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Archiv für Februar 2012

The Urban Mash Up All Stars (D/Ghana/I)

Das Konzert ist ausverkauft

Jul ’12
6
19:30

Schön, energetisch und fröhlich soll sie sein, die Kulturzelteröffnung. Und in diesen Disziplinen sind sie bestens geübt, die Urban Mash Up All Stars. Sie haben ihre Wurzeln in den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen. Als mächtig groovende Antriebseinheit stehen auf der Bühne: die Johnny Blazers, Bläserfraktion von Jan Delay, Haze spielt im normalen Leben mit Joy Denalane und Curse, Ferdinand Kirner gehört zur Band von Mic Donet und Max Herre, Toni Farris und Grabi als Drummer komplettieren die All Star Band. Vor diesem Wall-of-Sound bittet  die Urban Mash Up All Star Band die Creme de la Creme des Deutschen Soul auf die Bühne und zusammen werden deren größten Hits präsentiert. Es gibt keine Pausen in diesem Konzert, nach und nach kommen immer mehr Künstler in das Live-Geschehen und integrieren sich in die Show. Jeder Song bekommt so eine eigene Entwicklung. Urban Mash Up ist eine musikalische Mischung aus Soul und Funk - ein ganzes Paket intelligenter und gutgelaunter Musik. Der musikalische Input der ganzen Welt wird genutzt, um als frisch gespeistes Kraftwerk auf der Bühne zu stehen. Wo sonst kann man es so heftigst knistern lassen zwischen zuckenden Zuschauerbeinen und trommelnden Musikerfingern? Einige der Vokalisten stellen wir hier vor:

y´akotoWer Erykah Badu und Soulfoul-Music mag, der wird Y’akoto lieben. Die Sängerin Y’akoto kommt mit einem souligen Song namens „Tamba“ daher und der geht direkt ins Blut. Ein mitreißendes Lied mit Ohrwurmqualität. Das Album „Babyblues“ von Y’akoto ist ein Meisterwerk in puncto Soul und Funk und lässt die Herzen dahinschmelzen, es ist genau das, was man im Sommer braucht. Als Tochter eines Ghanaers und einer Deutschen wurde die 23 jährige Jennifer Yaa Akoto Kieck von klein auf zur Cosmopolitin erzogen. Sie ist eine herzlich energetische Wandlerin zwischen den Welten.

Cassandra SteenSie hat uns ein Glashaus gebaut und später eine ganze Stadt. Mit ihrem neuen Album “Mir So Nah” zeigt Cassandra Steen nun transparent wie nie den Menschen hinter Deutschlands größter Soulstimme. Ganze 15 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit die Stuttgarterin erstmals aktenkundig wurde. Damals als Featuregast im Freundeskreis, mitten in den Wogen des monströsen deutschen HipHop-Booms von 1997. Sie war das Mädchen mit der tollsten Stimme der Welt, zur rechten Zeit am rechten Ort. “Ketten zerspringen, der Himmel geht auf”, singt Cassandra. Es sind diese ganz besonderen Momente auf “Mir So Nah”, in denen sich der Himmel öffnet.  Immer auch mit Seele. Immer auch mit Herz. Aber eben auch mit jeder Menge Energie.

MatteoMit 4 Jahren begann Matteo Capreoli Schlagzeug zu spielen und entschied sich für einen musikalischen Lebensweg. Er war Mitglied der DeutschRockBand „Reisegruppe Fischer“. Das Schlagzeug spielen allein reichte ihm nicht, Matteo schrieb und schreibt auch seine Songs. So kaperte er in seinen jungen 17 Jahren seinen ersten Plattenvertrag, seine erste Single, Fernsehauftritte und eine Deutschland Tour. Matteo spielt und spielte mit Manumatei, Fola Dada, Fetsum, Chima, Cassandra Steen, Various Artists, Trijo. Heute wandert er mit deutschen Texten von Soul zu Pop, von Reggae zu Hip Hop, heraus kommt ein spezieller Sound mit ganz viel Wiedererkennungswert. Seine aktuelle Single „Heute nur bis morgen“ läuft gerade auf allen Musikkanälen.

FetsumFetsum beschreibt seine Musik als Urbanfolk. Er hat Charisma, eine tolle Stimme und ein enormes Gefühl für den richtigen Beat. Das Licht der Welt erblickte der Eritreer in Ägypten. Später aufgewachsen in Italien und Deutschland, gewähren seine Texte Einblicke in die Seele eines Cosmopoliten.. Fetsums musikalisches Talent lässt sich nicht auf ein einzelnes Genre reduzieren. Vielmehr schöpft er mit genialer Stimmgewalt aus Soul, Rhythm and Blues, Jazz und Reggae um daraus seine Essenz, seinen eigenen Klang zu kreieren. Inspiriert von Musiklegenden wie Nina Simone und Oum Kalsoum, stand Fetsum in den letzten Jahren mit Freundeskreis, Joy Denalane, Patrice und Peter Fox auf der Bühne.

Die Besetzung:
Y`Akoto , Fetsum, Matteo Capreoli, Cassandra Steen
Band: Haze, Grabi, Ferdinand, Johnny Blazers und Toni Farris

Agnes Obel (D/DK)

" 13 "

Jul ’12
7
19:30

Agnes Obel; © Frank EidelEin wunderbares Konzert hat die dänischen Künstlerin Agnes Obel im letzten Kulturzelt-Sommer hingelegt; stilistisch bewegt sie sich zwischen Katie Melua und Feist. Agnes Obel ist dem deutschen Publikum allerseits über ihren fantastischen Song „Just so“ bekannt, der von der Telekom in einer ihrer letzten groß angelegten Kampagnen verwendet wurde - einmal gehört hat man den Song nie wieder vergessen!
Genauso funktioniert auch Agnes Obels Musik. Es geht eine geheimnisvolle Faszination von ihr aus, von den einfachen, harmonischen Klavierarrangements, der sanften Stimme, den zarten Texten. Eine sehr rätselhafte Faszination, die zuerst denken lässt: zarte, simple Sommermusik. Die dann aber eine Ernsthaftigkeit offenbart, die allen luftigen Tastenläufen eine fast bodenlose Tiefe verleiht, in die man sich sehr gern versenkt. Um schließlich im dunklen Raum wieder ein warmes, hoffnungsvolles Licht zu verbreiten, wie von Unmengen halb abgebrannter Kerzen. Nein, es ist definitiv mehr als pure Radiofüllung, es ist große Liedkunst, die Agnes Obel hier serviert. Agnes Obél schreibt, komponiert, singt und produziert ihre Musik allein.

Ab und an verirren sich dezente Celloklänge in den Klangfluss, mal gemahnt die Begleitung in ihrem verlässlichen Ostinato an ein Spieluhrwerk, tröstend und verstörend zugleich. Das Geheimnisvolle in Obels Musik speist sich nicht aus Klangeffekten, sondern eher aus der Stille. Sie könne, sagt sie, nicht über sich selbst schreiben. Sondern nur einfach schöne Geschichten erfinden und schlicht: gute Songs. Das leuchtet ein. Und gelingt. Aber da sage noch einer, Dänen lügen nicht. Sie tun es sogar sehr melodisch. Die Songs der Agnes Obel ruhen in sich selbst; ihnen wohnt eine nahezu Bach’sche Strukturiertheit und Sakralität inne, gepaart mit einer Stimme, zu geerdet um als ätherisch beschrieben zu werden. Ihre Musik lässt sich wirklich schwer zuordnen: Würde man sie in die Schublade „Piano–Pop“ oder „Folk“ schieben, täte man dieser Musik wirklich Unrecht.
Agnes Obel schafft es mit einer überschaubaren Anzahl an Instrumenten Liedstrukturen zu schaffen, die man zurecht als zeitlos bezeichnen kann. Lediglich das Klavier zieht sich fortwährend wie ein „grüner“ Faden durch die Songs. Begleitet von Cello, Gitarre und zurückhaltenden Percussion – Obel verkleidet jedes einzelne Kleinod mit klassischer Instrumentierung: reduziert, verspielt, mit lachendem und weinendem Blick.

Agnes Obel, piano, Voc.; Anne Müller, cello, guitar, voc.

Nils Landgren Quartet (S/D)

The moon, the stars and you

Jul ’12
8
19:30

Landgren; © Sebastian SchmidtFür die Worte Vielseitigkeit, Neugier und Arbeitseifer gibt es ein Synonym: Nils Landgren. Ein munter in der Welt umherziehender Schwede mit knallroter Posaune. Virtuos schwingt sich „Mr. Red Horn“ von Perspektive zu Perspektive, auch, weil er den ständigen Wechsel braucht. Auf mirakulöse Weise teilt sich der 55jährige Nils Landgren seine Zeit auf. Nils Landgren sagt: „Selbst wenn ich mich nicht langweile, ist es gut für mich, mehrere Dinge anzugehen – damit ich verschiedene Blickwinkel einnehmen kann. Denn die bewirken, dass sich die Art meines Singens und Posaune-Spielens ändert. Davon profitiert auch mein Publikum.“
Für die, die ihm musikalisch seit Jahren die Treue halten, wird es nie langweilig. Sie bekommen es bei Nils Landgren mit einem Mann zu tun, der sich der reichen Folklore-Tradition seines Landes genauso verpflichtet fühlt wie dem modernen Jazz. Sie lauschen einem Idealisten, der die Grenzen zwischen den Genres ignoriert, der auf eigenen Werken mit Musikern wie Maceo Parker, Colin Towns, den Brecker Brothers, Airto Moreira, Benny Anderson (von ABBA), Ray Parker Jr., oder Esbjörn Svensson gemeinsame Sache machte und so seinen Horizont ständig erweiterte.

Landgren; ©Sebastian SchmidtGleich zwei Seelen wohnen in seiner Brust: Wenn ihn das Publikum mit seiner „Funk Unit“ erlebt, zeigt sich der Schwede von seiner männlich-markanten, groovenden Seite. Aber es gibt eben auch einen ganz zarten, melancholischen, hoch sentimentalen Nils Landgren. Der zeigt sich auch auf Balladen-Alben wie seinem aktuellen „The Moon, The Stars And You“ – da intoniert er auf der Posaune mit vergleichsloser Geschmeidigkeit und seine so eigentümlich belegte, fragile Stimme berührt mit ihrer Empfindsamkeit. Gemeinsam mit Pianisten Michael Wollny, dem Drummer Rasmus Kihlberg und hochkarätigem Bass interpretiert Landgren Jazzstandards, Folk und Pop - inspiriert und swingend.

Daniel Lanois` (CAN) Fällt leider aus!

Konzertabsage!

Jul ’12
11
19:30

Das Konzert von Daniel Lanois fällt leider aus. Das Management hat kurzfristig alle Deutschlandtermine abgesagt. Karten können bei der Vorverkaufstelle, bei der sie erworben wurden zurückgegeben werden.

Daniel LanoisViele kennen ihn als Produzenten mit Legendenstatus - kein Wunder, zeichnete er bereits für Alben für U2, Bob Dylan, Brian Eno, Willie Nelson und Neil Young verantwortlich und trieb ›seine‹ Künstler zu immer neuen kreativen Höchstleistungen an. Das vermag nur jemand, der Musik nicht nur aufnehmen, sondern wirklich verstehen kann. Dazu sollte man sie meistens auch selbst spielen. Deshalb ist es kein Wunder, dass Daniel Lanois über die Jahre immer wieder mit spannenden Platten und Live Shows überrascht hat. Black Dub ist eine Melange aus Rock, der mit jamaikanischem Dub verschmilzt - eine Angelegenheit, die Lanois seit jeher liebt. Black Dub stellen ihr Album vor, ein Werk, das ganz nach den Werten der ›alten Schule‹ eingespielt wurde, komplett live, ohne Overdubs, oftmals nur in einem Take aufgenommen. Das geht selbstredend nur, wenn alle Mitglieder wissen, wohin die Reise geht - und ihre ganze Seele in die Musik legen.

Bei der Besetzung von Black Dub wundert man sich allerdings nicht, dass es so umwerfend gelungen ist: An den Drums Brian Blade, einer der besten Schlagzeuger der Welt, am Gesang Trixie Whiley, die mit ihrer Stimme und Attitüde nicht nur den Soul einer Aretha Franklin heraufbeschwört, sondern auch Erinnerungen an Joni Mitchell in den Himmel hebt. Und natürlich Daniel Lanois himself, der nicht nur ein grandioser Gitarrist, sondern auch sehr gut darin ist, einen Vibe, quasi einen spirituellen und philosophischen Überbau zwischen allen Bandmitgliedern zu kreieren, sodass die Entstehung besonderer Momente und besonderer Musik überhaupt erst möglich wird. Intensiv, voll Leidenschaft. Zwischen Rock und Americana pendeln die Songs, angereichert mit Elementen des Soul, Blues und Jazz. Brian Blade und Daryl Johnsen zaubern einen tiefgrollenden rhythmisch-treibenden Untergrund auf dem sich Daniel Lanois mit seinem vertrackten Gitarrenspiel und Trixie Whitley mit ihrer expressiven, von Soul und Blues geprägten Stimme austoben können. Fantastische Musiker! Fantastische Band!

Das Konzert ist unbestuhlt

Hugh Masekela (SA)

Celebrate South Africa Tour

Jul ’12
12
19:30

Hugh MasakelaWenn die große, unvergessene Miriam Makeba die „Mama Afrika“, die Mutter zumindest der südafrikanischen Musik ist, kann man wohl den Trompeter Hugh Masekela den „Papa Afrika“ nennen. Seit über 50 Jahren prägt er den südafrikanischen Jazz. Hugh Masekela ist ein Stück lebendiger Musikgeschichte auch jenseits Südafrikas: Ende der 60er Jahre ließ der mit einem Grammy ausgezeichnete Musiker die Rolling Stones in den US Charts hinter sich. Im von der Apartheit geprägten Südafrika gründete Masekela 1959 die Jazz Epistles, die mit „Verse 1“ das erste südafrikanische Modern Jazz Album einspielten und damit die gesamte Musikerszene mit einem Ruck auf internationales Niveau hoben. Fortan lebte Masekela aus dem Koffer und reiste um die ganze Welt: einerseits, um in zahllosen Jamsessions mit internationalen Kollegen zu spielen, andererseits auch, weil nach dem Sharpeville-Massaker 1960 das Apartheid-Südafrika für Masekela keine Heimat mehr war.

Hugh Masakela„The Man with the Horn“ spielte mit vielen hochkarätigen Musikern wie Paul Simon, Bob Marley, The Byrds, Herb Alpert und Louis Armstrong, von dem er als junger Musiker eine Trompete geschenkt bekam. Die Neugier Masakelas, die Suche nach immer neuen Musikstilen, inspirierte die Musikszene auch in den USA und in Europa. Seine eigenen Kompositionen sind neben afrikanischen Rhythmen beeinflusst von Jazz-Musikern wie Ella Fitzgerald oder Dizzy Gillespie. Swing, Bop und die Sounds der Townships gelten dem Trompeter als unendliche Inspiration.
2010 eröffnete Hugh Maselela die Fußball WM in Südarika.Seine Konzertreisen führten ihn durch die ganze Welt. Ob vor 80 000 Menschen beim Mela Festival in Oslo open air, der Carnegie Hall New York oder der Royal Festival Hall in London und vielen anderen Orten mehr: Hugh Masekela wird ab dem Moment, in dem er die Bühne betritt, stets gefeiert ! Denn Musik, kann doch auch die Welt verändern - Hugh Masakela ist bis heute eine Art Gründungsmythos des neuen schwarzen südafrikanischen Kulturbewusstseins.

Hugh Masekela, flügelhorn, vocal; Francis Manneh Fuster, percussion; Fana Zulu, bass; Lee-Roy Sauls, drums; Randal Skippers, keys; Cameron Ward, guitar

Das Konzert ist unbestuhlt.

Rainald Grebe (D)

Das ReinaldGrebeKonzert

Jul ’12
13
19:30

Rainald Grebe

Lassen wir den Herren selbst zu Wort kommen:
„Ich bin in letzter Zeit sehr berühmt geworden. Ich hab die Waldbühne in Berlin gerockt, ich bin mit einem Orchester durch die großen Hallen dieser Republik getourt. Alles wurde immer fetter, ich auch. Jetzt bin ich wieder solo. Ganz allein mit mir. Abspecken. Runterkommen, also zu mir. An manchen Tagen hab ich 10 Interviews gegeben, die meisten Fragen haben sich die Redakteure aus Wikipedia rausgeschrieben. Da steht drin, wer ich bin. Und nach dem 30. Interview glaub ich das sogar selbst. Ich könnte jemanden anstellen, der für mich die Fragen beantwortet, auffallen würde es nicht. Jetzt also zurück auf Anfang. Wer bin ich? Ich habe in alten Familienalben geblättert, Ahnenforschung betrieben bis ins 18. Jahrhundert. Wer bin ich, woher komme ich, was macht mich aus? Ich hab meine Zwiebel geschält, bis zum Kern. Ich will mein Leben singen, der Versuch ist es wert.

Rainald Grebe (geb. 1971) betätigt sich seit 1989 als Autor, Comedian und Liedersänger. Er stammt aus Köln und machte sich Anfang der neunziger Jahre in die neuen Bundesländer auf, um seine künstlerische Karriere zu verfolgenl. Nach legendären Bühnenauftritten beim Quatsch Comedy Club in Hamburg arbeitete der Künstler als Regisseur und Schauspieler. Im Sommer 2004 begann er solo und zusammen mit der Kapelle der Versöhnung eigene Musikprogramme auf deutschen Kleinkunst- und Theaterbühnen zu spielen“.

„Das RainaldGrebeKonzert“ ist sein vierte Soloprogramm. Mit deklamatorischer Wucht und einer grandiosen Unsystematik agiert das System Grebe. „Pop ist per se nicht lustig  – da geht es um Coolness“. Er singt Spottlieder über ostdeutsche Bundesländer, lästert über das Szeneviertel Prenzlauer Berg und die bizarren Aufgaben des Bundespräsidenten. Ihm  sind die absurden Brüche wichtig, die Achterbahnfahrt vom Chanson hinab zum grabestiefen Pathos hinauf zur mädchendünnen Kopfstimme. Oft klingen seine Lieder, als erfinde er sie erst im Moment des Vortrags, dabei ist Grebe lustig wie ein Comedian und intelligent wie ein Chansonnier.  Grebe hat sich sein eigenes Genre erfunden. Er füllt eine Lücke, von der man bisher gar nicht wusste, dass es sie gibt: ein singender Deutschland-Kolumnist. Grebe ist dabei genial komisch. Ein wahrer Lichtblick mit geradezu irrwitzigem Sendungsbewusstsein.

The Whitest Boy Alive (D/NW)

Patience Tour 2012

Jul ’12
14
19:30

Whitest Boy Alive; © Lars BorgesErlend Øye ist ein Mann der Superlative.
Er ist der lauteste Leisetreter, der nerdigste Musikzauberer, der charmanteste Narziss im heutigen Indie-Bereich. Der Norweger Erlend Øye ist für Freunde elektronischer Klänge kein Unbekannter. Mit einem “DJ-Kicks”-Album und zahllosen Auftritten als DJ hat er sich eine große Fangemeinde auf der ganzen Welt erspielt. Zudem zeigt er sich als Mitglied der Kings Of Convenience gerne mal von der poppig-akustischen Seite des Musikmachens. Mit The Whitest Boy Alive rief Erlend Øye ein  Bandprojekt ins Leben, das mit einer ordentlichen Schippe Dancepop auf die Bühne kommt.

Whitest Boy Alive; © Katharina PoblotzkiGleich mit dem ersten Release auf Vinyl geben sich The Whitest Boy Alive beim renommierten französischen Label Kitsuné die Ehre. Mit ihrem unkonventionellen Electropop passen sie dort wunderbar ins Labelroster. Auftritte bei europäischen Topfestivals wie dem Benicassim in Spanien oder auf dem Melt! vor den Toren Berlins folgen. Nach und nach geht die Entwicklung dann jedoch weg von der Elektronik hin zu natürlichen Instrumenten. Das Quartett spielt Club- als Rockmusik. Immer nach der Regel: Spiele im Studio live, damit sich live keiner beschwert. Die Herangehensweise von Multitalent Erlend Øye und seinen Compagnions  an ihre Arrangements gerät zuweilen auch puristisch. Unter der Prämisse, dass “Rules” und Livesound nicht zu weit auseinander liegen sollen, verzichten sie auf Overdubs und Effekte, und erweitern den Spannungsbogen der Musik in Richtung Dance-Hall.  Natürlich spielt der Gesang des norwegischen Sängers eine zentrale Rolle, doch Sebastian Maschat am Schlagzeug treibt die Lieder mit seinen präzisen Rhythmen manchmal ebenso voran wie Daniel Nentwig an den Tasten. Und mitten in den Herzrhythmus spielt sich Marcin Oz am Bass.

Nneka (Nigeria)

Soul Is Heavy

Jul ’12
15
19:30

Nneka“In Afrika brennt ein Feuer”, sagt die aus Nigeria stammende Sängerin Nneka, ihr Anliegen: mit ihrer Musik auf Missstände in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Aufsehen erregt ihre eigenwillige Mischung aus HipHop, Dub und Soul allemal. Wer die zierliche Sängerin zum ersten Mal sieht, traut ihr die musikalische Energie, die sie auf ihren Platten beweist, zunächst gar nicht zu.
Einzig ihr selbstbewusstes, nonchalantes Auftreten und ihr stets skeptischer Blick lassen erahnen, was für eine eigenwillige Künstlerin sich hinter den ernsten, dunklen Augen verbirgt. Die Kritiker staunen, als Nneka 2005 mit ihrem Debüt auf der Bildfläche erscheint. Das unbeschriebene Blatt aus Nigeria sei Lauryn Hills legitime Nachfolgerin, jubelt etwa die englische Sunday Times: Tatsächlich schlägt Nneka in eine ähnliche Kerbe wie die ehemalige Sängerin der Fugees.  „Soul Is Heavy“ heißt das neue Album der begnadeten Soul-Stimme Nneka. Die wunderbar ausbalancierte Mischung aus HipHop-Beats, Reggae-Grooves, Bläsersätzen und afrikanischem Pop entzieht sich der Kategorisierung.

NnekaAuf vielen Konzertbühnen war sie zu Gast, in Frankreich, Deutschland, Holland und England – unter anderem zusammen mit Lenny Kravitz, Nas & Damian Marley, The Roots, Gnarls Barkley -  Nneka ist weit davon entfernt, noch ein Geheimtipp zu sein. 1980 in Warri geboren, einer nigerianischen Großstadt im Niger-Delta, die ihren relativen Wohlstand der seit den späten 70ern betriebenen Erdölförderung verdankt. Singen war für sie eine willkommene Abwechslung vom mitunter allzu unbeständigen nigerianischen Alltag. In den 90ern entdeckte sie wie so viele andere HipHop – insbesondere Mos Def, Talib Kweli und The Fugees – als musikalische Ausdrucksform ihrer Generation und begann, musikalisch ihren kreativen Instinkten zu folgen und innovative Sounds zu erforschen, von Afro-Beat über Fela Kuti bis hin zu Nina Simone.
Nnekas Persönlichkeit ist eigenwillig:  Einerseits ist sie Teil einer neuen musikalischen Revolution in Afrika, auf der anderen Seite hat sie sich ihre eigene musikalische Nische geschaffen, in der sie sich ungestört entwickelt. Sie schreibt Stücke, die rau und unverwechselbar sind und dennoch so klingen, als hätte es sie irgendwie schon immer gegeben. Nneka verbindet Soul, Groove, Herz und Stil. Wo das alles hinführen soll?  Nneka lächelt: “I just go with the flow!”

Fatoumata Diawara (Mali)

Fatou

Jul ’12
18
19:30

Fatoumata Diawara; © Youri LenquetteDie beiden Welten, die Fatoumata Diawara aus Mali spielerisch zusammenführt, kann man schon auf dem Cover ihres Debütalbums “Fatou” erahnen.Zwei Welten, zwei Gitarren. Vorn eine lachende, bezaubernde Fatoumata auf einem kräftig nachkolorierten Foto, wie auf einer kitschigen Urlaubspostkarte. Sie zupft eine Akustikgitarre und zeigt eine glückliche, anmutige Folksängerin. Dreht man das Cover, wird eine andere Geschichte erzählt: Dieselbe Sängerin beugt sich nun in deftiger Rock n Roll Manier über eine E-Gitarre.

Fatoumata Diawara; © Youri LenquetteDie Botschaft dieser beiden Fotos: Die Welt von Pop und Rock’n‘Roll ist ihr genauso vertraut wie die Folktradition der westafrikanischen Heimat. Die Idole von Fatoumata Diawara sind dann auch ihre Landsfrauen Oumou Sangare und Rokia Traore, die ebenfalls ihre Wurzeln selbstbewusst behaupten und gleichzeitig die Sprache von Pop sprechen. Diese Frau kann Musik, die vielen Europäern erst einmal fremd erscheint, so vermitteln, wie eine Norah Jones den Jazz einem Millionenpublikum schmackhaft machte. Die Lieder von Fatoumata sind einfach und klar. Trotzdem spürt man in ihnen die Tiefe, auch wenn wir kein Bambarra, Malis wichtigste Sprache, verstehen. Dabei hat Fatoumata Diawara einiges zu sagen: Sie thematisiert Beschneidungen von Frauen, Emanzipation, die Suche der Jugend Malis nach ihrem Platz in der Welt.

Fatoumata Diawara; © Serena AurorasFatoumata kreiert ihren eigenen Stil, den «Wassoulou Folk». Dies ist eine Mischung aus den traditionellen Klängen der Wassoulou mit Einflüssen von Soul, Funk, aber auch Jazz und Blues. Ihre einzigartige Stimme ist eher tief und mit dem Bélédougou Akzent unterlegt. Ihre rhythmischen Lieder sind von wunderschönen Melodien getriebenen und bringen die Klänge der Wassoulou Musik in eine neue Zeit. Ihr Debut, bei World Circuit – dem Label mit der Garantie für Qualität – erschienen, schlägt gerade die ersten Wellen. Sofort nach Erscheinen setzte sich die CD auf Platz 1 (!) der WORLD MUSIC CHARTS EUROPE. Vielleicht ist ihr eine ähnliche Karriere wie Norah Jones beschieden, nur diesmal von der anderen Seite des Atlantik.

Fatoumata Diawara voc, guitar; Martin Grenier guitar; Jean Alain Hony,bass;Jean Baptiste Gbadoe drums; Corine Thuy-Thy,back vocals

Osaka Monaurail (Japan)

State of the world

Jul ’12
19
19:30

Osaka MonaurailDiese Band ist ein Muss und das non plus ultra für alle, die Motown und James Brown mögen! Also für jeden.

Wer in Japan Funk sucht, kommt an Osaka Monaurail nicht vorbei. Die neun-Mann-Combo ist die angesagteste Funkband Nippons. Die Jungs aus Tokyo haben sich ganz dem Sound des Godfather of Soul verschrieben und klingen bisweilen mehr nach James Brown als James Brown selbst! Seit 15 Jahren beschallen sie nun Japans Clublandschaft, haben in dieser Zeit immerhin fünf Alben und ein gutes Dutzend Vinyl-Singles veröffentlicht, die von Funk-DJs weltweit immer gern gespielt werden, wenn es auf der Tanzfläche heiß hergehen soll. Doch so richtig kracht der Nippon-Funk live auf der Bühne - in maßgeschneiderten Uniformen a la JB’s der 70iger, mit einstudierten Showeinlagen und dem von James Brown perfekt kopierten Tanzeinlagen von Frontmann und Sänger Ryo Nakata wird das Erlebnis perfekt!

Osaka MonaurailSo perfekt, dass Osaka Monaurail die Soulsister Number One Marva Whitney in Japan auf der Bühne unterstützten und gleich ein ganzes Studioalbum mit ihr einspielten. Die erste Singleauskopplung „ I am what I am“ war ein Top Hit in der globalen Soulszene. Den Ritterschlag erhielten Osaka Monaurail bereits 1998 von James-Brown-Posaunist Fred Wesley und  auch die anderen Ehemaligen aus Browns Umfeld arbeiteten gern mit Osaka Monaurail zusammen. Seit dem Ableben des Meisters dürfen sich Osaka Monaurail mit Fug und Recht die legitimen Old-School-Funk-Könige nennen, die die reine Lehre des Godfather des Funk weitertragen. Big in Japan – wir freuen uns, diese großartige Band zu Gast in Kassel zu haben.

Kentaro Yamagata, tromp.; Yohchi Masago, tromp.; Shimon Mukai, sax; Katsutoshi Hiraishi, tromp; Dan Haymami, guitar; Yuichi Ikeda, guitar; Dai Nakamura, bass;, Soki Kimura, drums; Ryo Nakata, voc, keyb

Bob Geldof (IRL)

How To Compose Popular Songs That Will Sell

Jul ’12
20
19:30

Das Konzert von Eric Burdon fällt leider wegen Krankheit des Künstlers aus.

Der Eintrittspreis für die Eric Burdon Karten wird an den Vorverkaufstellen, bei denen sie erworben wurden, zurückerstattet. Eric Burdon Konzertkarten gelten nicht für das Bob Geldof Konzert.

Bob Geldof (IRL)

Bob Geldorf Er wurde von der Queen zum Ritter geschlagen und war zwei Mal für den Friedensnobelpreis nominiert. Doch nun macht Afrika-Aktivist Bob Geldof wieder das, was er als seine eigentliche Berufung ansieht: Musik! „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ ist sein erstes Studioalbum seit zehn Jahren.

“Als ich die gesellschaftliche Bühne betrat, war es unvermeidlich, dass das die Musik überschatten würde. Ich wurde zu einem sozialen Phänomen und werde für immer der Typ von Live Aid bleiben”, erzählt Bob Geldof. Vom Punk-Rocker zum Verteidiger der Armen, vom Saulus zum Paulus, lautet der Tenor der öffentlichen Wahrnehmung.

Bob Geldorf1951 in Dublin geboren, wächst Geldof in einem Land auf, das er als korrupt und beengend beschreibt. “Irland hatte eine absurd hohe Arbeitslosigkeit, einen Bürgerkrieg und eine kriminelle Regierung. Wir lebten in einer Republik des Schweigens. Aber es liegt nicht in meiner Natur zu schweigen“. 1975 gründet er die Boomtown Rats. Nach einem viel versprechenden ersten Konzert, proklamiert Geldof: “I want to get rich, get famous and get laid”. Der Satz sorgt für Empörung und macht ihn und die Band über Nacht berühmt. 1976 siedeln sie nach London über, wo sie eine prägende Rolle in der aufkommenden New Wave-Bewegung spielen. In den folgenden Jahren gehören sie auch kommerziell zu den erfolgreichsten Bands ihrer Generation. 1982 erhält Geldof die Hauptrolle in Alan Parkers Verfilmung des Pink Floyd-Werkes “The Wall”.

Bob Geldorf1984 erfährt er von der Hungerkatastrophe in Äthiopien, und beschließt, sich zu engagieren. Mit Midge Ure schreibt er das Lied “Do They Know It’s Christmas” und nimmt es mit 40 bekannten Musikern auf, unter ihnen Sting, Bono Vox und Paul McCartney. Der Erfolg des “Band Aid” ermutigt Geldof, das Projekt auszubauen. Am 13. Juli 1985 treten weltbekannte Künstler bei zwei riesigen Konzerten in Philadelphia und London auf. “Gebt uns euer Scheißgeld!”, fordert Geldof 1.5 Milliarden Zuschauer vor dem Fernseher auf. Sie zeigen sich großzügig: 150 Millionen US-Dollar kommen durch das “Live Aid” an Spenden und Tantiemen zusammen. Bob Geldof wird zu einem engagierten Vertreter des Schuldenerlasses. Seine Popularität nimmt er gelassen: “Is That It?”, “War’s das schon?” betitelt er selbstironisch seine Autobiografie. Nein, das war es natürlich nicht! „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ , seine jüngste Veröffentlichung, klingt nach einem Musiker und einer genialen Begleitband, die Energie und Inspiration stets neu erfinden. Keine Nostalgie, allenfalls Reverenzen an die Jugendtage: Klarinetten und Clavinets tauchen auf, Maultrommeln, Sägen – einige Loops und Rock & Roll. Bob Geldof hat auch immer wieder Augen für die schönen Dinge des Lebens, etwas zerknirscht ist die Sicht auf die Dinge, aber nie wehmütig. Es ist ein grandioses Album mit einem Sänger, der ganz lässig grandiose Songs schreibt.

Max Prosa (D)

Die Phantasie wird siegen

Jul ’12
21
19:30

Max Prosa; © Tino Sieland

Max Prosa ist wohl der jüngste und vielversprechendste Newcomer unter den neuen Singer-Songwritern. Mit gerade mal 21 Jahren ging er vergangenen Sommer mit Clueso auf Tour. Einundzwanzig. Gerade das richtige Alter für große Träume, für naive und echte große Träume, verpackt in Songs zwischen Wut und Mut, Melancholie und Lebenslust. „Max Prosa beherrscht die Kunst, Lieder zu machen, die wie selbstverständlich auf den klassischen Instrumenten der Popgeschichte ins Rollen kommen. Sie sind einfach, ohne simpel zu sein, und Max erzählt mit Leidenschaft und zwingendem Singsang. Es ist Musik, die so individuell ist, dass sie aneckt, aber doch universell genug, dass sie berührt.“ (Melodie & Rhythmus 03/2011)

Max Prosa; © Sandra LudewigMit siebzehn machte er Abitur, das anschließende Studium der Physik und Philosophie brach er ab, als er seine Liebe zum Folkrock entdeckte. Seine kantigen Texte kommen ohne adoleszente Selbstfindungslyrik und peinliche Pubertätspoesie aus. Er eckt an und berührt. Seine Lieder drehen sich nicht selbstverliebt im Kreis, sie stürmen nach vorn: „Heute ist ein schöner Tag zum Rennen“ – es klingt nach einem Akt der Befreiung. Akustisch ist das Ganze eingebettet in eine wärmende Neo-Folk-Ästhetik, die auf verspielte Soundtüfteleien weitgehend verzichtet. Elemente wie Hackbrett, Glockenspiel und Streicher-Arrangements werden von seiner Band ergänzt, die gefühlvollen Gitarren-Melodien bilden aber immer das Herzstück seiner berührenden Vocals und tiefgreifenden Lyrics.

Max Prosa voc., guitar; Alex Binder, guitar; Stefan Ebert, e-piano;  Erez Frank, bass; Joda Förster, drums, perc.

Raul Midòn (USA)

Live in concert 2012

Jul ’12
22
19:30

Raul MidònWenn man beim Video-Portal YouTube nach “Raul Midón” sucht, findet man einen Clip, der den in New York lebenden Sänger, Gitarristen und Songwriter bei einem Auftritt in der “Late Show With David Letterman” zeigt. Zu hören ist er mit “State Of Mind”, dem Titelstück seines dritten Albums, mit dem ihm 2005 der Durchbruch gelang. Nachdem man den Clip gesehen hat, weiß man nicht, was beeindruckender ist: Midóns elegante, soulige Tenorstimme, sein betont perkussives Gitarrenspiel oder die originellen, beboppigen “Trompeten”improvisationen, die er mit seinem Mund nachahmt und die sein Markenzeichen geworden sind. Seine virtuose und doch schlichte Performance lässt erahnen, weshalb Raul Midón schon seit Jahren einen so exzellenten Ruf genießt. Der amerikanische “Guitar Player” nannte Midón “eine jener seltenen musikalischen Kräfte, die einen daran erinnern, wie stark und tief die Verbindungen zwischen einem Mann und seiner Musik manchmal sein können.”

Raul Midòn; © Mac BrownEine Stimme, die unter die Haut geht – eine Gitarrentechnik, die Maßstäbe setzt. Der talentierteste Vertreter des New-Soul, so jubeln die Kritiker. Vielleicht liefert die Tatsache, dass Raul Midón schon in frühester Kindheit erblindete, eine schlüssige Erklärung. Eine Auflösung für das musikalisches Rätsel, das der hoch gelobte Singer/Songwriter seit Beginn seiner Solo-Karriere mit jedem neuen Album, mit jeder neuen Konzertreise aufgibt: Wie kann ein Mensch nur so viel Gefühl und Ausdruck in seine Musik legen? Doch das haben sich auch Musikkenner gefragt, als sie einst mit den Klängen von Stevie Wonder und Ray Charles in Berührung kamen. Man konnte die außergewöhnliche Phrasierungskunst dieser ebenfalls blinden Musik-Genies nicht an einzelnen Tönen oder Harmonien fest machen. Es war und ist vielmehr: Die Musik als Ganzes. Raul Midòn kanalisiert mit seiner brillanten Mixtur aus Soul-, Pop-, Jazz-, Folk- und Latin-Elementen, seine ganze Kreativität und Leidenschaft in Musik.

Julieta Venegas (Mex)

Otra Cosa

Jul ’12
25
19:30

Julieta VenegasIm März 2006 ereignete sich bedeutendes in Mexiko. Zahllose Menschen stürmten die Plattenläden, standen Schlange, warteten und zogen dann, mit einer einzigen, gerade frisch erschienenen CD im Gepäck wieder nach Hause an das heimische Stereo-System. Eine kleine, feine Massenhysterie wie zu besten Zeiten der Beatles oder Michael Jacksons. Aber nein, der Auslöser dieser Kaufräusche war nicht eine auf einem Dachboden gefundene verschollene Jugendaufnahme von John Lennon oder der Nachfolger von Thriller, die Mexikaner erwarben gemeinschaftlich “Limon y Sal”, das vierte Album der Sängerin Julieta Venegas aus Tijuana, Mexiko. Und dies taten sie derart drangvoll, dass “Limon y Sal” schon nach zwei Tagen Gold-, und nach einer Woche Platinstatus für 100.000 verkaufte Exemplare erhielt (am Ende des Jahres stoppte der Zähler erst bei einer Marke von 4 Millionen).

Julieta VenegasEs ist also sicher nicht zuviel gesagt, wenn man Julieta Venegas als Superstar bezeichnet. Zumindest aber als eine sehr bekannte, sehr beliebte und sehr wichtige Pop-Sängerin Lateinamerikas. Im Gegensatz zur Bekanntheit ihrer kolumbianischen Kollegin Shakira beispielsweise fragt sich Mitteleuropa jedoch noch immer: Julieta wer? Es könnte daran liegen, dass Julieta Venegas im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen im Pop- und Singer/Songwriter-Fach immer der spanischen Sprache treu geblieben ist. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass Venegas unter dem schönen Etikett der sanften, sommerlich-flockigen Pop-Sängerin eine komplexe, verschlungene Musikerbiografie verbirgt. Noch zu Beginn der neunziger Jahre rührte sie zusammen mit einem kleinen Haufen Freunden unter dem einigermaßen bösen Bandnamen Radio Chantaje (Radio Erpressung) und später als Tujiana No! kräftig in der Punk- und Ska-Szene der Grenzmetropole Tijuana mit.

Doch schon Mitte der Neunziger Jahre wechselte Venegas jäh das Gleis, und veröffentlichte 1997 “Aquí”, ein Soloalbum voll melodiöser Song-Perlen mit sehr persönlichen, sehr politischen Texten und zackigen Folkpop-Varianten, die so bisher kaum im lateinamerikanischen Raum zu hören gewesen waren. Es war die Geburtsstunde der Multiinstrumentalistin und Songschreiberin Venegas, die von nun an Jahr für Jahr mit der gesamten Musikerelite Lateinamerikas zusammen arbeitete, auf Festivals auftrat, Grammys und andere Preise sammelte und 2008 schließlich en Ritterschlag einer internationalen MTV-unplugged Produktion erfuhr. Und auch wenn sie heute als musikalische Botschafterin Mexikos auf der ganzen Welt unterwegs ist, bleibt sie doch in Mexiko verwurzelt, und erzählt mit Gitarre, Akkordeon und Klavier exemplarische Geschichten zwischen elektrisch geladenen Grenzzäunen und rührseeligen Telenovelas, zwischen Drogenmafia und Tropennächten am Golf von Yucatan. Es ist ein weiter Spagat, zwischen dem No! der frühen Punk-Zeit und dem trügerisch-süßen “Si!”. Und wer zwischen diesen beiden Extremen sich derart melodiös und reich bewegt, dem sind gelegentliche Plattenladen-Hysterien nicht nur in Mexiko doch ganz von Herzen zu gönnen.

Roberto Fonseca (Cuba)

YO

Jul ’12
26
19:30

Roberto FonsecaRoberto Fonseca untermalt seine Musik mit vollem Körpereinsatz – er steht sogar auf, um auf sein Klavier einzuhämmern, als sei es ein Percussion-Instrument.
Es kann passieren, dass er sich eine Trommel schnappt und seine Gruppe in eine “Comparsa” verwandelt – ein Percussion-Ensemble, das während des Karnevals durch die Straßen zieht, das kubanische Äquivalent zu der brasilianischen “Batucada”, und die nachfolgende Menschenmenge zu euphorischem Tanz animiert…Unerschöpflich scheint das Repertoire und die schöpferische Energie dieses jungen Pianisten.

Roberto FonsecaMit den Heroen des „Buena Vista Social Club“ auf der Bühne der großen Konzertsäle bringt er frischen Wind in die traditionelle kubanische Musik . Nach hunderten Konzerten mit Ibrahim Ferrer arbeitete Roberto Fonseca auch als Arrangeur und Ko-Produzent für Ferrers letztes Album, „Mi Sueno“, das 2007 für einen Grammy nominiert war. Mit Omara Portuondo, Cachaito, Angá Diaz, Carlinhos Brown, Herbie Hancock, Michael Brecker, Wayne Shorter war und ist Roberto Fonseca zu hören. Mit seinem neuem Album „ YO“ geht diese Party weiter – in ganz neuer Art und Weise.

Fonseca ist dafür bekannt, den modernen kubanischen Jazz – und den Jazz im Allgemeinen – maßgeblich zu beeinflussen. Er beweist nun, dass sein Horizont nicht im geringsten von der Raffinesse der Blue Notes beschränkt ist, und schon gar nicht vom azurblau der Karibik. „YO“ ist eine Hommage an die Wurzeln der kubanischen Musik und ihre afrikanischen Ursprünge. Gleichzeitig flirtet er mit Jungle und Drum’n’Bass und hat sich für diesen Part Gilles Peterson als DJ und Produzent geangelt.
Da wird es auch einmal funky. Doch der eigentliche Hauptdarsteller ist das Klavier: Roberto Fonseca ist tief in das Studium der, an Zitaten reichen, kubanischen Musik getaucht. Zitieren wir Arte.TV: “Es ist kaum zu glauben, dass ein einziger Pianist, diese musikalische Bandbreite bravourös meistert, in wechselnden Besetzungen, sowohl als Solist als auch mit Unterstützung von Streich- und Latinorchester. Ob melancholisch somnambul oder lateinamerikanisch expressiv, ob spärlich grazil oder orchestral voluminös, Fonsecas Pianospiel changiert kaleidoskopartig mit berauschender Formenvielfalt.”

Roberto Fonseca, piano, key & voc; Joel Hierrezuelo, perc.; Jorge Chicoy, E-guitar; Ramsés Rodríguez, drums; Yandy Martínez, bass; Baba Sissoko, perc.

Jane Birkin sings Gainsbourg (F/GB/Japan)

Das Konzert fällt leider aus

Jul ’12
27
19:30

Jane BirkinGlücklicherweise haben wir es bei unserem Festival mit täglich neuen Menschen zu tun. Und dies birgt auch so manche Unplanbarkeit. Unten findet ihr die Erklärung der Agentur von Jane Birkin, deren Konzert am 27. Juli im Kulturzelt leider ersatzlos ausfallen muss.
“Aufgrund einer akuten Herzbeutelentzündung mit mehreren Rückfällen benötigt Jane Birkin zur Zeit absolute Bettruhe. Jane Birkin bedauert diese Absage zutiefst und wird sich ihrem Publikum (für dessen Unterstützung und Verständnis sie sich schon jetzt außerordentlich bedankt) erst in der zweiten Jahreshälfte wieder widmen können.”
Wir hoffen, dass Jane Birkin sich erholt und wir das Konzert im nächsten Jahr nachholen können. Wir hatten uns schon sehr gefreut, aber sowas passiert blöderweise…….. Hauptsache, sie wird wieder!
Karten können nur bei den Vorverkaufsstellen, bei denen sie erworben wurden, zurückgegeben werden.

Den französischen Popstar Serge Gainsbourg lernt sie während eines Filmprojekts zuerst hassen, dann lieben. Gemeinsam veröffentlichen sie im prüden Frankreich des Jahres 1969 den lasziv gestöhnten Song “Je t’aime moi non plus”. Der misantrophische Gainsbourg und die zerbrechliche Birkin avancieren damit zur Legende in den Pariser Szene-Bars der 68er.
Während der 70er veröffentlicht Jane Birkin mehrere Alben mit und ohne Serge Gainsbourg, spielt in etlichen Kinoproduktionen und erarbeitet sich einen exzellenten Ruf. Nach zwölf gemeinsamen Jahren verlässt Jane Birkin 1981 den Popstar, ihre geistige Bande aber blieben bestehen – zwei verwandte Seelen. 1990 widmet Serge ihr sein letztes Album “Amours Des Feintes”. Ein Jahr darauf stirbt Frankreichs großes Musik-Idol. 21 Jahre ist Gainsbourg tot, und die Frau, mit der er eine lange Zeit verbracht hat, tritt mit seinen Liedern auf die Bühne.

Jane Birkin; © Michael C. MaierDoch nicht nur die Hommage an Serge Gainsbourg wird dieses Konzert besonders machen, auch die Wahl der besten Musiker Japans wird garantiert dazu beitragen, dass dieser Konzertabend etwas ganz besonderes wird. Aber erstrahlen wird der Saal durch die Frau, die hier und jetzt alles verbindet, die Frau, die eine tiefe Liebe für das Land der aufgehenden Sonne empfindet, wie auch vor vielen Jahren für den Mann, dessen Lieder sie nun singt - Jane Birkin und Serge via Japan!

Jane Birkin, voc; Nobuyuki Nakajima, piano; Hoshiko Yamane, violine; Takuma Sakamoto, tromp.; Ichiro Onoe, perc.

Lamb (GB)

Five

Jul ’12
28
19:30

LambLamb ist ein kultiges Duo aus England, das musikalisch beeinflusst vor allem von solchen Musikgattungen ist, wie dem Bristol Sound und Trip Hop. Neben Massive Attack, Portishead und Hooverphonic  zeugen Lamb davon, dass elektronische Musik auch ein romantisches Gesicht haben kann. Lamb gelten als TripHop-Avantgarde der ersten Stunde. Louise Rhodes und Andy Barlow verzauberten die Menschen mit Hits wie “Gabriel”, “Cotton Wool” und “Gorecki, fünf Alben und drei Compilations gingen bis dahin auf ihr Konto – allesamt von Kritikern und Publikum bejubelt.

LambDas musikalische Wunderduo aus Manchester ist aber vor allem live eine Wucht. Faszinierende Klangteppiche, aufgebrochen durch schnelle Beats, facettenreich  und spannend. Lamb kombinieren Jazz, Dub, Breakbeats, Drum’n'Bass und vieles mehr zu einem schillernden  Wunderwerk. Nach einer langen Pause mit solistischen Einlagen veröffentlichten sie  2011 ihr neues Album “Five”.

Der Zauberer der Breakbeats und seine Folk-Prinzessin knüpfen nahtlos an frühere Lorbeeren an. Musikalische Spannung erzeugen sie in dem zwischen Bass und Louises transparenter Stimme weit gefächerten Klangbild -  durch raffinierte Samples und Klangfarben sowie immer wieder überraschend energetischen Harmoniewechseln. Der eine oder andere mag den Namen Lamb im vergangenen Jahr bereits mit freudigem Erstaunen auf dem line-up verschiedener großer europäischer Festivals wie The Big Chill und Glastonbury gelesen haben. Ja, Lamb sind endlich wieder da!

Lou Rhodes,guitar,voc.; Andy Barlow, technology,drums; Jon Thorne, bass

Rebekka Bakken (NW)

September/Das Konzert ist ausverkauft

Jul ’12
29
19:30

Rebekka Bakken; © AxelssonWenn es nach Rebekka Bakken ginge, würde man nicht über ihre Musik reden, sondern sie am besten nur anhören. Die Singer/Songwriterin mit der tief unter die Haut dringenden Drei-Oktaven-Stimme ist eine „Anti Drama Queen“, eine gleichzeitig rastlose und in sich ruhende Seele, die beständig abwägt und abwiegelt und bloß kein Aufhebens um ihre Person und ihre Kunst gemacht haben will. „Ich brauche die Musik mehr als sie mich braucht“, sagt sie daher. „Mir gefällt es, alles in meiner Musik zum Leben zu erwecken. Aber das ist keine große Sache.“ Hören ist Fühlen ist Leben, wenn es um diese emotionale Künstlerin geht. Aber vielleicht gerade weil ihre Lieder so poetisch und vielsagend sind, ihre Melodien so eine klare, schöne Sprache sprechen, ist die Neugierde so groß, dahinter zu schauen.

Rebekka BakkenMit ihrem fünften Soloalbum setzt die norwegische Sängerin, die lange in New York und Wien wohnte und inzwischen auf einer Pferdefarm in Schweden lebt, ihre „amerikanische Serie“ fort. In  enger Zusammenarbeit mit Malcolm Burn in Kingston, New York, produziert, präsentieren sich die zwölf selbstbewussten und schnörkellosen Songs von „September“ als eines der wohl schönsten von Country beeinflussten Liederalben unserer Zeit. Exzellent gesungen, sinnlich und satt gespielt, wirken diese Texte über Liebe, Leben, Lust und Leiden – die ältesten Themen der Welt – immer aktuell.

Rebekka BakkenSchon vom Sound her sind sie so eigen und originell, dass auch die drei Cover-Versionen von Bruce Springsteen, Jane Siberry und Alphaville perfekt zu den selbst geschriebenen Liedern passen. Diese Musik berührt, auf etlichen Ebenen. „Kommunikation“, sagt Rebekka Bakken, „braucht so viel mehr als Worte.“ Musik kann nicht nicht geschehen“, sagt sie, bewusst in der doppelten Verneinung. „Nur wenn man sich bemüht, klappt es nicht. Wenn man nicht zu viel denkt, kann Musik einfach kommen.“ Diese natürliche, selbstverständliche Qualität merkt man der Musik auf „September“ während der fast einstündigen Reise durch eine enorme emotionale Bandbreite an. Vor allem, wenn man sie anhört. Und nicht zu viel darüber redet.

Rebekka Bakken, vocals; Lars Danielsson, bass; Mathias Leber, piano, keys; Börse Petersen-Överleier, guitar