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Archiv für Januar 2012

Eric Bibb & Habib Koité Trio (USA/Mali)

Brothers in Bamako

Aug ’12
1
19:30

Eric Bibb; Habib Koité; © Michel de BookEric Bibb`s Samtstimme und sein Gitarrenstil hypnotisieren jeden, der ihn je im Konzert erleben durfte. Mit zahllosen internationalen Auftritten und seiner Ausstrahlung hat sich Bibb in die erste Liga gespielt. Keiner versteht es wie er, Folk, Blues und Singer-Songwriter Genre auf so sensible, eigenständige Art zusammenzubringen. Er steht den Folk-Roots eindeutig näher, und da hat es auch nicht geschadet, dass er einige Alben mit schwedischen Musikern aufgenommen hat, die zwar auf Akkordeon, Gitarren und Mandolinen Blues spielen können, aber auch anderes Folkloregut einbringen.

Bibb gilt als einer der momentan herausragenden Protagonisten des amerikanischen Blues, dazu gesegnet mit einer Stimme, von der ein Kritiker der New York Times schwärmte, sie wäre geradezu zum Sterben schön. Im heutigen Konzert treffen aber zwei kongeniale Musiker ihres jeweiligen Genres als Duo aufeinander: Der in Mali geborene und dort lebende Habib Koité komplettiert das Duo. Der Sänger und Gitarrist ist längst einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Musiker Afrikas. Koité respektiert die traditionelle Musik seiner Vorfahren, sieht aber gleichzeitig den Tag kommen, an dem die Griots, die Dorfältesten, sich via Laptop mit der Welt unterhalten werden.

Die New York Times schreibt über ihn: “Seine Reputation als Gitarrist ist schon beinahe mythisch, er kombiniert Rock- und Klassiktechniken mit Stimmungen aus Mali, die die Gitarre wie eine Kora oder N’Goni klingen lassen. Sein Gitarrenspiel verzaubert – egal, ob akustisch oder elektrisch verstärkt“. Koité hat eine besondere Technik entwickelt, mit der er den Klang des N’goni imitiert, des traditionellen Saiteninstruments der Jäger Malis. Virtuos ist auch sein Gesang, mal fein, kehlig, dann wieder tief. Vor allem wegen seiner mitreißenden Live-Auftritte wird Habib Koité, zu dessen erklärten und treuen Fans auch Jackson Browne und Bonnie Raitt zählen, als große Crossover-Hoffnung der Weltmusik gehandelt: ein Star, der mit Charisma und Können seine musikalischen Wurzeln einem breiten Publikum zugänglich macht. Es ist wohl die unerschrockene und äußerst feinsinnige Verschmelzung aller malischen Nuancen mit Soul und Blues, sogar Flamenco- Reminiszenzen zu einem neuen Klangbild, die den Zauber von Habib Koités Musik ausmacht.

Dritter ist im Bunde ist der Percussionist Mama Koné, der den Klangteppich legt, auf dem die beiden Sänger agieren.

Es wird etwas Besonderes: diese Begegnung zweier Stimmen aus zwei Kontinenten, die eines gemeinsam haben: Ihre Songs rühren an etwas, das im Dröhnen des popmusikalischen Alltagsgeschäfts verloren gegangen ist: an die spirituelle Dimension der Musik.

Mit freundlicher Unterstützung der Kasseler Sparkasse

Fink (GB)

Perfect Darkness

Aug ’12
2
19:30

FinkFink, wie diese kleinen Vögel, oder so, wie es im amerikanischen gemeint ist: Verräter. Fink, aka Fin Greenall, ist ein auch elektromusikalisch bewanderte Singer-Songwriter, seine frühen Reverenzen hat er im Trip-Trop und DJing. Ein Künstler, der keine Kompromisse macht und charmant an jeder Klischeefalle vorbei läuft . Fink zählt neben Kollegen wie José Gonzalez oder Bright Eyes zur Speerspitze der Neo-Folk und Singer/Songwriter Bewegung. In den vergangenen drei Jahren hat er gemeinsam mit Guy Whittaker (Bass) und Tim Thornton (Drums) mehr als 300 Konzerte gespielt, unter anderem mit Zero 7 und Massive Attack.
Darüber hinaus machte Fink Furore als Songschreiber für Künstler wie John Legend oder Amy Winehouse und Remixer für Elbow, Nina Simone oder Ryuchi Sakamoto, um nur einige zu nennen. Nach drei von den Kritikern gefeierte Alben folgt 2011 „Perfect Darkness“, ein weiteres emotionales, hypnotisierendes Werk. Der szenebekannte Finian Paul Greenall besinnt sich in „Perfect Darkness“ einmal mehr seiner Wurzeln und greift zur Akustikgitarre.

Es ist etwas Eigenes  an den Saiten der Gitarre, oder an Finks minimalistischen Arrangements, das seinem Gitarrenspiel eine besondere Kühle verleiht. Die markante Stimme, irgendwo zwischen rauh und zart, eisig und fragil, fügt sich in dieses klangliche Bild ein wie eine siebte Saite auf der Gitarre – dies ist der spezielle Fink-Flow. Fink veröffentlicht auf Ninja Tunes, einem Label, das an sich schon als ebenso individuelle wie innovative Genrebezeichnung gilt. Aber dort Folk? Ja – Fink ist die perfekte Blaupause für die schlichte Eleganz dieser Musik. Fink kling organisch und urban, erinnert zuweilen an Portishead, es strahlt aus der Dunkelheit, denn nach wohliger Melancholie gibt es immer einen überraschenden Twist, der für Licht sorgt. Dieser eigenartige Mix aus Folk, relaxten Grooves und Soul ist der perfekte Soundtrack für den Sommer.

Miss Li (S) support: Helmut

Beats & Bruises

Aug ’12
3
19:30

Miss LiDas kombinieren verschiedenster Genres zu einem musikalischen Gesamtwerk ist seit vielen Jahren die Lieblingsbeschäftigung der schwedischen Sängerin und Pianistin Linda Carlsson. Die üblichen Vergleiche à la „schwedische Kate Nash“ hinken etwas und der Stilmix von Miss Li ist ein recht umfangreicher, der mit den Attributen Rag Time, Chanson, Jazz, Blues und  Pop und auch etwas Cabaret umfängt. Letztlich steht trotz der oftmals ernsten Texte Freude im Vordergrund und das sieht man dieser Band besonders live an.

Miss LiDabei scheint nicht zuletzt ihre Heimatstadt Borlänge besondere Ambitionen zu wecken:
Neben Carlsson hat die industriell geprägte Stadt nämlich bereits Top-Bands wie Mando Diao und Sugarplum Fairy hervorgebracht. Seit 2006 veröffentlicht Miss Li fleißig Langspielplatten und schaffte fast immer den Sprung in die Charts. Schnell, schneller, Miss Li: Mit drei Albumveröffentlichungen innerhalb eines Jahres sorgte Miss Li im Jahr 2007 für helle Aufregung  im europäischen Singer/Songwriter-Lager. Kurze Zeit später landete bereits die erste Best-Of-Scheibe der zierlichen Schwedin in den Plattenregalen, ihre Musik schmückte so illustre US-Serienformate wie „24“, „Lost“ oder „Greys Anatomy“.
Mit Bar-Feeling, lockeren Roadmovie-Soundtrack-Anleihen und einem Sack voller eingängiger Melodien füllt Miss Li einen Raum, der keinen Platz für musikalische Ausfälle bereithält. Wenn es auch in diesen Liedern um Gefühle geht, so sind sie doch nicht emotional klebrig. Sie singt einfach aus ihrem Leben. Als würde man sie fragen „Hey, wie geht’s dir“, und sie würde beginnen „Miss Li“ zu singen. 2011 schließlich erschien Album Nummer fünf, „Beats & Bruises“. Darauf haben die Skandinavier das Tempo noch mal angezogen und eine gehörige Portion Tanzpolka unter die ironischen Jazz-Pop-Nummern gemischt.

Linda Carlsson, piano, voc.; Sonny Boy Gustafsson, guitar; Clas Lassbo, bass; Gustav Nahlin,drums; Edvin Nahlin, key.; Lars Åhlund, sax.

Charles Bradley (USA) And His Extraordinairies

Aug ’12
4
19:30

Charles Bradley; © KishabariCharles Bradleys Geschichte ist ein modernes Märchen. Nach Jahrzehnten der Armut und Obdachlosigkeit hat er mit 62 Jahren sein Debütalbum veröffentlicht. „No Time For Dreaming“  ist eine der besten Soulplatten der letzten Jahre und Bradley erobert nun die Konzertbühnen in den USA und Europa. “The screaming eagle of soul” wird er genannt; Bradley ist ein Deep-Soul-Sänger, der den rauen funky Ton von James Brown und Joe Tex mit der nihilistischen Weltsicht von O.V. Wright und James Carr verbindet.

Charles Bradley; © Loren WohlEr wurde 1948 geboren und hat Aufstieg und Fall der Soulmusik persönlich miterlebt. Das Label Daptone Records bescherte uns in den letzten Jahren so großartige Musiker wie Sharon Jones und Lee Fields; nun steht Charles Bradley im Rampenlicht. Daptone Records wurde für die Veröffentlichung  im vergangenen Jahr in die Bestenliste der deutschen Schallplattenkritik aufgenommen.  Der Soul von Charles ist vom Leben geformt, doch immer trägt er die unerschütterliche Hoffnung auf eine bessere Welt in sich. Seine All-Star- Band hat den Geist James Browns inhaliert, die Musiker gehören zu den Dapkings, Antibales und der Budo Band, ihr Zusammenspiel ist tight und erdet die Stimme Charles Bradleys.
Anlässlich des vierzigsten Bühnenjubiläums von Marvin Gayes „Whats Going on“ stand Bradley kürzlich mit Stevie Wonder und Sharon Lones auf der Bühne, er spielte im vergangenen Jahr mit B.B. King und auf dem Nirvana Tribute Album ist er mit einer in Soul getauchten Version von „Stay away“ zu hören. Ladies & Gentleman! Charles Bradley kommt in diesem Sommer für einige Konzerttermine nach Deutschland und wird das Publikum mit seiner Stimme und seiner ans Herz gehenden Performance umarmen! “No Time For Dreaming”: Die Zeit des Träumens ist so vorbei. Energie, Talent und Beharrlichkeit haben sich ausgezahlt, Charles Bradley steht endlich da, wo er hingehört: auf der Bühne.

Apparat (D)

The Devil`s Walk

Aug ’12
8
19:30

Apparat; © Constantin FalkWer in den letzten Jahren den Finger an den Puls elektronischer Musik gelegt hat, dem wird Apparat begegnet sein. Sascha Ring, der Berliner Musiker, der unter jenem Alias firmiert, war eine der treibenden Kräfte elektronischer Musik der letzten Dekade. Er hat inzwischen drei umjubelte Apparat-Alben herausgebracht – und gefeierte Gigs in unzähligen Clubs und Festivals rund um den Erdball gespielt.

The Devil’s Walk, das nunmehr vierte Album, ist eine Verbeugung vor Percy Bysshe Shelleys gleichnamigem satirischen Gedicht aus dem Jahr 1812. Der Albumtitel ist nicht nur eine Referenz an Shelleys auch nach 200 Jahren aktuelle Sozialkritik; The Devil’s Walk spielt auf einen Sommer in Mexiko an:  „Der Tod hat eine andere Bedeutung in Mexiko. Die Menschen feiern Beerdigungen, sie sind nicht unbedingt nur Grund zur Trauer; ich fand das interessant und wollte das thematisieren.“
Doch auch die Balladen sind nicht das Werk eines tiefbetrübten Songwriters: „Es gibt sicher ein durchgängiges Thema hinter den Songs – ich möchte nicht sagen, was jeder über seine Platten sagt: Es ist ein sehr persönliches Album.

So oder so – alles, was man über Sascha Ring und Apparat wissen will, liegt in dieser fabelhaften Musik. Mit seiner Dream-Pop-Sigur-Ros-Signatur signalisiert Apparat eine Wende und amalgamiert epische, emotionale Texturen zu dichtem Sci-Fi Soul. Als missing link zwischen Steve Reich und RADIOHEAD evoziert The Devil’s Walk jene schwer fassbare euphorische Melancholie die einen dazu antreibt, die Arme vor Freude in die Luft zu werfen, während einem gleichzeitig die Tränen die Wangen hinunter rinnen. Facettenreich, poppig, dubbig schimmern die musikalischen Handschriften der Vorzeige-Bpitcher durch die Soundscapes. Die Zusammenarbeit der nun vierköpfigen Band wird im Konzert zu einer wahren Lehrstunde des Spagats zwischen Pop und abstrakter Elektronik.

Dillon (Brasilien/D) / Nigel Wright (USA)

This Silence Kills / Millfoil

Aug ’12
9
19:30

Nigel WrightNigel Wright kommt direkt aus den Höhen der Blue Ridge Mountains, roh und  naturalistisch spielt die Akustikgitarre, der Gesang ist trocken und  beinahe ungefiltert. Die spartanische Instrumentierung, mit Hall in die  Weite gezogen, erzeugt ein Gefühl der Abgeschiedenheit. Unprätentiös  schreibt sich Nigel Wright durch seine wunderschönen Songs. Hier und da  findet man Erinnerungen an Damien Rice oder Bon Iver, denen Wright  nachfühlt. Das Album “Millfoil” hat der heute 18-jährige Nigel mit 16 in  seinem Home Studio aufgenommen. Durch das limitierte Equipment,  bestehend aus einem 8-Track-Recorder und ein paar Mikrofonen, wurde  jeder Sound akribisch gewählt. Man sollte ihn im Auge behalten und in  den Ohren sowieso.

DillonDillon setzt sich ans Piano, spielt, singt, rappt, schreit ins Megaphon  und programmiert die Beats dazu. Dillon ist gesegnet mit einer  besonderen Stimme und einem feeling für Ohrwurm-Arrangements, ihre  Lieder haben immer einen Twist.  “Dillon” flüstert man sich in der  Underground-Pop-Szene in Deutschland im Moment hinter der Hand zu. Ein  Geheimtipp für Freunde, denen man Gespür für Qualtät zutraut.  Minimalistische Techno-Rhythmen aus dem Computer begleiten das Keyboard,  wie ein Sturm ihre Stimme, wenn das Megaphon zum Einsatz kommt. Dass  Dominique Dillon de Byington, so der vollständige Name,  zur Musik  gefunden hat, ist ein Glücksfall. Im Roster von Ellen Alliens Label  Bpitch Control bildet sie sozusagen den charmanten Ausfallschritt in  einem ambitionierten, elektronisch grundierten Korpus und verleiht eben  jenem, einen etwas melancholisch, poppigen Anstrich – eine Facette die  man so noch nicht von Bpitch kannte.

DillonÜber verschlungene Wege trieb es  die gebürtige Brasilianerin nach Deutschland. Anfangs gab es lediglich  Dillon, ein Piano und das raue Grundgerüst einiger Songs. Daraus  entstanden in kreativer Eigenregie kleine Filmschnipsel, die schließlich  in einem eigenen Youtube-Kanal landeten und sie gleichsam zum Zentrum  eines über Nacht wachsenden Publikums machten. “This Silence Kills”  heißt ihr Album und schafft  es, die Ambivalenz zwischen melancholischer  Empfindlichkeit und erbauenden, verspielten Elektronica-Stücken zu  überbrücken. Chanson versus Electro? Für Dillon lediglich zwei Seiten  einer Medaille. Dillon ist im letzten Jahr zum Liebling der Musikmedien  und des Feuilletons avanciert – und bald kein Geheimtipp mehr.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

Gabby Young & Other Animals (GB)

We’re all in this together

Aug ’12
10
19:30

Gabby Young; © Gemma HallIm vergangenen Sommer war sie unser Eröffnungsgast – heute gehört Gabby und ihrer Band die Bühne allein.
Gabby Young & Other Animals haben sich einer wunderbaren  Mischung aus HonkyTonk, Moulin-Rouge-Twist, Osteuropafolk, Power-Chanson, Swing-Jazz und Zirkusmusik verschrieben. Wenn man schon vergleichen will, also eine britische Version der norwegischen Katzenjammer-Compagnie. Sie sind zeitlos, irgendwie aus der Zeit gefallen und dabei verblüffend lebensfroh. Am ehesten trifft es wohl der Begriff “Circus Swing”, den Fans im United Kingdom eigens für ihre Landsleute prägten.  Zirzensisch geht es in der Tat zu.

Gabby Young, © D.R. musicas.deDie zierliche Frontfrau Gabby Young und ihre Begleiter an Klarinette, Trompete, Posaune, Kontrabass, Mandoline, Banjo etc. jonglieren artistisch mit Ragtime und Big-Band-Bombast, Mazurka und Operndramatik, Varieté und Vaudeville, Kirmeswalzer und Backen voller Balkan-Blasmusik. Was für ein buntes und zauberhaftes Treiben! Die Unvorhersehbarkeit hat Methode, und das Vereinen von scheinbar Unvereinbarem macht den jungen Musikern ganz offensichtlich einen großen Spaß. Mit diebischer Freude wechseln sie übergangslos zwischen Dixieland-Anklängen, morbiden Akustikfolk-Balladen Swingjazz in Schieflage und liebenswerten Pop-Ohrwürmern . Und wunderschön, weil so fremdartig. Schön fremd.

Gabby Young; © Leonora Saunders FeathersDie Liedertexte aus Gabby Youngs Feder sind nicht minder ungewöhnlich. Mit ihrer mehrere Oktaven umspannenden Stimme, die vom Jazz-Crooning bis zu opernhaften Spitzentönen alles kann, singt die Engländerin von all den Widerständigkeiten des Lebens. Mit zwölf wurde Gabby Young als jüngstes Mitglied aller Zeiten an der National Youth Opera aufgenommen. Gabby war bereits auf dem besten Weg zur Opernsängerin, als ihr die Begeisterung für Jeff Buckley und die Meister der Jazzvergangenheit dazwischenkamen. Ein Glück für uns! Und genau das richtige für die Kulturzelteröffnung 2011.

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH.

Johannes Oerding (D)

Boxer

Aug ’12
11
19:30

Johannes Oerding„Die Tage werden anders sein“ hieß die erste Single von Johannes Oerding, die seinem Debutalbum „Erste Wahl“ vorausging – und in der Tat sollte das die symbolische Überschrift der näheren Zukunft des sympathischen Sängers und Songwriters sein. Denn kurz darauf fand Oerding, bis dahin kleine Clubs gewohnt, sich im Programm von Ich & Ich, Simply Red und den Söhnen Mannheims mit seiner Band in den Arenen des Landes wieder. In einer derart neuen Umgebung in der viele Künstler panische Angst bekämen, läuft Oerding geradezu zu Höchstform auf und schafft es Show um Show, das Publikum, das eigentlich für die Band NACH Johannes Oerding gekommen war, im Sturm zu erobern.

Johannes OerdingNeues wagen,  an sich glauben und auch dann nicht aufgeben, wenn das Verständnis der Umgebung fehlt. Der Song “Tausend Menschen” gibt die Richtung vor auf Johannes Oerdings zweitem Album “Boxer”. In Amerika würde man das “Think positive” nennen, Johannes Oerding sagt: “Ich hab Angst zu wenig Mensch zu sein.” „Boxer“ stieg dann auch prompt in die Top Ten der deutschen Charts ein. Bisheriger Höhepunkt seiner Karriere war eine restlos ausverkaufte Tournee mit zwei aufeinanderfolgenden Abschlusskonzerten in der Großen Freiheit, dem wohl renommiertesten Live Club in Hamburg, der Wahlheimat Oerdings.

Johannes OerdingSeine Geschichten und Songs klingen immer nur nach ihm und seinem ganz eigenen Erzählstil – damit berührt der charmante Blondschopf nicht nur die Damenwelt, sondern gleich auch noch die mitgebrachten männlichen Begleiter, die, anfangs vielleicht noch ein wenig scheu, spätestens in der Hälfte des Sets lauthals mitsingen.
Johannes’ akustische Gitarre und vor allem seine außergewöhnliche Stimme zieht einen roten Faden durch das live-Geschehen, das Singer/Songwriter, Rock, orchestrale Begleitung oder auch mal einen Loop verbindet – alles was bleibt, ist dass es sich verändert. Uns bleibt Johannes Oerding, der unbeirrt seinen Weg geht, der heute klingt wie …eigentlich müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Johannes Oerding klingt wie Johannes Oerding. Das gelingt nicht jedem. Johannes Oerding schon.

BOY (CH/D) support: NIAS

Aug ’12
12
19:30

Boy; © Benedikt SchnermannDem Eröffnungsfest der diesjährigen Berlinale haben Boy den Drive verliehen.
«Drive darling, drive…» BOY - das sind Valeska Steiner und Sonja Glass. Erstere kommt aus Zürich, zweitere aus Hamburg; die Texte sind englisch, die Songs von Weltformat. Es sind elektrisierende Popstücke. Reich an Facetten, filigran arrangiert.Nina Kinert kommt einem in den Sinn, skandinavisches Songwritertum. Aber auch Indie-Pop. Wie in «Drive». Der Song sagt: volle Fahrt voraus. Valeska Steiner singt «Drive darling, drive». BOY geben Gas. Plötzlich sind da Beats, die gemahnen gar an Phoenix, die französischen Synthie-Rocker. Ganz von ungefähr kommt das nicht: Bei vier Stücken ist der Drummer von Phoenix höchstpersönlich am Werk.

Boy; © Inga SeeversHerbert Grönemeyer sagte über die Mini-Girlgroup: “Boy ist lebensbejahende, augenzwinkernde, vortreffliche, klare Musik. Direkt aus tiefen Herzen, melodiös, becircend. Wohltuend!”. Der Sound des Duos klingt wie eine Mischung aus der rockenden Eleganz von Phoenix, der quirligen Musikalität von Feist und der emotionalen Tiefe eines Bon Iver. Die beiden Frauen haben sich an einem Popkurs in Hamburg kennengelernt und gaben ihr Debut mit dem Album «Mutual Friends», das auf Grönemeyers Label Grönland erschien.. Übrigens war Valeska Steiner als Solo-Singer/Songwriterin eine der ersten MX3 Entdeckungen, die auf DRS Virus zu hören waren. BOY – das ist ein junges Duo, das sich seinen eigenen musikalischen Weg bahnt. Eine Art Songwriter-Pop, der berührend und verspielt klingt, und sich seine Geschichten aus dem eigenen Leben angelt. Die Single “Little Numbers” ist ein Nachzügler auf dem Album. Aber genau deshalb – weil alles erledigt war, und die Arbeit spielerisch wurde – besitzt “Little Numbers” diesen ausgelassenen Drive, etwas ungestüm Wildes und eine frisch verliebte Heiterkeit. BOY beweist, dass man auch heutzutage  ohne digitale Bässe viel Stimmung machen kann!  Der Song wurde zum Soundtrack des Kinofilmes „Sex ist auch keine Lösung“.

Die klare Stimme von Sängerin Valeska Steiner steht immer im Zentrum des Geschehens. Und das ist auch gut so, denn die Schweizerin überzeugt mit angenehm lasziven Vocals.  Die Hit-Dichte ist beachtlich. Ob “Little Numbers”, “Drive Darling” oder das flotte “Oh Boy”; alles Songs mit Ohrwurmqualitäten. Die Gitarren werden gezupft, manchmal kräftig angeschlagen. Feinfühlige Keyboard-Themen und unverschnörkelte Rhythmen bilden das musikalische Fragment für eine wunderbar entspannte Musik. «This is the beginning», heisst es im Opener. Es ist erst der Anfang. Von BOY wird noch viel zu hören sein.
Freuen darf man sich auch auf den support: NIAS sind in Berlin ein heiss gehandelter Geheimtipp:Rauhe Stimmen, synthetische Bässe sowie ein alles bewegender Beat treffen bei NIAS auf harmonischen Reichtum und kühle Eleganz.
Das ergibt große Popmusik, die in die Beine und nicht mehr aus dem Ohr geht und man die Band ganz unverlegen in eine Reihe mit Größen wie Metronomy, Chromeo, Nôze und Bloc Party stellen kann.

Hubert von Goisern (A)

Brenna Tuats Tour 2012

Aug ’12
15
19:30
Aug ’12
16
19:30

Hubert von Goisern; © Jürgen SkarwanEr ist wieder da: Nachdem das Konzert im vergangenen Jahr ratzfatz ausverkauft war – 2012 gleich an zwei Abenden. Und wieder wird die Bühne zum
musikalischen Labor.  Dabei klingt Hubert von Goisern so konzentriert wie selten zuvor: Nach seiner opulent in Szene gesetzten Donautournee begleiten den leidenschaftlichen Multiinstrumentalisten und Sänger diesmal nur ein Schlagzeug, ein Bass und eine Gitarre.
Nachdem er mit einem Konzertschiff die Donau bis zu ihrem Delta in der Ukraine bereist hat, bricht der virtuose Brückenbauer nun mit leichtem Gepäck zu neuen Ufern auf. Mit einem schwimmenden, klingenden, singenden Dorf, wie er es nannte, fuhr er im die Donau rauf und runter, stromaufwärts und stromabwärts quer durch das neue Europa, von den Zentren bis an die Ränder, von Linz aus nach Rotterdam und bis zum Schwarzen Meer.

Hubert von Goisern; © Jürgen SkarwanEr folgte einer Vision: der Einheit in der Vielfalt. Musik ist die gemeinsame Sprache und die Botschaft. Und Hubert von Goisern ist ein Künstler, der sie in die Welt hinausträgt, der über alle Grenzen hinweg Verständigung und Austausch sucht. Die abenteuerliche Flussfahrt ist nun vorbei, die Konzertbarke ihrer ursprünglichen Bestimmung als Schottertransporter im Flussverkehr zurückgeführt – aber die Energie, die Spielfreude und die Freude an der Begegnung mit anderen Musikern und Menschen wird weitergetragen in das Jahr 2012. Reduziert bis auf den Kern seiner vieldeutigen Musik wendet sich Hubert von Goisern 2012 dem Wesentlichem zu: dem puren Konzentrat der Songs,mit denen der erdige Fantast aus dem Salzkammergut seit einem knappen Vierteljahrhundert die Welt beglückt. Soul, Jazz, Samba, afrikanische Melodien halten keinen auf dem Stuhl und daher, und auf ausdrücklichen Wunsch von Hubert, werden diese dann auch weggeräumt!

Hubert von Goisern, voc., Zieharmonika, guitar., Maultrommel, klar.,lap steel; Alexander Pohn  drums., voc.; Helmut Schartlmüller, bass, voc.;Severin Trogbacher git., voc.

Manolito Simonet y su Trabuco (Cuba)

Salsa Cubano

Aug ’12
17
19:30

Manolito y su Trabuco; ENDIRECTOHeute kommt die Nummer eins der Salsa Musik in Kuba nach Kassel,
Kubas Starpianist Manolito und seine Band Trabuco, die man getrost Orchester nennen darf. Was für ein lebensfrohes Bild: die Musiker spielen, tanzen, singen und werfen sich Töne und Melodien zu. Und machen bei aller Professionalität den Eindruck, großen Spaß zu haben. Geige, Cello, Flöte, Trompete, Posaune, Synthesizer, Piano, Congas, Bass - alles live und im verrückten Salsatakt neben-, über-, unter- und nacheinander.

Wie es im musikalischen Kuba so ist, spielte Manolito schon als kleines Kind Piano, sein Talent sprach sich herum  und mit knapp zwanzig Jahren war Manolito bereits der Pianist der Band ‚Maravilla de Florida’, damals das führende Tanzorchester Kubas.
Vor 15 Jahren gründete Manolito Simonet in Havanna dann seine eigene Gruppe Trabuco und gehört seitdem zu den absoluten Topformationen Kubas. Unzählige Salsahits, mehrere Auszeichnungen (u.a. zweimal als Kubas Musiker des Jahres) und viele Auslandstourneen haben aus ‚Manolito y su Trabuco’ eine feste Grüße der internationalen Salsaszene gemacht. Einige Kompositionen von Manolito gehören zu den bekanntesten Salsasongs überhaupt. ‚Marcando la distancia’ fehlt in keiner Latino Disco und ‚El aguila’ wurde 1999 von der amerikanischen Musikakademie ASCAP zum Salsasong des Jahres gewählt. Die Aufnahme von Victor Manuelle verkaufte sich über 1,5 Millionen Mal. Seine CDs “Locos por mi Habana” und „Hablando en serio“ erhielten 2005 und 2007 jeweils den Cubadisco Award, Kubas wichtigster Musikpreis. Aus dem Album “Hablando en serio” wurde der Titel “Sacude la mata” sogar von Salsa Legende Andy Montanez gecovert.

Beeindruckend an Manolitos Arbeit ist, dass er keinen aktuellen Trend wie z.B. die Timba oder Salsaton (Salsa + Reggaeton) verpasst, - er ist ein Trendsetter - und dennoch nie den Bezug zur traditionellen kubanischen Musik, dem Son, verliert. Seine Liebe zum Son stellt Manolito auch als Produzent in einer Vielzahl von CD-Aufnahmen unter Beweis.

Bernhoft (NW)

Solidarity Breaks Tour

Aug ’12
18
19:30

BernhoftAls Kopf der Band Span feierte er schon Erfolge weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus, bis zu dem Zeitpunkt als ihn sein Faible für Soundtüfteleien einholte. Zum Glück kann man nur sagen, denn wer das Album „“Solidarity Breaks“ in die Finger bekommt, wird feststellen wie viel Spaß wirklich handgemachte Musik machen kann. Der Norweger tauscht die Soundgarden- und Aerosmith-Sounds, die seine alte Band beherrschten, gegen Sly & The Family und The Meters: in seinem Haus in Oslo mischt er ein wenig Funk mit viel Soul. Ganz allein. Bernhoft ist genau das, was man unter einem Ausnahmekünstler versteht: brilliante Stimme, staubtrockener Humor gepaart mit ausgelassener Spielfreude, Songs auf dem besten Weg zu Klassikern und ein vielfältiger Sound präsentiert in ausgefeiltem, technisch versierten Auftreten: „One-Man-Full-Band“ nennt Bernhoft selbst dieses Setup ernst-humorvoll.  Auf der Bühne arrangiert Bernhoft seine komplexen Arrangements mit Hilfe von Samples und Loops, die er nach und nach live einspielt und kreiert so einen vielschichtigen Sound.

Bernhoft„Er ist absolut faszinierend, eine sensationelle One-Man-Show! Den Mann muss man live sehen.“ – mit diesen Worten kündigte Harald Schmidt den norwegischen Soul-Singer Jarle Bernhoft in seiner Sendung an. Denn Bernhoft ist viel, viel mehr als „nur“ ein Sänger: er ist Vollblutmusiker und Vollblut-Entertainer, Multi-Instrumentalist, Sampling- und Loop-Wizard, gesegnet mit beneidenswerter Stimme, kurz: die multiple Musikalität in Person! Was da an Soul, Funk, Blues und Groove in diesem eher schlaksigen Mittdreißiger aus Norwegen steckt, überrascht und erfreut. Und weil dies alles nicht einfach zu beschreiben ist, empfehlen wir auf youtube: „cmon talk“

Mit freundlicher Unterstützung der Wintershall Holding GmbH

17 Hippies (D)

Live Sommer 2012

Aug ’12
19
19:30

17 Hippies; © Hanna LipmannAdieu Kulturzelt Sommer – willkommen 17 Hippies!
Dieses Jahr sind die Hippies auf einer wirklich riesigen Welttournee, aber Glück gehabt: Kassel gehört dazu. Wenn die 17 Hippies aus dem Rest der Welt zurückkehren, haben sie meist mehr im Gepäck als beim Auftakt der Reise. Allerdings sind es kaum kitschige Staubfänger, die Koffer und Taschen füllen. Vielmehr bevölkern neue Klänge und Melodien die zwölf kreativen Köpfe. Nach Wochen der Live-Performances auf den Bühnen von Spanien, Frankreich, Israel oder China warten unzählige Rhythmen, Melodien und Instrumente darauf, in neuen Stücken verarbeitet zu werden. Ihre Musik steckt in den Klängen türkischer Straßenmusiker oder lässt sich auch mal von einem javanesischen Schattenspieler im eigenen Viertel inspirieren.

17 HippiesGenre-Bezeichnungen wie Weltmusik reichen nicht aus, um zu beschreiben, wie die vielköpfige Band ihre musikalischen Stärken in den letzten sechzehn Jahren zur Höchstform gebracht hat. Apropos Musikeranzahl: zählen ist zwecklos! 17 klingt einfach gut und bedeutet nicht unbedingt das, was einem als erstes in den Sinn kommt … oder was man auf der Bühne sieht. Mit Phantom Songs haben die 17 Hippies seit ihrem Bestehen zehn Alben veröffentlicht. Sie spielten als erste deutsche Band auf dem legendären WOMAD-Festival in Australien und Neuseeland. Das Repertoire der 17 Hippies umfasst mehr als die Summe aller identifizierbaren Komponenten.

17 HippiesAlles begann mit der Idee, Musik auf so einen kleinen gemeinsamen Nenner zu bringen, dass möglichst viele Musiker mitspielen können. Anfänglich wurden eingängige Melodien und Grooves traditioneller Musik naher Nachbarländer für den eigenen Gebrauch arrangiert. Balkanrhythmen haben dem anglo-amerikanischen Rock/Pop/Jazz-Background der Mitglieder neue Impulse gegeben. Ganz auf die einzelnen Musiker und ihr akustisches Instrumentarium abgestimmt, hat sich die Musik der 17 Hippies im Gesamtbild zu einem unverwechselbaren Sound verdichtet.
Ihr Programm Phantom Songs zeigt weise, wohin der musikalische Weg die 17 Hippies führt. Ohne ihre Ursprünge aus dem Blick zu verlieren gehen sie zielstrebig nach vorn – offen, wandelbar und mit schwindelerregender Leichtigkeit am Puls der Zeit. Es ist der Geist der Zeit, des Jetzt, der durch die deutsch, französisch und englisch gesungenen Texte weht – inklusive des längst zum Klassiker gewordenen Stücks in hessischem Dialekt, das diesmal geradezu arabisch anmutet.