legendären Vaters. Ravi Coltrane, lässt sich aber glücklicherweise nicht zum Plagiat verführen, sondern verarbeitet das Erbe zu einem eigenständigen Personalstil.
Der Saxophonist bevorzugt gemäßigte Tempi. Seine Soli schwingen in langen sonoren und hymnischen Böge, in schnellen Läufen perlen die ornamentalen Verzierungen fast nebenbei aus dem Instrument. Virtuos münden diese Alleingänge hin und wieder sogar in sakrale Sounds und kinderliedhaft schlichte Melodiosität. Dann aber bricht die Jugend durch und Ravi Coltrane wechselt zu freien und pulsierenden Passagen, mit rasanten Stakkati. ‘Mit ’Blending Times’ hat Ravi Coltrane definitiv den tonnenschweren Malus des Sohnes abgelegt. Sein Spiel bündelt ein Kaleidoskop an authentischen Gefühlen und intelligenter Eigenständigkeit.
RAVI COLTRANE QUARTET mit Luis Perdomo, piano; Drew Gress,bass; EJ Strickland, drums
Joan As Police Woman ist das Soloprojekt von Joan Wasser. Bisher arbeitete sie schon mit ihren Bands wie The Dambuilders, Black Beetle und Those Bastard Souls zusammen. Sie war die Geigerin bei der Kultband Antony & THE Johnsons und als Studiomusikerin für The Scissor Sisters, Lou Reed, Nick Cave, Sheryl Crow, Sparklehorse und Dave Gahan hat sie der Musikwelt immer wieder ihre Klasse bewiesen.
Drei Alben hat die gelernte Violinistin bisher veröffentlicht; kunstvolle Songs, die Kritiker und Kollegen wie Rufus Wainwright in den Himmel lobten. Als Vorbilder nennt Joan Wasser Joni Mitchell und Nina Simone. The Guardian nannte sie die Dusty Springfield des Indie-Pop. Schon ihr erstes Album Real Life war großartig. Das flatternde Eternal Flame, das dahinwehende The Ride – jedes Lied für sich eine Selbstbehauptung im Mainstream. The Deep Field hat diese Detailverliebtheit, das Einprägsame jedes isolierten Stückes. Getragen von einer entspannt groovenden Bassline, Handclaps und lang stehenden Orgelakkorden singt sie auf ihre unnachahmlich betörende Art vom Glück, auf der Welt zu sein und davon, wie ihr Körper berührt werden will. Es geht darum, auf allen Ebenen in Verbindung zu treten. “Meine offenste Platte”, sagt die New Yorkerin selbst über ihre offiziell dritte. Die davor waren Kompilationen, jetzt kommt das Werk.
Mit der tollen Single „The Magic“ ist Joan As Police Woman sogar ein Radiohit gelungen. Die positive Up-Tempo-Energie steht ihr gut, vor allem auch weil sie sie dosiert und plausibel einsetzt. Und wenn sie mit ihrer wunderbaren Altstimme singt: „I want you to fall in love with me“, fällt es sowieso schwer, nicht hingerissen zu sein von dieser großen Pop-Verführerin.Und nur eins kann besser sein: Joan As Police Woman im Konzert. Schon wehen die Legenden aus den Clubs herüber. Dann offenbart sich neben den eigentlichen Songwriter-Qualitäten und ein bemerkenswertes Gespür für Eingängigkeit abseits der plumpen Anbiederung – aber eben auch ohne Artsy-fartsy-Geklimper.
Heute gastiert Suzanne Vega mit einem ihrer raren Konzerte im Kulturzelt Kassel. Begleitet wird sie dabei von ihrem Gitarristen Gerry Leonard. Suzanne Vega ist eine der bekanntesten Singer-Songwriterinnen überhaupt. Sie begann ihre Karriere in den frühen 1980er Jahren in den Clubs des New Yorker Greenwich Village. Von Anfang an schrieb sie eigene Songs, begleitete sich selbst auf der Gitarre und wurde als eine der Ikonen des zeitgenössischen Folk gefeiert.
Mit “Luka” und dem DNA-Remix ihres A-Cappella-Songs “Tom’s Diner” sind ihr zwei der größten Hits der 80er und frühen 90er gelungen. – Auf ihrem jüngst veröffentlichten Resümee: “Close-Up 1:Love Songs” präsentiert Suzanne Vega zwölf Neuinterpretationen ihrer größten Hits, die stark reduziert und sehr intim nur mit Gitarre begleitet eingespielt wurden. Darunter Klassiker wie “Gypsy”, “Tom s Diner”, “Language”, “Calypso” oder “Luka”. Die New Yorker Songwriterin öffnet dann auch gleich ein zweites Mal ihr Songbook: Für den zweiten Teil ihrer auf vier Folgen angelegten Akustik-Retrospektive besucht Suzanne Vega die “People & Places”, die Menschen und Orte ihrer musikalischen Vergangenheit. Die Stadt ist New York City, die Menschen stecken hinter Klassikern wie “Luka”, “Tom’s Diner”, “Queen And The Soldier” sowie dem neu geschriebenen Song “The Man Who Played God”. Vega bereitete mit ihren philosophischen, ruhigen, und dennoch selbstgewissen Stücken den Weg für eine ganze Generation von Songwriterinnen wie Dar Williams und Shawn Colvin. Es sind die Ton-Text-Passagen, wie Wiederholungen, welche jedes dieser Lieder zu Ohrwürmern werden lässt. Es sind die Melodien, die Texte, die Geschichten, die sie erzählen. Es ist Vegas sanfte Stimme, der Einsatz akustischer Elemente, welcher auch ihre ursprüngliche Richtung, den Folk, prägte. Dabei verzichtet die Sängerin auf ein opulentes Bühnen-Set-Up.
Das Zurückgenommene und Intime ist ihre Stärke. Emotionen, feine Nuancen machen Vegas Songs zu dem, was es ist – klare, vertonte Aussagen. Suzanne Vega’s Auftritte sind frei von großen Dramen, aber tief emotional und berührend. Ihre klare, einprägsame Stimme, kühl, wie von Sandpapier gebürstet. der durch feine Instrumentalisierung in der Duo-Präsentation stets größtmöglicher Raum geschaffen wird, scheint dabei nahezu alterslos zu sein.
Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH
Der Auftritt von Katzenjammer im vergangenen Jahr war ein wunderbarer Erfolg – so gut, dass wir wiederholen! Dieses Jahr natürlich mit neuem Programm.
Katzenjammer – vier hübsche und vor allem talentierte Norwegerinnen, Multiinstrumentalistinnen und allesamt Sängerinnen. Musikalisch einordnen lassen sie sich jedoch gar nicht, zu vielseitig sind ihre Einflüsse und Anleihen: Katzenjammer klingen nach Montmarte in Paris, nach russischem Zirkus, Zigeuner-Jahrmärkten und düster-verrauchten Whiskey-Bars in Oslo. Dabei haben die Vier immer die entsprechenden folkloristischen Instrumente. Von Tuba, Harmonika, Banjo über Mandoline, Trompete, Akkordeon bis hin zum Balalaika-Bass mit dem frech grinsenden Katzengesicht. So lassen die Norwegerinnen musikalische Genres in ihren ganz eigenen Interpretationen entstehen.
Ihr Debütalbum „Le Pop“ wird 2008 bereits in ihrer Heimat veröffentlicht. Ein furioser Auftritt bei den Spellemannsprisen, den norwegischen Grammys, im selben Jahr verschafft ihnen Konzerte in der ganzen Welt, v.a. in den USA, wo Katzenjammer die Besucher des South By Southwest Festivals begeistern. Schließlich erschien „Le Pop“ auch in Deutschland und die charismatischen Frauen erobern ihr Publikum hierzulande nun in Handstreich. Katzenjammer hören ist wie eine Fahrt in einem durchgedrehten Karussell: schnell, aufregend und man kriegt gar nicht genug davon. Die „Overture“ läutet es ein: „A Bar In Amsterdam“ zieht einen sogleich in den Strudel ‚Katzenjammer’. Das ist wilder Tanz und treibender Rhythmus, alles mit folkloristischen Instrumenten und dem geballten, kraftvollen Gesang der vier Norwegerinnen. Einen Moment dreht sich das Karussell ein wenig langsamer, um im nächsten noch einmal Vollgas zu geben. Das ist der Auftakt zu „Le Pop“, eine Mischung aus verspielten, lebhaften, dramatischen Songs, deren Einordnungsversuch zwangsläufig scheitern muss. Die Musik von Katzenjammer ist zu facettenreich, als dass man ihr einen Stempel aufdrücken könnte. Höchstens von Einflüssen kann man sprechen und diese sind zahlreich. Die Norwegerinnen bedienen sich beispielsweise an Seemannsliedern, am Blues und sogar an jüdischer Volksmusik. Dabei genügt es völlig, zu viert auf der Bühne zu stehen, denn Solveig, Anne Marit, Turid und Marianna spielen alle Instrumente selbst und das auch noch im Wechsel. Dabei glänzen die Musikerinnen zu jeder Zeit mit ihren Stimmen. Diese sind keineswegs nur süß, sondern auch richtig kraftvoll, wie in „Hey Ho On The Devil’s Back“ und dem zusätzlichen Track „Ain’t No Thang“, einer gestandenen Bluesnummer. Katzenjammer können aber auch ruhige Töne anschlagen: „Wading In Deeper“ ist eine wunderschöne Klavierballade, ebenso schön, nur mit mehr Dramatik versehen, ist das von Seemann-Shanties inspirierte „Virginia Clemm“. Es darf gestaunt werden! Katzenjammer sind Marianne Sveed, Turid Jorgensen, Solveig Heiloi und Anne Marit Bergheim.
Das Konzert ist unbestuhlt
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Angst vor großen Namen kennt Trombone Shorty nicht. Aber bisher stand er mit ihnen (etwa Lenny Kravitz, U2, Eric Clapton, Green Day, Dr. John & Allen Toussaint) zusammen auf der Bühne oder im Plattenstudio. Trombone Shorty nennen sie den Mann, der seit seinem 4. Lebensjahr mit der Posaune alle an die Wand bläst. Den “Prince des Jazz” nennen ihn die US-Kritiker. ‘Shorty ist ein Genie. Er spielt sich den A…. ab und ist ein wunderbarer Mensch.’ So urteilt Superstar Lenny Kravitz über Troy Andrews, der sich schon als Knirps den Spitznamen Trombone Shorty erspielte. Geboren wurde er in New Orleans im ‘musikalischsten Viertel der musikalischsten Stadt der USA’, lernte schon früh Marschtrommel und Trompete spielen und durfte als Sechsjähriger in der Jazzband seines Bruders mitwirken.
Trombone Shorty ist nicht nur ein virtuoser Posaunist, sondern auch ein brillanter Trompeter, charismatischer Sänger und vielseitiger Songwriter, der sich von Schubladendenken nicht beeindrucken lässt. Zu seinen prominenten Bewunderern zählen Lenny Kravitz, der ihn mit auf seine Welttournee nahm, Bono und The Edge, die ihn bereits als Zwölfjährigen bei einem seiner Gigs in New Orleans sahen. ‘Shorty hat uns vollkommen umgehauen.’ (The Edge). Stilgrenzen sind ihm fremd. Gekonnt schwimmen Trombone Shorty mit seiner Band Orleans Avenue durch den Strom der Genres. Mit seiner Mischung aus Funk, Rock, Rhytm’N’Blues, Jazz und Hip Hop begeistert er seine Fans. „Supafunkrock“ nennt er seine Art, Musik zu machen. Eine ordentliche Portion davon, bekommt man in seinen live Konzerten zu hören. Schwerer Funk, anrüchiger Soul, vorlauter Rock und alles im Zeichen des New Orleans Jazz - so klingt das Repertoire des Quintetts. Und Trombone Shorty weiß auch, woher er kommt: Das Louis Armstrong-Cover passt perfekt zu seinem Stil, sowie die James-Brown-Anleihen in manchen Songs. Mit seinem Album ‘Backatown’ – es landete flugs auf Platz 1 der Contemporary Jazz Charts des Billboard Magazines und wurde Grammy nomminiert - und seiner Band Orleans Avenue wird Trombone Shorty mit seiner Mischung aus Funk, Rock, Rhythm’n'Blues, Jazz und HipHop, zum ersten Mal auch deutsche Festivals auf den Kopf stellen.
Gabby Young & Other Animals haben sich einer wunderbaren Mischung aus HonkyTonk, Moulin-Rouge-Twist, Osteuropafolk, Power-Chanson, Swing-Jazz und Zirkusmusik verschrieben. Wenn man schon vergleichen will, also eine britische Version der norwegischen Katzenjammer-Compagnie. Sie sind zeitlos, irgendwie aus der Zeit gefallen und dabei verblüffend lebensfroh. Am ehesten trifft es wohl der Begriff “Circus Swing”, den Fans im United Kingdom eigens für ihre Landsleute prägten. Zirzensisch geht es in der Tat zu. Die zierliche Frontfrau Gabby Young und ihre Begleiter an Klarinette, Trompete, Posaune, Kontrabass, Mandoline, Banjo etc. jonglieren artistisch mit Ragtime und Big-Band-Bombast, Mazurka und Operndramatik, Varieté und Vaudeville, Kirmeswalzer und Backen voller Balkan-Blasmusik. Was für ein buntes und zauberhaftes Treiben! Die Unvorhersehbarkeit hat Methode, und das Vereinen von scheinbar Unvereinbarem macht den jungen Musikern ganz offensichtlich einen großen Spaß. Mit diebischer Freude wechseln sie übergangslos zwischen Dixieland-Anklängen, morbiden Akustikfolk-Balladen Swingjazz in Schieflage und liebenswerten Pop-Ohrwürmern. Und wunderschön, weil so fremdartig. Schön fremd.
Die Liedertexte aus Gabby Youngs Feder sind nicht minder ungewöhnlich. Mit ihrer mehrere Oktaven umspannenden Stimme, die vom Jazz-Crooning bis zu opernhaften Spitzentönen alles kann, singt die Engländerin von all den Widerständigkeiten des Lebens. Mit zwölf wurde Gabby Young als jüngstes Mitglied aller Zeiten an der National Youth Opera aufgenommen. Gabby war bereits auf dem besten Weg zur Opernsängerin, als ihr die Begeisterung für Jeff Buckley und die Meister der Jazzvergangenheit dazwischenkamen. Ein Glück für uns! Und genau das richtige für die Kulturzelteröffnung 2011.
Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH.
Mit dem Vollbart und den wachsamen, schönen Augen verkörpert William Fitzsimmons geradezu exemplarisch den Typus des melancholischen Songwriters. Er ist ein feingeistiger Liedermacher, der in seine melancholischen, Gitarren getragenen Kompositionen, diverses akustisches Instrumentarium und weiche elektronische Klangflächen integriert. Sein Gesang ist intim, es sind die zarten, ruhigen Töne, die der Singer-Songwriter William Fitzsimmons sich und seiner Gitarre entlockt. Wie Regentropfen oder Schneeflocken, die leise und sanft zur Erde fallen, so schweben seine Lieder allmählich dahin und schaffen eine fast besinnliche Intensität und Nähe. Oft wird er mit Musikern wie Sufjan Stevens, Iron & Wine und dem späten Elliott Smith verglichen, nicht nur wegen seiner eigenen Form des Songwritings und seiner Vorliebe für elementare Themen, sondern auch wegen seiner organischen und farbenfrohen Melodien und Arrangements. Für Freunde des fragilen Singer/Songwritertums ein absolutes Fest! William Fitzsimmons wuchs in einem Haus auf, in dem abends niemand das Licht einschaltete, und an dessen Wänden kein einziges Bild hing. Denn William wird in Pittsburgh, Pennsylvania als jüngster Sohn eines blinden Ehepaars geboren. In einem Haus, in dem visuelle Eindrücke hinter einer akustischen Welt verblassen, regieren Instrumente und Töne. Seine Eltern, beide Musiker, erziehen William zwischen Pianos, Gitarren und unzähligen Platten zu einem Multinstrumentalisten. Musik ist die Sprache der Familie Fitzsimmons.
Nach Studium und der Arbeit als Psychotherapeut gewinnt das Herzblut und William widmet sich seiner musikalischen Karriere. In der US-amerikanischen Indieszene ist der Sänger inzwischen eine Ikone . Songs von ihm werden in den TV-Sendungen „Grey’s Anatomie“, „Life of Ryan“ und „Army Wives“ gefeatured, die Musikpresse feiert ihn. Einfach ein charismatischer Typ mit Bart und wundervollen leisen Songs. Herr Fitzsimmons ist aber kein trauriger Mann. Er könnte auch ohne einen einzigen Song und ohne Gitarre auf der Bühne stehen. Er hat Humor und davon reichlich!
BALKAN BRASS BATTLE mit Fanfare Ciocarlia versus Boban i Marko Markovic Orkestar live auf der Bühne!
Zum ersten Mal stehen die beiden berühmtesten Gypsy Brass Bands aus Rumänien und Serbien gemeinsam auf der Bühne. Jetzt wird ein für alle Mal geklärt, welche Band den heißesten Atem hat! Wer ist König des Balkan Brass und wer bläst wen von der Konzertbühne?
Das Duell hat im Laufe des vergangenen Jahrzehnts Gestalt angenommen. Nachdem sich Fanfare Ciocarlia vor knapp 13 Jahren aus dem Nordosten Rumäniens aufmachte, die Konzertbühnen der Welt zu erstürmen, eilte ihnen alsbald der Ruf als schnellste Blaskapelle der Welt voraus. Allerdings erreichte die Band auf ihren ausgedehnten Reisen auch die Kunde von einer anderen Gypsy-Blaskapelle. Diese hatte den Bürgerkrieg in Jugoslawien überstanden, die Soundtracks für Emir Kusturicas wunderbar überdrehte Filme geliefert und hielt sich selber für die unangefochtene Nummer 1 des Gypsy Brass: das Boban i Marko Markovic Orkestar, das ebenso als eines der besten Brass-Orchester gilt. Ohne die beiden Balkan Brass-Kapellen aus Serbien und Rumänien wären Acts wie Shantel, Gogol Bordello und letztlich auch LaBrassBanda nicht denkbar. Unverfälscht geben sie die überbordende Lebensfreude Südosteuropas wieder. Die Band wetteifern darum, wer die größte Virtuosität, die verwegenste Improvisation zur Freude aller zu Stande bringt.
Er ist wieder da: Eineinhalb Jahre nach seinem letzten Konzert in Bad Ischl geht Hubert von Goisern wieder auf Tournee. Und diesmal wird die Bühne zum musikalischen Labor: Denn neben seinen bekannten Klassikern präsentiert der Pionier der alpinen Weltmusik live erstmals seine neuen Songs aus dem im Spätsommer erscheinenden zwölften Studioalbum. Dabei klingt Hubert von Goisern so konzentriert wie selten zuvor: Nach seiner opulent in Szene gesetzten Donautournee begleiten den leidenschaftlichen Multiinstrumentalisten und Sänger diesmal nur ein Schlagzeug, ein Bass und eine Gitarre. Nachdem er mit einem Konzertschiff die Donau bis zu ihrem Delta in der Ukraine bereist hat, bricht der virtuose Brückenbauer nun mit leichtem Gepäck zu neuen Ufern auf. Mit einem schwimmenden, klingenden, singenden Dorf, wie er es nannte, fuhr er im vergangenen Jahr die Donau rauf und runter, stromaufwärts und stromabwärts quer durch das neue Europa, von den Zentren bis an die Ränder, von Linz aus nach Rotterdam und bis zum Schwarzen Meer. Er folgte einer Vision: der Einheit in der Vielfalt. Musik ist die gemeinsame Sprache und die Botschaft. Und Hubert von Goisern ist ein Künstler, der sie in die Welt hinausträgt, der über alle Grenzen hinweg Verständigung und Austausch sucht.
Die abenteuerliche Flussfahrt ist nun vorbei, die Konzertbarge ihrer ursprünglichen Bestimmung als Schottertransporter im Flußverkehr zurückgeführt – aber die Energie, die Spielfreude und die Freude an der Begegnung mit anderen Musikern und Menschen wird weitergetragen in das Jahr 2011. Reduziert bis auf den Kern seiner vieldeutigen Musik wendet sich Hubert von Goisern 2011 dem Wesentlichem zu: dem puren Konzentrat der Songs,mit denen der erdige Fantast aus dem Salzkammergut seit einem knappen Vierteljahrhundert die Welt beglückt. Der vom Fernweh inspirierte Heimatsucher kommt mit seinen Verbündeten Alex Pohn, Schlagzeug; Helmut Schartlmüller,Bass; und Severin Trogbacher, Gitarre in das Kulturzelt Kassel. Soul, Jazz, Samba, afrikanische Melodien, dies alles inspiriert von Goisern in seinem legendären Alpenrock.
Fünf Jazz-Heroen, über die Jahre Freunde geworden, erstmals gemeinsam auf der Bühne!
Die Musiker trafen sich immer wieder bei Jazzfestivals hinter und auf der Bühne, spielten so manche spontane Session und haben gemeinsam eine Spielfreude, die nun endlich darin gipfelt, dass das Quintett gemeinsam auf einigen Festivals in Europa auftritt.
Das line up gehört sicher zum Feinsten, was ein Jazzkonzert heutzutage auf die Bühne bringen kann.
Chuck Loeb, Gitarist unter anderem bei Steps Ahead, Seit vier Jahrzehnten ist er international erfolgreich als Musiker, Komponist und Produzent. Chuck war in den 80ern musikalischer Leiter der Band von Stan Getz und hat mit Jim Hall und Pat Metheny gespielt sowie dem deutschen Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Till Brönner, die deutsche Jazz Ikone an der Trompete und dem Englischhorn, die schon die Bühne mit Dave Brubeck, James Moody, Chaka Khan, Natalie Cole und vielen mehr teilte, Eric Marienthal am Saxophon, langjähriges Mitglied von Chick Coreas Electric Band, sechs Alben produzierte er mit Corea und sie gewannen zwei Grammys. Bandmitglied war Marienthal unter anderem bei Elton John und Stevie Wonder. Harvey „The Mase“ Mason, einer der einflussreichsten Schlagzeuger unserer Zeit gehört auch zu DIG. Er spielte unter anderem mit Herbie Hancock, den Brecker Brothers und Duke Ellington. Dazu kommt heute abend Pat Bianchi; kein anderer spielt die legendäre B3 Hammond Orgel so swingend und intensiv. Bianchi ist nicht nur im übertragenen, sondern auch im wahren Wortsinn ein Gigant. Dieser impulsive Italoamerikaner, der bereits als Teenager mit Jazzkoryphäen auftrat, kennt alle Kunst, mit denen man die Hammondliebhaber glücklich machen kann.
Ein Abend, der sich gewaschen hat – ohne X-Factor!
Eine Band, die in portugisisch, spanisch, creolisch, französisch und englisch singt kann man durchaus als international bezeichnen. Oquestrada, aus Lissabon, von der anderen Seite des Tejo, zelebrieren nicht den traurigen Fado, ihre Musik so sagen sie selbst ist : 100% unabhängig, 200% guter Humor und 300% genial. Das zeugt von gesundem Selbstbewußtsein.
Das Debütalbum „TascaBeat- O Sonho Portugês”, plazierte sich wochenlang in den Pop- Charts. Die CD wurde zu einer der drei besten Musikveröffentlichungen des Jahres gewählt und wurde mit Gold ausgezeichnet. OqueStrada spiegeln in ihrer Musik die Seele eines sich verändernden Portugals wider. Musik eines Landes, das mit proletarischem Glamour die Strassen und Vorstädte Lissabons besingt, Musik die nur ab und an mit dem klassischen portugiesischen Fado flirtet. Die Musik einer Hafenstadt, wo der erfüllte Traum des Wegfahrens und der Wiederkehr in vielen Sprachen lebt, ein Hafen in dem wir auf neu erfundene portugiesische Herzen treffen.
Portugiesischer Folk-Pop trifft auf ganz unterschiedliche Musikstile wie Funaná und französischen Chanson. Das Ergebnis ist eine Musik, die das spezielle Lebensgefühl der Menschen in Portugal erzählt.. Sie Der Stil ist unkonventionell, die Energie grenzenlos. Live auf der Bühne ist OqueStrada ein Erlebnis, mit insgesamt 6 Musikern spielen sie ihren rohen, populären, tanzbaren Mix: Afrikanische Kuduro oder Funaná, Brazilianisch Musik oder Hip Hop, einfach jede Melange von Musik, die die Migranten nach Portugal gebracht haben. Der CD-Titel „Tasca Beat“ stellt eine Bar dar, ähnlich einer spanischen Tapas-Bar, in der man Essen und Trinken kann und wo man sich mit Freunden trifft. Ähnlich wie diese Bar, reich gefüllt mit den verschiedensten Gerichten und Menschen, ist diese Musik reich an Klängen und Rhythmen, die vom ersten bis zum letzten Stück gehört werden will.
Der Fado als Basis mit hunderten von anderen Stilen gepaart – unter anderem Hip Hop, Ska, Brasilianische Musik, Walzer, Morna, gespickt mit herrlichen Texten und Posen.
In Portugal hat OqueStrada längst Kultstatus erlangt und füllt dort die großen Konzertsäle. Nachdem OqueStrada auf einige renommierte Festivals in Spanien und Frankreich eingeladen waren und dort großen Erfolg feierte, macht die Band sich nun auf, die deutschen Landen zu erobern. Schon vorab zu besichtigen bei youtube:
Das Konzert mit Tina Dico an einem verregneten Juliabend des letzten Jahres, war eines der schönsten und intensivsten der letzten Kulturzeltjahre. „Wenn du auf der Bühne stehst und Musik machst, kannst du an nichts anderes denken. Du existierst einfach. Du lässt es durch dich hindurch fließen.” Und dies teilt sich ganz unmittelbar mit.
“Ich habe diese Energie in mir, nie stehen bleiben zu wollen. Mich treibt nicht der Wunsch nach Perfektion voran. Als Songwriterin suche ich zwar nach dem perfekten Song, der die Idee, ein Gefühl oder einen Moment am intensivsten festhält. Doch es ist immer die Leidenschaft zur Musik, die alles in meinem Leben bewegt.” Dieses Motto beschreibt Tinas Musikverständnis, vor allem ihre Passion als Songwriterin. Die 28-jährige Wahl-Londonerin, die 1977 im dänischen Arhus zur Welt kam, ist in ihrem Heimatland längst keine Unbekannte mehr.
Sie verdrängte in den dortigen Charts U2 und Coldplay von der Pole-Position. Außerdem heimste sie diverse Musikpreise als beste Songwriterin (beim Dänischen Grammy) sowie beste Komponistin (Danish Music Critics Award) ein. Mit “Count To Ten”, das in Deutschland auf dem Island-Label veröffentlicht wurde, veröffentlichte Tina Dico ihr viertes Album. In Dänemark erobert die Sängerin damit aus dem Stand die Spitze der dänischen Plattencharts. Kurz darauf darf sich Tina Dico über den erreichten Platinstatus freuen. Bei den Danish Music Awards 2008 erhält sie außerdem vier Nominierungen in den Kategorien Best Album, Best Pop Album, Best Female Singer, Best Songwriter.
Mit “Count To Ten” ist Tina Dico der internationale Durchbruch gelungen. Es sind die feinen kleinen Sounds, die es so richtig interessant machen, Tina und ihrer Band zuzuhören. Wenn man die dänische Künstlerin Tina Dico in einem Satz beschreiben müsste, würde man wohl das Sprichwort „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ wählen. Denn sie liebt die Herausforderung, ist sich aber auch durchaus der damit verbundenen Risiken bewusst. Diesem Naturell entsprechend, machte die Sängerin den Schritt in eine Selbstständigkeit, die eine schnell erkennbare Wegrichtung eingeschlagen hat – steil nach Oben. Kreative Unruhe der Ausnahmekönnerin zeichnet nicht nur ihre Alben aus. Auch auf der Bühne begeistert Tina Dico mit der ihr eigenen charismatischen Performance, bei der sich introvertierte Momente mit expressiver Energie abwechseln. Sie verzaubert ihre Zuhörer, und sorgt für berührende Momente.
Incognito - der Name ist Programm. Zumal er bestätigt, dass trotz des Erfolgs keiner genau weiß, aus wem diese Band eigentlich besteht. Das dürfte ungewollt sein, doch die Mannschaft von Incognito ist über die Jahre seit der ersten Zusammenkunft schließlich auch eine wechselnde gewesen. Gleichbleibend ist allerdings der Master Mind: Jean-Paul “Bluey” Maunick, Gitarrist, Komponist und das “Studio-Ohr” des Jahrtausends - Schöpfer von Incognito. Und jenem ist in London, als der Dance Hype gegen Ende der 70er gen Höhepunkt zusteuert, der Traum nach eingängiger, clubtauglicher aber deswegen nicht weniger komplexer und improvisationslastiger Musik gelungen..
Die damalige überwältigende Existenz von groß besetzten Discofunk-Bands wie Earth Wind and Fire, Weather Report und Ubiquity unter der Leitung von Roy Ayers beeinflussten und inspirierten den Leader of the gang.. Bees & Things & Flowers, ist der jüngste Wurf des legendären Kollektivs; die Musik erinnert vom Stil an die Bill Withers-Alben der 70er Jahre. Brilliante Sängerinnen wie Maysa Leak, Joy Rose, Jocelyn Brown sorgen für wundervolle akustische Neuinterpretationen der Incognito Klassiker wie „Still a fried of mine“, „Always there“ oder das energetische „Everyday“. Incognito unplugged. Die sorgfältige Studioarbeit, die den Live-Tourneen vorausgeht ist Garant für mitreißénde und explosive Performances einer der besten Jazz-Funk Formationen seit Gründung der Band 1979.
„That’s the way of the world” ist eine Hommage an Earth, Wind and Fire, Seelenverwandte im Geiste. Das Credo von Incognito “Beyond colour, beyond creed, we are one nation under the groove” schlägt sich in der multikulturellen Besetzung der Band nieder. Die weltweite Fangemeinde eint dann auch vom HipHoper bis zum Musikkritiker: Die Einen frönen dem Dance-Aspekt, die Anderen begeistern Texte und die phantastische gedankliche Freiheit der Arrangements. Die musikalische Identität Incognitos ist eine globale und steht in diesem Jahr für kunstvoll verwobene Sounds aus Jazz, Soul und Funk. Eine Verneigung vor dem Motown-Sound der 70er Jahre ist ihr aktuelles Programm „Tales from the Beach“.
Vor 30 Jahren retteten neun Studenten in Havanna den Son vor dem Aussterben. Sie gründeten die Band Sierra Maestra, benannt nach jener Bergkette im Osten Kubas, in deren Hügellandschaft der Son, die Wurzel weltweit populärer Musikstile wie Mambo, Cha-Cha oder Salsa entstand, und reanimierten die alte akustische Musik aus der Provinz.
Bläser, die dreisaitige Gitarre Tres, Bongos und Claves standen plötzlich wieder im Mittelpunkt einer unverwüstlichen Tanzmusik, die von schneidenden Trompetensoli, ausgefeilten Vokalsätzen und einer ebenso selbstverständlich wie vertrackt wirkenden Rhythmik lebt. Auftritte von Sierra Maestra sind immer ein Fest. Ein Fest, das dem Son gewidmet ist und rootslastige guajira, Afro-Cuban-Jazz mit knackigen Riffs, gefühlvolle Boleros und feurige son-montunos präsentiert. Die kubanische Musik, hier ist sie in all ihren Stimmungen präsent mit wunderbaren Harmoniegesängen, Solostimmen, die mit den Bläsern ins Duett treten und immer wieder den sich langsam zu wahren Gruppen-Feuerwerken aufbauenden son-montunos, die zu den weltweit gefeierten Höhepunkten eines jeden Sierra Maestra-Konzerts zählen.
„Wir lieben, was wir tun, und deshalb wird unser Feuer auch nie verlöschen“ lautet das gemeinsame Credo von Sierra Maestra. Kein Zweifel, diese Band hat einen wunderbaren Swing, den jede Nummer ihres Repertoires in sich trägt. Selten wurde das besondere Flair des Son, der Kollektivgeist der Musiker, ihre Stimmen, Soli und die bedeutungsvollen Texte, packender zelebriert als bei Sierra Maestra. Die Band spielte mit so unterschiedlichen Musikern wie Marc Ribot, Omara Portuondo und Ibrahim Ferrer zusammen. Die Celebrities der kubanischen Musikszene zelebrieren den Kollektivgeist und dennoch sorgt in der Besetzung jeder einzelne für Furore.
Und so wird es auch an diesem Konzertabend sein: Sierra Maestra bringen uns den Humor und die Spielfreude, die den Erfolg der kubanischen Musik ausmachen. Für diese Musiker ist das eine Herzensangelegenheit.
Beat’n’Rap: Über die Großvaterschaft des Rap gibt es keinen Zweifel. Als Ahnherr gilt unangefochten Gil Scott-Heron. Der Jahrhundertsong “The Revolution Will Not Be Televised” stammt von ihm. Jetzt hat der große Soulpoet ein neues Album aufgenommen, das beweist: Auch lebende Legenden schreiben Geschichte. Erst ist nur ein kurzer Clip auf YouTube aufgetaucht.
Grobkörnige Schwarzweißaufnahmen, durchzogen von Bildstörungen, wie aus einem Geheimversteck. Sie zeigen einen ergrauten Gil Scott-Heron bei dem, was er kann wie kaum ein anderer: mit donnernder Stimme ins Mikrofon sprechen. Ein Puls aus verzerrten Bässen begleitet das erste Lebenszeichen des Soulpoeten seit langem. Gil Scott-Heron kehrt zurück: “I’m New Here”.
Während sich Musiker heute bedingungslos auf den Markt werfen müssen, hat sich Scott-Heron äußerst rar gemacht. Sein politisierter Jazzfunk hat ihm zwar den Ruf als Urvater des HipHop eingebracht. 1971 gab er den Jahrhundertslogan “The Revolution Will Not Be Televised” aus und verewigte sich als Chronist des entrechteten Amerika. Rapper haben seine Musik gesampelt, seinen Stil imitiert und die sozialkritischen Botschaften kopiert. Lebenden Poplegenden bleiben ja im Grunde nur zwei Wege zum Weitermachen.
Die meisten verwalten ihr Erbe indem sie es immer wieder reproduzieren. Wenige haben das Glück, ihren Stil im Geiste der glorreichen Vergangenheit zu verfeinern, und musikalisch in der Gegenwart zu verorten. “I’m New Here” ist kein Retro-Album, kein Stillstand auf hohem Niveau. Basslastige Dubspuren, mächtig schwingende Beats und elektronische Soundkaskaden verpflanzen Gil Scott-Heron in eine völlig neue Klangwelt. Hier ragt besonders eine Qualität von Gil Scott-Heron heraus, die wegen seiner textlichen Radikalität oft übersehen wurde: seine Stimme, dieser grollende Bariton, überträgt sich vor allem als physisches Erlebnis auf den Hörer. Gil Scott-Heron klang schon mit 20 Jahren, als ob er ein Mikrofon verschluckt hätte.
Verwoben in dystopisch wirkende Klanglandschaften landen die Songs nun direkt in der Magengrube. Scott-Herons Wortkaskaden erschüttern Mark und Bein. Der Sturm und Drang der jungen Jahre ist einer Autorität der Lebenserfahrung gewichen. Das hört sich an, als wolle er den selbst ernannten Nachfolgern vom Schlage Kanye Wests zurufen: Junger Mann, mit mir ist noch zu rechnen. Gil Scott-Heron setzt 2010 auf trip-hoppige Sounds, wie sie ebenso hätten von Massive Attack produziert werden können. Dazwischen Folk-Elemente: übertönt, unterstützt oder zersägt von dieser Stimme. Wow.
Katzenjammer – vier hübsche und vor allem talentierte Norwegerinnen, Multiinstrumentalistinnen und allesamt Sängerinnen. Musikalisch einordnen lassen sie sich jedoch gar nicht, zu vielseitig sind ihre Einflüsse und Anleihen: Katzenjammer klingen nach Montmarte in Paris, nach russischem Zirkus, Zigeuner-Jahrmärkten und düster-verrauchten Whiskey-Bars in Oslo. Dabei haben die Vier immer die entsprechenden folkloristischen Instrumente. Von Tuba, Harmonika, Banjo über Mandoline, Trompete, Akkordeon bis hin zum Balalaika-Bass mit dem frech grinsenden Katzengesicht. So lassen die Norwegerinnen musikalische Genres in ihren ganz eigenen Interpretationen entstehen.
Ihr Debütalbum „Le Pop“ wird 2008 bereits in ihrer Heimat veröffentlicht. Ein furioser Auftritt bei den Spellemannsprisen, den norwegischen Grammys, im selben Jahr verschafft ihnen Konzerte in der ganzen Welt, v.a. in den USA, wo Katzenjammer die Besucher des South By Southwest Festivals begeistern. Schließlich erschien „Le Pop“ auch in Deutschland und die charismatischen Frauen erobern ihr Publikum hierzulande nun in Handstreich. Katzenjammer hören ist wie eine Fahrt in einem durchgedrehten Karussell: schnell, aufregend und man kriegt gar nicht genug davon.
Die „Overture“ läutet es ein: „A Bar In Amsterdam“ zieht einen sogleich in den Strudel ‚Katzenjammer’. Das ist wilder Tanz und treibender Rhythmus, alles mit folkloristischen Instrumenten und dem geballten, kraftvollen Gesang der vier Norwegerinnen. Einen Moment dreht sich das Karussell ein wenig langsamer, um im nächsten noch einmal Vollgas zu geben. Das ist der Auftakt zu „Le Pop“, eine Mischung aus verspielten, lebhaften, dramatischen Songs, deren Einordnungsversuch zwangsläufig scheitern muss. Die Musik von Katzenjammer ist zu facettenreich, als dass man ihr einen Stempel aufdrücken könnte. Höchstens von Einflüssen kann man sprechen und diese sind zahlreich.
Die Norwegerinnen bedienen sich beispielsweise an Seemannsliedern, am Blues und sogar an jüdischer Volksmusik. Dabei genügt es völlig, zu viert auf der Bühne zu stehen, denn Solveig, Anne Marit, Turid und Marianna spielen alle Instrumente selbst und das auch noch im Wechsel. Dabei glänzen die Musikerinnen zu jeder Zeit mit ihren Stimmen. Diese sind keineswegs nur süß, sondern auch richtig kraftvoll, wie in „Hey Ho On The Devil’s Back“ und dem zusätzlichen Track „Ain’t No Thang“, einer gestandenen Bluesnummer. Katzenjammer können aber auch ruhige Töne anschlagen: „Wading In Deeper“ ist eine wunderschöne Klavierballade, ebenso schön, nur mit mehr Dramatik versehen, ist das von Seemann-Shanties inspirierte „Virginia Clemm“. Es darf gestaunt werden!
Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH
Clare Teal and her Band (GB) / Michael Kaeshammer (CDN)
Get Happy & Love Light
Aug ’10
5
19:30
Clare Teal entdeckte einst als Kind auf dem Dachboden ihres Elternhaus die Jazz-Plattensammlung ihres Vaters und ein altes Grammophon - »das war das letzte was meine Eltern für die nächsten sechs Monate von mir sahen«, kommentiert die Britin trocken, die heute noch Ella Fitzgerald und Joe Loss zu ihren musikalischen Paten zählt. Der Durchbruch kam 2004 mit „Don‘t Talk“, erschienen bei Sony Jazz: Das Album erreichte Platz 1 der UK Jazz Charts und Platz 20 der UK Album Charts. Gleich zweimal wurde sie bei den British Jazz Awards zum „Jazz Vocalist of the Year“ ernannt und erhielt die Auszeichnung als „BBC Jazz Vocalist of the Year“.
Ihren ersten Vorbildern fühlt sich Clare Teal noch immer verantwortlich und präsentiert im britischen „Radio 2“ regelmäßig„Clare Teal‘s Jazz Divas“. Der britische „The Observer“ fasste Teals musikalisches Engagement treffend zusammen: „Manche Sänger singen Standards, manche ihre eigenen Stücke, aber nur sehr wenige machen beides und noch weniger machen es gut. Clare Teal gehört zu diesen Raritäten.“ Prickelnde Arrangements und ein glorioser Mix von Klassikern der Musikgeschichte mit fabelhaften Eigenkompositionen – das swingt und wird von Clares stimmlichen und charismatischen Qualitäten mit warmen Humor zusammengehalten.
Michael Kaeshammer - das Multi-Talent aus Kanada: Pianovirtuose, Sänger, Songwriter, Entertainer dürfte mittlerweile weit über die Grenzen seiner kanadischen Heimat populär sein. Er arbeitet mit Bassist Marc Rogers und Drummer Mark McLean zusammen. Vor inzwischen 13 Jahren veröffentlichte der kanadische Pianist mit deutschen Wurzeln seine erste Solo-CD »Blue Keys«. In Kanada hat Michael Kaeshammer seitdem eine steile Karriere hingelegt - nun beginnt das Multitalent den europäischen Kontinent im Sturm zu erobern: Er ist jung, sieht gut aus und ist ein faszinierender Musiker.
Immer wieder wird der Vergleich zu seinem britischen Kollegen Jamie Cullum gezogen, was im Wesentlichen Kaeshammers eigenwilligen Kompositionen und seinem ausgeprägtem Sinn für stimmliche Interpretationen zuzuschreiben ist. Eine wesentliche Ingredienz der überwiegenden Eigenkompositionen ist ein kräftiger Schuss Boogie Woogie, wunderbar gebrochen immer wieder verspielt, fast kindlich. Es scheint vor dem geistigen Auge ständig Charlie Brown seinem Football nachzuhechten. Kaeshammer ist ein Musiker, der seine, an zahlreichen klassischen Pianogrößen aus Jazz, Blues und R’n’B geschulten Fähigkeiten, in den Dienst des eigenen Songwritings stellt. Die immense Virtuosität des Kanadiers wird dabei mit einer leichtfüßigen Pop-Sensibilität verwoben, ohne die Integrität des Meisterpianisten in Frage zu stellen. Zu hören sind erstklassige Kaeshammer-Songs zwischen New Orleans-Groove und Ballade, dazu ausgewählte Covers aus der illustren musikalischen Welt des Swing. Ein großer Schritt nach vorne für den vielleicht interessantesten kanadischen Pianomann der jungen Generation.
„Es ist nicht das, was man sagt, es zählt, was man dabei fühlt“, heißt es in einem der neuen Lieder von Max Herre. Dass es nicht schaden kann, wenn man seinen Gefühlen auch eine durchdringende Lyrik, die ideale Stimme und einen berührenden Sound gibt, ist auch klar. „Ein Geschenkter Tag“ ist der beste Beweis. Direkt, echt, leidenschaftlich und verdammt gut singt Max Herre ungeschmückte Lieder aus dem Leben, die mit Stift, Papier und Gitarre innerhalb der letzten zwei Jahre entstanden sind. Der Tag ist kühl, ich bin klar, alles da und endlich nehm’ ich’s wahr“ singt er auf seinem neuen Album.
Das wirkt wie ein Motto, wie eine einfache, aber grundlegende Erkenntnis – es klingt schlicht nach dem Prinzip „Hoffnung“, das sich seit nunmehr weit über einer Dekade wie ein roter Faden durch Max Herres Schaffen zieht. Schon als 12-Jähriger hat sich Max Herre an der Gitarre versucht und erste kleine Songs geschrieben. Dann kamen Reggae und Soul und später Hip Hop und deren faszinierende Interpretationen von „A-N-N-A“ über „Leg Dein Ohr Auf Die Schiene Der Geschichte“ bis „1ste Liebe“ von seinem Solodebüt „Max Herre“, das ihn im Jahr 2004 auf Platz #1 der Albumcharts brachte. Ziemlich gegen Ende dieses Albums fand sich das Lied „Alter Weg“, ein nur mit Gitarre und Kontrabass instrumentierter Folksong, der die neue Richtung stilistisch vorankündigte. Fast fünf Jahre später kam der kühle Tag, an dem Max Herre alles klar war.
„Es war ein langer Prozess. Aber letztlich habe ich mich auf das besonnen, worauf sich für mich alles runterbrechen lässt, auf das, was ich letztlich schon immer gemacht habe: Ehrliche Texte und Musik“, sagt Max Herre. Unterstützt wurde Max auf dem Weg zum neuen Album von einigen langjährigen Weggefährten, wie Frank Kuruc, Sékou Neblett und nicht zuletzt seinem Label-Kollegen Clueso. Im März wurde „Ein Geschenkter Tag“ dann in nur einer knappen Woche eingespielt, komplett live mit Max’ neuer Band, einem Quartett aus Pianist Roberto Di Gioia, Frank Kuruc an der Gitarre, dem Bassisten Christian Diener und Schlagzeuger Earl Harvin, der „besten Band, die ich mir für diese Songs wünschen konnte „Ein Geschenkter Tag“ ist nicht nur gelebte Geschichte, sondern vor allem ein unprätentiöses Zusammenspiel von Klängen und Worten - eine außergewöhnliche Harmonie von Gefühl und Ausdruck.
Soviel ist sicher: „Ein Geschenkter Tag“ ist nicht jene Art öffentliche Verarbeitung einer gescheiterten Beziehung, die vielleicht manch einer erwartet hätte. Das soll nicht heißen, dass dieses Thema tabu ist. Ganz im Gegenteil: Es wird lyrisch be- und verarbeitet; dabei jedoch nicht zu offensichtlich und eher durch poetische Bilder. So zum Beispiel in „Scherben“, einem Ohrwurm mit einem der emotionalsten Momente dieses sehr emotionalen Albums: „Ich lass dich los und du lässt mich auch, vielleicht verstehen wir’s irgendwann“. In den dunkelsten Momenten hingegen, legt sich; „Staub…auf alles drauf, meine Seele meine Haut / macht mich stumm, macht mich taub / und all das, woran ich glaub’, wird zu Staub“. Aber dann, wenn die Nacht am tiefsten ist, naht der neue Morgen: „Du kommst raus, der Tag ist hell, blickst nach vorn, versuchst ihn scharf zu stellen“, singt Max Herre.
“Der beste Job für einen Gitarristen auf dem ganzen Planeten”: bereits der Beginn von Al Di Meolas internationaler Karriere in Chick Coreas Projekt “Return to forever” startete in rasantem Tempo. Über die Jahre konnte Al Di Meola seinen Ruf als Gitarrenlegende und “schnellster Gitarrist” noch weiter ausbauen und festigen. Der Italo-Amerikaner zählt bereits seit Jahrzehnten unbestritten zu den besten Gitarristen der Welt.
Wie kein anderer vereint er Leidenschaft und brillante Technik in einer Person; vom Fachmagazin Guitar Player wurde er insgesamt gleich viermal zum ’Best New Talent’ und ’Best Jazz Guitarist’ gekürt. Wie viele der großen amerikanischen Musiker hat auch Al Di Meola am Berklee College of Music in Boston studiert. Sein unverkennbarer Stil ist geprägt durch eine Fusion aus Rock, Jazz, Latin und World Music. Delikate Pickings und raffinierte Riffs bestimmen den Charakter seiner Handschrift, oft schon wurde er als „schnellster Gitarrist der Welt“ bezeichnet. Einen weiteren Höhepunkt seiner Karriere erlebte Al Di Meola 1981 mit dem berühmten Live-Album „Friday Night in San Francisco”, das er gemeinsam mit John McLaughlin und Paco de Lucia aufgenommen hatte. Das Album gilt als Genre-Klassiker und hat sich bis heute über zwei Millionen Mal verkauft.
Al Di Meola hat in seiner langen Karriere immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern gesucht. Neben musikalisch Gleichgesinnten stößt man dabei auch auf einige bekannte Namen aus Pop und Klassik. Die unterschiedlichsten Künstler wie Luciano Pavarotti, Paul Simon, Phil Collins, Santana, Stevie Wonder, Herbie Hancock, Frank Zappa, Les Paul, Jimmy Page, Wayne Shorter, Jaco Pastorius, Larry Coryell oder Egberto Gismonti standen mit dem Star-Gitarristen im Studio und auf der Bühne. Über seine Freundschaft zu Astor Piazzolla hat Al Di Meola dem Online-Fachmagazin Jazzdimensions Auskunft gegeben: „Astor Piazzollas Musik zog mich geradezu magisch an - das war ’Liebe auf den ersten Ton’, sozusagen.
Am Anfang war es wirklich nur die Freundschaft, auf der sein Einfluss beruhte. Immer war ich extrem stark berührt von seiner Musik und seiner Herzenswärme. Wir hatten Pläne, zusammen zu spielen und aufzunehmen – unglücklicherweise hat sein vorzeitiger Tod das vereitelt. Aber er hat uns ein gewaltiges Erbe hinterlassen, uns allen. Ich bin froh, dass ich einer der Ersten in Nordamerika bin, die seine Musik etwas ’anders’ interpretiert haben – im Gegensatz zur üblicherweise gepflegten ’klassischen’ Herangehensweise. Was im Grunde nur heißt: die Leute spielen die Musik einfach wie es geschrieben steht. Aber wir haben etwas wirklich davon Abweichendes gemacht – in rhythmischer Hinsicht. Und ich glaube, dass Piazzolla es so lieber gesehen hätte – ganz bestimmt sogar.“
Al Di Meola, guitars/leader; Fausto Beccalossi, accordion; Gumbi Ortiz, percussion; Peter Kaszas, drums; Kevin Seddiki, 2nd guitar; Victor Miranda, bass
“Die Beatles haben den Rock in die Musik gebracht. BLOOD, SWEAT & TEARS haben die Musik in den Rock gebracht.” So urteilte der britische Musikjournalist Leonard Feather über die (Mit-)Erfinder des Jazz-Rock. Der Name der Band geht zurück auf ein Zitat aus der Antrittsrede von Winston Churchill als Premierminister am Anfang des 2. Weltkrieges.
Seit 1968 hinterlässt die US-Institution ihre Spuren in der Musikgeschichte. Ihre einzigartige Mixtur aus Blues, Rock und Jazz ist auch ihr Markenzeichen: druckvolle Bläsersätze, pulsierender rhythmischer Groove, expressive Vocals sowie zahlreiche bis heute noch bekannte Top-Hits. Die Liste aller Musiker, die einmal zum Line-up von BLOOD, SWEAT & TEARS gehörten, liest sich wie ein Who is Who des Jazz, Blues und Rock: Al Kooper war in der Urformation Chef der Band, Randy Brecker blies die Trompete, Steve Katz werkt an der Gitarre. Zeitweise waren Jaco Pastorius, Mike Stern, Joe Henderson, Lew Soloff und unzählige andere bekannte Namen auf der Line up Liste von BS&T.
Hervorgegangen aus dem New Yorker Greenwich Village, waren BS&T in vielerlei Hinsicht Pioniere: Sie waren die erste Band, die hinter dem Eisernen Vorhang spielte, sie hatten als erste 3 Hitsingles auf einem Album, sie kreuzten als erste Jazz mit Rock. Sie waren außerdem einer der Headliner in Woodstock und gewannen 3 Grammies, darunter den prestigeträchtigsten für das Album des Jahres (mit “Blood, Sweat & Tears”, 1969).
In den über 4 Jahrzehnten seit der Gründung blieben BS&T immer aktiv, um die Fans mit Hits wie “Spinning Wheel”, “You’ve Made Me So Very Happy”, “And When I Die”, “Hi-de-ho”, “Go down gamblin’” und “One” zu beglücken. Und jüngere Fans werden bei diesem geschichtsträchtigen Abend die eine oder andere Sample-Quelle aktueller Chart-Hits erforschen können.
Für eine einzigartige Mixtur aus Blues, Rock und Jazz steht Blood, Sweat & Tears. Markenzeichen: Druckvolle Bläsersätze, pulsierender rhythmischer Groove, expressive Vocals sowie zahlreiche bis heute noch bekannte Top-Hits. Dabei ist auch Gründungsmitglied Steve Katz mit seiner Gitarre. Mit ihren Bläserarrangements und Bearbeitungen von Themen klassischer Komponisten wie Erik Satie setzte die ausgezeichnete Band Ende der sechziger Jahren Maßstäbe für andere Gruppen des Jazz- und Brassrock. In ihrer Reunion-Tour knüpft die Formation an ihre alten Erfolge an und greift zurück auf ihre großen Hits.
Rob Paparozzi: vocals, harmonica, Steve Katz: guitar, vocals, Dave Gellis: guitar, Glenn McClelland: keys, Teddy Mulet, Steve Jankowski: trumpet, Jens Wendelboe: trombone, Tom Timko: sax, Gary Foote: bass, Andrea Valentini: drums
Sein Sound ist unverwechselbar, seine Klangwelten sind detail- und ereignisreich, sein Anliegen ist in einer sehr persönlichen musikalischen Sprache formuliert. Sein neues Album heißt »EGIS« – ein Album, das all sein Können auf den Punkt bringt, lustvoll und spannend daherkommt – voller unterschiedlicher Geschichten, hoch konzentriert und aufgeladen mit viel Energie.
Sebastian Studnitzky lebt in Berlin, ist ein gefragter und profilierter Sideman auf internationalen Bühnen (u.a. mit Nils Landgren und Jazzanova) und ist in vielen Musikstilen zuhause. Ob mit der Trompete oder am Klavier sind seine Songs durch seine ungewöhnliche, sehr individuelle Klangfärbung geprägt: weich, fließend und zurückgenommen, aber nicht minder intensiv und eindringlich - entwaffnend schlicht und unmittelbar. Nach den unzähligen Touren und Festival-Auftritten in aller Welt hat sich der Multiinstrumentalist Sebastian Studnitzky jetzt die Ruhe genommen seine eigene Musik zu formulieren.
Die lustvoll kreative Suche nach organischen Klangfarben und -mustern hat sein Spiel geprägt. Es geht ihm mehr um Reduktion bzw. um die Bildung aussagekräftiger Destillate als darum, so viele Noten wie möglich in ein Solo zu pressen. “Ich stehe darauf”, so Sebastian Studnitzky, “wenn alles etwas schlichter daherkommt. Ich möchte lieber die Musik und die Musiker sprechen zu lassen und auf das plakativ Spektakuläre zu verzichten.” Hier wird das Beste von Jazz und Pop miteinander verbunden - riskante organische Soli und aktuelle luftige Grooves, songdienliche Kreativität und hookige Abstraktionen.
Sebastian Studnitzky, trumpet; Paul Kleber, bass; Sebastian Merk, drums
Ist Brit Jazz das nächste große Ding? Oder vielleicht sogar das aktuelle große Ding? Auf jeden Fall wird diese junge Band aus London in Kürze eine der aufregendsten neuen Jazz Bands sein. Portico Quartet besteht aus vier Jungs aus London, deren Album „Knee Deep in the North Sea“ 2008 auf der Shortlist des Mercury Prize stand. Was nichts anderes bedeutet, als dass das Debüt des Portico Quartet von der Preis-Jury zu den zwölf besten britischen Alben des Jahrgangs 2007/08 gezählt wurde. Damit die Schubladen nicht so leicht zugehen, charakterisieren die vier Musiker um den Saxophonisten Jack Wylie sich kurzerhand als „Indie-Band, die „Post-Jazz“ spielt“.
Gut gebrüllt, denn das Portico Quartets ist mit Saxophon, Bass und Schlagzeug eigentlich recht konventionell besetzt,
wäre da nicht Nick Mulvey, der das scheinbar archaische, de facto aber sehr junge Schweizer Perkussionsinstrument Hang spielt, wodurch sich ein afrikanischer und auch karibischer Anklang in den „Post-Jazz“ schleicht. Die Musik des Portico Quartets klingt frisch und tanzbar, dabei sind E-Musik- und Minimal-Referenzen in die Kompositionen verwoben – und das ist ebenso unortodox wie interessant. Das aktuelle Album “Isla”, das in England am 19. Oktober erschien, weckt bei der dortigen Presse Erinnerungen an Radiohead.
Jack Wyllie, sax, loops; Milo Fitzpatrick, bass; Nick Mulvey, hang; Duncan Bellamy, dr, hang
Lange schaute man in Brasilien erstaunt auf die Elektro-Bossa-Welle ; die Synthese, die die Europäer da aus Tropenrhythmen und Technologie in den letzten Jahren gebastelt hatten. Einige Zeit dauerte es, bis mit Suba, mit Bossacucanova und schließlich auch mit Bebel Gilberto im Heimatland von Samba und Bossa Nova die Verzwirbelung von neuen Bits und alten Beats Fuß fasste. Doch nun ist auch auf der anderen Seite des Atlantiks kreative Blütezeit angesagt. Maria Do CéU Whitaker Poças, kurz CéU (sprich: SÄ-u, zu deutsch: Himmel!), nennt sich das neueste Stimmenwunder aus Sáo Paulo, das Samba-Grooves mit TripHop, Lounge, Dub, Jazz und Funk poliert. Wer die barcelonesische Nubla mochte, der wird von CéU hochbegeistert sein. Diese Musik ist – der Rückverweis auf ihren Namen liegt nah – einfach nur “himmlisch”. Geschickt umschifft Cèu die Klischees, lässt sich nicht auf sirenenhaftes Hauchen oder auf die überstrapazierte Drum’n’Bossa-Masche ein. Stattdessen gibt es eine feinziselierte Gratwanderung.
Die Grooves sind nie elektronisch überladen, sondern beziehen ihre Energie aus organischer Trommelarbeit oder aus dem samba-angelehnten Groove der akustischen Gitarre. Espritvolle Effekte und Scratches kommen von Synthesizer und Turntable, dazu bläst eine kleine Hornfraktion gedämpfte jazzig-soulige Linien, teils konterkariert von fernen Backgroundstimmen. Darüber fliegt ihre helle Stimme, sinnlich-sanft und katzenartig zuweilen, aber doch ausdrucksvoll und muskulös – mit leichten Anklängen an eine Maria Rita oder Marisa Monte, mal verführerisch und sinnlich, mal eher lolitahaft. Die melodische Substanz ist immer der chromatisch geschwungenen Melancholie der Samba-Melodien verpflichtet, hat auch die funkigen Errungenschaften von Samba Soul-Größen wie Jorge Ben verinnerlicht und kombiniert sie mit Reggae- und Dub-Versatzstücken. Das gipfelt in einer gänzlich unerwarteten Adaption von Marleys “Concrete Jungle”, die – vom Offbeat bereinigt – in neuer Schönheit daherstolziert. Zwischendurch beweist CéU ihre enge Verbundenheit zum Samba- Erbe, indem sie auch mal nur zur Mandoline ihre wehmütigen Verse schweifen, oder in einem fast psychedelischen Umfeld den ominösen Brummtopf Brasiliens, die Cuica klagen lässt.
CéUs fruchtiger Mix besitzt globalen Anspruch, ist trotzdem Samba-Poesie durch und durch – und ihre Stimme hat etwas von der kristallblauen Transparenz eines wolkenlosen Himmels. Cleverer und erotischer hat der Samba des 21.Jahrhunderts sich noch nirgends niedergeschlagen. Geehrt wurde die Sängerin und ihre Band bei den Latin Grammy Awards in der Kategorie “Best New Artists”, der Billboard hat sie in die Liste der Top 10 Newcomer aufgenommen. Die New York Post vergibt vier Sterne für das Album, und von Newsweek über die Libération bis zu O Globo sind die Kritiker allerorten becirct.
Wie klingen Safran, Cacao, Paprika, Zimt, Mohn, Sternanis, Koriander, Rosmarin, Kreuzkümmel, Ingwer? Oder Silphion, die heute verschollene Würze der Römer und Griechen? Quadro Nuevo gehen dieser spannenden Frage musikalisch nach. Wie seltener Wein oder ergreifende Musik sind Gewürze dazu bestimmt, den Genuss des Augenblicks zu verschönen. Mal süss, mal scharf. Seit ihrem Debüt im Jahre 2000 hat Quadro Nuevo stets seine Affinität zum Tango demonstriert, aber zugleich immer wieder Offenheit für andere Schubladen bewiesen.
Mit Saxophon oder Klarinette, Gitarre, Bass, Accordeon und Percussion interpretieren die vier Musiker alte italienische Canzones, Tangos und Klassiker der zwanziger Jahre. Mal klingt es nach dem Swing eines Django Reinhardt, dann wieder fühlt man sich nach Marseille in ein Café versetzt und lauscht einer Musette. Hier und da könnte man auch eine Jamsession mit einer reduzierten Banda vermuten. Ein zackig-strenger Tango, eine konzertante Milonga, elegante Clubatmosphäre oder Straßenmusik: Das Quartett schafft eine ebenso inspirierende wie erfrischende Collage von mediterraner Musik, dieTradition und Moderne zwischen westlichen und östlichen Winden souverän zusammenfügt. Dazu gesellt sich wiederholt die Idee des argentinischen Tangos. Der wiederum wird lustvoll durch die orientalische Linse eines Ibrahim Özgür gebrochen. Grazie!.
Ausgehend von einem europäisch geprägten Tango bereichert Quadro Nuevo diese Musikrichtung mit Elementen des Flamenco, der Valse Musette, des Balkan-Swing und einer lässigen mediterranen Leichtigkeit. Dazu mischen sich elektrisierende Eigenkompositionen, die vom Vagabundenleben der vier spielsüchtigen Virtuosen erzählen. Selbst 70er Jahre Schlager wie Dalidas „Paroles, Paroles“ oder „L’été indien“ von Joe Dassin erhalten ein ganz neues, persönliches Flair. Das Geheimnis ist Hingabe. Selten hat man erlebt, dass Musik mit so viel Spannung, Verve, fast zärtlicher Liebe zum Instrument und Einfühlungsvermögen in fremde Kulturen interpretiert wird. Quadro Nuevo spielen in der ersten Liga des europäischen Jazz..
Alle Alben des deutschen Quartetts wurden mit dem Deutschen Jazz Award ausgezeichnet und schafften es in die Top Ten sowohl der Jazz- als auch der Weltmusik-Charts (Platz 1). Bereits dreimal wurden die Musiker mit dem Europäischen Impala geehrt.Ihre Musik könnte man als imaginäre Folklore bezeichnen. Quadro Nuevo reisen zu Konzerttourneen nach Singapur, Korea, Kanada, Australien und quer durch Europa. Das Quartett spielte auf zahlreichen renommierten Festivals wie dem Montreal Jazz Festival, der Internationalen Jazzwoche Burghausen, dem Rheingau Musikfestival, und nun freundlicherweise wieder in Kassel!
Dan Berglund’s Tonbruket (S) / Helge Lien Trio (NW)
Jazz forward!
Jul ’10
24
19:30
Gleich zwei zukunftsweisende Jazzformationen an einem Abend:
Der schwedische Bassist Dan Berglund ist international bekannt durch seine Mitgliedschaft bei e.s.t., der womöglich einflussreichsten Jazzband der letzten Dekade. Esbjörn Svensson (piano) und Magnus Öström (drums) waren seine kongenialen Partner in dieser künstlerischen Einheit, die die Art wie Jazz heute verstanden wird entscheidend geprägt hat. Eines von Dan Berglunds Markenzeichen ist die unglaubliche Wärme, der runde und volle Ton den er seinem Instrument entlocken kann, daneben auch der Gebrauch unzähliger Effekte um den Double Bass Sound zu verfremden und damit in seinem Spektrum zu erweitern. Der tragische Tod von Esbjörn Svensson bereitete der vielversprechendsten Jazzformation ein zu frühes Ende. Eine Neusondierung war nötig. Berglunds neue Partner sind Johan Lindstroem an der Gitarre, Martin Hederos von der Pop-Band “The Soundtracks of our Live” am Piano und Andreas Werliin am Schlagzeug. Sämtliche Stücke für die neue Formation und das Debut-Album sind gemeinsam geschrieben, arrangiert und produziert. Bei Tonbruket finden sich verblüffend vielfältige und schillernde Anklänge: an nordische Folkmusik und amerikanische Countrymusik, an Ambient Music und Drum & Bass, oder gar an Artrock.
Bei „Gi Hop“ lässt sich Berglunds jugendliche Vorliebe für Hardrock-Bands wie Deep Purple oder Black Sabbath, mehr aber noch seine spätere Bewunderung von Pop-Revolutionären wie Radiohead oder Royksopp herauslesen. Meisterlich gelingt es dem Quartett, eine überzeugende Klammer für all diese Elemente zu finden: Vor allem die Dominanz von Saitenklängen aller Art - klassisch akustisch bis elektronisch verfremdet - verleiht dieser Band einen bereits unverwechselbaren eigenen Ton. Tonbruket ist mehr als nur ein Neubeginn für Dan Berglund, der hier erstmals direkt als Komponist bezwingender Songs und Melodien hervortritt. Die Musik erweist sich als spannendes, womöglich bereits wieder wegweisendes Projekt, das die Flamme von e.s.t. weiterreicht.
Wie man “The Art Of The Trio” perfekt beherrscht, das kannte man bislang nur von Brad Mehldau, Bill Evans und E.S.T. Mit dem norwegischen Helge Lien Trio macht sich nun eine neue Formation auf den Weg, dem Piano-Trio neue, spannende Klangbilder hinzuzufügen. Das perfekt aufeinander
eingespielte Trio hat mit ‘Hello Troll’ ein Album vorgelegt, das lyrisch-impressionistische Stimmungsbilder zeichnet, deren Anziehungskraft man sich nur schwer entziehen kann. Helge Lien, der neben seinem eigenen Trioprojekt auch mit anderen norwegischen Acts, wie zuletzt mit Silje Nergaard, unterwegs ist, hat mit seinen Bandkollegen Frode Berg (Bass) und Knut Aalefjær (Drums & Percussion) eine ganz eigene, unverwechselbare Art des Triospiels entwickelt. Mit traumwandlerisch sicherem Zusammenspiel entwickeln die Musiker einen kammermusikalisch anmutenden Jazz, der sich durch harmonisch komplexe Klangfarben auszeichnet. Anknüpfend an Bill Evans’ lyrischer Kraft und dem beschwingt melancholischen Spiel eines Esbjörn Svensson, erzeugt Lien auf ‘Hello Troll’ Stimmungsbilder, die er im ständigen Dialog mit Berg & Aalefjær mit leichter Hand vorträgt.
Getragen von großer Disziplin und absoluter Relevanz sind die Eröffnungstakte des Openers “Gamut Warning”, das durch Liens dynamische Phrasierungskunst und das traumwandlerische Zusammenspiel des Trios aufhorchen lässt. Und auch die weiteren Stücke, wie das dramatische “Axis Of Free Will”, das hochromantische „Radio”, die fragilen Songs “Diverted Dance” und “It Is What It Is, But It Is” oder das vertrackte, aufwühlende Stück “Hallo Troll” demonstrieren eindrucksvoll, dass sich hier eine Formation präsentiert, die die Kunst des Trios perfekt beherrscht. Zweifellos zählt der Pianist Helge Lien zu den spannendsten jungen Talenten Skandinaviens. Nachdem das ehrwürdige Dagbladet aus Norwegen schon das Vorgänger-Werk ‘To The Little Radio’ als „Das beste norwegische Piano Trio Album seit langem” bezeichnete, kann man sich auch auf ähnliche Reaktionen zu ihrem neuen Longplayer gefasst machen. Der Erfindungsreichtum des Trios, sich mit klassisch-impressionistischen Mustern und rhythmisch-melodischem Jazz in den Herzen eines beständig wachsenden Zuhörerkreises zu spielen, scheint wahrhaft grenzenlos zu sein.
Manu Katché hat am „Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris“ eine klassische Perkussionsausbildung genossen. Damit steht einer Karriere in einem Symphonieorchester nichts im Wege. Vermutlich ist darauf der typische Katché-Sound zurückzuführen, den feinsinnige Musikfreunde unter tausend anderen heraushören. Doch Katché wendet sich bald dem Jazz und dann dem Pop-Rock zu.
Es ist nach wie vor einen Seltenheit, daß ein Album - zumal im Jazz - kommerziell erfolgreich ist und zugleich auch künstlerisch höchsten Ansprüchen genügt. Dem französischen Schlagzeuger Manu Katché ist aber genau dies mit seinem ECM-Debütalbum “Neighbourhood” gelungen. Völlig zurecht erhielt er folglich sowohl einen Jazz Award als auch den Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik. Die Kombination der Musiker, die Katché für dieses Projekt und das folgende „Playground“zusammengestellt hat, ist so überraschend wie einleuchtend und überzeugend: der Trompeter Mathias Eick, der Saxophonist Trygve Seim und der Bassist Slawomir Kurkiewicz.. Die Chemie der Formation stimmt absolut, sowohl in der Rhythmusgruppe als auch zwischen den Bläsern. Delikat und entspannt gleichermaßen entspinnen sich die sketchartigen Kompositionen Katchés. Sein luzides Schlagwerk drängt sich nie in den Vordergrund. Ohne die ungeheuer einfühlsamen, aber dennoch stets groovenden Schlagzeugkünste Manu Katchés wäre die Popwelt (und nicht nur die) deutlich ärmer.
Katché trat zwar schon Ende der 70er Jahre mit Größen wie der damals in Paris lebenden brasilianischen Pianistin und Sängerin Tânia Maria oder dem Jazzpianisten Bobby Few auf, ins Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit geriet er aber eigentlich erst ab 1986, nachdem er an der Einspielung von Peter Gabriels Pop-Klassiker “So” mitgewirkt hatte. Seitdem hat Katché mit zahllosen Größen der internationalen Musikwelt zusammengespielt: Sting, Joni Mitchell, Dire Straits, Simple Minds, Tears For Fears, und und und… Schon dieser gekürzte Auszug aus der Liste der Künstler, die Katché in beinahe zwanzig Jahren begleitete, zeigt zum einen seine geradezu universelle Vielfältigkeit als Drummer, zum anderen aber auch, daß er bei der Auswahl der Musiker, mit denen er zusammenarbeitet, hohe Qualitätsstandards setzt.
Das Schlagzeug Manu Katchès scheint zu singen, er verfügt über eine filigrane und elegante Spielkultur, eine poetische Einfühlsamkeit. Seinen Schlagzeug-Stil bezeichnete Katché selbst einmal als ein “Amalgam aus afrikanischen Rhythmuskonzepten und klassischem Schlagzeugspiel, illuminiert durch die ad hoc entstehende Interaktion des Jazz”.
Bei Spiegel-Online nannte Andreas Borcholte Vienna Teng vor kurzem “eine der interessantesten Persönlichkeiten zeitgenössischer amerikanischer Musik”. Und das Fachhandelmagazin All My Music schwärmte über das neueste Album der Sängerin, Pianistin und Songschreiberin: “Lyrisch klar ist die Stimme der Vienna Teng, vielfältig sind die Einflüsse, die sich in ihrer Musik zu einem fragil-filigranen Sound verdichten.
Zu der Musik auf ihrem neuen Album ‘Inland Territory’, das sie in ihrem neuen Wohnort New York aufgenommen hat, siedelt Vienna Teng selbst ihre Musik an: “Irgendwo zwischen Folk und Pop, mit ein bisschen Klassik und Jazz“. Es ist etwas frustrierend, keine griffigere Bezeichnung bieten zu können. Aber gleichzeitig zeigt es wohl, dass ich irgendetwas richtig mache.“ Sehr richtig sogar. Herausgekommen ist ein erstaunlich vielschichtiges Album, auf dem sich in erster Linie ihre bewegend natürliche Stimme erhebt. Unterstützt von ihrer zurückhaltend aber absolut effektvoll aufspielenden Band, stecken so komplex arrangierte Hymnen wie ‘Kansas’ oder ‘Oh Gringo’, das sich mit der illegalen Immigration von Mexikanern in die USA beschäftigt, voller musikalischer Überraschungen. ‘Inland Territory’ ist ein Werk, das mit jedem Anhören an Brillanz gewinnt.2002 veröffentlichte die Newcomerin ihr Debüt-Album „Walking Hour“, das bereits auf genügend Resonanz stieß, um ihr im folgenden Jahr eine Einladung in David Lettermans „Late Show“ einzubringen, ein im Rückblick surreales Ereignis, das ihr inzwischen kaum noch wahr vorkommt. Vienna Tengs Popularität jedenfalls stieg stetig.
Im Jahr 2004 folgte „Warm Strangers“, das sie bereits in die Billboard Spartencharts brachte, vor knapp zwei Jahren schließlich das hochgelobte Songalbum „Dreaming Through The Noise“ (2007). Die Sängerin mit der lyrisch klaren Stimme wurde eingeladen, Konzerte von Kolleginnen wie Shawn Colvin, Joan Osborne, Patty Griffin, Joan Baez oder auch den Indigo Girls zur eröffnen und ging selbst fleißig auf Tournee. Ihr gelang der Absprung in die musikalische Selbständigkeit, denn ihre Lieder berühren die Menschen: „Ich habe das Glück, ein loyales Publikum zu haben.
Es hat Vertrauen in mich, ist neugierig auf meine Lieder und trägt mich mit, solange ich Bedeutungsvolles mitzuteilen habe“. Die Menschen lieben Vienna Teng, denn ihre Lieder brauchen keine Klischees, um zu wirken. Im Gegenteil: Die Sängerin liebt die Vielfalt der Einflüsse, die sie von überall annimmt und zu Eigenem verarbeitet, unmittelbar in der Wirkung und zugleich durch die beiläufig komplexen Arrangements voller kleiner musikalischer Überraschungen. Es setzt Vienna Tengs bisherige Entwicklung fort, in eine Richtung, die sie zielstrebig in das Pantheon des großen amerikanischen Songwritings führt.
Funky Partyabend im Kulturzelt! Einer der Erfinder dieser energetisch aufgeladenen Fortschreibung von Jazz und Soul persönlich: Posaunist Fred Wesley rockt das Haus. Begleitet wird er von einer Superband des Genres, die den verheißungsvollen Namen „The New JBs“ trägt. JB, dahinter verbirgt sich natürlich James Brown, der „Godfather of Soul“, dem Wesley seinen unverwechselbaren Stil zu verdanken hat – und umgekehrt. Denn in den sechziger und siebziger Jahren trug Wesley – wie auch die beiden anderen Legenden der Brown-Band, Maceo Parker und Pee Wee Ellis – dazu bei, dass der charismatische Soul-Shouter von einem eng verzahnten und immens groovenden Gruppen-Sound getragen wurde.
Als musical director sorgte er für den ebenso geschmeidigen, wie ruppigen Klang-Teppich, auf dem sich die Funkkoriphäe Brown verwirklichen konnte. Wie bedeutsam Wesley für dessen Musik tatsächlich war, ergründete sich eigentlich erst, als er schon weitergezogen war – zu George Clinton, in dessen Gruppen „Parliament“ und „Funkadelic“ sich manifestierte, was bei Brown noch in der Entstehung begriffen war: Wesley, der zwischendrin auch Spaß daran fand, als Mitglied im „Count Basie Orchestra“ ganz tief in die Swing-Kiste zu greifen, wurde zum Vorbild für ungezählte junge Jazz- und Rock-Kollegen. Ray Charles, Randy Crawford, Van Morrison oder die Rapper von „De La Soul“ bedienten sich der Dienste des Posaune blasenden Kugelblitzes. Im Gepäck von Fred Wesley finden sich große Hits: von „Pass The Peas“ bis „House Party“. Ob mit ehemaligen Kollegen der James-Brown-Band wie Maceo Parker und Pee Wee Ellis oder mit weiteren Funk-Helden wie George Clinton und Bootsy Collins — Fred Wesley hält die Funk-Maschine am Laufen und das seit 1996 auch mit der eigenen Band. In seine Musik hat er alle Erfahrungen gepackt, ist dabei aber auch offen für ein breites Spektrum an Einflüssen heutiger Musikstile. Strikt eingehalten wird das Prinzip „funkyness“: Handgemachte Perfektion und bodenhafte Coolness gepaart mit einer phantastischen gedanklichen Freiheit für uplifting Soul.
Seit dreißig Jahren verwöhnen die amerikanischen Folkrock-Barden ihr Publikum mit mitreißenden Melodien und gehaltvollen Texten. Angesprornt vom großen Erfolg geht die Band im Sommer 2010 auf Tournee.
Ihr 1. Album veröffentlichten sie 1983 und seither nimmt der Erfolg kein Ende. Das Album enthielt die Original-Versionen der internationalen Hits wie „All You Zombies“ und „Fightin’ On The Same Side“. Ein Jahr später unterschrieben die Hooters ihren 1. Major-Platten-Vertrag bei Columbia Records und veröffentlichten 1985 ihr offizielles Debut “Nervous Night” mit den Klassikern “Day by Day“, “And We Danced”, “Where Do The Children Go” und natürlich “All You Zombies”.
Ein Meilenstein war die Teilnahme der Hooters am LIVE AID-Konzert im Juli 1985 in Philadelphia und brachte der Band schnell weltweite Anerkennung für das Album “Nervous Night” ein. Im gleichen Jahr wählte das Musikmagazin „Rolling Stone Magazine“ die Band als “Best New Band Of The Year”.1987 legten die Hooters nach und bescherten ihren Fans mehrere Hits. “Johnny B”, “Karla With A K” und “Satellite” veredelten allesamt das Album “One Way Home”. 1989 folgte das mit Gold und Platin ausgezeichnete Album “Zig Zag”, welches mit dem Song “500 Miles” die Aufmerksamkeit des Pink Floyd Gründers und Bassisten Roger Waters erregte. Dieser lud die Hooters zu seinem mittlerweile legendären Event “The Wall” ein, bei der 1990 Größen wie Joni Mitchell, Van Morrison, The Band, Bryan Adams und viele andere zusammen kamen. Auch als Songwriter haben die Bandleader Eric Bazilian und Rob Hyman Hits für namhafte Künstler geschrieben: für Cyndi Lauper’s Debut-Album „Time after Time“, das neben “She’s So Unusual” für mehrere Grammys u. a. in der Kategorie „Song of the Year“ nominiert wurde. Und auch für das Debut-Album „Relish“ von Joan Osborne – das Album als auch der Titel „One of us“ erhielten ebenfalls diverse Grammy- Nominierungen in den Kategorien “Song Of The Year”, “Record Of The Year” und “Best Female Pop Vocal Performance”.
Mittlerweile können Rob und Eric auf Arbeiten mit Künstlern und Bands wie z.B. Taj Mahal, Mick Jagger, Sophie B. Hawkins, Jon Bon Jovi, Willie Nelson, The Band, LeAnn Rimes, Amanda Marshall, Billie Myers, Carole King, Robbie Williams, Dar Williams, Jonatha Brooke, JC Chasez, Meatloaf und The Scorpions zurückblicken. Im Jahr 2000 coverte Ricky Martin den Hooters Song “Private Emotion” auf der englischen Version seines Grammy-nominierten Debut-Albums „Ricky Martin“.
Live ist die Band hinreißend charismatisch wie eh und je.
Bei Kindern berühmter Eltern stellt sich immer wieder die Frage: name-drop or not? Aber es hilft ja nichts. Wenn man die Tochter von Dee Dee Bridgewater ist, führt kein Weg an der Nennung der prominenten Mama vorbei. Doch China Moses ist als individuelle Künstlerin bei weitem mehr als die Tochter einer berühmten Mutter. Ihre Professionen werden mit Sängerin, Autorin, Songwriterin, Produzentin und Moderatorin umschrieben.
Im Grunde aber ist sie Entertainerin im besten Wortsinne. Nach einigen vielversprechenden Projekten mit dem französichen Pianisten Raphaël Lemonnier,steht die Umsetzung der gemeinsamen Liebe zu Dinah Washington, der Königin des Blues an: Das Tribute-Album “This One’s For Dinah” erscheint 2009 und enthält, neben der Hommage “Dinah’s Blues”, viele Washington-Songs. China Moses interpretiert einfühlsam und authentisch das Œuvre der „Queen of the Blues“, indem sie nämlich nicht bloß bekannte Songs von Dinah Washington interpretiert, sondern die ganze Stimmung und auch den Sound aus den jazzigen 50er-Jahren mitnimmt. Neben Standards wie „Cry me a river“ oder „Goodbye“ sind auch Eigenkompositionen von Moses und Lemmonier „Fine fine daddy“ und, großartig interpretiert: „Dinah Blues“ zu hören, bei denen man sich förmlich vorstellen kann, dass Dinah Washington bei den Aufnahmen vor dem Mikrophon stand.
Als Dinah Washington im Jahr 1963 die tödliche Mischung aus Schlafmitteln, Alkohol und Diättabletten nahm, war sie kaum Vierzig. Jetzt werden die großen Lieder der afroamerikanischen Blues-Sängerin wieder geehrt. Das schwarze Publikum liebte die Mehrdeutigkeit der von Dinah Washington gesungenen Texte. Bei ihrer Großmutter habe sie deren Platten nur heimlich gehört, erzählt die Sängerin China Moses. Blues sei afroamerikanische Kultur, die Musik ihrer Vorfahren zeuge von der Freude am Leben – auch angesichts widriger Umstände. „Sie singt die Lieder, als seien es ihre eigenen“, stellt Christian Broecking auf ZEIT Online fest, „das klingt richtig gut, weil sie erst gar nicht erst versucht, ihr Vorbild zu übertreffen“.
Ihr lässiger Ansatz gefällt auf ganzer Linie: „Das Ergebnis ist faszinierend: China Moses gelingt es mit ihrer Powerstimme, Energie, Verve und Witz von Washingtons Songs rüberzubringen, ohne in platte Imitation zu verfallen. Sie entstaubt die Klassiker, die Arrangements der Stücke rücken Chinas Stimme, die sie enorm kraftvoll und dennoch mit präziser Sensitivität einsetzt, in den Mittelpunkt der Songs. „Die Musik von China Moses klingt so authentisch, dass man fast meinen könnte, sie sei in einem Jazz-Club der 50er- oder 60er-Jahre aufgenommen worden“, schwärmte Sarah Seidel auf hr2-kultur. Und das Süddeutsche Zeitung Magazin bringt die Faszination der Musik von China Moses so auf den Punkt: „Jede einzelne Silbe klingt sexy“.
Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH